verstehe nicht

18. Dezember 2013

jet_bussemakerIn der deutsch-niederländischen Grenzregion ist man sich einig: Die Pläne der Regierung, an den niederländischen Berufsschulen den Deutschunterricht abzuschaffen, sind kurzsichtig. In einem Protestbrief an die Regierung machten mehrere Grenzgemeinden ihrem Ärger darüber Luft. Bildungsministerin Mariëtte (Jet) Bussemaker (PvdA, Foto lks), die zurzeit eine landesweite Arbeitsreise zu verschiedenen Berufsschulen im Land unternimmt, reagierte inzwischen: Eine Verpflichtung zum Fach Deutsch sei nicht geplant. Auch in der Grenzregion will sie keine Ausnahme machen.

„Ich verstehe nicht, dass Sie mir deshalb einen Brief schicken und nicht selbst versuchen, eine Lösung zu finden“, erklärte Bussemaker laut Regionalzeitung De Limburger vergangene Woche während eines Arbeitsbesuches am Regionalen Bildungszentrum (ROC) Leeuwenborg in Maastricht. „Mit einer zentralen Verpflichtungsstellung aus Den Haag helfen wir doch niemandem, im Gegenteil: Das bedeutet nur mehr Regeln für Schulen.“ Die Berufsschulen in der Nähe der deutschen Grenze sollten zusammen mit der Industrie und den regionalen Autoritäten für Deutschunterricht sorgen, wenn sie dies wichtig fänden. Diese Aussage wiederholte Bussemaker am 12. Dezember auch noch einmal in der Zweiten Kammer.

Mit Beginn des kommenden Jahres wird Deutsch als verpflichtetes Unterrichtsfach komplett aus dem Lehrplan des berufsbildenden Sekundarunterrichts in den Niederlanden verschwinden. Die Bürgermeister mehrerer Grenzstädte, darunter Venlo, Maastricht und Nimwegen, hatten hiergegen in einem gemeinsamen Protestbrief Beschwerde eingelegt (NiederlandeNet berichtete). Entlang der Grenze käme man einfach nicht ohne die Sprache des direkten Nachbarlandes aus, so die Argumentation der Protestierenden. In vielen Ausbildungsberufen – zum Beispiel im Handel, der Logistik oder im Tourismus – sei Deutsch relevant. „Die Sprache ist einfach wichtig“, so Karel Groen Geschäftsführer der Eems Dollard Regio im Interview mit der Tageszeitung Trouw.

Groen betonte, dass man sich weiter für das Unterrichtsfach stark machen wolle. „Ende dieses Monats sprechen fünf Kommissare des Königs [Vorsitzende der Provinzialstände, Anm. d. Red.] aus der Grenzregion noch einmal mit der Bildungsministerin Jet Bussemaker und dem deutschen Botschafter, Franz Josef Kremp. Es ist jetzt von besonderer Wichtigkeit, dass wir dann die Ministerin überzeugen. Daneben gibt es noch die Aktionsgruppe Deutsch – ein Verband der Deutschen Botschaft, der Deutsch-Niederländischen Handelskammer, des Goethe-Instituts Niederlande und des Duitsland Instituut Amsterdam – welche die Ministerin auf den Wert der deutschen Sprache hinweisen wird. Außerdem werden die Euregios mit den Regionalen Berufsbildungszentren (ROCs) darüber sprechen, Deutsch so häufig wie nur möglich als Wahlfach anzubieten.“

(gefunden bei NiederlandeNet; Foto Wikimedia CCommons)