Regeln

9. Juli 2013

Nitrate-ionNiedersachsen zieht Konsequenzen aus den Warnungen vor einem  Anstieg der Nitratwerte im Grundwasser: Die Herbstdüngung mit organischen Düngern wird in diesem Jahr per Erlass eingeschränkt. „Die negativen Meldungen sind für mich Besorgnis erregend. Ich sehe mich gezwungen, dagegen etwas zu tun“, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis’90/Die Grünen) in Hannover. Er habe die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mit der Umsetzung beauftragt, „sodass die Herbstdüngung mit organischen Düngern eingeschränkt wird“.

In letzter Zeit hatten sich Meldungen aus der Wasserwirtschaft gehäuft, dass nach langem Rückgang der Nitratwerte im Grundwasser plötzlich an vielen Messstellen in Niedersachsen eine Stagnation oder sogar ein Anstieg der Belastung eingetreten ist. Die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie werden Meyer zufolge so zumindest mittelfristig nicht erreicht. Als eine Ursache hierfür wird von Fachleuten in vielen Fällen eine unsachgemäße Düngung mit organischen Düngemitteln im Herbst gesehen. „Denn gerade im Herbst wird in einigen Regionen nach der Ernte der Hauptfrucht über das notwendige Maß mit organischen Düngern wie Gülle gedüngt, ohne dass nachfolgend angebaute Pflanzen diese Nährstoffe aufnehmen können“, erläuterte Meyer. „Es kommt offenbar vor, dass die Herbstdüngung als Entsorgung überschüssiger Nährstoffe zum Beispiel auf Betrieben mit einer zu hohen Tierdichte genutzt wird. Dieses wollen wir verhindern.“ Bei einem Stickstoffbedarf im Herbst sei aber weiter organischer Dünger erlaubt, wie es die gültige Düngeverordnung in Deutschland vorgebe.

Für Folgekulturen und Zwischenfrüchte, die im gleichen Jahr angebaut werden, greift  folgende Regelung: Es darf nur die Menge gedüngt werden, die dem aktuellen Stickstoff-Düngebedarf einer Kultur entspricht. Dabei gilt jedoch eine Grenze von maximal 40 Kilogramm pro Hektar Ammoniumstickstoff und 80 Kilogramm pro Hektar Gesamtstickstoff. Bei Berücksichtigung des aus dem Boden nachgelieferten Stickstoffs bestehe nach der Ernte von Mais, Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben, Feldgemüse und Leguminosen oder zur Förderung der Strohrotte bis zum Winter kein Stickstoff-Düngebedarf, betonte Meyer. In diesen Fällen stelle die Herbstdüngung mit Gülle, Jauche und sonstigen flüssigen organischen Düngemitteln sowie organisch-mineralischen Düngemitteln mit wesentlichen Gehalten an verfügbarem Stickstoff oder Geflügelkot einen Verstoß gegen die Düngeverordnung dar und sei nach den EU-Vorgaben für das sogenannte Cross Compliance zu sanktionieren.

Agrarminister Meyer sagte, er habe die Landwirtschaftskammer angewiesen, die Vorgaben der Düngeverordnung „konsequent und falls erforderlich mit Ordnungswidrigkeitsverfahren zu verfolgen. Der Schutz unseres Grundwassers vor Überdüngung genießt Priorität. Wer ordnungsgemäß düngt, kann dies auch weiterhin tun.“

(Quelle: PM) [mehr hier…]

7 Antworten zu “Regeln”

  1. peter hensen said

    Das wurde höchste Zeit, wenn man sich die Gräben teilweise angeschaut hat; das war ja blankes Entsetzen.

    • ulrike said

      Wir sind in der glücklichen Lage , hier einen Kommentator und Fachmann zu haben.
      Bevor ich mir meine Meinung bilde , höre ich gerne Buggy , der von seinen Erfahrungen “ vor Ort “ berichten kann .

  2. Buggy said

    Moin Ulrike,
    auf den ersten Blick ist da nicht viel Neues dabei. Im vergangenen Jahr war bereits eine Düngung zu den Winterungen quasi nicht mehr zulässig. Das ist vom Bedarf der Ackerkulturen her auch meistens richtig. Ich selber habe die Herbstgülledüngung bereits seit einigen Jahren nicht mehr durchgeführt, denn den Stickstoff kann ich besser im Frühjahr verwerten (habe selber genügend Güllelagerkapazitäten).
    Das Problem an der Sache: Im letzten Jahr kam die neuen Vorgaben (oder die neue Interpretation der vorhandenen Vorgaben?- bin mir da selber nicht sicher) sehr plötzlich. Viele haben wenig Lagerraum für Gülle und bauten deshalb Wintergetreide an, um im Herbst noch etwas Platz im Güllelagerraum zu schaffen. In diesem Winter/Frühjahr drohten dann einige Lagerstätten überzulaufen. Durch Solidarität untereinander konnte man sich gegenseitig helfen, aber bei einigen war die Not schon groß.

