Erich Mühsam

10. Juli 2014


Erich Mühsam

Erich Kurt Mühsam
Schriftsteller, geboren am 6. 4. 1878 in Berlin, ermordet am 10. 7. 1934 im Konzentrationslager Oranienburg. Konfession: jüdisch, 1926 aus dem Judentum ausgetreten. Heute vor 80 Jahren wurde Erich Mühsam nach über 16 monatiger „Schutzhaft“ von der ‚SS‘ ermordet.

Erich Mühsam war sein Leben lang ein kompromissloser Anarchist den die Staatsanwälte des Wilhelminischen Kaiserreiches genauso hassten, wie die der ersten deutschen, der Weimarer, Republik. Aber auch kommunistische Parteifunktionäre, Burschenschafter und Antisemiten, dazu Sozialdemokraten und Gewerkschafter waren nicht seine Freunde.

„Ernste Lyrik“ hat Mühsam einen Teil seines lyrischen Werkes genannt, es ist mit seinen Prosaarbeiten, den Theaterstücken politische Dichtung. Bewusst wählt er volkstümliche Formen, ist ein Reimschüttler, dabei gelingen ihm so unvergessliche Gedichte wie etwa das Max-Hölz-Lied oder der „Der Revoluzzer“:

Der Revoluzzer
(Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet)

War einmal ein Revoluzzer,
im Zivilstand Lampenputzer;
ging im Revoluzzerschritt
mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: „Ich revolüzze!“
Und die Revoluzzermütze
schob er auf das linke Ohr,
kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
mitten in der Straßen Mitten,
wo er sonsten unverdrutzt
alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
rupfte man die Gaslaternen
aus dem Straßenpflaster aus,
zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer
schrie: „Ich bin der Lampenputzer
dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn‘ das Licht ausdrehen,
kann kein Bürger nichts mehr sehen.
Laßt die Lampen stehn, ich bitt! ¬
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!“

Doch die Revoluzzer lachten,
und die Gaslaternen krachten,
und der Lampenputzer schlich
fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
und hat dort ein Buch geschrieben:
nämlich, wie man revoluzzt
und dabei doch Lampen putzt.

Mehr Informationen über Erich Mühsam, den deutschen Anarchisten? Ich bin auf diesen Beitrag von Dieter Braeg über Erich Mühsam, dessen Kompromisslosigkeit schon fasziniert, gestoßen. Aus Braegs Beitrag stammen auch meine Zeilen. Mehr über den unbequemen Mann („Sich fügen, heißt lügen“) auch hier und auf der Internetseite der Erich-Mühsam-Gesellschaft.

 

reichte

10. Juli 2014

Es hat ja gestern geregnet. Wem es nicht reichte, bitte:

 

[gefunden hier]

 

Da issa wieder

10. Juli 2014

SchünemannDa issa wieder, weiß die taz und meldet, was wir schon befürchteten:

Die CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag kann sich auf Unterstützung von unerwünschter Seite gefasst machen: Der sogar bei manchen Christdemokraten als Hardliner in Misskredit geratene Ex-Innenminister Uwe Schünemann kann auf seine Rückkehr in das Landesparlament hoffen.
Grund für Schünemanns mögliches Comeback ist der Tod des Landtagsabgeordneten Norbert Böhlke: Der 59-jährige Abgeordnete sei „nach kurzer schwerer Krebserkrankung“ völlig überraschend gestorben, teilte die CDU-Fraktion mit.
Doch steht Schünemann, der als Innenminister eine präventive Telefonüberwachung ebenso befürwortet hat wie die Vorratsdatenspeicherung, nur auf Platz zwei der Liste der Nachrücker: Den ersten Zugriff hätte theoretisch der ehemalige Kultusminister Bernd Althusmann – aber der lebt nicht mehr in der Bundesrepublik. Althusmann arbeitet in Windhuk, wo er das Büro der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung für Namibia und Angola leitet. Deshalb hat er keinen Wohnsitz mehr in Niedersachsen – und ohne den kann der Ex-Minister nicht in den Landtag einziehen. „Sehr wahrscheinlich heißt der Nachrücker Schünemann“, so Althusmann zur taz.
Hardliner Schünemann, in dessen Amtszeit mindestens sieben Journalisten unter abstrusen Begründungen vom niedersächsischen Verfassungsschutz beobachtet wurden und der einen verpflichtenden „Heimatschutzdienst“ für Männer gefordert hat, dürfte das gelegen kommen: Seit der verlorenen Landtagswahl sucht er zunehmend verzweifelt… [weiter bei der taz]

 

(Foto: Schünemann (2009)  CC-BY-SA-3.0-de Martina Nolte )