Luxusautos

2. Juli 2014

Nach einem anstrengenden Tag bleibt mir bisweilen die Spucke weg, wenn ich Fefes Blog lese. Heute zum Beispiel:

Jul 2 2014

[l] Von Mark Twain gibt es ein schönes Zitat:

There is no distinctly American criminal class – except Congress.

Auch in Europa drängt sich der Eindruck auf, dass die Häufung krimineller Energie in der Politik höher ist als sonstwo. Da muss man schon zu den Bankstern gehen, um ein ähnliches Niveau anderswo zu finden.Aber es gibt da offenbar noch Abstufungen. So wurde jetzt, nach Edathy, dem zweiten „Innenexperten“ die Immunität entzogen. Diesmal, wenn man „Bild“ glauben will, nicht wegen Kinderpornographie sondern wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Mir fehlt da ja die Fantasie, muss ich sagen. Ich kann mir nicht vorstellen, wieviel Koks sie finden müssen, damit das so aus dem Rahmen das Üblichen heraussticht, dass sie die Immunität aufheben.

Ein Kontext-Verweis sei mir aber noch erlaubt, gerade mit Blick zu Edathy: Die Dienste sind natürlich an den Pädophilen-Ringen beteiligt. Ganz normaler Teil ihrer Arbeit, Kompromat über jeden Entscheidungsträger im Giftschrank zu haben.

UpdateLaut „Express“ war es Crystal Meth, nicht Koks.

Update: Wer nicht bis zum Ende gelesen hat, für den zitiere ich mal den letzten Satz:

Michael Hartmann sitzt seit 2002 im Bundestag, er ist auch Mitglied im Parlamentarischen Kontrollgremium.

Nur falls jemand Fragen hatte, wieso das parlamentarische Kontrollgremium so eine Lachnummer ist (das sind die, die die Geheimdienste „kontrollieren“ sollen). Da kommen wahrscheinlich nur Leute mit umfangreicher Kompromatakte rein.Update: Aus aktuellem Anlass möchte ich mal zitieren, was der gestern zu Protokoll gegeben hat.

„Die Beschlagnahme eines Luxusautos ist ein geeignetes Mittel und kann durchaus das Aussageverhalten beeinflussen“, sagte SPD-Innenexperte Michael Hartmann der „Welt“. „Es gilt jetzt, dies rechtsstaatlich sicher einzupacken.“

Da können wir ja gleich mal einen Präzedenzfall schaffen und dem Hartmann sein Auto wegnehmen.Reicht euch nicht? Wartet, wird noch besser!

Effektiv wäre es, wenn auch Deutschland endlich die Beweislast umkehren würde, wie in Italien. Dort gilt: Bei konkretem Mafia-Verdacht kann das Vermögen beschlagnahmt werden – es liegt dann am Verdächtigen, nachzuweisen, dass es legal erworben wurde. Die Umkehr sei zwar „rechtsstaatlich probat, aber schwierig umzusetzen“, sagte Hartmann.

Das exerzieren wir jetzt mal an dem Hartmann durch, und wenn das funktioniert, dann beweislastumkehren wir mal die ganzen anderen „Innenexperten“ von CDU, CSU und SPD Weg. FDP spielt ja glücklicherweise keine Rolle mehr. Und die Grünen hören dann hoffentlich den Schuss und bessern sich. Wenn nicht, beschlagnahmen wir halt ihre Luxusfahrräder.UpdateAngeblich war dieser Hartmann „der engste Vertraute“ von Edathy.


Ich lass das mal so stehen. Verstrickt in die Unschuldsvermutung aber vor allem sprachlos.

