unsere Zeit

30. April 2014

Bildschirmfoto 2014-04-29 um 22.27.06Netzpolitik.org veröffentlichte gestern einen Vortrag des Hamburger Strafverteidigers Dr. h.c. Gerhard Strate (Foto), den er in der Karwoche vor dem renommierten Überseeclub der Hansestadt gehalten hat. Leser Aristoteles kommentiert den Vortrag so:

„Ganz exzellent, ein wirklicher Genuss zu lesen. Dieser “Gesellschaftstrend” … zur Entrationalisierung, also Ausschaltung des Verstandes zugunsten von “Gefühl”, leider mehr die negative als die positive Seite, …ist nicht nur in der Rechtsprechung erkennbar….“

Recht hat er.

Also nehmen Sie sich bitte etwas Ruhe und Zeit, lesen vielleicht vorher noch diesen Thread und diesen Kommentar des von mir durchaus geschätzten Michael Sänger und dann freuen Sie sich auf die Herren Uli Hoeneß und Michael Jauernik. Netzpolitik.org kommentiert:

Im Vortrag von Rechtsanwalt Dr. h.c. Gerhard Strate, den er am 15. April 2014 in Hamburg gehalten hat, geht es dem Titel nach um Strafverteidigung, eigentlich aber um den Zustand der Strafjustiz in der Bundesrepublik. Weil Strafrechtsfragen immer wieder eine prominente Rolle bei uns spielen und Strafverfahren nicht selten für viel Kopfschütteln sorgen, finden wir den Text auch für netzpolitik.org sehr spannend:
Er kann dabei helfen zu verstehen, warum Strafverfahren oft so dysfunktional erscheinen, und liefert wichtige Hintergrund-Infos für das Verständnis der Strafjustiz. Strate diskutiert heikle Fragen wie die – angebliche? – Überlastung der Justiz und sogenannte “Deals” im Strafverfahren, und als Sahnehäubchen bekommt außerdem die besonders zensurfreudige Hamburger Pressekammer ihr Fett weg.

Wir veröffentlichen den Vortrag hier als Crosspost der Online-Zeitschrift für Strafrecht HRRS.de. Den Vortragsstil haben wir beibehalten.

„Strafverteidigung in unserer Zeit

Zunächst danke ich für die Einladung zu diesem Vortrag und ich danke auch für die freundlichen Worte, mit denen Michael Behrendt mich begrüßt hat.

„Strafverteidigung in unserer Zeit“ – dieses Thema führt zwei Themen zusammen: Strafverteidigung und unsere Zeit. Ich möchte zunächst einmal ganz isoliert an „unserer Zeit“ hängenbleiben und sie um Nachsicht bitten, wenn ich nicht sofort auf die „Strafjustiz“ zumarschiere. Ich möchte Sie bitten, mit mir gemeinsam einen kurzen Moment innezuhalten. Es geht um einige wenige Assoziationen, die ich meinem Referat voranstellen möchte….

(mehr …)

[Foto: © Strate.net]

ps Ich melde mich mal eben vier Tage ab. In der Zwischenzeit gibt es gefühlvolle Hafenbilder aus Lingen (Ems). Ich danke milanpaul und pipp021 aus der Lingen-Gruppe bei flickr.

benutzerunfreundlich

29. April 2014

Es ist „wieder einmal geräuschlos passiert“, weiß die Süddeutsche Zeitung: Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat in seiner -ausgesprochen benutzerunfreundlichen- Datenbank veröffentlicht, wer 2013 Agrarsubventionen von der EU erhalten hat.

Ein großer Teil der Subventionen geht an Firmen und die öffentliche Hand. Im Emsland gibt es nur zwei aufgelistete Großempfänger: Die Stadt Haselünne bekommt 1.000.500,- Euro und die Gartenbaugenossenschaft Papenburg eG rund 2.300.000,- Euro für  „Entwicklungsmaßnahmen für den ländlichen Raum“: Diese sollen generell die Ziele

  • der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft durch Förderung der Umstrukturierung, der Entwicklung und der Innovation;
  • der Verbesserung der Umwelt und der Landschaft durch Förderung der Landbewirtschaftung;
  • der Steigerung der Lebensqualität im ländlichen Raum und Förderung der Diversifizierung der Wirtschaft.

