HMA

26. Juni 2013

300px-Wippingen_in_EL.svg„Das Beschwerdeverfahren vor dem Nieders. Oberverwaltungsgericht in Lüneburg um die Hähnchenmastanlage im emsländischen Wippingen mit 83.900 Mastplätzen wurde jetzt durch einen Vergleich zwischen dem Betreiber und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) beendet. Der Anlagenbetreiber nimmt bestimmte emissionsmindernde Maßnahmen vor und kann dann den Betrieb wieder aufnehmen.

Zur Vorgeschichte: Der NABU wandte sich gegen die Stallanlage, weil er zum einen befürchtete, dass die Stickstoffemissionen den festgesetzten Grenzwert übersteigen und der angrenzende Wald und gesetzlich geschützte Wallhecken dadurch geschädigt würden. Zum anderen sorgten sich die Umweltschützer um gesundheitliche Beeinträchtigungen der Anwohner durch gesundheitsgefährdende Keime und Bioaerosole. Deshalb legte der NABU im Mai 2012 gegen die Genehmigung Widerspruch ein und stellte gleichzeitig vor dem Verwaltungsgericht Osnabrück einen Antrag im einstweiligen Rechtsschutzverfahren, um den Bau zu stoppen. Das Verwaltungsgericht gab diesem Antrag Januar diesen Jahres statt. Da die Mastanlage aber zwischenzeitlich bereits fertiggestellt und in Betrieb war, untersagte der Landkreis im Mai dem Landwirt die Neueinstallung und versiegelte die Stallanlage. Derweil hatte der Betreiber ein Beschwerdeverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht angestrengt. Durch den Vergleich kommt dieses nun zu einem einvernehmlichen Ende.

Im Einzelnen beinhaltet der Vergleich insbesondere folgende Punkte: Der Landwirt baut sowohl einen Wasserbadfilter als auch einen staubreduzierenden Wärmetauscher in beide Ställe der Anlage ein und verwendet ausschließlich eiweißreduziertes RAM-Futter. Außerdem übernimmt er die Kosten für das Widerspruchs- und die Gerichtsverfahren.

„Wir gehen davon aus, dass durch Wasserbadfilter, Wärmetauscher und RAM-Futter die Staub-, Keim-, Geruchs- und Stickstoffemissionen so weit reduziert werden, dass die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten und die Beeinträchtigungen von Mensch und Natur auf ein vertretbares Maß gesenkt werden“, so Katja Hübner, Mitarbeiterin des NABU-Regionalbüros Emsland / Grafschaft Bentheim.

Im Hinblick auf den angrenzenden Waldbestand wurde darüber hinaus eine Zustandskontrolle in 5 und 10 Jahren vereinbart. Werden Schäden durch Stickstoff festgestellt, erfolgt eine Kompensation durch die Neuanlage eines Waldbestandes.

„Durch den Vergleich können wir gravierende Beeinträchtigungen vermeiden und einen langwierigen und möglicherweise kostenintensiven Rechtsstreit vermeiden“, beschreibt Hübner die Vorteile. „Allerdings sind die Vergleichsbedingungen den besonderen Umständen dieses Einzelfalls geschuldet und keinesfalls als „Modellregelung“ für andere Verfahren geeignet“, schränkt Hübner ein. Der NABU wird sich auch weiter intensiv in Genehmigungsverfahren von industriellen Stallanlagen einbringen.“

Der Betreiber der „HMA Wilmes Wippingen“ (Behördenkürzel) trägt auch die Kosten des Verfahrens um seine Anlage für knapp 84.000 Tiere. Gegenüber der NOZ wollte sich der Betreiber des Mastbetriebs auf Nachfrage nicht äußern. (Quelle PM)

mp3

26. Juni 2013

amazonaInteressant, selbst noch nicht ausprobiert und gerade gelesen bei kultur-retten.de

Amazon schenkt nun allen Käufern von CDs rückwirkend bis 1999 die dazu passenden MP3s aus dem Amazon Programm. Somit müssen keine Kopien mehr erstellt werden sondern es können Original MP3s gezogen werden.