    Wir Landwirte dürfen maximal 170 kg Stickstoff aus organischen Düngern pro Hektar ausbringen. Fehlenden Bedarf müssen wir mit teuren Kunstdüngern ausgleichen. Das ist meistens sogar doppelt ärgerlich, denn viele (auch ich) müssen Gülle für teures Geld abgeben.
    Auf einigen Flächen sind mittlerweile Erträge von ~10t Weizen/ha möglich- da komme ich mit den läppischen 170kg nicht weit. Ich würde mir sehr wünschen, wenn wir mehr Stickstoff aus Gülle düngen dürften – natürlich dann, wenn Bedarf da ist, nämlich im Frühjahr.
    Und bitte: Drückt uns nicht auch noch das schlagspezifische Güllekataster auf. Wer denkt sich nur solche Bürokratie aus….

    Dieser Artikel nennt sich „Regeln“. Hinter diesem Link sind die Regeln zur DüngeVO aufgelistet: http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/pflanze/nav/340/article/7794.html

    Da ist z.B. auch von Phosphor zu lesen. Die DüngeVO an der Stelle ist sehr schwierig einzuhalten, wenn man einigermaßen vernünftige Erträge erzielen möchte. Ich versuche es, aber ich rutsche mit den ersten Flächen bereits in die Stufe „B“ (unterversorgt) beim Phosphor. Das hat mit bedarfsgerechter Düngung nichts mehr zu tun.

    • Bernd Schulte said

      Das mag ja alles wohl so sein und ist von einem landwirtschaftlichen Laien kaum zu beurteilen.
      Nur: Die Nitratbelastung des Grundwassers und die in der Tat ekelhaften Grabengewässer sind ja nun mal da, letztere im Frühjahr auf dem Lande für jedermann leicht zu erkennen. Irgendwo kommt das ja wohl her und irgendwie muss man es in den Griff kriegen.
      Wer A sagt und mit vielen Masttieren eine riesige Menge Gülle produziert, muss auch B sagen und für die Folgen geradestehen. Das ist doch in allen anderen Wirtschaftsbereichen so ähnlich.

      • kib said

        Guten Abend Herr Schulte,
        bitte überdenken Sie Ihren Beitrag: Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass Buggy sich alle Mühe gibt jedem Laien (selbst mir erfolgreich!) zu vermitteln, wie Landwirtschaft funktioniert: Ich habe durch Buggy gelernt, dass Landwirte immer mehr* zu Spielbällen der Politik werden und diesen Kraftakt als Kleinbetriebe nur unter größten Anstrengungen meistern können bzw. einige (kleinere) eben gar nicht. Daher sind Ihre letzten Aussagen m.E. so nicht richtig: Als Spielball politischer Willkür „sagt“ man nichts, sondern „reagiert“ bestenfalls- oft mehr schlecht als recht.
        Zitat: Das ist doch in allen anderen Wirtschaftsbereichen so ähnlich.
        Verstehe- oder eben nicht! Was ist wo bitte denn „überall ähnlich“?. Vor allem aber, möchten wir Missstände aus anderen Wirtschaftszweigen als Maßstab anlegen und dabei erstens moralisch verlieren (erinnere mich an Aldi bzw. Hart & Fair am Montag) oder vergleichen wir gerade gar „Äpfel mit Birnen“ (weil das Thema Landwirtschaft das oberflächlich zulässt?) * bzw. erst jetzt / vielleicht nach Jahrzehnten- dafür (zu) geballt?

        Ulrikes diskrete Anfrage an Buggy empfand ich übrigens als sehr charmant: Eine Dame die nicht nur mit Ihrem Wissen & Ihrem Humor sehr tief tieft stapelt , sondern einfach Interesse an Dinge bekundet, in denen Sie gerade

  3. Tom said

    Es drängt sich der Verdacht auf, daß viele „industrielle“ Landwirte sich ziemlich wenig um Verordnungen und Gesetze scheren.
    Hier wird lustig im Winter auf gefrorenem Boden gegüllt und der Acker als Lagerfläche für Trockenkot benutzt. Manchmal hab ich schon ein richtig schlechtes Gewissen, weil ich nicht meine Nachbarn denunziere. Müsste ich das? Ist das meine Aufgabe? Könnte ich dann noch hier leben?

    btw: Ist der Urangrenzwert im Trinkwasser nun endlich an die verwendeten Kunstdüngergaben angepasst worden? 😉

  4. kib said

    nicht „im Thema“ steckt (was selten genug ist- denn für eine „ältere Dame“ ist sie super informiert- Chapeau).

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