9219

9. April 2014

Leute, bitte! Da knallt jemand durch und bedroht unflätig den Landwirt Tyding und seine Familie aus Brögbern,  und die sozialen Netzwerke in unserem Städtchen explodieren. Gestern haben 9219 Leser meinen Bericht über den Wahn dieses Zeitgenossen besucht. Es sind 9 mal mehr Leser als sonst am Tag und die höchste Besucherzahl ever.  Da frage ich mich, was man davon halten soll.

Bei mir lag schon ein Fischkopf im Briefkasten und irgendwann flog die Haustür raus. Damit muss man leben, weil es immer Bekloppte gibt. Der Brögberner Pöbelheinzi wird ermittelt werden, wenn die Polizei ihre Arbeit macht. Dann muss er sich rechtfertigen und dürfte bestraft werden. Und gut is‘.

Ganz ehrlich: Der Brögberner Drohbrief ist spektakulär, aber auch Ausdruck eines ziemlich verschrobenen Zeitgenossen, dem man nicht auf den publizistischen Leim kriechen darf. Also sollte man die eigene Aufregung zurückfahren. Statt der Aufregung über eine strafbare Bedrohung möchte ich es jedenfalls lieber erleben, dass bei anderen Themen in diesem kleinen Blog ähnlich großes Interesse herrscht. Zum Beispiel zum Schicksal der Romafrau Suada D., über die ich in der letzten Woche geschrieben habe und die von unseren Verwaltungsbeamten nach fast drei Jahrzehnten schikaniert wird. Bei ihr freue ich mich gerade über die eingetretene Wende. Denn Suada D. darf bleiben: Die Berufung gegen das Urteil des Verwaktungsgerichts Oldenburg zugunsten von D. nimmt der Landkreis Wittmund nun zurück. [Presseerklärung!] Darüber lese ich bei der taz:

„Am Internationalen Tag der Roma und Sinti kam das Einlenken. Die 29-jährige Romni Suada D. aus dem Landkreis Wittmund und ihre drei minderjährigen Kinder sollen ein Bleiberecht erhalten, teilten Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) und der Landkreis am Dienstagabend kurz vor Redaktionsschluss mit. Den Rechtsstreit um eine Aufenthaltsgenehmigung für D., die seit 1991 als Geduldete in Deutschland lebt, werde man nicht weiter betreiben.

Dass D. ein Bleiberecht zusteht, hatte das Verwaltungsgericht Oldenburg schon im Mai 2013 geurteilt. Es hatte sich auf die Europäische Menschenrechtskonvention und die jahrelange Verwurzelung von D. im ostfriesischen Friedeburg berufen. Dort sei sie „in das soziale und gesellschaftliche Leben gut integriert“. Eine Abschiebung nach Serbien sei ein „unverhältnismäßiger Eingriff in das Privatleben“, so das Urteil weiter….“

[….weiter bei der taz]

Wie gesagt: Ich freue mich für Suada D. über diese Entwicklung und darüber, dass Innenminister Boris Pistorius (SPD) so schnell reagiert hat. Das ist die wichtige Geschichte heute.

Wahn

9. April 2014

Eigentlich dachte ich, die bisweilen schon in’s Hysterische reichende Debatte um die Krematoriumspläne in Lingen habe sich etwas beruhigt. Doch dann publizierten „Die BürgerNahen“ heute Nacht empört diese anonyme Zuschrift an einen Brögberner Landwirt:

Wahn

Marc Riße (BN) kommentierte: „“Eigentlich gehört so etwas ignoriert. Aber weil das so schlecht ist, gehört es doch wieder publiziert. Die BürgerNahen verurteilen diesen Text aufs Schärfste und erkennen nur ein wahres Wort, in Zeile zehn: Das Wort “Wahn”.

Wir sind uns sicher, dass sich 1048 Männer und Frauen in Brögbern von so etwas distanzieren!“

Die Ermittlungsbehörden werden den anonymen „u.“- und „!!!““-Schmierfink mit seiner Interpunktions- und Dativschwäche schnell finden, wenn man ihn sucht. Und das ist gut so.

Es geht übrigens auch sachlich: Seit gestern und noch bis zum 06.05.2014 sind die Unterlagen für die notwendigen planungsrechtlichen Schritte im Rathaus öffentlich ausgelegt. Sie können außerdem hier abgerufen werden. Die Darlegung der allgemeinen Ziele und Zwecke der Planungen für das Krematorium in Lingen erfolgt in Gesprächsterminen im Rathaus, bei denen „allgemein Gelegenheit zur Äußerung und Erörterung (Anhörung)“ besteht. Ganz wahnfrei.

Experiment

9. April 2014

Anteilnahme ist noch lange keine echte Hilfe – diese Botschaft vermittelt die britische Hilfsorganisation The Pilion Trust in einem in seiner Schlussfolgerung schonungslosen „Social Experiment“ mit dem provokativen Titel „Fuck The Poor“. Schauen Sie selbst.

{Quelle: www.horizont.net)