Tierfäkalien

3. Juli 2014

Bildschirmfoto 2014-07-02 um 23.55.43 Gülle, kommentiert ein Leser der NDR-Internetseite, ist die harmlose Umschreibung für Tierfäkalien. Und über dieses Scheiß-Thema berichtet der NDR dies:

„In deutschen Ställen werden große Mengen Antibiotika eingesetzt. Allein im Jahr 2012 wurden rund 1.600 Tonnen an Veterinäre abgegeben. Ein Teil der Wirkstoffe gelangt über die Ausscheidungen der Tiere auf die Felder. Das Julius Kühn-Institut in Braunschweig hat jetzt nachgewiesen, dass mit Antibiotika belastete Gülle Bakterien im Boden negativ beeinflussen kann.

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass mehr Antibiotika-Resistenzen entstehen können, und das diese häufiger übertragen werden können. Dies könnte zur Entstehung multiresistenter Keime beitragen und…

[weiter beim NDR]

12 Antworten zu “Tierfäkalien”

  1. Buggy said

    Mit jeder Antibiotikagabe steigt die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Resistenzen. Das ist beim Menschen, bei Streicheltieren und Nutztieren so.
    Ich möchte hier jetzt nicht Entwarnung geben, aber die Sache etwas einordnen:
    Die Stämme der möglicherweise auf dem Acker entstandenen multiresistenten Keime werden wenig mit den bekannten MRSA-Keimen in den Krankenhäusern gemein haben.Sie entstehen in völlig verschiedenen Umweltbedingungen .

    Wir wissen zur Zeit noch sehr wenig. Gelangen diese im Boden vorhandenen Antibiotika wieder über die Wurzeln der Kulturpflanzen in den Nahrungskreislauf? Und wenn ja, wie groß sind die Mengen und wie wirken sie sich auf den Menschen aus?

    Hier ist die Unkenntnis sehr groß und deshalb lassen sich mit dieser Story wieder richtig viele Ängste schüren. Gerade in Deutschland.

    Zu Befürchten ist, dass bestimmte gesellschaftliche Gruppen mit diesem Thema suggerieren, dass die Landwirtschaft der Hort aller bösen Keime ist- aber das ist falsch! Aber was sind schon Fakten, wenn man mit den Ängsten der Bevölkerung spielt und damit seine ideologische Politik durchsetzen möchte.

    Es besteht aber auf jeden Fall weiterer Forschungsbedarf, und dann bin ich mir sicher, dass man die Gefahren relativieren muss!

    • Tiger, T. said

      Der große Agrar- Relativator hat mal wieder gesprochen,

      Danke,

      jetzt geht’s mir wieder etwas besser,

      bis zur nächsten völlig überzogenen Schocknachricht,

      aber dann wird er uns alle wieder beruhigen.

  2. Bernhard Schulte said

    Das Relativieren ist Buggy schon in mehreren Antworten zu dem Blog – Artikel „Giftdusche“ vom 23. 06. trefflich gelungen. Die Argumente und Bemerkungen zu Forschungen verschiedener Institute und Einrichtungen waren schon sehr beeindruckend.
    Mein damaliger Versuch, die Antibiotikaproblematik in die Diskussion einzubringen, wurde von Buggy mit der Frage nach Ironieabsicht abgebügelt. Meine jetzige Antwort: Nein, war nicht ironisch gemeint.
    Mit der Aussage vom 23. 06., die heutigen Lebensmittel seien die besten und gesundesten aller Zeiten, mag Buggy zumindest statistisch gesehen sogar recht haben. Schließlich ist die Lebenserwartung der Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gestiegen – und das liegt wohl nicht nur an medizinischen Fortschritten sondern auch an der Ernährung.
    Ganz schlimm wird die Sache jedoch, wenn man sie langfristig für die Zukunft betrachtet.
    Am Beispiel Giftduschen:
    Zur Ertragsmaximierung werden Unkrautvernichter und andere Chemikalien auf die Felder gespritzt.Das lässt Monokulturen zwar prächtig gedeihen, tötet aber Wildkräuter rigoros ab. Auf riesigen Maisfeldern finden dann kaum Insekten noch Lebensraum und Nahrung, geschweige denn Fasanen, Rebhühner, Hasen und viele andere Feldbewohner. Wenn dann die teilweise aus der Landwirtschft stammenden Jäger das Verschwinden dieser Tiere beklagt und Ursachenforschung einfordert, kann man doch nur noch den Kopf schütteln.
    Am Beispiel Tierfäkalien:
    Zunächst – da die Ackerflächen für die Tierbestände nicht ausreichen, muß hier dringend Abhilfe geschaffen werden. Natürlich vom Staat. Man könnte natürlich auch fordern, die Tierbestände an die vorhandenen Flächen anzupassen, aber das lässt die Wirtschaftlichkeit nicht zu. Also werden erst mal Gundwasser, Flüsse und Seeen belastet.
    Die Humanmedizin greift vielleicht wirklich manchmal zu schnell zum Antibiotikum. Wenn man aber erfährt, dass jährlich 1600 Tonnen davon in der Tiermedizin eingesetzt werden, darf man durchaus darüber nachdenken, ob zwischen der Enstehung multiresistenter Keime und diesem wahnsinnig hohen Antibiotikaeinsatz ein Zusammenhang besteht.
    Ganz sicher brauchen wir keine Buggys, die diese Zusammenhänge solange bestreitet bis ihnen das Gegenteil bewiesen wird.
    Und wenn eine profitable Massentierhaltung nur durch Masseneinsatz von Antibiotika möglich ist, stimmt da wohl etwas nicht.