Weiß jemand, wofür die nicht geringen Summen nach Haselünne und Papenburg fließen? Die kryptischen Verweise helfen nicht sehr viel weiter. Die mittlerweile geschaffene Datenbank ist allerdings -wie gesagt – benutzerunfreundlich. 

Veröffentlicht werden auch nicht mehr die Namen einzelner, subventionsempfangender Landwirte, sondern nur noch die von juristischen Personen, also Unternehmen und Institutionen. Detailliertere Angaben hat der Europäische Gerichtshof verboten. Ob also Ex-Justizminister und aktuell Parlamentspräsident Bernd Busemann noch oder wieder einige Tausend Euro der Union für sein Schaf-Hobby bekommt -wer weiß es? 

 

28 Jahre

28. April 2014

Tscherbobyl

There have only ever been five majorly publicized nuclear incidents: the meltdown of the Chernobyl, Fukushima, and Three Mile Island nuclear reactors; the atomic bombing of Nagasaki and Hiroshima; and the accidental release of gamma radiation in the laboratory of Dr. David Banner. Some of these incidents were accidents, others intentional, but the result is the same in almost every case; the media, film, and literature industries informed the world of some level or type of danger or consequence that simply did not exist. The intention of this post is not to deride the difficulty, terror, or loss experienced by those involved in real nuclear incidents, but to promote awareness of the sometimes unrealistic and inaccurate information that is extended upon the general public due to a lack of education in radiation and nuclear energy. … 28 Jahre nach Tschernobyl [weiter bei IMGUR]

Hartz IV

28. April 2014

SGBIIDie sog. Hartz IV-Reformvorschläge der Bund-Länder-Arbeitsgruppe stoßen auf deutliche  Kritik. Der Paritätische Wohlfahrtsverband bezeichnet die neuen Regelungen, die voraussichtlich 2015 in Kraft treten, als „menschenfern“. Die Verschärfung der Sanktionen und weitere Restriktionen würden die Situation vieler Menschen noch verschlimmern. Der Verband fordert stattdessen die Anhebung der Regelsätze auf ein bedarfsgerechtes Niveau.

Regelsätze anheben statt weitere Kürzungen und Verschärfungen durchsetzen
Nachdem Heinrich Alt, Vizechef der Bundesagentur für Arbeit (BA), gestern von einem Bürokratie-Abbau bei Hartz IV sprach und für die Vereinfachungen auch Ungerechtigkeiten in Kauf nehmen will, hagelt es heftige Kritik an den Hartz IV-Reformvorschlägen, die eine Arbeitsgruppe aus Bund und Ländern in den vergangenen Monaten erarbeitet hat. Vor allem bei den Unterkunftskosten müssen sich Leistungsbezieher auf härtere Regelungen einstellen. Eine Verschärfung ist zudem bei den Sanktionen geplant, die unter anderem bereits bei einem Meldeversäumnis eine 100-prozentige Leistungskürzung des Regelsatzes zur Folge hat. 

Der Paritätische Wohlfahrtsverband bezeichnet die Pläne als „menschenfern“. Wer den Menschen helfen wolle, müsse für bedarfsgerechte Regelsätze sorgen und die Teilhabe von Kindern sicherstellen statt weitere Verschärfungen und Kürzungen durchzusetzen. „Die Reformvorschläge sind in erster Linie verwaltungstechnischer Natur, so genannte Massenverwaltungstauglichkeit steht vor dem Einzelschicksal. Die wirklichen Probleme der Menschen greifen sie nicht auf“, mahnt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. „Ganz im Gegenteil: Wenn künftig die Miete auf einem bestimmten Niveau gedeckelt oder bei Terminversäumnissen die Zahlungen komplett gestrichen werden, ist das sogar eine unzumutbare Verschärfung.“ Die Regelsätze müssten dringend reformiert werden und die Förderung von Erwerbslosen verbessert werden. „Statt kleinteiliger Verwaltungseffizienzreförmchen, braucht es eine durchgreifende Totalreform“, erläutert Schneider. So sei eine Erhöhung der Regelsätze von derzeit 391 Euro auf 464 Euro zwingend notwendig, um Hartz IV-Bezieher vor Armut zu schützen. Ebenso müssten die Leistungen für Kinder und Jugendlich neu organisiert werden. „Statt 10-Euro-Gutscheine brauchen wir eine kräftige Erhöhung der Kinderregelsätze sowie einen Rechtsanspruch für einkommensschwache Kinder auf Teilhabe.“ 

