Herta

30. Juni 2013

Herta Charlotte Heuwer, geborene Pöppel, war die Besitzerin einer Imbiss-Stube im Nachkriegsberlin. Am 4. September 1949 erfand sie die Currywurst. Heute wäre Herta Heuwer, die am 3. Juli 1999 starb, 100 Jahre alt geworden. Google ehrt die Berlinerin dafür mit einem sonntäglichen Doodle.

Weitere Infos zur Currywurst im Allgemeinen und Herta Heuwer im Besonderen finden sich im deutschen Currywurst Museum in Berlin. Auf dem Weg dorthin gibt es übrigens die beste Currywurst westlich der Weser im Stahl’s Imbiss, Bad Oeynhausen. Ein Stopp lohnt immer.

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Stones

30. Juni 2013

Ich weiß ja nicht, wann unsere Musik-NSA GEMA wieder zuschlägt. Aber versuchen wir’s mal, so lange wie es funzt: Die Rolling Stones. Headliner auf dem diesjährigen Glastonbury-Festival. Viel Spaß.

Ausfall

30. Juni 2013

Ist doch einzigartig, mit welchem Einsatz hier gearbeitet wird: Fünf Tage Ausfall der Notrufsäulen rund um das Autobahnkreuz Schüttorf.

80 Prozent der 16700 Notrufsäulen an der Autobahn kamen im vergangenen Jahr -trotz der vielen Mobiltelefonen- zum Einsatz, insgesamt 74.171 Notrufe gingen in der Notrufzentrale ein. Das geht aus der Nutzungsstatistik des Gesamtverbandes der deutschen Versicherer (GDV) hervor, der in Deutschland den Notruf der Autoversicherer betreibt. Es ist also nicht der öffentliche Dienst, den es für seine Untätigkeit zu kritisieren gilt. Es ist ein Monopol der Privaten.

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nötig

29. Juni 2013

NABUZu dem zwischen den Naturschützern des NABU, dem Betreiber der Hähnchenmastanlage in Wippingen und dem Landkreis Emsland vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg abgeschlossenen Vergleich [hier…] war unser „Lasse-mal-machen-wir-lassen-zu-Landkreis“ sofort und ein wenig daneben mit der Erklärung zur Hand, dass mit der Einigung „die Rechtmäßigkeit der Genehmigung nunmehr anerkannt“ sei. Die Kreisverwaltung muss es wohl sehr nötig haben. Die Aussage aus dem Meppener Kreishaus ist nämlich falsch; denn es steht nach der Lüneburger Einigung nur fest, dass mit ihr die Genehmigung bestandskräftig geworden ist. Das hat postwendend der NABU auch erklärt. Hier ein Auszug aus der NABU-Pressemitteilung:

„Eine Anerkennung der Rechtmäßigkeit der Genehmigung von Seiten des NABU gibt es nicht. Es gibt zu der Genehmigung eine einzige gerichtliche Feststellung, nämlich den Beschluss des Verwaltungsgerichts Osnabrück vom 28.1.2013. In dem es heißt, dass die Frage der Rechtmäßigkeit oder Rechtswidrigkeit der Genehmigung offen sei.

Durch den Vergleich wurde entgegen der Aussage des Landkreises nicht anerkannt, dass die Genehmigung rechtmäßig sei. Ein Vergleich ist dadurch gekennzeichnet, dass alle beteiligten Parteien nachgeben, um die Fortführung eines gerichtlichen Streits zu vermeiden. Der NABU ist nach wie vor der Ansicht, dass die Genehmigung nicht hätte erteilt werden dürfen. Mit dem Abschluss des Vergleichs hat der NABU zum einen eine Verbesserung der Immissionssituation in der Umgebung der Hähnchenmastställe erreicht. Zum anderen verbindet der NABU mit dem Vergleich das Signal sowohl an den Landkreis als Genehmigungsbehörde als auch an künftige Antragsteller, dass derartige Genehmigungen weiterhin sehr kritisch unter die Lupe genommen werden.“

Dazu gibt es auch allen Grund. Denn bei der Flut der neuen Maststall-Genehmigungsanträge ist immer noch kein Ende in Sicht, sagt Katja Hübner (NABU). Aktuell laufen u.a. folgende Hähnchenmast-Genehmigungsverfahren.

