paradox – oder?

27. April 2014

ZauneidechseParadox! NOZ-Redakteur Tobias Bröckermann (Meppen) schreibt gestern:

Sand ist wertvoll – zumindest als Lebensraum für seltene Pflanzen- und Tierarten. Das soll das Hotspotprojekt „Lebensadern auf Sand“ beweisen, das am Freitag im Kloster Gravenhorst bei Hörstel offiziell gestartet wurde.“

Doch zeitgleich berichtet NOZ-Redakteur Burkhard Müller (Lingen) und kommentiert:

„Eine trockene Steppenlandschaft, genannt Sandtrockenrasen auf der einen und eine blühende Flora und Fauna auf der anderen Seite. Warum man der Natur diese zuletzt genannte Fläche mit Gewalt entreißen will, erschließt sich kaum.“

Was Burkhard Müller, der seinen persönlichen Beitrag „paradox -oder?“ titelt und ausgerechnet noch mit einem Bröckermann-Foto illustriert, offenbar nicht weiß: Das Projekt in Darme ist der erste Teil des von seinem Meppener Kollegen Bröckermann so beschriebenen Projekts „Wege zur Vielfalt – Lebensadern auf Sand“:

Rund 3,5 Millionen Euro fließen in das zu 75 Prozent vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn (BfN), zu 15 Prozent von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie zu zehn Prozent von lokalen Projektpartnern finanzierte Projekt. Allein 800.000 Euro sollen im Emsland für den Erhalt seltener Pflanzen wie Heidenelke und Berg-Sandglöckchen oder für die Wiederherstellung offener Sandwege als Lebensraum für Schmetterlinge und Heidelerche ausgegeben werden.

Das Projekt „Lebensadern auf Sand“ ist schon vor einigen Monaten in die Umsetzungsphase gegangen – als erstes Hotspotprojekt, das das BfN deutschlandweit fördert. Um auf die Schutzbedürftigkeit gerade der Sandlebensräume in einer intensiven Ackerbauregion hinzuweisen, hat nun am Freitag eine offizielle Eröffnung stattgefunden.

Das auf sechs Jahre angelegte Vorhaben wurde vorgestern in Anwesenheit des nordrhein-westfälischen Umweltministers Johannes Remmel und der Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, bei einer Auftaktveranstaltung im Kloster Gravenhorst bei Hörstel, Kreis Steinfurt, vorgestellt. Auch Lingens OB Dieter Krone durfte sich am Freitag bei der Auftaktveranstaltung freuen, über die dann Tobias Bröckermann berichtete.

Doch jetzt kommt die Lingener CDU und  ihr Fraktionsvorsitzender ruft „Mit uns nicht!„. Dabei wollte Lingen ganz vorn beim Lebensadern-Projekt dabei sein und stellte erfolgreich Zuschussanträge. 300.000,00 Euro fließen in unsere Stadt und jetzt sollte es losgehen. Die von der CDU abgelehnte Maßnahme auf der 1 Hektar großen Fläche in Darme ist der erste lokale Teil des bundesweiten, wissenschaftlich begleiteten Projekts „Lebensadern auf Sand“. 

Jetzt aber zieht die Lingener CDU die Reißleine und lässt Lingen aus diesem Bundesprojekt aussteigen, obwohl sie selbst in den lokalen Gremien die Zuschussanträge dafür mitbeschlossen und abgenickt hat. Doch was stören uns unsere Zustimmungen von  gestern, ruft die Rats- und Ortsrats-CDU. Mit großem lokalen Bohei ist sie gegen das erste Lingener Lebensadern-Projekt und folgt dabei der Fährte örtlicher Jäger, die die Maßnahme in ihrem „jagdlichen Kleinod“ (CDU-Ratsmitglied und Jäger Martin Koopmann) ablehnen:

Am alten Kohschultenhof sollte für Tier- und Pflanzenarten wie Zauneidechse, Sandbienen, Sandlaufkäfern, Sandsegge, Berg-Sandglöckchen, Rentierflechten etc. ein optimales Refugium geschaffen und ihre Populationen gestärkt werden. Nordöstlich des Abifestivalgeländes ist in den letzten 20 Jahren ein geschütztes  Sandtrockenrasen-Biotop zunehmend in die Enge geraten und zugewachsen. Das geplante Projekt stellt dieses Sandtrockenrasenbiotop nicht nur wieder her, es vergrößert den Bereich auch um einen Hektar, weil sich dort seit 1995 u.a. die aus Amerika stammende Späte Traubenkirsche breitgemacht hat. Sie bildet schnell eine dichte Strauchschicht und verdrängt Sandrasen. In den benachbarten Niederlanden wird sie längst als bospest(dt. „Waldpest“) bezeichnet. Für Jäger, denen sich die CDU-Kritiker verbunden fühlen, mag dies keine Priorität haben. Wer schießt schon eine Zauneidechse? Man schießt lieber Böcke.

Das zweifellos ökologisch wichtige Projekt betrifft einen dieser Sandtrockenrasenbereiche über den nicht nur konservative Lingener Kommunalpolitiker zumeist die Nase rümpfen: „Pffff, Magerrasen!“ und dann eher dumme Bemerkungen über die Biologin Karin Schreiner machen, die mit  Sachkunde die Fahne des Naturschutzes im Lingener Rathaus hochhält. Mit ihrer klugen Hilfe hat die Stadt Zugang zum millionenschweren Bundesprojekt erhalten. Aber jetzt lässt sich die CDU zum Ortstermin nicht von Fachfrau Schreiner sondern vom städtischen Juristen Büring und Baurat Schreinemacher begleiten. Da hatte man wohl Angst vor ökologischer Kompetenz.

