Spielplätze

4. Mai 2013

autobahnGestern wies der Grünen-Politiker Fabian Wesselmann aus Lastrup (Foto unten) in einer Presseerklärung auf eine neue Studie des Instituts Verkehr und Raum der Fachhochschule Erfurt zu den wirtschaftlichen Effekten von Straßenbau hin. Die von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegebenen Untersuchung hat die regionalwirtschaftlichen Effekte verschiedener Autobahnen, begutachtet u.a. der A 28 und A 31. “Die Ergebnisse der Erfurter Wissenschaftler sind deshalb so interessant, weil sie sich konkret mit den Auswirkungen von Autobahnen auf die wirtschaftliche Entwicklung in unserer Region befassen”, sagt Wesselmann.

In der Studie haben die Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Gather ermittelt, dass es im Untersuchungsgebiet um A 28 und A 31 keinen relevanten Zusammenhang zwischen dem Steueraufkommen, der Beschäftigungs- oder Einwohnerentwicklung und der Autobahnnähe gebe. Die Wissenschaftler der Erfurter Fachhochschule kommen  daher zu dem Ergebnis, dass die Autobahnen keinen maßgeblichen Einfluss auf die regionalwirtschaftliche Entwicklung nehmen würden.

“Ich wünsche mir, dass die Befürworter_innen eines vierstreifigen Ausbaus der E 233/B 213 diese Studie ernst nehmen”, erklärt der Lastruper Grünen-Politiker. “Wir können nicht Hunderte von Millionen Euro für den Ausbau einer Straße ausgeben, weil bestimmte Politiker und Politikerinnen sich dadurch, ihrem Bauchgefühl vertrauend, ein völlig unrealistisches Wirtschaftswachstum erhoffen.” Das sei eine unseriöse und unverantwortliche Politik.

Wesselmann: “Die in der Erfurter Untersuchung unternommenen Versuche, einen Zusammenhang zwischen Autobahnen und regionalem Wirtschaftswachstum nachzuweisen, sind komplett gescheitert.” Vor diesem Hintergrund sei ein  Kernargument der Befürworter eines vierstreifigen Ausbaus der E 233/B 213 widerlegt.

SONY DSCBereits 2012 habe außerdem der unabhängige Verkehrswissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Gert Marte darauf hingewiesen, dass das ermittelte Nutzen-Kosten-Verhältnis eines vierstreifigen Ausbaus der E 233/B 213 unrealistisch und der Ausbau seines Erachtens unwirtschaftlich sei. “Bei der Berechnung von großen Verkehrsprojekten werden systematisch die Kosten massiv unter- und der Nutzen überschätzt, um politische Mehrheiten für das Projekt zu generieren”, erklärt der Grünen-Ratsherr.

“Es kann nicht sein, dass die Meinung von Verkehrswissenschaftler_innen immer wieder von CDU, FDP und SPD ignoriert wird, weil sie nicht in die eigene Ideologie passt”, so Wesselmann. “Anscheinend gibt es eine Sehnsucht nach Spatenstichen bei vielen konservativen Politikern und Politikerinnen. Mit der Sanierung von Spielplätzen kommen wir diesem Verlangen jedoch deutlich günstiger nach.”

(Quelle; mehr Kritisches zur E233/B213 hier)

14 Antworten zu “Spielplätze”

  1. JensRig said

    Ich fahre diese Strecke seit Januar diesen Jahres. Es gibt leider keine Alternative zum Auto, die Zugverbindung von Lingen nach Cloppenburg ist dankbar schlecht,

    Ich bin großer Unterstützer des Ausbaus der B213, allerdings überwiegen bei mir eher die Gründe der Sicherheit als wirtschaftliche Faktoren. Als täglicher Fahrer von Lingen nach Cloppenburg erlebt man tagtäglich die aberwitzigsten Szenen an Überholmanöver, Vollbremsungen und „Ausrastern“ auf dieser Strecke. Häufig werden alle Verkehrsregeln über den Haufen geschmissen und es gilt nur noch eine: „Ich zuerst“. Es gibt ein überproportionales Aufkommen an Lkw`s, die alleine hier schon ein Überholen unmöglich machen. Ich kann es durch keine Studie beweisen, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das die Umwelt durch längere Fahrstrecken aller Beteiligter weniger belastet wird. Interessant wäre auch eine Untersuchung, auf welchen Teilstrecken mehr Unfälle passieren.

    Ab Cloppenburg wird die Strecke immer mal wieder vierspurig. Man merkt als Autofahrer, das alle geordneter und sicherer ihr Ziel erreichen. Die Annahme, das dann auch alle schneller fahren, ist hinfällig. Es gibt (auch das kann ich nicht beweisen!) wohl keine Strecke, auf der mehr geblitzt wird, als auf der B213. Und das ist gut so.

    Ich gehöre übrigens keiner politischen Gruppierung an, die Meinung ist aus den tagtäglichen Erfahrungen entstanden.