1. Hähnchenmastanlage Wigbers in Harrenstätte mit 2 Ställen mit je 42.000 Mastplätzen

2. Hähnchenmastanlage Borgmann in Lorup mit 4 Ställen mit je 60.108 Mastplätzen + Zubehör. Gesamtkapazität der Anlage 303.422 Plätze.

Wer sich informieren und ggf wehren will, ein kleiner Hinweis: Für beide Vorhaben gilt die
Auslegungsfrist 8.7.-7.8.13 (beim Landkreis und bei der jeweiligen Gemeinde) und die Einwendungsfrist bis zum 21.8.13.

 

Grenzpendler

28. Juni 2013

Bildschirmfoto 2013-06-22 um 00.26.51Am vorvergangenen Mittwoch wurde vom Benelux-Generalsekretariat ein neues Onlineportal für Grenzpendler in Belgien, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen (NRW) online gestellt. Die Präsentation fand im Rahmen der Eröffnung eines neuen Europe Direct-Informationszentrums im niederländischen Nimwegen statt.

Das Portal, welches unter der Internetadresse www.grenzpendler-info.de erreichbar ist, bietet Grenzpendlern einen zentralen Einstieg in die vorhandenen Informationen verschiedener Instanzen der drei beteiligten Länder und stellt nützliche Links zu Partnerwebsites bereit. Es bietet Antworten auf Fragen zur unterschiedlichen Gesetzgebung in den drei Ländern und darüber, was man beachten muss, wenn man in einem der Länder arbeitet und einem anderen wohnt. „Das Portal ist eine wirkliche Hilfe im Alltag. Es bietet schnelle und aktuelle Informationen, etwa zu Fragen der Renten- und Arbeitslosenversicherung im Nachbarland, oder wenn es um die Anerkennung von Berufsabschlüssen geht“, so NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider. Der Minister beschrieb die Website als einen weiteren „Baustein zum gemeinsamen, grenzenlosen Europa“.

Als Benutzer des neuen Portals wählt man zuerst das Land, in dem man wohnt und anschließend das Land, in dem man arbeitet. Im nächsten Schritt kann man aus verschiedenen Rubriken wie etwa Arbeitsrecht, Steuern, Krankheit, Rente oder Sozialversicherung wählen und bekommt anschließend die hinterlegten Informationen oder Verweise zu anderen Websites in verschiedenen Sprachen angezeigt. Benelux-Generalsekretär Jan van Laarhoven zeigte sich am Mittwoch davon „überzeugt, dass wir durch das Einstellen von guten digitalen Informationen für Grenzarbeiter direkt an der Stimulierung von grenzüberschreitender Arbeitsmobilität beitragen“.

Entwickelt und in Auftrag gegeben wurde die neue Website, welche die Informationen zweier bisheriger Seiten für Belgien-Niederlande und NRW-Niederlande zu einem kombinierten Portal vereint, von der belgischen Gesundheits- und Sozialministerin Laurette Onkelinx , dem nordrhein-westfälischen Arbeits-, Integrations- und Sozialminister Guntram Schneider sowie dem niederländischen Sozial- und Arbeitsminister Lodewijk Asscher. Gepflegt werden wird das Portal zukünftig durch das Benelux-Generalsekretariat in Brüssel. Für die nahe Zukunft ist auch die Integration von Informationen über Luxemburg in das Portal geplant. Ebenfalls noch nicht komplett sind die hinterlegten Informationen für Grenzpendler zwischen Belgien und Deutschland zu sein.