KippingDie Linke: Hartz IV-Reformvorschläge sind teilweise verfassungswidrig
Auch die Partei Die Linke kritisiert die Hartz IV-Reformpläne auf das Schärfste. Diese seien teilweise sogar verfassungswidrig. „Das ist eine Giftliste, die in Teilen grundgesetzwidrig ist“, erklärte Katja Kipping, Bundesvorsitzende der Linken, gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung aus Halle. „Das Recht auf Existenzsicherung ist Verfassungsrecht. Es wäre nicht das erste Hartz-Gesetz, das Karlsruhe kassiert.“ Die große Koalition vollführe mit den neuen Regelungen „eine Reformrolle rückwärts in den Geist der Agenda 2010″. Kipping (Foto lks) kritisiert weiter: „Was Clement und Müntefering schlecht gemacht haben, macht Nahles noch schlimmer. Die Regierung sollte diesen neuen Murks kassieren“. Eine Generalreform sei notwendig. „Weg mit Sanktionen, Neuberechnung des Regelsatzes, mehr Leistungen für Kinder, das wären Kernpunkte“, fordert die Parteivorsitzende.“

gefunden bei GEGEN-HARTZ.DE (ag)

(Foto: © Katja Kipping)

paradox – oder?

27. April 2014

ZauneidechseParadox! NOZ-Redakteur Tobias Bröckermann (Meppen) schreibt gestern:

Sand ist wertvoll – zumindest als Lebensraum für seltene Pflanzen- und Tierarten. Das soll das Hotspotprojekt „Lebensadern auf Sand“ beweisen, das am Freitag im Kloster Gravenhorst bei Hörstel offiziell gestartet wurde.“

Doch zeitgleich berichtet NOZ-Redakteur Burkhard Müller (Lingen) und kommentiert:

„Eine trockene Steppenlandschaft, genannt Sandtrockenrasen auf der einen und eine blühende Flora und Fauna auf der anderen Seite. Warum man der Natur diese zuletzt genannte Fläche mit Gewalt entreißen will, erschließt sich kaum.“

Was Burkhard Müller, der seinen persönlichen Beitrag „paradox -oder?“ titelt und ausgerechnet noch mit einem Bröckermann-Foto illustriert, offenbar nicht weiß: Das Projekt in Darme ist der erste Teil des von seinem Meppener Kollegen Bröckermann so beschriebenen Projekts „Wege zur Vielfalt – Lebensadern auf Sand“:

Rund 3,5 Millionen Euro fließen in das zu 75 Prozent vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn (BfN), zu 15 Prozent von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie zu zehn Prozent von lokalen Projektpartnern finanzierte Projekt. Allein 800.000 Euro sollen im Emsland für den Erhalt seltener Pflanzen wie Heidenelke und Berg-Sandglöckchen oder für die Wiederherstellung offener Sandwege als Lebensraum für Schmetterlinge und Heidelerche ausgegeben werden.

Das Projekt „Lebensadern auf Sand“ ist schon vor einigen Monaten in die Umsetzungsphase gegangen – als erstes Hotspotprojekt, das das BfN deutschlandweit fördert. Um auf die Schutzbedürftigkeit gerade der Sandlebensräume in einer intensiven Ackerbauregion hinzuweisen, hat nun am Freitag eine offizielle Eröffnung stattgefunden.

Das auf sechs Jahre angelegte Vorhaben wurde vorgestern in Anwesenheit des nordrhein-westfälischen Umweltministers Johannes Remmel und der Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, bei einer Auftaktveranstaltung im Kloster Gravenhorst bei Hörstel, Kreis Steinfurt, vorgestellt. Auch Lingens OB Dieter Krone durfte sich am Freitag bei der Auftaktveranstaltung freuen, über die dann Tobias Bröckermann berichtete.

Doch jetzt kommt die Lingener CDU und  ihr Fraktionsvorsitzender ruft „Mit uns nicht!„. Dabei wollte Lingen ganz vorn beim Lebensadern-Projekt dabei sein und stellte erfolgreich Zuschussanträge. 300.000,00 Euro fließen in unsere Stadt und jetzt sollte es losgehen. Die von der CDU abgelehnte Maßnahme auf der 1 Hektar großen Fläche in Darme ist der erste lokale Teil des bundesweiten, wissenschaftlich begleiteten Projekts „Lebensadern auf Sand“. 

Jetzt aber zieht die Lingener CDU die Reißleine und lässt Lingen aus diesem Bundesprojekt aussteigen, obwohl sie selbst in den lokalen Gremien die Zuschussanträge dafür mitbeschlossen und abgenickt hat. Doch was stören uns unsere Zustimmungen von  gestern, ruft die Rats- und Ortsrats-CDU. Mit großem lokalen Bohei ist sie gegen das erste Lingener Lebensadern-Projekt und folgt dabei der Fährte örtlicher Jäger, die die Maßnahme in ihrem „jagdlichen Kleinod“ (CDU-Ratsmitglied und Jäger Martin Koopmann) ablehnen:

Am alten Kohschultenhof sollte für Tier- und Pflanzenarten wie Zauneidechse, Sandbienen, Sandlaufkäfern, Sandsegge, Berg-Sandglöckchen, Rentierflechten etc. ein optimales Refugium geschaffen und ihre Populationen gestärkt werden. Nordöstlich des Abifestivalgeländes ist in den letzten 20 Jahren ein geschütztes  Sandtrockenrasen-Biotop zunehmend in die Enge geraten und zugewachsen. Das geplante Projekt stellt dieses Sandtrockenrasenbiotop nicht nur wieder her, es vergrößert den Bereich auch um einen Hektar, weil sich dort seit 1995 u.a. die aus Amerika stammende Späte Traubenkirsche breitgemacht hat. Sie bildet schnell eine dichte Strauchschicht und verdrängt Sandrasen. In den benachbarten Niederlanden wird sie längst als bospest(dt. „Waldpest“) bezeichnet. Für Jäger, denen sich die CDU-Kritiker verbunden fühlen, mag dies keine Priorität haben. Wer schießt schon eine Zauneidechse? Man schießt lieber Böcke.

Das zweifellos ökologisch wichtige Projekt betrifft einen dieser Sandtrockenrasenbereiche über den nicht nur konservative Lingener Kommunalpolitiker zumeist die Nase rümpfen: „Pffff, Magerrasen!“ und dann eher dumme Bemerkungen über die Biologin Karin Schreiner machen, die mit  Sachkunde die Fahne des Naturschutzes im Lingener Rathaus hochhält. Mit ihrer klugen Hilfe hat die Stadt Zugang zum millionenschweren Bundesprojekt erhalten. Aber jetzt lässt sich die CDU zum Ortstermin nicht von Fachfrau Schreiner sondern vom städtischen Juristen Büring und Baurat Schreinemacher begleiten. Da hatte man wohl Angst vor ökologischer Kompetenz.

Ziel von „Lebensadern auf Sand“ ist es übrigens nicht nur, dem Verlust an Artenvielfalt und der Lebensraumzerstörung entgegenzuwirken. Das Projekt soll auch „gesellschaftliches Bewusstsein für die Umwelt fördern“. Da fällt mir spontan ein, bei wem man ansetzen und auch noch über Klugheit sprechen könnte. Oder wie muss man es beurteilen, wenn zwei Tage vor dem Besuch von Prof. Dr. Tillmann Buttschardt (Universität Münster), wissenschaftlicher Leiter des Projekts „Lebensadern auf Sand“, die Ratsmehrheit faktisch erklärt, sie brauche seine Beratung nicht und er könne am Besten wieder nach Hause fahren?