Auf diese Weise entstehen keine Kopien und man ist nicht genötigt den Tarif VR-Ö der GEMA in Anspruch zu nehmen, da die MP3s selbstredend Originale sind.

Die Anleitung findet man hier unter Amazon: 
http://www.amazon.de/b?ie=UTF8&node=2624847031

Eurogate

26. Juni 2013

220px-Auge_und_SchereDas Bremerhavener Hafenunternehmen Eurogate will nach eigenen Angaben erneut versuchen, einen verurteilten Sexualstraftäter zu beschäftigen. Ende vergangenen Jahres war der Mann wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren 9 Monaten verurteilt worden; er hatte seine 10jährige Stieftochter mehrfach sexuell missbraucht. Daraufhin hatte das Unternehmen dem Mann fristlos gekündigt. Das Arbeitsgericht hatte aber entschieden, dass das Unternehmen den Mann wieder einstellen muss. Eurogate hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Beim ersten Beschäftigungsversuch am vergangenen Freitag hatten alle 300 Kollegen des Mannes ihre Arbeit niedergelegt.

Eigentlich sollte der Mann gestern erneut seinen Dienst antreten, doch der 37-Jährige meldete sich auf unbestimmte Zeit krank. Die Belegschaft hatte bereits weitere Proteste geplant, die dann aber wieder abgesagt wurden. Die Hafenarbeiter wollen erst abwarten, bevor sie über neue Proteste entscheiden. Sie wollen mit dem verurteilten Sexualstraftäter nicht zusammenarbeiten.

Der 37-Jährige verbüßt seine Freiheitsstrafe im offenen Vollzug und wollte nach dem gewonnenen Kündigungsschutzprozess als Freigänger seinen Dienst auf dem Containerterminal in Bremerhaven wieder antreten. Daraufhin hatten alle 300 Mitarbeiter der Spätschicht eine Stunde lang gestreikt. Erst als der Verurteilte das Gelände wieder verlassen hatte, wurden auch wieder Schiffe abgefertigt. Dadurch sei dem Unternehmen ein erheblicher Schaden entstanden, klagte die Eurogate-Geschäftsführung. Dümmere Medienvertreter machen jetzt den Verurteilten dafür verantwortlich.

Die Geschäftsführung setzt auf eine Berufung gegen das Urteil und will erreichen, dass das Landesarbeitsgericht Bremen doch noch einer Kündigung des Mitarbeiters zustimmt, damit der Betriebsfrieden gewahrt bleibt.

Ich habe nichts im Netz über Anklagevorwurf und Urteil gegen den Mann gefunden. Die kollektive Gnadenlosigkeit, die in der Arbeitsniederlegung zum Ausdruck kommt, macht mir ungeachtet dessen Sorge. Die Verfassung gebietet nämlich, den Strafvollzug auf das Ziel der Resozialisierung auszurichten. Wie aber soll einer in die Gesellschaft zurückfinden, den die Menschen so an den Pranger stellen und öffentlich vernichten wie den Eurogate-Mann?

Es ist „ein heikles Thema“, schreibt die Süddeutsche. „Heikel, weil jedes Opfer eines zu viel ist. Heikel, weil Richter und Gutachter abwägen müssen, was keiner mit Sicherheit abzuwägen vermag – niemand kann in den Kopf eines Sexualstraftäters sehen. Heikel, weil immer ein Restrisiko bleiben wird. „Es gibt kein Allheilmittel“, sagt der Münchener Chefarzt Dr. Herbert Steinböck.

In einem aber sind sich die Fachleute einig: Therapie hilft. Nicht allen Tätern, aber einem sehr großen Teil. Die Erfolgschancen sind abhängig vom Tätertypus. So werden Inzesttäter selten rückfällig, bei Pädophilen liegt die Quote hingegen sehr hoch.  Doch Therapien senken das Rückfallrisiko deutlich. Es gibt sie in den forensischen Kliniken für psychisch kranke Straftäter  und es gibt sie in den Gefängnissen für solche Sexualstraftäter, die sich strafbar gemacht haben, ohne psychisch krank zu sein.

