Schneise 3

9. Mai 2013

Man reißt doch keine Schneisen in das Stadtbild, bevor man weiß, was dort entstehen soll.

Schneise3

(Foto: Baccumer Straße © milanpaul via flickr)

10 Antworten zu “Schneise 3”

  1. Michael Sänger said

    Ich finde Schneise 3 bereichert das Stadtbild um den Universitätsplatz sehr und ich hoffe, das Niemand auf die Idee kommt, hier ein Wohn- oder Geschäftshaus im Stile der 2013er Jahre hinzubauen. Sowohl der Blick vom Uniplatz auf die Baccumer Straße als auch der Blick umgekehrt eröffnet völlig neue Sichtweisen. Ein Stadt lebt nicht nur von ihren Häusern, sondern auch durch ihre freie Plätze. Wenn Schneise 3 jetzt auch noch ordentlich bepflanzt und begrünt wird, ist das ein optischer Gewinn gegenüber dem, was da früher zu sehen war!

  2. Robert Koop said

    Genau mit einer solchen Reaktion habe ich gerechnet, als ich das Bild „Schneise 3“ einstellte – wenn auch nicht von einem Kulturschaffenden wie MS. Die Schneise des früheren Hauses Oevermann ist nicht idyllisch und heimelig, wie die gelungene Aufnahme von milanpaul vorgaukelt. Sie ist anti-urban.

    Eine Stadt lebt von gewachsenen Plätzen und Straßen, lieber MS, nicht von künstlichen. Dieser künstliche Abbruchraum [beim Haus Oevermann wie beim ehem. Möbelhaus Berning] verletzt dabei nicht nur das Bild von Innenstadt. Er ist wie ein abgebrochener Zahn. Der Raum hat keine urbane Funktion. So wie vor dem Abriss des Möbelhauses Berning der angrenzende Raum zum Wohnhaus am Universitätsplatz.

    Wenn wir unsere Innenstadt nicht wie einen großen REWE oder Marktkauf gestalten wollen, wenn wir in ihr urban leben wollen, dann darf so etwas nicht passieren. [Bei dem ausscheidenden Stadtbaurat, war es aber zu erwarten] Ich bin gespannt, wie sich die Diskussion entwickelt, was aus der Innenstadt wird. Gibt es überhaupt eine Diskussion oder nur eine Investorenentscheidung, wie beim Parkhotel, wo der kleine (gewachsene) Park jetzt vernichtet wird.

    Die BürgerNahen haben vergeblich versucht, einen Ideenwettbewerb auf den Weg zu bringen. Eine große Koalition im Rathaus hat dies abgelehnt, weil es dafür zu früh sei. Ein Ideenwettbewerb zu früh! Das ist ein so seltsamer Standpunkt. Man kann ihn nicht verstehen – allemal nicht, wenn einem die Innenstadt am Herzen liegt.

  3. Michael Sänger said

    „Genau mit einer solchen Reaktion habe ich gerechnet, als ich das Bild “Schneise 3″ einstellte – wenn auch nicht von einem Kulturschaffenden wie MS. Die Schneise des früheren Hauses Oevermann ist nicht idyllisch und heimelig, wie die gelungene Aufnahme von milanpaul vorgaukelt. Sie ist anti-urban.“

    Ach, Robert, was ist das denn wieder für eine Argumentation?
    Was sind denn „gewachsene Plätze“? Der Marktplatz war irgendwann auch mal ein freier Platz und man hat sich entschieden, den zum Marktplatz zu machen und im Laufe der Jahrhunderte ist das nun ein „gewachsener Platz“? Dann soll ein Ideenwettbewerb zur Neugestaltung des Marktplatzes führen? Welche Ideen da immer zustande kommen, sie werden letztlich durch subjektiven Geschmack entschieden und da ist – was Schneise 3 anbelangt – meiner so gut oder schlecht wie deiner! Ich bin auch ein Verfechter des unbedingten Erhaltens alter Stadtbilder und sehe der Marktplatzneugestaltung schon mit Neugier entgegen, was da alles beseitigt oder neu hingesetzt werden soll. Aber – und hier hat die Stadt ja sehr richtig entschieden – warten wir mal die neue Stadtbaurätin ab, vielleicht hat sie kompetente und städtebaulich fundierte Ideen, die sich nicht durch unnötiges Abholzen der letzten innerstädtischen Bäume auszeichnen. Du siehst, auch mir liegt die Innenstadt am Herzen, aber als nicht in Lingen geborener sehe ich da eben manches anders. Wenn ich gelegentlich „moderne Kunst“ kritisiere, dann heißt es hier, man solle sich mal auf was Neues einlassen. Die Baulücke auf dem Grundstück Berning ist in der Tat kein schöner Anblick, aber sie eröffnet doch erstaunlich neue Blicke auf das Professorenhaus und die Bonifatiuskirche. Diese Lücke wird ja bald geschlossen werden. Wie beurteilst du denn die Baulücke neben deiner Kanzlei in der Burgstraße, die ist schrecklich! Aber Schneise 3 hat eine städtebauliche Chance, die – wenn sie richtig genutzt wird – in einigen Jahren die Schönheit des Universitätsplatzes noch erhöht. Also, lass dich doch auch mal auf was Neues ein!

