Ostdeutschkochen

28. Mai 2013

90 „DDR“-Rezepte finden sich auf diesem YouTube Ostdeutschkochen-Channel, der zur Webseite Erichs Erbe gehört, ein Projekt des Medienmenschen Toni Schwabe aus Neubrandenburg: Schwabe sammelt auf seiner Seite Rezepte aus der DDR, deren Zubereitung er dann verfilmt.

Erichs Erbe präsentiert Deftiges, Herzhaftes, Süßes und sogar Getränke. Viele der Rezepte werden von Lesern eingereicht und  Köchin Doris Schwabe bereitet sie dann originalgetreu zu. Serviert wird stilecht auf Mitropa-Geschirr.

Bei all dem wird Toni Schwabe fachlich offenbar bestens unterstützt durch die langjährige „DDR-Köchin“ Doris Schwabe (Mama? Schwester? Tante?). Ich lese:

Wir sind uns durchaus darüber im Klaren, dass nicht alle hier vorgestellten Rezepte zwangsläufig einen ostdeutschen Ursprung haben müssen. Viel mehr möchten wir zeigen, wie diese in der DDR zubereitet wurden. Wir wollen ein Stück Esskultur der Deutschen Demokratischen Republik am Leben erhalten. 

Inzwischen gibt es längst schon eine Erichs-Erbe-Facebookseite und jetzt ist auch ein Buch in Vorbereitung.

Die Harzer Käsesuppe ist mein Favotir. Ich kann sie nur empfehlen. Es gibt sie immer bei Schwägerin Doris, die in Laxten aufgewachsen ist, also -von mir aus betrachtet- auch im Osten.

21 Antworten to “Ostdeutschkochen”

  1. Tiger, T. said

    Bekanntermaßen sollte man zwar nichts so heiß essen, wie es gekocht wird, aber die „Harzer Käsesuppe“ liegt mir doch seit heute Morgen schwer im Magen:
    Regionale Produkte, regionale Küche (z. B. im Landgasthof Backers „auf’m“ Twist): immer ein Genuss.

    Aber eine „DDR-Köchin“ mit Rezepten auf der Webseite „Erichs Erbe“, da wird’s peinlich.

    Zu dem, was besagter „Erich“ in seiner langen politischen DDR-Karriere an Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Einzelnen zu verantworten hat, möchte ich hier nichts sagen. Das führt zu weit.

    Den Ahnungslosen unter uns empfehle ich aber einen Besuch im ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen, und zwar geführt von einem ehemaligen Häftling. Besonders beeindruckend die „Dunkelkammern“ im Kellergeschoss, die die Stasi von der SMAD übernahm und bis 1989 nutzte.

    Wer partout auf „DDR-Küche“ steht, sollte im nächsten Jahr an Himmelfahrt zum Treptower Park in Berlin pilgern: Dort marschieren dann wieder die Ewig-Gestrigen in Stasi- oder NVA-Uniform zum sowjetischen Ehrenmal.
    Vielleicht gibt’s ja auch zur Stärkung was aus der „DDR-Gullasch-Kanone“.

    • Ach jeh, Du Griesgram, hast das Projekt offenbar nicht verstanden. Als ob Ostdeutschkochen etwas damit zu tun hätte, dass Leute Stasi- (?) oder NVA-Uniform tragen…

      • ulrike said

        Das Tiger auf die Website „Erichs Erben “ so reagiert, ist gut nachvollziehbar. Es geht eben nicht nur ums Kochen , Herr Koop !
        Von dem üppigen Gebrauch von Schmelzkäse rate ich wegen des hohen Phosphatanteils aber ab.
        Mit dem schönen Harz hat das wenig zu tun , die üble Schmelzkäsezutat findet sich noch in zahlreichen anderen
        Suppenrezepten. Sollte in moderner und gesunder Küche nicht gebraucht werden.
        Was den Harz angeht , fahrt mal hin.
        Geschichtsträchtiger Boden , sehr sehenswert.

        • Bernd Schulte said

          @ – Ulrike / Doch – es geht nur um´s Kochen und nicht um die politische Vergangenheit der DDR. Insofern ist Tigers Bezeichnung „DDR – Köchin“ (als ob sie die Stasi – Akten zubereitet hätte) gelinde gesagt recht eigentümlich. Ob der Titel „Erichs Erbe“ nun unbedingt appetitanregend wirkt, ist zweifelsohne fraglich.
          Auf jeden Fall wird auch über so simple Dinge wie Kochrezepte bekannt, dass jenseits des früheren „Eisernen Vorhangs“ genau so normale Menschen lebten wie im Westen und sich an einem leckeren Essen erfreuen konnten. Immer wieder ist davon die Rede, nach der langen Trennung müssten Ost und West wieder zusammenwachsen. Auch der Austausch von Kochrezepten kann dazu auf ganz harmlose Weise beitragen.
          Die „Ossies“ können auch was (auf jeden Fall kochen) –
          nicht nur die „Besserwessies“.

        • kib said

          @ Ulrike, aber muss man denn bitte so heftig – aufgebracht- darauf reagieren, wenn Robert – DIESES MAL NUR- schreibt, dass er mit unter „das Süppchen seiner Schwägerin aus dem Osten“ gern isst: Ich koch es nach, und oh wehe es schmeckt mir nicht (ehrlich gesagt : hab gerade Appetit/“Kohldampf“* drauf) !
          * 🙂 🙂

      • Job said

        @Robert Koop
        Herr Koop ich davon fest überzeugt, dass Sie außerordentlich kritisch reagieren würden, wenn ein anderer Kommentator diesen (Ihren) Thread in Ihrem Blog veröffentlich hätte.
        Ostdeutsch kochen mit Erichs-Erbe in Verbindung zu bringen ist einfach geschmacklos. Übrigens, die Harzer Käsesuppe nicht. Sie liegt nur schwer im Magen.

      • kib said

        Hauptsache ist, das Süppchen schmeckt! Tatsache ist, im Osten (Arbeiter- und BAUERN-Staat) gibt es durchaus fruchtbarere Böden („Löss“) als im Emsland.
        Die Suppe kann also-vergleichsweise wirklich besser geschmeckt haben? –
        @ Buggy : Ich kenne mindestens zwei Emsländische Landwirte die sich im Bereich Neu Ruppin angesiedelt haben, weil eine Hoferweiterung im Raum EL wirtschaftlich nicht möglich war . Im näheren Bekanntenkreis habe ich einen ehemaligen landwirtschaftlichen LPG-Leiter: Hätte ich seinen gut gemeinten Rat jemals bezahlen müssen: für westdeutsche Verhältnisse wäre es teuer gewesen.
        Davon unberührt habe ich einige Bekannte aus der „ehemaligen Ostzone“ mit denen ich herzhaft über „geistige Barrieren“ lachen kann!

      • Tiger, T. said

        @RK:
        Das „(?)“ in Ihrer Antwort deute ich als Rückfrage: Das MfS hatte tatsächlich eine eigene Uniform mit entsprechenden Dienstgradabzeichen: „Das Leben der Anderen“

        Ansonsten habe ich nichts gegen regionale Spezialitäten („ostdeutsch“ ist mir da aber zu ungenau, man sagt doch auch nicht „westdeutsche Küche“): „Lausitzer Schüsselhecht“ z. B. mit einem Glas Müller-Thurgau von der Unstrut, absolut lecker!
        Ich habe auch nichts dagegen, dass man Kochrezepte sammelt, wo auch immer in unserem Land!

        Aber bei Verniedlichungen wie „Erich“ für den langjährigen DDR-Staatsratsvorsitzenden kommt’s mir hoch und da kann ich auch nichts dagegen machen:
        Den letzten Mauertoten gab es im Februar 1989.Der junge Mann wollte „nur“ in Freiheit leben.

        Ich kann auch nicht über „Adolf“-Witze lachen: Da bin ich wirklich ein „Griesgram“.

  2. Mieke said

    Also, meine Omi kam auch aus Ostdeutschland und mit ihr viele schmackhafte Rezepte. Erichs Erbe hat einen „Neben-bzw.Nachgeschmach“!!!!

  3. Durchblick said

    Herje was ein Getue hier!
    Die Seite heißt übrigens „Erichs kulinarisches Erbe“ und wird als HP nur abgekürzt. Dort gibt´s Kochrezepte und keine Politik der Vergangenheit. Ich finde den Namen gut gewählt, aus marketingstrategischen Gründen. Genau wie z.B. Puschkin, Mühlenhof, Wiesenhof, Gorbatschow und 1000 andere Namen die nichts mit dem Urgestein zu tun haben, bzw. einen Bezug dazu haben

    Die Blogleser von heute kennen wohl kein Vaterunser mehr,
    dafür aber Deinemudder.

  4. Michael Sänger said

    Also, die bisherigen Beiträge reizen mich nun doch dazu, meinen Senf zu der Sülze zu geben.

    Ich bin 1945 in Thüringen geboren und habe meine Kindheit bis zum 12. Lebensjahr dort verbracht und zwar unter erbärmlichsten kulinarischen Bedingungen. Was gute Küche heißt, habe ich erst nach unserer Flucht in den Westen 1956 erfahren. In Unterfranken, also im Westen (für die jüngeren Leser) , habe ich Bratwürste mit Kraut, Knäudele mit Meerettich, Sauerbraten mit Knödel und ähnlichen Leckereien kennengelernt.