Weitere Informationen für Grenzpendler erhält man auch in den NiederlandeNet-Hintergrunddossiers zu Rechtsfragen zum Thema Arbeiten in den Niederlanden, zu Grenzüberschreitenden Beziehungen zwischen NRW und Benelux sowie zur Benelux aus niederländischer Perspektive.

(gefunden bei NiederlandeNet)

Brutzeit

27. Juni 2013

RabenkräheDer NABU Niedersachsen geht gegen den Landkreis Grafschaft Bentheim vor. Der NABU hat beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg eine einstweilige Anordnung beantragt, um den Abschuss von Rabenkrähen im Juli zu verhindern. Der Landkreis Grafschaft Bentheim hatte durch eine Verordnung die bestehende Schonzeit für Rabenkrähen für den Monat Juli aufgehoben, um angebliche ‚übermäßige‘ Schäden von der Landwirtschaft abzuwenden. Rabenkrähen sind nach dem Niedersächsischen Jagdgesetz aber nur für die Zeit vom 1.August bis zum 20. Februar ‚zum Abschuss freigegeben‘.

„Es ist nicht zu akzeptieren, dass Rabenkrähen während ihrer Brutzeit geschossen werden. Die Aufzucht von Jungvögeln ist Ende Juni noch nicht abgeschlossen, so dass diese im Nest verhungern, wenn die Altvögel getötet werden“, erklärt Dr. Holger Buschmann, NABU Landesvorsitzender Niedersachsen.

„Wildlebende Vögel haben ein Recht darauf, bei ihrer Brut und Jungenaufzucht nicht gestört zu werden. Dies gilt auch für Rabenkrähen! Aber selbst der besondere Schutz der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie der EU, in der eine Bejagung während der Jungenaufzucht strengstens untersagt wird, scheint weder die Jägerschaft daran zu hindern einen Abschuss für diese Zeit zu fordern, noch den Kreistag, dieser Forderung ungeprüft nachzukommen. Hinzu kommt die Gefährdung der streng geschützten Saatkrähe durch die Verwechslungsgefahr beim Abschuss, die überhaupt nicht berücksichtigt wurde“, betonte Dr. Holger Buschmann.

Der NABU Niedersachsen hofft, dass das Gericht einer Schonzeitenverkürzung Einhalt gebietet und die Missachtung des Artenschutzrechtes ausschließlich nach Vorlage wissenschaftlich fundierter Anträge zulässt. Lapidar vorgebrachte Schadensbehauptungen, die einer genaueren Untersuchung entbehren sind nach Meinung des NABU rechtlich nicht zulässig. Hier wird versucht, den Rabenkrähen ‚den schwarzen Peter‘ zuzuschieben, ohne zu überprüfen, ob es nicht auch andere Ursachen für etwaige Schäden gibt. Im letzten Jahr wurde der angebliche Schaden durch Rabenkrähen in der Landwirtschaft im Landkreis Grafschaft Bentheim von der Kreisjägerschaft mit einer Summe von 235.000 Euro beziffert.

Nach Auffassung des NABU muss durch eine unabhängige Untersuchung geklärt werden, ob und wenn welche Schäden in der Landwirtschaft tatsächlich auftreten und zu welchen Anteilen sie von Krähen verursacht werden. Nach Auskunft des Landkreises wurden in den drei Jahren mit Schonzeitverkürzung jeweils zwischen 4.686 und 4.931 Krähen geschossen, ohne Schonzeitverkürzung 4.523. „Dass durch den Abschuss von ca. 400 zusätzlichen Krähen die angeblich durch Krähen verursachte Schadenssumme wirkungsvoll verringert werden soll, erscheint doch äußerst zweifelhaft“, so Dr. Holger Buschmann weiter.

(Quelle PM; Foto:
Rabenkrähe Corvus Corone: CC Richard Bartz)

HMA

26. Juni 2013

300px-Wippingen_in_EL.svg„Das Beschwerdeverfahren vor dem Nieders. Oberverwaltungsgericht in Lüneburg um die Hähnchenmastanlage im emsländischen Wippingen mit 83.900 Mastplätzen wurde jetzt durch einen Vergleich zwischen dem Betreiber und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) beendet. Der Anlagenbetreiber nimmt bestimmte emissionsmindernde Maßnahmen vor und kann dann den Betrieb wieder aufnehmen.

