Gysi

25. November 2013

Sie erinnern sich an die Ströbele-Rede zum NSA-Skandal, die ich vor einer Woche hier veröffentlicht habe. Meine Quelle Ronny ergänzt  jetzt:

„Zur NSA-Affäre. Vor dem Bundestag. Der war gut, aber Gysi war am selben Tag zum selben Thema – genau genommen – noch sehr viel besser. Allein, ich kam bisher nicht dazu. Jetzt der Vollständigkeit wegen aber. Kennt Ihr eh alle schon. Egal.

Und, Gregor, lass Dich mal drücken.“

Da schließ ich mich drückend an. Gern!

Wucht

25. November 2013

Bildschirmfoto 2013-11-25 um 22.58.01Gestern Abend brach das Chaos in unserem Städtchen aus. Rund 75 Sekunden fiel der Strom aus. Kinder weinten, Wecker streikten, @tobilingen sah das stark spannungsschwankende Ende. Welch‘ ein Drama! Aber wir haben ihn überlebt, den Kurzschluss. Und ich musste sofort an diesen unbarmherzigen Regensturm denken, der mit ähnlicher Wucht vergangenen Freitag Los Angeles heimgesucht hatte:

Aus

25. November 2013

Bildschirmfoto 2013-11-24 um 08.23.37Seit Jahrhunderten leisten Hebammen mit ihrem Wissen und Können Schwangeren und jungen Müttern Beistand. Ihre Aufgaben umfassen die Schwangeren-vorsorge, Geburt- und Wochenbett-Betreuung sowie die Unterstützung bei der Säuglingsversorgung und in der Stillzeit. Stehen sie jetzt vor dem Aus?

Denn zum 1. Juli 2014 werden die Haftpflichtprämien für Hebammen erneut um rund 20 Prozent steigen. In der Geburtshilfe tätige freiberufliche Hebammen müssen dann über 5000 Euro im Jahr für ihre Versicherung bezahlen. Noch mehr Hebammen werden sich so ihre originären Tätigkeiten nicht mehr leisten können. Die Politik und Krankenkassen müssen endlich handeln, fordert angesichts dessen der Deutsche Hebammenverband. Seine Präsidentin Martina Klenk kritisiert, dass sich die Prämien in den letzten zehn Jahren bereits verzehnfacht haben – bei einer weiterhin niedrigen Vergütung. Weitere Steigerungen seien bereits für 2015 angekündigt.

Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Berufshaftpflichtversicherung auf aktuell rund 4500 Euro verzehnfacht – und das bei einer gleichbleibend niedrigen Bezahlung. Hebammen verdienen im Schnitt gerade einmal 8,50 Euro pro Stunde. Jede vierte Hebamme in Deutschland hat seit 2008 unter dem Kostendruck die Geburtshilfe aufgegeben.

Auch in Niedersachsen droht vielen Hebammen aus wirtschaftlichen Gründen die Berufsaufgabe oder zumindest der Rückzug aus ihrer Kernaufgabe. Boten 2007 noch knapp 100 Hebammen Hausgeburten an, so sind aktuell nur noch 30 Hebammen in der Lage, dieses Angebot aufrecht zu erhalten. Hebammen als Wahlalternative zur Geburt im Krankenhaus gibt es also in vielen Gegenden Niedersachsens nicht mehr und die Hausgeburt – noch in den 1950er Jahren selbstverständlich – ist längst die Ausnahme. Dabei spricht generell dann nichts gegen eine Geburt zu Hause, wenn kein Risiko besteht und sie gut vorbereitet wird.  Auch sog  Beleghebammen, die in Niedersachsen in meist kleinen Kliniken Geburtshilfe leisten, gibt es immer weniger: 2007 waren es noch 244 Hebammen, jetzt sind es nur noch 68. Auf dem Land wird der Weg ins nächste Krankenhaus damit für viele Schwangere unzumutbar lang.

Weil der Berufstand der freiberuflichen Hebamme  mit dem erneuten Anstieg der Haftpflichtprämie um 20 Prozent auf dann mehr als 5.000 Euro vor dem Aus steht, haben  CDU und SPD angekündigt, die Verbesserung der Situation der Hebammen in ihren Koalitionsvertrag aufzunehmen. Jens Spahn, Gesundheitspolitiker von CDU/CSU, hat deshalb an die Hebammen appelliert, sie sollten sich „wieder beruhigen“. Hebammen und ihre Bedeutung seien im Text der Arbeitsgruppe Gesundheit, der zu den Koalitionsverhandlungen vorgelegt werde, „erwähnt“.

ElkeTwestenDass damit noch längst nicht alles gut ist, sagt Elke Twesten, frauenpolitische Sprecherin der Niedersächsischen Grünen (Foto lks): „Die Stabilisierung des Hebammenwesens im Koalitionsvertrag ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, gleichwohl brauchen die massiv unterbezahlten Hebammen mehr als nur Lippenbekenntnisse. Sie brauchen konkrete Maßnahmen: Die Honorare sind angemessen anzuheben, die Erhöhungen der Haftpflichtprämie sind kurzfristig auszugleichen und die Hebammenhilfe ist aus der über 100 Jahre alten Reichsversicherungsordnung zeitgemäß in das Sozialgesetzbuch V. zu überführen.“

„Wenn im nächsten Jahr die Haftpflichtprämien für die Hebammen steigen und es keinen Finanzausgleich durch die Honorare geben wird, ist das der Todesstoß für die freiberuflichen Hebammen. Damit wird es keine freie Wahl des Geburtsortes mehr geben. Hausgeburten, Geburten in Geburtshäusern und auf Belegstationen kann sich dann keine freiberufliche Hebamme mehr leisten. „Ein Flächenland wie Niedersachsen ist bei der Grundversorgung auf alternative Geburtshilfe angewiesen, da wir künftig im Bereich der Krankenhausversorgung – gerade im ländlichen Raum – vor neuen Herausforderungen stehen.“

(Foto + Quelle Pressemitteilung B’90/Grüne; Deutscher Hebammenverband)