    Ich weiß nicht, wer heute warum von DDR-Kochkünsten schwärmt? Mein kulinarischer Horizont war beschränkt, auf Steckrübensuppe, Milchreis mit Zucker und Zimt, Bratkartoffeln mit fettem Speck und Sonntags Kartoffelbrei mit gebackener Leber und Zwiebelringen. Und am Montag gab es Graupensuppe mit fetten Rindfleischstücken.

    Also man höre mir auf von kulinarischer DDR-Schwärmerei! Davon habe ich als Kind – besonders nach der Graupensuppe – kotzen müssen. Jetzt kommen bestimmt die DDR-Nostalgiker und sagen: Ja, das liegt daran, dass deine Mutter nicht kochen konnte. Konnte sie schon, aber 1956 gab es einfach nichts, das können heute supermarktverwöhnte Wessis einfach nicht verstehen und verklären – weil es mal wieder chic ist – nun auch noch die DDR-Mangelkultur zur kulinarische Köstlichkeit.

    • Ach Du meine Güte, MS. Koch‘ die 90 Rezepte nach und dann schreib mal wieder…

      • Michael Sänger said

        Keine Lust RK, mir macht keiner mehr irgendetwas aus der glücklicherweise untergegangenen „DDR“ schmackhaft.

        • Bernd Schulte said

          @ Michael Sänder: Ich bin ein Eingeborener- oder „Urwessie“
          und hatte bis zur Wende rein gar keine Verbindung zur ehemaligen DDR. Es mag ja sein, dass Sie 1956 in Süddeutschland westliche kulinarische Genüsse kennengelernt haben. In einem norddeutschen Dorf jedoch gab es 1956, als ich sechzehn war, die gleichen „Köstlichkeiten“, die Ihnen aus DDR – Zeiten in Erinnerung sind. Beim Gedanken an Graupensuppe und glibberigem gekochtem Schweinespeck im Eintopf bekomme auch ich heute noch das Würgen. So groß waren also auch damals die Unterschiede bei den Speisen nicht.
          (Doch ein Unterschied – In der 10 km entfernten Kreisstadt Warendorf hätte man auf dem Markt auch Bananen kaufen können.)

          • Michael Sänger said

            Danke, Herr Schulte, da habe ich wieder was gelernt!

          • kib said

            Bernd Schulte: Ich geh -mit unter- vor allem aber hinsichtlich Ihrer sozial-historischen Inkompetenz schwer in die Knie- das ist hier nämlich kein „historisches Speed-Dating“!

  5. ulrike said

    Leute , es ist ganz einfach so , daß keiner richtig guten Graupeneintopf kochen konnte.
    Rindfleisch , frische Gemüse der Saison und eben Graupen , aber die ganz dicken, – gibts nur im Reformhaus – , sowas schmeckt !
    (Damit Ihr was zulernt : Graupen sind geschliffene Gerstenkörner , einheimisch , brauchen nicht wie Reis importiert zu werden. )

    • Bernd Schulte said

      … und aus ungeschliffenen Gerstenkörnern machte man Malzkaffee (Kathreiner, Dux, Linde´s)
      Graupen mit Reis zu vergleichen ist so ähnlich wie ein Vergleich von Kathreiner – Malzkaffee mit echtem Bohnenkaffee. Bei beiden liegt die Ähnlichkeit überwiegend in der Farbe.

    • Durchblick said

      Entschuldigen Sie die Berichtigung aber Graupen können durchaus auch aus Weizenkörnern be/entstehen.
      Da sie durch das schälen kaum noch Nährwerte haben sind sie eigentlich nur als Bei/Einlage geeignet. Die beste Qualtät haben natürlich die kleinen Perlgraupen und nicht die grossen dicken Graupen aber die Geschmäcker sollen ja verschieden sein.
      Ich persönlich erfreue mich, in Erinnerung an meine Kindheit, immer über Grützewurst/Graupenwurst auf Brot. In der Pfanne erhitz und das Brot vorher mit in die Pfanne damit es den Saft und das Fett aufsaugt. Jammi jammi jammi jam

      • ulrike said

        Wenn wir hier zusammen ein Kochbuch schreiben , wird es bestimmt ein Erfolg. Besonders unsere Nostalgierezepte !

        • kib said

          🙂
          Ganz sicher, denn „Oetker- Die perfekte Hausfrau“ aus den frühen Fünfzigern können wir auch . Dort beginnt ein Kochrezept für Hühnersuppe mit „Fangen Sie ein Huhn….“.

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