In den niedersächsischen Gefängnissen gibt es beispielsweise seit mehr als zwei Jahrzehnten Sexualtherapien mit engagierten, sorgfältig arbeitenden Mitarbeitern. Eine der erfahrensten Sozialtherapien befindet sich in Lingen, ohne dass es hier zu Straftaten von Gefangenen gekommen wäre. Sie kümmert sich auch um entlassene  Straftäter. Aber außerhalb des Vollzugs fehlen generell Therapeuten und Fachambulanzen, wie es sie meines Wissens bisher nur an wenigen Orten in Deutschland gibt, beispielsweise in Berlin und Kiel. Für mehr fehlt das Geld.  Viele frei praktizierenden Therapeuten scheuen sich, einen Sexualstraftäter aufzunehmen, aus Angst vor den Konsequenzen, falls dieser rückfällig werden sollte. Dann nämlich werden sie selbst von einer gnadenlosen Öffentlchkeit vernichtet. Das ist wahrlich keine gute sondern eine geradezu alttestamentarische Entwicklung, die unsere Gesellschaft nimmt. Jeder moralische Fundamentalismus verspricht nichts Gutes.

(Quellen  Süddeutsche, Radio Bremen; Grafik: „Durch das Auge (Grifföffnung) der Schere ziehen“ (unehrlich gewinnen), alternativ auch: „Auge für Auge“ – Detail aus Pieter Bruegels Gemälde Die niederländischen Sprichwörter CC wikipedia)

Prototyp

26. Juni 2013

Bildschirmfoto 2013-06-16 um 22.14.09

Gottes neuer Spielplatz

Bolles + Wilson in Münster: Kirche zu Kita

Die Außenaufnahmen, berichtet Baunetz, führen auf eine falsche Fährte. Was von weitem wie ein neues Meisterwerk der analogen Architektur oder ein vergessener Bau von Peter Zumthor wirkt, das entpuppt sich beim näheren Hinsehen als brutalistischer Kirchenbau von 1962, der damals von dem lokalen Architekten Heinz Esser für die Münsteraner Gemeinde St. Sebastian entworfen wurde. Vollkommen neu ist dagegen das Innenleben, konnte doch das Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz steht, von Bolles + Wilson [die Lingen Planideen für das Gebiet um den  Alten Hafen entwickelt haben] durch den Umbau zur Kita vor dem Abriss gerettet werden.

Mit dem nun schon seit langem andauernden Gemeindesterben hat sich inzwischen eine fast schon typische Herangehensweise an die Bauaufgabe Kirchenkonversion entwickelt. Schon 1968 wurden in der Berliner Marthakirche von den Architekten Werner Harting und Gerhard Strauchmann neue Gemeinderäume dadurch geschaffen, dass sie diese einfach ins Kirchenschiff stellten, indem sie dessen Nullebene um ein Stockwerk anhoben. Und Arno Brandlhuber und June 14  versuchen sich beim geplanten Umbau der Kreuzberger St. Agnes-Kirche in eine Galerie an einer ähnlichen Strategie.

Bolles + Wilson folgen diesem Ansatz, sie packen aber das Raumprogramm der Kita in anderthalb Stockwerke, so dass eine Topografie entsteht, die sehr gut zur neuen Nutzung des Kirchenschiffs als Spielplatz passt. Gleichzeitig haben die Architekten aber auch die Grundidee so einfach wie genial weiter entwickelt. Anstatt der Kita enorme Heizkosten aufzubürden, wurde das Kirchenschiff in einen geschützten Außenraum verwandelt, der durch die bestehenden quadratischen Öffnungen natürlich belüftet und durch neue Dachkuppeln belichtet wird. So ist die Kita ein Prototyp dafür, wie sich angesichts der heutigen ökologischen Herausforderungen auch ohne aufwändige Technik nur mittels verschiedener Klimazonen Architektur effizienter gestalten lässt.

Auf Karte zeigen:
Google Maps

(gefunden bei: Baunetz.de (Stephan Becker))