Ziel von „Lebensadern auf Sand“ ist es übrigens nicht nur, dem Verlust an Artenvielfalt und der Lebensraumzerstörung entgegenzuwirken. Das Projekt soll auch „gesellschaftliches Bewusstsein für die Umwelt fördern“. Da fällt mir spontan ein, bei wem man ansetzen und auch noch über Klugheit sprechen könnte. Oder wie muss man es beurteilen, wenn zwei Tage vor dem Besuch von Prof. Dr. Tillmann Buttschardt (Universität Münster), wissenschaftlicher Leiter des Projekts „Lebensadern auf Sand“, die Ratsmehrheit faktisch erklärt, sie brauche seine Beratung nicht und er könne am Besten wieder nach Hause fahren?

Dank Euch, liebe CDU, sieht es so aus, als könne man sich auf das gegebene Wort unserer Stadt nicht verlassen. Es droht Lingen politischer Schaden und es ist -nicht nur wegen der bockigen „Kleinod“-Argumentation- eine  landes- und vielleicht gar bundesweite Peinlichkeit zu befürchten: Konzepte erarbeiten, Kooperationen schaffen, Anträge stellen, Förderbescheide erhalten aber dann „April-April“ rufen. Das alles womöglich nur, weil ein knarziger Ortsbürgermeister nicht rechtzeitig gefragt wurde. Freunde, Fremdschämen ist angesagt.

(Foto: männliche Zauneidechse (Lacerta agilis); bearbeitet von Lucas Löffler. via wikipedia CC)

OSTERN heute

27. April 2014

KreuzkircheTurm„OSTERN heute“
Uraufführung

Oratorium für Soli, Sprecher, Chor und Orchester nach Texten von Dieter Stork; Musik: Fritz Baltruweit, Wilhelm H. Koch u.a.

Gesamtleitung: Kantor Peter Müller
Lingen (Ems) – Kreuzkirche, Universitätsplatz

Heute 19:00 Uhr – 21:30 Uhr
Eintrittsprogramme zu 12 Euro (erm. 8 Euro) gibt es an der Abendkasse

Auf der Grundlage des Passions- und Osterberichts aus dem Markus-Evangelium schuf Dieter Stork ein eindrucksvolles Textgefüge aus Bibeltexten, aktuellen Bezügen, Leiden und Sterben Christi und Auferstehungsfreude. In diesem Oratorium ist Nachösterliches ineinander verwoben.

Neben der Lingener Kantorei mit ihren beiden Solosängerinnen Ina Hartholt und Rebecca Katins wirken Kerstin Hammer (Querflöte), René Esser (Saxofon), Maria Tilmann-Bürger (Oboe), Peter Löning (Gitarre), Stefanie Löning (Klavier), Michael Schrant (Schlagzeug), Eugenia Hamm (Orgel) sowie eine Streichergruppe aus Felix Hammer, Wanja Brinkmann, Ulrike Seiling, Viola Venschott und Maike Adden mit.

Die Sprecherpassagen werden vorgetragen von Gertraud Brokmeier, Pastor i. R. Heere Busemann, Pastor Dieter Grimmsmann und Helmut Hartmann.

(Foto: RTurm der Kreuzkirche Lingen © milanpaul via flickr)

Kindermitschänder

27. April 2014

Hal Faber“ gerade eben:

„So sterben die Zeitungen und mit ihnen der Qualitätsjournalismus: Es enttäuscht schon, wenn reißerisch behauptet wird, dass die über Leichen surfen, die gegen die anlasslose Speicherung unserer digitalen Lebensdaten kämpfen. Wenn dann keine einzige Leiche im Text auftaucht, sondern – Überraschung – wieder einmal von Kinderpornographie die Rede ist, welchselbige angeblich nur ein „Beispiel unter vielen“ sein soll. Das Vorratsdatenvakuum, das uneinsichtige Politiker und trotzköpfige Beamte unbedingt auffüllen wollen, hat etwas Monothematisches: Da ist dann die Rede von einem „niederschwelligen Grundrechtseingriff“ und davon, dass doch die Kinder geschützt werden müssen. Da sage einer Nein und schon ist er ein potenzieller Kindermitschänder. Dabei ist ein Nein für unsere Gesellschaft so wichtig, wie es ein Jurist in seinem Blog zu den 8 Mythen der Vorratsdatenspeicherung formuliert, wenn er auf die These antwortet, dass der Polizei wie etwa der NSA alle technisch möglichen Instrumentarien zur Überwachung der Kommunikation zur Verfügung gestellt werden müssten.

Nein. In einem Rechtsstaat gibt es keine Strafermittlung um jeden Preis. Darin besteht nämlich gerade der Unterschied zu Unrechtsstaaten wie der DDR, die jede Form der Überwachung und Kontrolle des Bürgers für legitim hielten. Der Rechtsstaat muss auf eine Totalüberwachung verzichten und damit eventuell einhergehende Defizite bei der Kriminalitätsbekämpfung in Kauf nehmen.“

So isses!

Abgeordneter

27. April 2014

McAllister„David McAllister und der richtige Zeitpunkt – das wird wohl keine Liebesgeschichte mehr. Auf den Stimmzetteln für die Europawahl am 25. Mai wird der Spitzenkandidat der CDU immer noch als „Abgeordneter“ des Niedersächsischen Landtags bezeichnet. Und das, obwohl McAllister seit 26. März gar kein Mandat mehr im Parlament hat.

Nicht der erste Fall von schlechtem Timing: Im Dezember 2013 verschickten die niedersächsischen Christdemokraten ihre Weihnachtskarten. Unten grüßte herzlich „Ministerpräsident David McAllister“ – der war damals allerdings schon etwa zehn Monate nicht mehr in Amt und Würden….“ [weiter beim NDR]

Foto MacAllister November 2009 von: Martina Nolte http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode