Opstand

10. Januar 2014

GroningerinopstandEs brodelt im benachbarten Friesland rund um Groningen. Dies weiß Niederlandenet und berichtet über den letzten Anlass, den Konkurs des Aluminiumherstellers Aidel:

Aldel (Aluminium Delfzijl), einer der größeren Lieferanten für Primäraluminium in Westeuropa, hat vergangene Woche Insolvenz angemeldet. Eine mittlere Katastrophe für die strukturschwache Provinz Groningen. Neben den rund 300 Aldel-Mitarbeitern, die ihren Job verlieren, wird die Firmenpleite indirekt auch viele Zulieferbetriebe treffen. Die Wut der Betroffenen richtet sich vor allem gegen Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD), der ihrer Meinung nach nicht genug getan hat, um die Insolvenz des Betriebs zu verhindern. Unter anderem wird Kamp vorgeworfen, nicht für „deutsche Energiepreise“ gesorgt zu haben.

„Die Einwohner unserer Provinz trifft es doppelt. Keine Arbeit mehr und dafür Risse in der Wand“, so Max van den Berg, Kommissar des Königs in Groningen bei seiner Neujahrsansprache. Die Pleite Aldels sei für die Region nach den Erdbeben, die immer wieder durch Erdgasförderung ausgelöst werden (NiederlandeNet berichtete), der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe.

Tatsächlich brodelt es in der Provinz, wie bei einem Protestmarsch gegen die SchließungAldels am 3. Januar deutlich wurde. Tausende Demonstranten versammelten sich vor dem Gemeindezentrum. „Die Menschen sind sehr sauer auf die Regierung. Teilnehmer sprechen davon, dass dies der Anfang einer großen Groninger Protestbewegung ist“, so die Journalistin Femke Awater, die für das NRC Handelsblad vor Ort war. Unter Beifall wurde ein Brief von Wirtschaftsminister Kamp, worin dieser geschrieben hatte, dass er alles tun werde, um Aldel zu retten, verbrannt. Der Brief stelle manches falsch dar. Aldelsei in Wahrheit ein Gewinn bringender Betrieb, so Klaas Pijper, Vorsitzender des AldelerBetriebsrates, „zumindest, wenn Kamp für deutsche Energiepreise sorgt.“

Auch der Delfzijler Bürgermeister Emme Groot (PvdA), der ebenfalls an der Demo teilnahm, fand, im Bereich Energie- und Industriepolitik halte Kamp den „Schlüssel“ in Händen. Kamp, der im Oktober vergangenen Jahres für Aldel einen Überbrückungskredit in Höhe von 8 Millionen Euro ermöglicht hatte, hatte damals selbst in einem Brief an die Zweite Kammer erklärt: „Die schwierige Situation von Aldel ergibt sich unter anderem durch die geringen Aluminiumpreise am Markt und die höheren Elektrizitätspreise im Vergleich zu Deutschland.“ Die deutsche Konkurrenz hätte viel geringere Energiekosten zu tragen, darum, so Kamps Vorschlag, solle auch der niederländischen energieintensiven Industrie bei den Kosten entgegengekommen werden. Das entsprechende Gesetz wurde bereits auf den Weg gebracht. Für Aldel wurde sogar überlegt, eine „direkte Verbindung“ anzulegen, „eine Stromleitung zu einem Elektrizitätswerk in Deutschland“.

Jan Willem Zwang von der Energieberatungsfirma GreenSpread zweifelt daran, dass Aldelallein aufgrund der im Vergleich zu Deutschland höheren Energiekosten Insolvenz anmelden musste. Den Alumniumpreisen seit 2008 stellte er die Strompreise gegenüber: Gerade jetzt aufgrund zu hoher Energiekosten Insolvenz anzumelden, ergäbe keinen Sinn, denn „der Gewinn durch den Verkauf des Aluminiums abzüglich der Stromkosten ist momentan höher als im Jahr 2008“, so Zwang. „Was also ist der wirkliche Grund für die Insolvenz?“

Doch viele Groninger wollen jetzt anscheinend keine Antworten, sondern einfach Köpfe rollen sehen. Die Facebook-Seite „Groningers in opstand“ (dt. Groninger erheben sich) hat inzwischen rund 23.800 „Gefällt mir“-Angaben erhalten. Inzwischen hat dieselbe Initiative auch eine Online-Petition geschaltet, die den Rücktritt Henk Kamps fordert.

[Quelle]