  2. Ich kann Jens nur in jedem Punkt zustimmen. Auch ich fuhr aus beruflichen Gründen die Strecke Lingen-Löningen fast wochentäglich, und die Beschreibung der Situation von Jens trifft es: aberwitzige Überholmanöver und dergleichen. Diese Strecke zerrt an den Nerven, besonders, wenn man sie häufig nutzen muß. Ich bin wirklich froh, dass ich dies nicht mehr muß.

    • Doch darf man dafür eine Milliarde Euro ausgeben? Weil jemand nicht da wohnt, wo er arbeitet und deshalb diese lästige Strecke fahren muss? Wo ist Ursache, wo Wirkung? Reicht nicht zur Behebung persönlicher Unbill in jedem Fall die Lastrup-Lösung (3spurig), so wie es auch auf der B 54 von Gronau nach Münster ist?
      Kommen soll die Hasetalautobahn aus wirtschaftlichen Gründen und da ist das Projekt ausgesprochen schwach auf der Brust. Das sagt die Erfurter Studie.

      • Michael Sänger said

        Die B 54 hat nicht bei Weitem dieses Verkehrsaufkommen wie die B 213, insofern kann die B 54 nicht Modell für die B 213 sein. Unsere Gesellschaft – also wir alle – haben uns entschieden, eine „mobile Gesellschaft“ zu sein, das fordert seinen Tribut. Zu der Studie aus Erfurt: Die Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen um die Autobahn in Lohne herum, zeigt durchaus, dass Autobahnen wirtschaftlichen Erfolg produzieren können. Wer hat übrigens diese Studie in Auftrag gegeben? Dreißig Jahre musste ich aus familiären Gründen oft wöchentlich die B 213 zur Autobahn nach Bremen benutzen und kann nur sagen, dass die Lastruper Umgehung zwar eine Entlastung bedeutet, aber nicht für den Verkehr insgesamt, sondern hauptsächlich für die Gemeinde Lastrup. Ich teile hier die Auffassung von JensRig und finde, der vierspurige Ausbau ist mittelfristig notwendig und daher richtig. Mir sind auf der anderen Seite die ökologischen Schäden des Ausbaues auch klar, aber irgendwie und irgendwann müssen wir uns entscheiden, was wir wollen. Wir können ja auch den gesamten LKW-Verkehr verbieten und grundsätzlich alle Gütertransporte auf die Schiene verlegen, aber dann müssen wir eine Eisenbahntrasse bauen und die geht dann auch wieder durch „Froschschutzgebiete“. Also wie wir´s machen ist es falsch, aber irgendwie müssen wir entscheiden. Die Spannung zwischen Ökonomie und Ökologie lösen wir offenbar nicht.

        • Waltamompa said

          Woher haben Sie die Daten zum Vergleich B 54 und B 213?

        • B. Schulte said

          @ Michael Sänger
          Hinsichtlich der Vehrkehrsaufkommen unterliegen Sie einem gewaltigen Irrtum. Ich kenne die B 54 besser als die B 213 –
          und hatte bei Ihrer Behauptung der Verkehrsaufkommen ein komisches Gefühl. Da man ja inzwischen alles Mögliche googln kann war dort zu erfahren, dass in 2011 auf der B213 in Herzlake ein Tagesdurchgang von 8290 KFZ gezählt wurde.
          Auf der B 54 waren das bei Altenberge 28083 KFZ.
          Und wenn dort zivilisiert gefahren wird, läuft das trotzdem dank der drei Spuren ziemlich gut und man kommt in der Regel mit einer Durchschnitts – Reisegeschwindigkeit von ca 80 kmh am Ziel an.

          • B. Schulte said

            Noch ein Nachtrag zur Reisegeschwindigkeit: Viele „Rennfahrer“ auf der Bundesstrassen – Piste haben vermutlich noch nie darüber nachgedacht, wie wenig Zeitersparnis höhere Geschwindigkeit bringt. Rein rechnerisch liegt der Unterschied zwischen 80 kmh und 100 kmh und einer Entfernung von 50 km bei 8 Minuten. Das müsste man den von JensRig beschriebenen „Pistensäuen“ beibringen.
            Wieso klappt das in NRW und nicht in Niedersachsen?

          • kib said

            @ Herrn Schulte, jetzt habe ich allerdings ein „komisches Gefühl“: Sie vergleichen hier absolute Zahlen und das hinkt m.E. sehr : Die B213 ist -sehr gefällig betrachtet 1 1/64 – spurig aber die B54 hat -gemäß Ihrer Angabe- drei Spuren (durchgängig und auf welcher Distanz?). Ein einfacher Dreisatz hilft hier wenig (allemal, weil sämtl. Quellen* wenig seriös sind).
            In einem hat RK allerdings Recht: Eine dermaßen Hohe Ausgabe (*, na Robert?) gehört mindestens fünf-Fach auf den Prüfstand!
            Insgesamt sind sich vermutlich die meisten Blogleser nach Ueberbach http://heidelindpenndorf.blogspot.de/2013/04/offener-brief-ard-korrespondent-stephan.html
            einig darüber, dass sie privat wesentlich vernünftiger haushalten, als uns in der Neujahrsansprache(!) erneut offenbart wurde:
            http://www.spiegel.de/politik/deutschland/neujahrsansprache-der-kanzlerin-merkel-kuendigt-harte-zeiten-an-a-875187.html

