Wir Naiven…

23. Juni 2013

„Die Aufdeckung der weitgehenden Überwachung des Internetverkehrs stellt eine Zäsur dar, der wir hilflos gegenüber stehen. Es mag zwar wie eine Niederlage für die Geheimdienste von USA und Großbritannien anmuten, dass Edward Snowden über sie berichtet. Der, gewarnt durch das Schicksal des eingekerkerten Bradley Mannings und vom de facto Hausarrest Julian Assangs, hat keine spontane Entscheidung getroffen. Vielmehr hat er sich seine Schritte wohl überlegt und sich auf ein Exil vorbereitet. Die Paranoia in den Geheimdiensten durch diesen „Verrat“ wird steigen.

Aber letztlich werden die Geheimdienste mit der Situation leben können. Denn zumindest ein Effekt spielt ihnen wieder in die Hände. Wer das Nullargument „wer nicht zu verbergen hat“ bringt, hat noch nie etwas von Formierung gehört. Die Auswirkungen von bekannter Überwachung ist, dass sie Opposition dämpft, abweichendes Verhalten abstellt. Eine Schere im Hinterkopf, der eigene innere Zensor, surft spätestens ab jetzt bei mehr Personen mit.

Dass das angelsächsische „Five Eyes“-Programm seine Blicke auch auf den digitalen Erdteil richtet, kann im Nachhinein nicht überraschen. Und ich gebe zu, auch ich war so naiv (und bequem), zu glauben, dass das Internet trotz aller Regelierungs- und Kommerzialisierungsversuche, ein fast anarchistischer Raum sei. Anarchie im eigentlich Wortsinn: Ohne Herrschaft. Eine große Vereinbarung, definiert durch einige Protokolle, klare Regelwerke….“

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BN

23. Juni 2013

Es war das angenehmste Mitgliedertreffen meines politischen Lebens, die Tagung der BürgerNahen am letzten Montag. Entspannt nahten sogar die Gänse der Diskussion im Konferenzzentrum von Hausherr Martin Heitker und traten in einen zwanglosen ökologischen Dialog mit dem abgebildeten Herrn im weißen Oberhemd.

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Oldtimerrallye

23. Juni 2013

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Signalisieren

23. Juni 2013

spiegel1_5322566e42Morgen erscheint „Der Spiegel“ zum ersten Mal mit einer Titelgeschichte in deutscher und in türkischer Sprache. Klaus Brinkbäumer, stellvertretender Chefredakteur des „Spiegel“ sagte zum Informationsdienst Kress Mediendienst: „Natürlich glauben wir nicht, den knapp drei Millionen in Deutschland lebenden Türken mangele es an Deutschkenntnissen. Wir möchten signalisieren: Die Ereignisse in der Türkei gehen alle an – Deutsche, Türken, Europäer.“ Der Umgang der Regierung unter Ministerpräsident Erdogan mit friedlichen Demonstranten in einem europäischen Staat, einem Urlaubsland der Deutschen, einem EU-Beitrittskandidaten, sei beunruhigend; die Drohungen des türkischen Europaministers gegenüber Angela Merkel Ende der vergangenen Woche seien es auch gewesen, so Brinkbäumer. „Wir freuen uns darüber, dass unsere türkischen und türkisch-stämmigen Leser in Deutschland und in der Türkei die Titelgeschichte in einer ihnen vertrauten Sprache lesen können – sowohl auf Deutsch wie auf Türkisch.“

Der aktuelle „Spiegel“ werde „in deutlich erhöhter Auflage“ auch in der Türkei erscheinen und erstmals dort beworben.

Die Autoren der Titelgeschichte haben, weiß Kress Mediendienst, persönliche Beziehungen zur Türkei: „Spiegel“-Redakteurin Özlem Gezer, 32, ist Hamburgerin und Tochter  türkischer Gastarbeiter; sie hat deutsch-türkische Verwandtschaft sowohl hier als auch in der Türkei. Drei Jahre lang arbeitete sie als Journalistin in Istanbul . Im aktuellen „Spiegel“ schreibt sie über ihre eigene Familie und die Risse, die sich dort jetzt auftun – ähnlich wie sie 1968 durch viele deutsche Familien liefen.

Bernhard Zand, 45, heute Büroleiter in Peking, ging 1998 als erster „Spiegel“-Korrespondent in die Türkei und hat auch später aus der arabischen Welt noch lange über das Land berichtet. Zand ist mit einer Deutsch-Türkin verheiratet;  seine Kinder sprechen deutsch und türkisch. Zand hat den türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan als einer der ersten ausländischen Journalisten nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis getroffen und ihn seither mehrfach interviewt. Er schreibt darüber, wie es zur Spaltung der türkischen Gesellschaft kam – und welche Aussichten das Land hat, sie zu überwinden.

(Crosspost/Quelle: Marc Bartl in Kress Mediendienst)

nicht fett genug

23. Juni 2013

Vor gut zwei Wochen noch waren die holländischen Heringe noch nicht fett genug. Deshalb begann die Heringssaison in den Niederlanden dieses Jahr später als geplant. Das erste Fässchen mit dem Matjeshering, Hollandse Nieuwe genannt, wurde dann am vergangenen Mittwoch für einen guten Zweck versteigert.