    • Robert Koop said

      Michael, drei Punkte:
      1) Ein gewachsener Platz ist eben über die Jahrhunderte gewachsen: Markt, Universitätsplatz, Andreasplatz zum Beispiel – vor 50 Jahren der Platz vor dem Rathaus. Das sind gewachsene Plätze. Alles was Du aber -je nachdem- als erstaunlich oder schrecklich beschreibst, ist nicht gewachsen. Es sind Abbruchlücken – ohne Konzept. Ich denke, den Unterschied kann man schon verstehen.

      2) Deine Antwort ist übrigens auch widerprüchlich, weil Du den Platz neben meinem Büro „schrecklich“ findest, bei den anderen Schneisen aber die „erstaunlichen neuen“ Blicke lobst. Das Grundstück neben meinem Büro ist erst vor in paar Jahren entstanden; vorher standen da Geschäftshäuser.

      3) Deine Hoffnung auf die neue Stadtbaurätin in Ehren, aber hoffentlich werden wir nicht wieder enttäuscht. Noch einen „Amtsinhaber“ des bisherigen Kalibers kann sich Lingen nicht leisten. Außerdem dürfen wir uns selbst doch nicht im Sessel zurücklehnen und die/den Neue/n machen lassen. Gemeinsam müssen wir debattieren und festlegen, was geschehen soll, so wie es in Lingen im Zuge der Stadtsanierung ab 1970 schon einmal geschehen ist. Das sind politische Fragen und Entscheidungen!

      • Michael Sänger said

        Ich hatte vergessen zu sagen, das also der „Neue Platz“ bei Schneise 3 ja durchaus auch die Chance erhalten sollte in den nächsten Jahrhunderten zu wachsen, spätestens nach der dritten Generation nach uns kommt keiner mehr auf die Idee zu sagen, dass hier was gebaut werden muss, sondern man wird sagen: Seit Menschengedenken (also nach der 3. Generation) war hier immer ein Platz und den lassen wir uns nicht zubauen! Soweit zu Punkt 1. deines Kommentares.
        Meine Gedanken zu diesem Problem sind also nicht historisch-konservierend, sondern historisch-dynamisch. Deswegen werden wir in Sachen Denkmalschutz (Kaiserstraße) nie auf einen Nenner kommen.

        Dass Du nun wieder vom „Amtsinhaber“ und nicht von einer „Amtsinhaberin“ sprichst, zeugt von ziemlicher A-Sensibilität. Ich habe mich das nicht getraut und habe von der neuen „Stadtbaurätin“ gesprochen, denn ich fürchte den Zorn von Frau Kemmer und Frau Roelofs, wenn ich von einen neuen Stadtbaurat rede.

  4. Walter M. said

    @Michael Sänger, der Abbruch und die „Schneisen“ sind doch gar nichts Neues! Die Frage ist doch, wie wir unsere Innenstadt haben wollen. Die Antwort ist mehr als eine ästhetische „Sichtweise“, als „Stadtbilder“ oder der persönliche „Geschmack“. Inhaltliches muss vorn sein, zum Beispiel dass Menschen im Stadtzentrum wohnen und arbeiten, dass es Dienstleistung und Kultur gibt oder auch wie Lingen sich darauf einstellt, dass wegen der neuen Konsumgewohnheiten des Internets viele Geschäftsräume leer stehen. Bei Ihnen lese ich nur, dass man erstaunliche Blicke auf die Bonifatiuskirche hat.

