Klaus Lage

6. November 2013

Klaus Lage
Solo-Tour 2013

Lingen (Ems)  –  Theater an der Wilhelmshöhe
Heute – 20 Uhr

Karten zum Preis von 20,00 € bis 24,00 € gibt es im Vorverkauf bei der Tourist Information, Tel. 9144-144. An der Abendkasse liegen die Preise bei 22,00 € bis 26,00 €.

Draußen

6. November 2013

Draussen-Aktuell„Was genau ist eigentlich in diesem Land schief gegangen. Ich meine, es zu lieben, wurde einem nie sonderlich leicht gemacht, nicht so leicht, das es für mich dazu gereicht hätte, aber was aktuell da draußen passiert, entwickelt sich in so eine latente Arschlöchigkeit, von der man ja gar kein Teil mehr sein wollen kann.

So auch in Münster: die Redaktion der Obdachlosen-Zeitschrift “Draußen” sucht neue Räume für ihre Redaktion. Sie suchen lange, weil sie kaum einer ohne weiteres haben möchte. Dann werden sie doch fündig und schließen einen Mietvertrag.

Kurz darauf werden in der unmittelbaren Nachbarschaft Flyer verteilt, die vor einem “Obdachlosenasyl” warnen, obwohl es das ausdrücklich nicht werden soll. Vor Drogen, Übergriffen, Gewalt, Vermüllung, Lärm, Alkohol. Das ganze Bullshit-Bingo-Program plus dem mittlerweile obligatorischen Ruf nach einer Bürgerinitiative dagegen. Das wäre auch dann abstoßend, wenn es sich tatsächlich um eine Unterkunft für Obdachlose handeln würde, aber die soll es ja nicht mal werden.

Sie sind noch nicht mal eingezogen, aber offensichtlich jetzt schon in der unmittelbaren Nachbarschaft unerwünscht.

Ausdrücklich wird vor einem “Obdachlosenasyl” gewarnt. Gewalt, Drogen, Alkohol, Vermüllung und Belästigung stünden den Anwohnern nun ins Haus. Das Viertel um die Von-Kluck-Straße würde zu einem neuen sozialen Brennpunkt in Münster.

Die “draußen”-Geschäftsführung will Anzeige gegen den Ersteller des Flyers erstatten. Das Magazin zieht zum 1. Dezember vom Berliner Platz in ein Bürogebäude an der Von-Kluck-Straße 15 um, vorerst zur Miete, ab dem 1. April 2014 dann als Eigentümer.

Wir haben soviel Shice um die Ohren: NSU, NSA, vor den Grenzen Europas sterbende Flüchtlinge, Arme, die immer ärmer werden, 15-jährige Schüler, die von der Arbeitsagentur dazu genötigt werden, ihre Schule abzubrechen, um kein ALG 2 mehr zu beziehen und und und. Und wem haut man auf den Kopf? Den ganz armen Schweinen. Ein tolles Land haben wir da, für das man sich ohne weiteres schämen kann. Das fällt einem nicht mal schwer – im Gegenteil.“
(Crosspost via Pantoffelpunk)

Man muss nicht jedes Wort gut finden oder teilen, aber dann liest man dies im aktuellen Editorial der Münsteraner Obdachlosenzeitschrift „Draußen“, und es passt ins Bild:

„1,60 EUR lautet von dieser Ausgabe an der offizielle Preis für unser Straßenmagazin.
Schon wieder 20 Cent weniger, hatten wir doch erst im Juli des vergangenen Jahres den Verkaufspreis von 2 EUR auf 1,80 EUR gesenkt. Da können Sie sich, liebe Leserinnern und Leser, schon einmal fragen, wie das überhaupt geht. Natürlich können wir nicht zaubern, die Preisanpassung geschieht eher nolens volens. Grund dafür sind auch nicht die Finanzen der Redaktion, sondern die Probleme, die das zuständige Finanzamt mit den Einnahmen unserer Verkäufer hat. Nach zähen Verhandlungen mit der Behörde (die Gespräche waren sehr gut und von Toleranz geprägt) über die weitere Gewährung der Gemeinnützigkeit für den Trägerverein unseres Magazins mussten wir zwischen Pest und Cholera wählen. Entweder hätten wir alle Verkäufer und Verkäuferinnen fest anstellen müssen, eine Alternative, die wegen der hohen zusätzlichen Personalkosten für unseren kleinen Verein finanziell nicht zu stemmen ist, oder:

Unsere Verkäufer erhalten keinen Selbstbehalt mehr aus dem Verkauf der Zeitung, sondern 50 Cent von jedem verkauften Exemplar werden als „ergänzende Hilfen zum Lebensunterhalt“ für sozial Benachteiligte verwandt. Somit können wir individuell dem Einzelnen in finanziellen Notlagen helfen. Wenn z.B. eine Nachzahlung für die Stromrechnung ansteht, eine neue Brille notwendig wird oder dringend neue Schuhe benötigt werden. Außerdem können wir bei einem längerem Krankhausaufenthalt, Haft oder Therapie unterstützen.

Aber warum dann die Senkung des Verkaufspreises? Wir gehen davon aus, dass Sie unseren Verkäufern und Verkäuferinnen weiterhin eine freiwillige milde Gabe zukommen lassen werden. Denn bekanntlich ist nur Bares Wahres.

Bleiben Sie uns weiter gewogen“

Meine Güte, unsere Bürokraten!