 

Eisenbahnerstadt

2. Juli 2014

Lingen als Eisenbahnerstadt
Eine Stadtführung mit Dr. Andreas Eiynck
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 18b
Heute 18.00 Uhr, Kosten: 2 Euro
Lingen.ICE„Mit der Eröffnung eines Bahnhofs an der neuen Eisenbahnstrecke Hannover-Rheine-Emden begann 1856 für Lingen eine neue Epoche der Stadtgeschichte. Viele heute längst historischen Bahngebäude, Eisenbahneinrichtungen, Straßen und Plätze, die an die große Zeit der Dampfrösser in Lingen erinnern, werden im Rahmen einer Themenführung am Mittwoch, 02. Juli präsentiert. Start ist um 18.00 Uhr am Emslandmuseum.
Bei einem Spaziergang entlang des Güterschuppens und des Stationsgebäude, an der Halle IV und an der großen Lokhalle erläutert Museumsleiter Dr. Andreas Eiynck Historisches und Unterhaltsames aus 150 Jahren Eisenbahngeschichte im Emsland. Anmeldungen sind über die Lingen Wirtschaft + Tourismus GmbH möglich. Die Teilnahmegebühr beträgt 2 Euro pro Person.
Der Bahnhof Lingen hatte gleich bei seiner Eröffnung eine zentrale Funktion, denn nicht nur die Fahrgäste aus Lingen, sondern auch reisende aus dem gesamten Kreisgebiet, dem angrenzenden Osnabrücker Land und der Grafschaft Bentheim nutzten diese verkehrstechnisch günstig gelegene Bahnstation. Es wurden damals sogar eigens neue Postkutschenlinien in den ländlichen Raum eingerichtet, um die kleinen Orte an den Bahnhof anzuschließen. Auch die Post erkannte sofort die Vorteile der Eisenbahn bei der Beförderung von Briefen und Paketen – und so zog das Lingener Postamt kurzerhand in den Seitenflügel des Bahnhofs ein.
Eine wichtige Funktion für den Transport von Waren und Paketen hatte damals auch der Güterbahnhof – heute genutzt als Tanzgalerie. Darüber hinaus bekam die Viehverladung in Lingen eine große Bedeutung und ohne den frühen Eisenbahnanschluss hätte sich der bekannte Viehmarkt in Lingen wohl niemals so entwickelt.
am BahnhofLingenLingen hatte aber seit 1856 nicht nur einen Bahnhof, sondern wurde auch Sitz der „Königlich Hannoverischen Eisenbahn Reparaturwerkstatt“, aus der sich später das Eisenbahnausbesserungswerk Lingen (EAW) entwickelte. Aus einem zunächst bescheidenen Werkstattbetrieb an der Kaiserstraße wurde bis zum Ersten Weltkrieg der größte industrielle Arbeitsgeber der Region. Fast zweitausend Arbeiter reparierten hier in verschiedenen Werkstätten die Dampfloks und Güterwaggons. Die Werkshallen, Schornsteine und Wassertürme entlang der Kaiserstraße markierten die Silhouette der damaligen Industriestadt Lingen. Jenseits der Gleisanlagen am Kanal entstand an der Stelle der heutigen Ems-landhallen ein eigenes Wagenwerk und mitten im Ersten Weltkrieg errichtete die Bahn auf dem damals schon dicht bebauten Gelände an der Kaiserstraße die große Lok-Richthalle, die heute als imposanter„Campus Lingen“ in der Hochschulszene weithin bekannt ist.
Viele Lingener kennen das seit den 1960er Jahren schrittweise geschlossene Werk nur noch als filmreife Industriebrache, als Teilelager von VW oder als Cartbahn. Doch längst ist in die alten Hallen neues Leben eingezogen, denn neben der Hochschule haben hier auch das IT Emsland und die Halle IV als Zentrum für Wirtschaft, Medien und Kultur einen attraktiven Standort unter historischer Hülle gefunden. Das frühere Eisenbahnwerk Lingen ist außerdem auch das größte Baudenkmal im Emsland.

Weitere Stadtführungen zu diesem Thema werden auch am Donnerstag, 04. September und am Donnerstag, 09. Oktober jeweils um 16 Uhr angeboten.“ (Quelle)
[Fotos. Oben: Einfahrender ICE im Bahnhof Lingen; Unten: Am Bahnhof; © milanpaul via flickr)