Dank Euch, liebe CDU, sieht es so aus, als könne man sich auf das gegebene Wort unserer Stadt nicht verlassen. Es droht Lingen politischer Schaden und es ist -nicht nur wegen der bockigen „Kleinod“-Argumentation- eine  landes- und vielleicht gar bundesweite Peinlichkeit zu befürchten: Konzepte erarbeiten, Kooperationen schaffen, Anträge stellen, Förderbescheide erhalten aber dann „April-April“ rufen. Das alles womöglich nur, weil ein knarziger Ortsbürgermeister nicht rechtzeitig gefragt wurde. Freunde, Fremdschämen ist angesagt.

(Foto: männliche Zauneidechse (Lacerta agilis); bearbeitet von Lucas Löffler. via wikipedia CC)

OSTERN heute

27. April 2014

KreuzkircheTurm„OSTERN heute“
Uraufführung

Oratorium für Soli, Sprecher, Chor und Orchester nach Texten von Dieter Stork; Musik: Fritz Baltruweit, Wilhelm H. Koch u.a.

Gesamtleitung: Kantor Peter Müller
Lingen (Ems) – Kreuzkirche, Universitätsplatz

Heute 19:00 Uhr – 21:30 Uhr
Eintrittsprogramme zu 12 Euro (erm. 8 Euro) gibt es an der Abendkasse

Auf der Grundlage des Passions- und Osterberichts aus dem Markus-Evangelium schuf Dieter Stork ein eindrucksvolles Textgefüge aus Bibeltexten, aktuellen Bezügen, Leiden und Sterben Christi und Auferstehungsfreude. In diesem Oratorium ist Nachösterliches ineinander verwoben.

Neben der Lingener Kantorei mit ihren beiden Solosängerinnen Ina Hartholt und Rebecca Katins wirken Kerstin Hammer (Querflöte), René Esser (Saxofon), Maria Tilmann-Bürger (Oboe), Peter Löning (Gitarre), Stefanie Löning (Klavier), Michael Schrant (Schlagzeug), Eugenia Hamm (Orgel) sowie eine Streichergruppe aus Felix Hammer, Wanja Brinkmann, Ulrike Seiling, Viola Venschott und Maike Adden mit.

Die Sprecherpassagen werden vorgetragen von Gertraud Brokmeier, Pastor i. R. Heere Busemann, Pastor Dieter Grimmsmann und Helmut Hartmann.

(Foto: RTurm der Kreuzkirche Lingen © milanpaul via flickr)

Kindermitschänder

27. April 2014

Hal Faber“ gerade eben:

„So sterben die Zeitungen und mit ihnen der Qualitätsjournalismus: Es enttäuscht schon, wenn reißerisch behauptet wird, dass die über Leichen surfen, die gegen die anlasslose Speicherung unserer digitalen Lebensdaten kämpfen. Wenn dann keine einzige Leiche im Text auftaucht, sondern – Überraschung – wieder einmal von Kinderpornographie die Rede ist, welchselbige angeblich nur ein „Beispiel unter vielen“ sein soll. Das Vorratsdatenvakuum, das uneinsichtige Politiker und trotzköpfige Beamte unbedingt auffüllen wollen, hat etwas Monothematisches: Da ist dann die Rede von einem „niederschwelligen Grundrechtseingriff“ und davon, dass doch die Kinder geschützt werden müssen. Da sage einer Nein und schon ist er ein potenzieller Kindermitschänder. Dabei ist ein Nein für unsere Gesellschaft so wichtig, wie es ein Jurist in seinem Blog zu den 8 Mythen der Vorratsdatenspeicherung formuliert, wenn er auf die These antwortet, dass der Polizei wie etwa der NSA alle technisch möglichen Instrumentarien zur Überwachung der Kommunikation zur Verfügung gestellt werden müssten.

Nein. In einem Rechtsstaat gibt es keine Strafermittlung um jeden Preis. Darin besteht nämlich gerade der Unterschied zu Unrechtsstaaten wie der DDR, die jede Form der Überwachung und Kontrolle des Bürgers für legitim hielten. Der Rechtsstaat muss auf eine Totalüberwachung verzichten und damit eventuell einhergehende Defizite bei der Kriminalitätsbekämpfung in Kauf nehmen.“

So isses!