Am Vlaggetjesdag (‚Fähnchentag‘), an dem traditionell die Eröffnung der neuen Fangsaison in Scheveningen gefeiert wird und der dieses Jahr am 8. Juni stattfand, gab es dieses Mal noch gar keinen Hollandse Nieuwe. Man behalf sich mit dem Fang des letzten Jahres. Auch die Fischerboote, die man an diesem Tag üblicherweise mit dem neuen Fang im Heimathafen willkommen heißt, stachen dieses Jahr erst am Vlaggetjesdag in See. Die Ehrengäste, Staatssekretärin Sharon Dijksma (PvdA) und der Den Haager Bürgermeister Jozias van Aartsen (VVD), winkten ihnen zum Abschied nach. Das beliebte Volksfest zog trotz der Umstände rund 200.000 Besucher an.

Haringpakkerij_(Nu_Prins_Hendrikkade)_-_AmsterdamIn Scheveningen wurde nun die Fischversteigerung des ersten Fässchens Hollandse Nieuwe gefeiert. 66.500 Euro gehen in diesem Jahr an die Organisation CliniClowns, die sich, nach der Philosophie des Amerikaners Patch Adams, der spielerischen und clownesken Behandlung von Krankenhauspatienten verschrieben hat.

Der Hollandse Nieuwe ist vor allem wegen seines zartschmelzenden Fleisches beliebt. 16 Prozent Fettanteil muss der Fisch haben. Der Fischfang eines guten Hollandse Nieuwe ist allerdings eine Kunst. Die Tiere müssen genug kalorienreiche Planktonkrebse fressen und gefischt werden noch bevor sie beginnen, Fischmilch und Rogen zu produzieren. Weil im Frühjahr die Sonne nicht genug schien und sich weniger Plankton als üblich bildete, waren die Heringe nicht rechtzeitig fett genug und die Fischer entschieden, die Saisoneröffnung um zwei Wochen zu verschieben.

Dabei standen die niederländischen Fischer in engem Kontakt mit ihren dänischen Kolegen, denn der niederländische Hering wird nicht mehr nur im niederländischen Teil der Nordsee gefischt. Er kommt aus den nördlichen Seegebieten zwischen Nordschottland, Dänemark und der Südküste Norwegens. Das „erste Fässchen“ der Saison wird noch immer von den einzigen beiden niederländischen Heringsschiffen eingefahren, doch der Hering, den die Niederländer im Laden bekommen, ist das Produkt von circa zwanzig norwegischen, dänischen, schwedischen und schottischen Fischereiloggern.

Hintergrund hierfür ist ein Heringsfischereiverbot von 1977, als der Heringstand in der Nordsee dramatisch niedrig war. In dieser Zeit begannen die dänischen Fischer im Skagerrak, einem Seitenmeer der Nordsee, guten Hering zu fischen. Niederländische Heringsbetriebe zogen daraufhin auf die dänische Halbinsel Skagen, denn von dort konnte man das Skagerrak gut erreichen. Während die Niederländer bis dahin den Fisch auf dem Boot ausnahmen, verarbeiteten die Skandinavier den Hering an Land, was effizienter war. Zudem stellte sich heraus, dass die Fangperiode für den Hollandse Nieuwe in einer geschäftsruhigen Zeit der Verarbeitungsbetriebe liegt. Also blieben die niederländischen Fischerbetriebe auch nach der Aufhebung des Fischereiverbots für Hering 1983 in anderen „Heringsländern“ wie Norwegen oder Schottland. Seitdem wird nahezu jeder „niederländische“ Hering in Skandinavien und kleinen Teilen Schottlands an Land gebracht und verarbeitet. Nur noch ein Betrieb in Katwijk verarbeitet Hering selbst.

Heutzutage können niederländische Käufer auf einer norwegischen Website verfolgen, welches Schiff mit wie viel Fisch, wann und wo einläuft, um alsbald Gebot auf die Ladung abzugeben. In den drei bis fünf Wochen, in denen der Hollandse Nieuwegefischt wird, ziehen jährlich niederländische Heringskäufer in die norwegischen und dänischen Häfen. Dank des guten Preises für den Nieuwe, der die Crème de la Crème der Heringe darstellt, können es sich manche sogar leisten, ein Ferienhaus zu kaufen. Beim Nieuwe handelt es sich um ungefähr sechs Prozent der erlaubten Fangmenge des Nordseeherings. Die restlichen 94 Prozent des Fisches sind zu mager, um als Hollandse Nieuwe auf dem Markt verkauft zu werden und landen in Büchsen und Töpfen.

Ausschlaggebend für die besondere Sorte ist die Art und Weise, auf die der Fisch verarbeitet und gegessen wird und nicht die Herkunft. Die Niederländer und eine Hand voll Belgier und Deutsche sind die Einzigen, die Hering roh essen, nachdem er ausgenommen, gepökelt und eingefroren wurde. Hering, der auf diese Weise gegessen wird ist Hollandse Nieuwe oder, ab September, Matjeshering.

Jedes Jahr legt Brüssel eine erlaubte Fangmenge für Hering fest. Durch eine gute Kontrolle war es möglich, dass nach einem Tief im Jahr 2010 die Zahlen wieder höher eingestellt werden konnten. Der niederländische Matjeshering stellt nur ungefähr sechs Prozent der gesamten Heringsfischerei dar: Im Jahr 2014 werden es rund 30.000 Tonnen, also 200 Millionen Heringe sein.

(Quelle: NiederlandeNet)