Zur Vorgeschichte: Der NABU wandte sich gegen die Stallanlage, weil er zum einen befürchtete, dass die Stickstoffemissionen den festgesetzten Grenzwert übersteigen und der angrenzende Wald und gesetzlich geschützte Wallhecken dadurch geschädigt würden. Zum anderen sorgten sich die Umweltschützer um gesundheitliche Beeinträchtigungen der Anwohner durch gesundheitsgefährdende Keime und Bioaerosole. Deshalb legte der NABU im Mai 2012 gegen die Genehmigung Widerspruch ein und stellte gleichzeitig vor dem Verwaltungsgericht Osnabrück einen Antrag im einstweiligen Rechtsschutzverfahren, um den Bau zu stoppen. Das Verwaltungsgericht gab diesem Antrag Januar diesen Jahres statt. Da die Mastanlage aber zwischenzeitlich bereits fertiggestellt und in Betrieb war, untersagte der Landkreis im Mai dem Landwirt die Neueinstallung und versiegelte die Stallanlage. Derweil hatte der Betreiber ein Beschwerdeverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht angestrengt. Durch den Vergleich kommt dieses nun zu einem einvernehmlichen Ende.

Im Einzelnen beinhaltet der Vergleich insbesondere folgende Punkte: Der Landwirt baut sowohl einen Wasserbadfilter als auch einen staubreduzierenden Wärmetauscher in beide Ställe der Anlage ein und verwendet ausschließlich eiweißreduziertes RAM-Futter. Außerdem übernimmt er die Kosten für das Widerspruchs- und die Gerichtsverfahren.

„Wir gehen davon aus, dass durch Wasserbadfilter, Wärmetauscher und RAM-Futter die Staub-, Keim-, Geruchs- und Stickstoffemissionen so weit reduziert werden, dass die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten und die Beeinträchtigungen von Mensch und Natur auf ein vertretbares Maß gesenkt werden“, so Katja Hübner, Mitarbeiterin des NABU-Regionalbüros Emsland / Grafschaft Bentheim.

Im Hinblick auf den angrenzenden Waldbestand wurde darüber hinaus eine Zustandskontrolle in 5 und 10 Jahren vereinbart. Werden Schäden durch Stickstoff festgestellt, erfolgt eine Kompensation durch die Neuanlage eines Waldbestandes.

„Durch den Vergleich können wir gravierende Beeinträchtigungen vermeiden und einen langwierigen und möglicherweise kostenintensiven Rechtsstreit vermeiden“, beschreibt Hübner die Vorteile. „Allerdings sind die Vergleichsbedingungen den besonderen Umständen dieses Einzelfalls geschuldet und keinesfalls als „Modellregelung“ für andere Verfahren geeignet“, schränkt Hübner ein. Der NABU wird sich auch weiter intensiv in Genehmigungsverfahren von industriellen Stallanlagen einbringen.“

Der Betreiber der „HMA Wilmes Wippingen“ (Behördenkürzel) trägt auch die Kosten des Verfahrens um seine Anlage für knapp 84.000 Tiere. Gegenüber der NOZ wollte sich der Betreiber des Mastbetriebs auf Nachfrage nicht äußern. (Quelle PM)

mp3

26. Juni 2013

amazonaInteressant, selbst noch nicht ausprobiert und gerade gelesen bei kultur-retten.de

Amazon schenkt nun allen Käufern von CDs rückwirkend bis 1999 die dazu passenden MP3s aus dem Amazon Programm. Somit müssen keine Kopien mehr erstellt werden sondern es können Original MP3s gezogen werden.

Auf diese Weise entstehen keine Kopien und man ist nicht genötigt den Tarif VR-Ö der GEMA in Anspruch zu nehmen, da die MP3s selbstredend Originale sind.