Abgeordneter

27. April 2014

McAllister„David McAllister und der richtige Zeitpunkt – das wird wohl keine Liebesgeschichte mehr. Auf den Stimmzetteln für die Europawahl am 25. Mai wird der Spitzenkandidat der CDU immer noch als „Abgeordneter“ des Niedersächsischen Landtags bezeichnet. Und das, obwohl McAllister seit 26. März gar kein Mandat mehr im Parlament hat.

Nicht der erste Fall von schlechtem Timing: Im Dezember 2013 verschickten die niedersächsischen Christdemokraten ihre Weihnachtskarten. Unten grüßte herzlich „Ministerpräsident David McAllister“ – der war damals allerdings schon etwa zehn Monate nicht mehr in Amt und Würden….“ [weiter beim NDR]

Foto MacAllister November 2009 von: Martina Nolte http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Koningsdag

26. April 2014

koenigsspieleHeute was fürs gelbe oder oranje Gemüt. Denn nebenan feiern an diesem Samstag „die Niederlande den Geburtstag ihres Königs und Staatsoberhauptes Willem-Alexander. Obwohl der Monarch eigentlich erst einen Tag später, am 27. April, sein 47. Lebensjahr vollendet, begannen die offiziellen Feiern im ganzen Land bereits heute. König und Königin wollen soviel wie möglich daran teilhaben und gemeinsam mit der Bevölkerung feiern. Deshalb sind sie am Samstag in den Gemeinden Graft-De Rijp und Amstelveen zu Gast.

Der straffe Zeitplan begann bereits am Freitag in der Gemeinde Ens auf dem Nordostploder in der Provinz Flevoland. König Willem-Alexander hat dort mit Schülerinnen und Schülern von drei Grundschulen nach einem gemeinsamen Frühstück die Königsspiele 2014 eröffnen. Die Spiele sind die Fortführung eine Idee, die erstmalig im vergangenen Jahr bei der Thronübergabe von Beatrix an Willem-Alexander am Königinnentag durchgeführt wurde. Grundschulen im ganzen Land waren aufgefordert, durch Spiele und Sport an diesem Ereignis teilzunehmen. Diesjähriger Höhepunkt der Aktion war ein Weltrekordversuch: Möglichst viele Jungen und Mädchen begannen landesweit um 9.30 Uhr gleichzeitig zu singen und zu tanzen. Ein Event, das live im niederländischen Fernsehen übertragen wurde.

Am Samstagmorgen wird sich das Königspaar auf die Reise in das etwa nordholländische Dorf Graft-De Rijp begeben. Um 10.00 Uhr werden Willem-Alexander und Máxima von Bürgermeister Oosterop-van Leussen, dem lokalen Dorfausrufer und Blumenkindern der 6.455 Einwohner zählenden Gemeinde erwartet. Nach einer knappen Begrüßungszeremonie steht ein minutiös geplanter Spaziergang durch das historische Dörfchen auf dem Programm. Aufgelockert wird diese Besichtigung, für die sich der erstmals 1330 urkundlich erwähnte Ort mächtig herausgeputzt hat, durch diverse Darbietungen sportlicher, kultureller und traditioneller Art. Zwischenzeitlich darf das Königspaar bei einer Bootsfahrt seine Füße etwas ausruhen, bevor es weiter Attraktionen bewundern kann, die den König und die Königin WoesteWillemdurchaus zum Mitmachen animieren sollen. Vermutlich wird es sich der König nicht nehmen lassen, ein Glas vom „Woeste Willem” zu probieren, ein Bier, das ihm zu Ehren vor Ort gebraut wird. Nur eine Stunde nachdem König und Königin in Graft-De Rijp angekommen sind, verlassen sie die Gemeinde bereits wieder, um mit dem königlichen Bus die rund 40 Kilometer nachAmstelveen, der nächsten Station ihrer Tour, anzusteuen. Bürgermeister Oosterop-van Leussen glaubt trotz des kurzen Zeitfensters aufgrund der Fernsehbilder trotzdem an einen Touristenzustrom für seinen Ort, der mit Beginn des kommenden Jahres durch eine Gemeindefusion seine Eigenständigkeit verliert. „Ein fantastisches Abschiedsgeschenk für die Gemeinde” betitelt er daher den hohen Besuch.