  3. Bernhard Schulte said

    Heute steht in der Zeitung folgender Bericht:
    „EU droht mit Klage wegen zu hoher Nitratbelastung.“
    Vielleicht kann Buggy das auch ein wenig relativieren damit sich niemand beunruhigt.

  4. Buggy said

    Ich kann es versuchen:
    Ich kenne die aktuellsten Zahlen und Statistiken nicht, die die Wasserwirtschaft so beunruhigt. Meine mir vorliegenden Zahlen sind schon 2 bis 3 Jahre alt.
    Im Januar habe ich darüber einen Blogbeitrag geschrieben: http://blogagrar.de/2014/01/20/glaubenssaetze/

    Die der EU gemeldeten Zahlen sind von den Brunnen, wo bereits höhere Nitratwerte vermutet werden. Andere EU-Mitglieder haben da bestimmt eine ganz andere Systematik bei den Meldungen. Deutschland meldet quasi die erhöhten Werte. Warum? Keine Ahnung- aber die politische Wirkung ist in Teilen der politischen Szene nicht ganz unerwünscht.

    http://www.deutschlandradiokultur.de/trinkwasserbrunnen-zu-99-9-prozent-unterhalb-der-grenzwerte.993.de.html?dram:article_id=280778

  5. Georg said

    Was gibt es da zu relativieren? Das ist Fakt. Es gibt sogar Landwirte, die das mittlerweile genau so sehen. Nur handeln tun sie danach nicht.

  6. Georg said

    Ok, Buggy. Ihre Info,s sind nunmehr 2 Jahre alt. Die aktuellen Zahlen und Statistiken liegen, so in der LT nachzulesen, der EU vor. Diese Daten und Fakten müssen alarmierend sein, sodass die EU eine Klage wegen zu hoher Nitratbelastungen in Erwägung zieht. Aus Ihrer Sicht sind das alles Behauptungen, die von der EU nicht belegt werden können. Wieso können Sie dies behaupten, wenn Sie selbst die neusten Daten und Statistiken nicht kennen?

  7. Buggy said

    Ich zitiere hier Udo Pollmer:

    „Woher rührt dann das vernichtende Urteil der EU? Aus faulen Tricks! Die Bundesländer unterhalten tausende von Grundwassermessstellen. Von denen wählen sie circa 800 mit erhöhten Werten aus und melden sie dem Bund. Dieser wählt davon wieder 186 Messstellen in belasteten Gebieten aus und reicht die Daten an die EU durch. Die EU moniert dann, dass das Messnetz in Deutschland so weitmaschig wäre wie in der Tundra Finnlands, und errechnet anhand der 186 versifften Wässer den deutschen Durchschnitt. So kriegt jeder Politiker das Zeugnis von der EU, das er bestellt hat. Übrigens: Mehr als 99,9 % der Trinkwasserbrunnen in Deutschland liegen unterhalb des Grenzwertes.“

    Ist dann wohl so, als wenn man die Kriminaltitätsrate von Berlin auf das gesamte Bundesgebiet hochrechnet…

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