Hinrich-Wilhelm Kopf

8. Juni 2013

Hinrich-Wilhelm-KopfVorgestern stellte die Historische Kommission Niedersachsen ein Buch über das Leben des 1961 gestorbenen ersten Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf (SPD, Foto re.) vor. Darin wird dem Sozialdemokraten Kopf vorgeworfen, an einer Firma beteiligt gewesen zu sein, die Ende der dreißiger Jahre jüdisches Vermögen kaufte und er verwaltete nach dem Einmarsch in Polen das Vermögen der geflüchteten Polen und Juden im Osten.

Ende der dreißiger Jahre war Kopf Miteigentümer einer Berliner Firma, die jüdisches Vermögen verkaufte. Kopf habe „kräftig verdient an der Entrechtung vieler Juden“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in seiner Bewertung des Nentwig-Buches. Nach dem deutschen Einmarsch in Polen habe sich Kopf ein neues Betätigungsfeld gesucht und das Vermögen der geflüchteten Polen und Juden im Osten verwaltet. „Es handelte sich um einen systematischen Raub gegenüber Juden und Polen – daran ist nichts zu bemänteln“, erklärte Weil. Im Unterschied zu späteren Beteuerungen sei Kopf zu dieser Arbeit offenbar nicht gezwungen worden, sagte der Ministerpräsident. Ihn erinnere die Rolle Kopfs an die Tätigkeit von Anwälten in der DDR, die Ausreisewillige vertreten haben.

Ministerpräsient Weil: „Wie sollen wir damit umgehen? Diese Risse verleugnen und weiter das Denkmal verehren? Den Stab über Kopf brechen und seine historischen Verdienste in den Hintergrund treten lassen? Ich bin mir auch nach längerem Nachdenken noch nicht recht schlüssig, welches meine persönliche Antwort auf dieses Dilemma ist. Das Leben von Hinrich Wilhelm Kopf zeigt, dass Menschen immer wieder zu beidem gleichermaßen und als eine Person fähig sind – zu schuldhaftem Handeln ebenso wie zur herausragenden Leistung.“ Anschließend stellte Weil die Frage, was die neuen Forschungsergebnisse nun für viele Schulen und Straßen bedeutet, die Kopfs Namen tragen

Das Buch:

Teresa Nentwig: Hinrich Wilhelm Kopf (1893–1961). Ein konservativer Sozialdemokrat. 941 Seiten, Hahnsche Buchhandlung Hannover, ISBN 978-3-7752-6072-5, 48 Euro.

2 Antworten to “Hinrich-Wilhelm Kopf”

  1. hansi h. said

    Stephan Weil zaudert noch. HWK ist ja ein „Parteigenosse“. Der heutige MP stelt fest, dass es sich um systematischen Raub
    handelt. Nach unserer Rechtsordnung ist dies ein Verbrechen.Durch Lug und Trug ist HWK nach Kriegsende in ein hohes Amt
    gekommen.

    Filbinger und Kiesinger lassen grüßen.

    Ich möchte weder in einer HWK-Straße noch in einer HWK-Schule leben.

  2. Emsland said

    Dazu gibt es in Meppen noch die Georg-Wesener-Str., auch ein Mensch mit nicht ganz unbescholtenem Antlitz.

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