  3. Emsland said

    Leider ist das Bahnangebot im Emsland zu bescheiden. Fehlen würde eine mittelniedersächsische Querverbindung Emmen-Meppen- CLP- Celle- Lüneburg und die Möglichkeit aus Osnabrück oder Münster noch zu Mitternacht zurückzukommen. Schade…

  4. Hendrik said

    Noch vor einiger Zeit musste ich die Strecke zwischen kurz vor Lingen und Oldenburg mehrmals monatlich noch unter Zeitdruck zurücklegen. Auf der B213 keine einfache Sache, nicht selten haben wir uns daher auch den kostenintensiveren Weg über die A28/31 entschieden. Auch keine glückliche Lösung!

    Nun bin ich aktuell in der Situation, dass die Vorgaben meines aktuellen Arbeitgebers beim Thema Anfahrt nicht so strikt sind. Vielmehr geht es hier jetzt sogar um das Einsparen von Diesel. Das entspannt ungemein, muss man nicht jede noch so kleine Lücke, oder eben nur vermeintliche Gelegenheit, ausnutzen, um einen der vielen LKW´s zu überholen.
    Ich muss jedoch eingestehen, dass ich die Strecke nicht täglich fahre bzw. fahren muss, und darüber auch nicht sehr unglücklich bin. Ich kann also auch nur ein sehr subjektives Bild zeichnen.

    Ich sehe es aber trotzdem ähnlich wie RK, daher frage ich mich, oder beziehungsweise euch, liebe Christiane und lieber Jens:
    Empfindet ihr die Lösung rundherum um Lastrup nicht als wohltuend? Das Nadelöhr der Ortsdurchfahrt wurde hier zu einer Art Entlastungsstrecke. Toll! Wenngleich die einzelnen Abschnitte doch recht kurz bemessen sind.
    Ich sehe hier eine gute Lösung, um Vorhandenes zu nutzen und zukunftssicher zu machen.

    • JensRig said

      Ganz sicher hat die Lastruper Lösung dort zur Entspannung geführt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, das viele Autofahrer das als erste Möglichkeit nutzen, die Reihe der LKW´s zu überholen. Und genau da beginnt das Problem, die schweren Unfälle in Lastrup in den letzten drei Wochen haben das gezeigt. Viele fädeln zu spät ein und fahren bewusst auf die „Auslaufstrecke“, um den letzten LKW zu überholen. Macht das der Autofahrer auf der Gegenseite auch, treffen sie sich in der Mitte und das passiert leider zu oft. Ich will nicht ausschließen, das sich die Fahrsituation insgesamt auf der Strecke entspannt, wenn man öfter die Möglichkeit hat, zu überholen. Ein großes Problem sind auf der gesamten Strecke auch die landwirtschaftlichen Fahrzeuge, sehr schwer einzuschätzen für Fahranfänger.

      Ich selber werde ab August nach Cloppenburg ziehen, um dort zu arbeiten. Ich habe aber im Oldenburger Münsterland schon viele Emsländer kennengelernt, die weiterhin pendeln müssen aus verschiedensten Gründen und eigentlich damit die Flexibilität zeigen, die die Politik von uns Arbeitnehmern fordert. Ob die Region Emsland und das Oldenburger Münsterland voneinander profitiert durch den Bau einer Autobahn ist wohl wie der Blick in die Glaskugel. Meine Kolleginnen und Kollegen fahren aber eher zum Einkaufen in „gut“ erreichbare Regionen als nach Lingen oder Haselünne, zumindest ist das mein Eindruck.

      Fazit: Ich bin für den Ausbau, gerne auch gleich als Autobahn. Hauptargument ist für mich die Sicherheit, nicht die wirtschaftlichen Argumente.

      • Bernd Koop said

        Die wechselnden Abschnitte um Lastrup herum sind viel zu kurz bemessen!
        Dass dort alle um jeden Preis auch noch den letzten Lkw überholen wollen, zeigt mir, dass es Defizite gibt, was die Möglichkeiten zum gefahrlosen Überholen angeht.

        Ich hätte doch auch gerne viel öfter mal drei statt zwei Spuren für meine Fahrtrichtung auf so mancher Autobahn; und ja, ich hätte auch gerne eine vierstreifige E233. Aber doch bitte nicht zu jedem Preis!

      • Bernd Koop said

        So Lastrup-Lösung ist im Übrigen auch kreuzungsfrei und, da bin ich mir aber nicht ganz sicher, auch als Kraftfahrstraße ausgewiesen.

        Eine autobahnähnliche Straße bekommt doch sicher eine neue Trasse, das sind auch (Planungs)Kosten, die bei der 2+1-Lösung sicher in dem Umfang nicht entstehen!

  5. Markus Rintsch said

    Man sollte immer genau abwägen, ob es von Nöten ist. Ich wünschte mir zum Beispiel, dass auf Rastplätzen an der Autobahn auch Spielplätze für unsere Kinder wären. Da könnten sie sich nach einer langen Autofahrt etwas bewegen.

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