Die Anleitung findet man hier unter Amazon: 
http://www.amazon.de/b?ie=UTF8&node=2624847031

Eurogate

26. Juni 2013

220px-Auge_und_SchereDas Bremerhavener Hafenunternehmen Eurogate will nach eigenen Angaben erneut versuchen, einen verurteilten Sexualstraftäter zu beschäftigen. Ende vergangenen Jahres war der Mann wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren 9 Monaten verurteilt worden; er hatte seine 10jährige Stieftochter mehrfach sexuell missbraucht. Daraufhin hatte das Unternehmen dem Mann fristlos gekündigt. Das Arbeitsgericht hatte aber entschieden, dass das Unternehmen den Mann wieder einstellen muss. Eurogate hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Beim ersten Beschäftigungsversuch am vergangenen Freitag hatten alle 300 Kollegen des Mannes ihre Arbeit niedergelegt.

Eigentlich sollte der Mann gestern erneut seinen Dienst antreten, doch der 37-Jährige meldete sich auf unbestimmte Zeit krank. Die Belegschaft hatte bereits weitere Proteste geplant, die dann aber wieder abgesagt wurden. Die Hafenarbeiter wollen erst abwarten, bevor sie über neue Proteste entscheiden. Sie wollen mit dem verurteilten Sexualstraftäter nicht zusammenarbeiten.

Der 37-Jährige verbüßt seine Freiheitsstrafe im offenen Vollzug und wollte nach dem gewonnenen Kündigungsschutzprozess als Freigänger seinen Dienst auf dem Containerterminal in Bremerhaven wieder antreten. Daraufhin hatten alle 300 Mitarbeiter der Spätschicht eine Stunde lang gestreikt. Erst als der Verurteilte das Gelände wieder verlassen hatte, wurden auch wieder Schiffe abgefertigt. Dadurch sei dem Unternehmen ein erheblicher Schaden entstanden, klagte die Eurogate-Geschäftsführung. Dümmere Medienvertreter machen jetzt den Verurteilten dafür verantwortlich.

Die Geschäftsführung setzt auf eine Berufung gegen das Urteil und will erreichen, dass das Landesarbeitsgericht Bremen doch noch einer Kündigung des Mitarbeiters zustimmt, damit der Betriebsfrieden gewahrt bleibt.

Ich habe nichts im Netz über Anklagevorwurf und Urteil gegen den Mann gefunden. Die kollektive Gnadenlosigkeit, die in der Arbeitsniederlegung zum Ausdruck kommt, macht mir ungeachtet dessen Sorge. Die Verfassung gebietet nämlich, den Strafvollzug auf das Ziel der Resozialisierung auszurichten. Wie aber soll einer in die Gesellschaft zurückfinden, den die Menschen so an den Pranger stellen und öffentlich vernichten wie den Eurogate-Mann?

Es ist „ein heikles Thema“, schreibt die Süddeutsche. „Heikel, weil jedes Opfer eines zu viel ist. Heikel, weil Richter und Gutachter abwägen müssen, was keiner mit Sicherheit abzuwägen vermag – niemand kann in den Kopf eines Sexualstraftäters sehen. Heikel, weil immer ein Restrisiko bleiben wird. „Es gibt kein Allheilmittel“, sagt der Münchener Chefarzt Dr. Herbert Steinböck.

In einem aber sind sich die Fachleute einig: Therapie hilft. Nicht allen Tätern, aber einem sehr großen Teil. Die Erfolgschancen sind abhängig vom Tätertypus. So werden Inzesttäter selten rückfällig, bei Pädophilen liegt die Quote hingegen sehr hoch.  Doch Therapien senken das Rückfallrisiko deutlich. Es gibt sie in den forensischen Kliniken für psychisch kranke Straftäter  und es gibt sie in den Gefängnissen für solche Sexualstraftäter, die sich strafbar gemacht haben, ohne psychisch krank zu sein.