    Falsch ist es, die Stadtentwicklung in Lingen daran zu knüpfen, ob vielleicht gerade eine neue Stadtbaurätin kommt oder der alte bleibt. Da bin ich doch lieber beim Blogbetreiber RK und dem Vorschlag der Bürgernahen mit einem Ideenwettbewerb für die Innenstadt. Bei dem kann sich jede und jeder einbringen, um die Aufgabenstellung festzulegen. Weil ein solcher Ideenwettbewerb auch bestimmt ein Jahr dauert, ist die neue Stadtbaurätin längst im Amt und bringt sich ein, wenn er entschieden wird.

    Die Baulücke in der Burgstraße ist schrecklich. Da haben Sie völlig recht. Folge ich aber Ihrer Sichtweise, Herr Sänger, „eröffnet (sie) völlig neue Sichtweisen. Ein Stadt lebt nicht nur von ihren Häusern, sondern auch durch ihre freie Plätze….“
    Sie überzeugen mich nicht, wenn Sie einerseits die neuen Lücken beim Universitätsplatz ganz gut finden, aber andererseits die 10 Jahre alte in der Burgstraße schrecklich.

  5. Michael Sänger said

    Zu Walther M.: Ich habe mich doch über die Berning´sche Baulücke nicht lobend geäußert, ich habe nur von „neuen Sichtweisen“ gesprochen, die solche Lücken eröffnen. Im Falle der Schneise 3 bleibe ich bei meiner Auffassung, langfristig gewinnt der Universitätsplatz. Wenn das aber so nicht bleiben soll, was soll denn dann dahin gebaut werden? Oder sind Sie der Meinung, dass das Oevermannsche Haus mit seinen ganzen Anbauten ein ästhetischer Lichtblick war? Ich habe mich nur gewundert, dass vor dem Abriss nicht jemand nach dem Denkmalschutz gerufen hat.

    “ Inhaltliches muss vorn sein, zum Beispiel dass Menschen im Stadtzentrum wohnen und arbeiten, dass es Dienstleistung und Kultur gibt oder auch wie Lingen sich darauf einstellt, dass wegen der neuen Konsumgewohnheiten des Internets viele Geschäftsräume leer stehen.“

    Da bin ich ihrer Meinung, nur was hat das mit der Schneise 3 zu tun? Zunächst mal nichts. Das Internet wird noch viel gravierendere Veränderungen in unserem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben mit sich bringen. Die „blühende City“ wird irgendwann ausgeträumt sein. Ich frage mich schon heute manchmal, ob die Generationen 50 Jahre nach uns noch ein Bewußtsein für historische Stadtkerne haben wird. Menschen, die sich darüber Gedanken machen – wie RK, WM und MS und viele andere in Lingen – werden immer weniger werden. Ich weiß, es ist pessimistisch, eigentlich aber realistisch.

  6. Tiger, T. said

    @Michael Sänger und Robert Koop:
    Ich bin hin-und hergerissen, Kompliment an Sie beide!
    Wie wäre es denn mit einem Ortstermin an „Schneise 3“?
    Sie vereinbaren einen Termin, geben ihn bekannt und setzen vor Ort ihre spannende Disputation vor!

    Mein Beitrag dazu wäre eine Kiste „Maisel’s Weiße“.

    Dieses Bier kommt zwar „bundeslandmäßig“ aus Bayern, gebraut wird es aber in Bayreuth in Oberfranken, die Region mit der urtümlichsten und größten Brauereidichte Deutschlands. Das dürfte Sie beide doch auch erfreuen („Männerträume“ werden wahr).

    Ich werde einen guten Bekannten beauftragen, die Kiste vorbeizubringen, da ich selber an dem Tag nicht kann.

    • Keine schlechte Idee, zumal ich von meiner Fraktion die Aufgabe habe, für die BürgerNahen einen Ortstermin zu organisieren, gemeinsam mit den Herren Berning und dem OB. Ich habe aber noch nicht den richtigen Dreh gefunden. Der Stadtbaurat kann nicht. Er ist in Kur, wie ich höre.

  7. Michael Sänger said

    An Tiger: Das ist der beste konstruktive Vorschlag hier seit langem!! Und Bier aus meinem geliebten Bayreuth wird mich diskutativ ungemein beflügeln! Danke für den Vorschlag! Im übrigen, wir haben den Tag doch noch gar nicht festgelegt, so dass Sie keinen guten Bekannten beauftragen müssen, sondern selber kommen können, damit ich einen Menschen kennen lerne, der fränkisches Bier trinkt. Komme ja selber aus Franken!

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