Henschel

8. August 2013

Gerhard Henschel erhält den mit 15.000 Euro dotierten Nicolas-Born-Preis 2013 des Landes Niedersachsen. Mit der Auszeichnung würdigt das Bundesland herausragende „Schriftsteller mit Bezug zu Niedersachsen“. „Gerhard Henschel regt seine Leser zum Nachdenken an, es gelingt ihm aber gleichzeitig, sie zu amüsieren und zu fesseln“, sagte Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) zur Preisvergabe. Nun denn, solche Allgemeinplätze muss eine verantwortliche Politikerin wohl sagen. Ich aber glaube: In Wahrheit zeichnet man in Hannover Henschels literarische Betrachtung des Emslandes aus.

Denn Gerhard Henschel, 1962 in Hannover geboren, wuchs vor allem in Meppen auf und arbeitet sich an dieser besonderen, (passt das Komma?) provinziellen Beziehung ab. Seit 1992 veröffentlichte er zunächst Sachbücher wie die „Kulturgeschichte der Missverständnisse“ oder „Neidgeschrei“. Der Durchbruch gelang Henschel aber mit dem Briefroman «Die Liebenden» und -vor allem- mit seinem 2004 erschienenen «Kindheitsroman», der ersten autobiografischen Abenteuergeschichte um den Meppener Protagonisten Martin Schlosser, die Henschel mit «Jugendroman» (2009) und «Liebesroman» (2010) fortsetzte. Mit «Abenteuerroman» ist im vergangenen Jahr der vierte Teil der auf sechs Bände ausgelegten Chronik erschienen. Einmal mehr mittendrin: Das Emsland.

Der Preisträger, der auch schon beim Satiremagazin Titanic tätig war, ist wohl das genaue Gegenteil dessen, was die Eigenwahrnehmung des Emslandes durch dessen gesellschaftliche Regionalliga zuzulassen bereit ist und was sich just in diesen Tagen wieder einmal in einer -online nicht auffindbaren- Wochenjubelserie der emsländischen Lokalblätter niederschlägt. Als beispielsweise vor Jahresfrist die Ausstellung der einzigartigen Emslandaufnahmen des Hamburger Fotojournalisten Gerhard Kromschröder im Geester Moormuseum zwar zu verkürzen aber nicht mehr gänzlich zu vermeiden war [mehr…] und Gerhard Henschel auf Wunsch Kromschröders die Laudatio hielt, boten die Mannen um Ex-Landrat Hermann Bröring mit Theo Mönch-Tegeder, Chefredakteur des Osnabrücker Kirchenbote, einen der Ihren als Widerpart zu Henschel auf. Doch auch ihm gelang es nicht, dem pointiert-exakten Emslandbeobachter Henschel etwas Substanzielles entgegen zu setzen.

Und dieser Mann [mehr…] erhält jetzt den Emsland, korr. Niedersachsen-Kulturpreis. Fein.

3 Antworten to “Henschel”

  1. UmdieHäuser said

    Es ist doch klar das für jeden Großstädter vor allem Bundeshauptstädter alles scheinbar rückständige Provinz ist.

    Was soll man also von dieser Auszeichnung halten?

  2. Monia said

    @UmdieHäuser:
    Wie kann man sich bloß so dermaßen um sich selbst und seinen Emsland-Patriotismus drehen?! Glauben Sie etwa im Ernst, Henschel hat diesen Preis nur bekommen, weil er über das Emsland geschrieben hat? In der Jury-Begründung heißt es „Gerhard Henschel regt seine Leser zum Nachdenken an, es gelingt ihm aber gleichzeitig, sie zu amüsieren und zu fesseln“. Das Gleiche wäre ihm auch gelungen, wenn er über Hannover geschrieben hätte – bekanntermaßen eine Großstadt. Das wäre ihm sogar gelungen, wenn er über New York geschrieben hätte. Weder dort noch da ist er aber aufgewachsen, sondern nunmal in Meppen.

    Ihr Kommentar entspricht dem, was RK über die Ausstellungseröffnung im Moormuseum geschrieben hat: Dort wurde (nicht nur) von den Offiziösen vorwiegend nicht auf die Qualität der Ausstellung und der Worte Henschels geachtet, sondern nur darauf, diesem vermeintlichen „Provinz-Bashing“ irgendetwas (nicht gerade Substanzielles) entgegen zu setzen. Das ist hochpeinlich – und genau das trägt überhaupt erst dazu bei, das Emsland als „rückständige Provinz“ zu betrachten.

    Auf die Idee, dass Henschel den Preis bekommen hat, weil er ein ungewöhnlich guter Schriftsteller ist, kommen Sie offenbar nicht in Ihrer beschränkten Sichtweise, in der sich alles nur darum dreht, Feinde der Provinz im Allgemeinen und Feinde des Emslandes im Besonderen zu suchen – und natürlich auch überall zu finden. Ich fürchte überdies, dass Sie bislang noch nicht auf die Idee gekommen sind, einfach mal das eine oder andere Henschel-Buch (von denen – Überraschung! – die meisten überhaupt nichts mit dem EL zu tun haben) zu lesen. Dort kann man eine Menge lernen, zum Beispiel, dass weder Niedersachsen noch Deutschland noch die Welt ausschließlich aus dem Emsland bestehen.

    Ich finde es ausgesprochen traurig, dass außer obigem Kommentar, der mir beinahe körperliche Schmerzen verursacht, keinerlei Reaktion auf diesen Blog-Beitrag zu lesen ist. Das ändert sich hiermit. Ich freue mich für Gerhard Henschel und bin der Meinung (wenngleich ich den „Liebesroman“ eher schwach finde, was allerdings rein gar nichts mit dem Emsland zu tun hat), dass er den Preis verdient hat. Herzlichen Glückwunsch!

    • kib said

      Monia, ganz ehrlich: „um die Häuser“ hat sich nicht einmal für „fünf Cent“ Gedanken gemacht- gelesen hat er erstens „Koop“ nicht richtig- und Henschel schon gar nicht. Vielleicht ist das seine Form des „intellektuellen Selbstschutz“?
      Westfälischen Gruß!!!
      Deine Kib

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.