Lovis

25. Juni 2013

Lovis

Neues von der Bürokratenfront:
Es geht um den Segler Lovis, auf dem zwei Jahrzehnte zivilgesellschaftliches Engagement gelernt und gelehrt wurde. Dies  soll es in Zukunft nicht mehr geben. Zwar haben die Lovis-Eigner mit ihrem Schiff einen 115 Jahre alten, „originalen“ Rumpf erhalten. Der Aufbau wurde nach dem Vorbild eines nahezu baugleichen Schiffes neu gebaut. Damit entspricht die Lovis einem Anfang des Jahrhunderts sehr verbreiteten Schiffstyp, dem Frachtlogger.

Aber für den Betrieb des heute als „Bildungslogger“ betriebenen Schiffs braucht man natürlich ein Sicherheitszeugnis. Zuständig dafür ist die Berufsgenossenschaft („BG“) Verkehr. Das Problem: Solange das Schiff als historisch eingestuft ist und gemeinnützig geführt wird, sind Sportführerschein, Hobby-Crew und angepasste Sicherheitsauflagen ausreichend. Und das spart die Eigner Geld, das sie andernfalls nicht haben. Kurzum: Nur mit der Einstufung als „historisches Wasserfahrzeug“ können sie sich ihre schwimmenden Schätze überhaupt leisten.

Die BG bewertet also den historischen Wert des Schiffs. Sie prüft auch inhaltlich  das Fahrtkonzepts des Schiffs und bewertet dessen Gemeinnützigkeit. Im Fall der  „Lovis“ will die BG das Schiff jetzt nicht mehr  als „historisches Wasserfahrzeug“ einstufen. Denn das Schiff habe es ja „so nie gegeben“. Die BG will also aufgrund ihrer etwas anderen Definition von „historisches Wasserfahrzeug“  die Fahrterlaubnis nicht mehr verlängern. Das Schiff sei nicht historisch genug. Der Betrieb der Lovis ist damit in höchster Gefahr.

Und sie ist damit beileibe kein Einzelfall. Wie ihr geht es vielen anderen vergleichbaren Schiffen. Seit 2000 hat die Praxis der Berufsgenossenschaft dazu geführt, dass von 200 deutschen Traditionsschiffen in Fahrt kaum mehr als 80 übrig geblieben sind, schätzt Thomas Hoppe, Vorsitzender des Dachverbandes der Traditionssegelschiffe GSHW. Die derzeitige Praxis ist nach Ansicht der GSHW fragwürdig, nicht transparent und führt so zu einem  Sterben von Traditionsschiffen in Deutschland. Und das ohne jeden Handlungsdruck: Weder haben die BG-Kriterien Sicherheitsrelevanz noch sind Traditionsschiffe ein Sicherheitsrisiko.

Die Folge der BG-Praxis, auf die man ja erst einmal kommen muss: Entweder gibt es zukünftig nur noch ein paar wenige museale Anschauungsobjekte, oder die lebendige Szene verschiedenster Schiffe und damit verbundener Ideen, Bildungs- und Fahrtkonzepte bleibt erhalten. Durch die aktuelle BG-Praxis sieht die GHSW den Fortbestand der ganzen Traditionsschifffahrt in Deutschland bedroht:

Zusammen mit den Traditionssegelschiffen Hanne-Marie, Zuversicht, Ethel von Brixham, Amazone und Nobile protestierte am vergangenen Sonntag während der „Kieler Woche“ auch  „Bildungslogger“  Lovis gegen seine drohende Stilllegung. Mit Bannern wie „Nehmt uns nicht den Wind aus den Segeln“, „Unsere Zukunft, eure Kieler Woche“, Trommeln, Pfiffen und Laolawellen machten die Schiffe auf das drohende Aus der Traditionsschifffahrt aufmerksam.

Die Forderung:  Lovis und die anderen Traditionsschiffe müssen weiterhin fahren dürfen. Jahrelang gewachsenes gesellschaftliches Engagement und der Freiraum auf diesen Schiffen dürfen nicht ausgelöscht werden! Wenn Sie dies genauso sehen, können Sie bei dieser Petition  mitzeichnen. [mehr…]

2 Antworten to “Lovis”

  1. Joachim said

    Was geschieht mit den alten Schleppern, denen man schon alleine aus Gründer der Betriebssicherheit die Dampfanlage aus und vor vielen Jahrzehnten einen Diesel einbaute?
    „Navigare necesse est, vivere non est necesse“

  2. kib said

    Stimmt, davon unberührt lernt man auf „alten Kähnen“ gescheites / ehrliches Handwerk: Jedes „Seglerherz“ auf See schlägt höher ein Traditionsschiff in Sicht zu haben. Klingt recht kitschig, ist allerdings so: Muss man erlebt haben!

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