In den niedersächsischen Gefängnissen gibt es beispielsweise seit mehr als zwei Jahrzehnten Sexualtherapien mit engagierten, sorgfältig arbeitenden Mitarbeitern. Eine der erfahrensten Sozialtherapien befindet sich in Lingen, ohne dass es hier zu Straftaten von Gefangenen gekommen wäre. Sie kümmert sich auch um entlassene  Straftäter. Aber außerhalb des Vollzugs fehlen generell Therapeuten und Fachambulanzen, wie es sie meines Wissens bisher nur an wenigen Orten in Deutschland gibt, beispielsweise in Berlin und Kiel. Für mehr fehlt das Geld.  Viele frei praktizierenden Therapeuten scheuen sich, einen Sexualstraftäter aufzunehmen, aus Angst vor den Konsequenzen, falls dieser rückfällig werden sollte. Dann nämlich werden sie selbst von einer gnadenlosen Öffentlchkeit vernichtet. Das ist wahrlich keine gute sondern eine geradezu alttestamentarische Entwicklung, die unsere Gesellschaft nimmt. Jeder moralische Fundamentalismus verspricht nichts Gutes.

(Quellen  Süddeutsche, Radio Bremen; Grafik: „Durch das Auge (Grifföffnung) der Schere ziehen“ (unehrlich gewinnen), alternativ auch: „Auge für Auge“ – Detail aus Pieter Bruegels Gemälde Die niederländischen Sprichwörter CC wikipedia)

Prototyp

26. Juni 2013

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Gottes neuer Spielplatz

Bolles + Wilson in Münster: Kirche zu Kita

Die Außenaufnahmen, berichtet Baunetz, führen auf eine falsche Fährte. Was von weitem wie ein neues Meisterwerk der analogen Architektur oder ein vergessener Bau von Peter Zumthor wirkt, das entpuppt sich beim näheren Hinsehen als brutalistischer Kirchenbau von 1962, der damals von dem lokalen Architekten Heinz Esser für die Münsteraner Gemeinde St. Sebastian entworfen wurde. Vollkommen neu ist dagegen das Innenleben, konnte doch das Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz steht, von Bolles + Wilson [die Lingen Planideen für das Gebiet um den  Alten Hafen entwickelt haben] durch den Umbau zur Kita vor dem Abriss gerettet werden.

Mit dem nun schon seit langem andauernden Gemeindesterben hat sich inzwischen eine fast schon typische Herangehensweise an die Bauaufgabe Kirchenkonversion entwickelt. Schon 1968 wurden in der Berliner Marthakirche von den Architekten Werner Harting und Gerhard Strauchmann neue Gemeinderäume dadurch geschaffen, dass sie diese einfach ins Kirchenschiff stellten, indem sie dessen Nullebene um ein Stockwerk anhoben. Und Arno Brandlhuber und June 14  versuchen sich beim geplanten Umbau der Kreuzberger St. Agnes-Kirche in eine Galerie an einer ähnlichen Strategie.

Bolles + Wilson folgen diesem Ansatz, sie packen aber das Raumprogramm der Kita in anderthalb Stockwerke, so dass eine Topografie entsteht, die sehr gut zur neuen Nutzung des Kirchenschiffs als Spielplatz passt. Gleichzeitig haben die Architekten aber auch die Grundidee so einfach wie genial weiter entwickelt. Anstatt der Kita enorme Heizkosten aufzubürden, wurde das Kirchenschiff in einen geschützten Außenraum verwandelt, der durch die bestehenden quadratischen Öffnungen natürlich belüftet und durch neue Dachkuppeln belichtet wird. So ist die Kita ein Prototyp dafür, wie sich angesichts der heutigen ökologischen Herausforderungen auch ohne aufwändige Technik nur mittels verschiedener Klimazonen Architektur effizienter gestalten lässt.

Auf Karte zeigen:
Google Maps

(gefunden bei: Baunetz.de (Stephan Becker))