Was den Graft-De Rijpern ihr Bier, das ist den Amstelveenern ein eigens für den König komponiertes Lied. „‘t is voor de Koning” (dt. Es ist für den König) wird Wilhelm-Alexander und Máxima in ständig neuen Variationen während ihres Besuchs in Amstelveen begleiten, nachdem sie dort um 12.00 Uhr durch Bürgermeister De Graaf begrüßt worden sind. Überhaupt wird Amstelveen an diesem Nachmittag einer lebenden Musikbox gleichen, da überall Lieder und Melodien die diversen Programmpunkte untermalen. Neben der Musik steht der königliche Besuch im Zeichen von drei weiteren Themen: Grün, Sport und Kultur. Dabei sind stets viele Kinder, Schüler und Auszubildende beteiligt. So demonstrieren Schülerinnen und Schüler beim Thema Grün die Naturverbundenheit ihrer 85.000 Einwohner zählenden Stadt. Was die Gemeinde sportlich zu bieten hat, zeigt sie dem Königspaar mit Darbietungen aus verschiedenen Sportarten. Auch hier stehen die jungen Talente, auf deren große Anzahl Amstelveenzurecht stolz ist, im Vordergrund. Das ein Migrationsanteil von 15 Prozent der Bevölkerung auch eine Bereicherung für eine Stadt darstellt, beweist die vor den Toren von Amsterdam gelegene Gemeinde ihren hohen Gästen besonders im kulturellen Programmteil. Farbenfrohe Kostüme, asiatische Tänze und Klänge aus fernen Ländern zeigen, wie das Leben durch die Menschen bunter geworden ist, die in Amstelveen eine zweite Heimat gefunden haben. Sollte dem Königspaar bei soviel Sport, Spiel und Tanz hungrig oder durstig geworden sein, so sind es wieder Auszubildende, die mit kulinarischen Leckerbissen für Abhilfe zu sorgen wissen. Auch in Amstelveen verabschieden sich Willem-Alexander und Máxima bereits nach einer Stunde wieder. Der Besuch wird trotzdem der Höhepunkt der 50-Jahr-Feiern sein, die die junge Gemeinde dieses Jahr begeht.

Der Königstag (nl.  Koningsdag) hat in diesem Jahr Premiere, nachdem er in der Vergangenheit stets ein Königinnentag war, der erstmals am 30. April 1949 zu Ehren von Königin Juliana an ihrem Geburts- und Krönungstag gefeiert wurde (NiederlandeNet berichtete). Das Königin Beatrix am Datum festhielt, als sie 1980 den Thron bestieg, begründete sie mit dem meist schlechten Wetter an ihrem Geburtstag im Januar. So hat sich für die Niederländer mit der Thronübernahme Willem-Alexanders nach 58 Jahre nur eine Umbenennung und eine geringfügige dreitägige Verschiebung ergeben, denn die Beliebtheit des Königshauses ist weiterhin ungebrochen. 80 Prozent aller „Untertanen“ sind der Auffassung, dass ihr Staatsoberhaupt seine Sache im ersten Jahr gut gemacht habe und begrüßen insbesondere das Engagement und die Präsenz des Königs beim niederländischen Sport. Der gelebte Enthusiasmus des Königs bei entsprechenden Veranstaltungen mag mit ein Grund sein, warum viele der Befragten ihn für volksnäher als seine Mutter Beatrix einschätzen.“

Ach, wie schööön das alles. Und wir diskutieren derweil, ob Gastwirte dafür haften, dass enthemmte Minderjährige Straftaten begehen, denen diese Gastwirte zuvor illegal Alkohol verkauft haben.

 

(Quelle NiederlandeNet . Foto: Königsspiele (hier 2013 in Nieuwegein) wurden am Freitag in Schulen des gesamten Landes durchgeführt. Am Samstag wird dann das gesamte Land in orange erstrahlen, Quelle: Pascal Scheffers/cc-by)

Gesellschaftsspiele

25. April 2014

Bildschirmfoto 2014-04-24 um 22.02.57
Aus gegebenem Anlass twittert mir der Initiator: 17 Uhr für die ganze Familie! Später dann nur für Erwachsene. Grillwürstchen und Zigarren nur draußen!

Doch Wotan Wilke Möhring gibt’s ab 20.15 Uhr nur im Centralkino.