Carl von Ossietzky

4. Mai 2013

Carl von Ossietzky im KZHeute vor 75 Jahren starb der Publizist und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky an Tuberkulose, Folge seiner Haft im KZ Esterwegen. Dorthin verschleppten ihn die NS-Schergen mit weiteren bekannten Häftlingen und setzten  die Gefangenen unter unerträglichen Bedingungen bei der Trockenlegung der emsländischen Hochmoore ein. Ende 1934 wurde der völlig abgemagerte Ossietzky in das Krankenrevier verlegt. Dem Bericht eines Mithäftlings zufolge sollte Ossietzky im Krankenlager durch Spritzen getötet werden.  Berichte sagen, er sei absichtlich mit Tuberkulose infiziert worden. Im Herbst 1935 besuchte der Schweizer Diplomat Carl Jacob Burckhardt das KZ Esterwegen. Dabei gelang es ihm, auch Ossietzky zu treffen, den er anschließend als ein „zitterndes, totenblasses Etwas, ein Wesen, das gefühllos zu sein schien, ein Auge verschwollen, die Zähne anscheinend eingeschlagen“ beschrieb. (Quelle)

Im Emsland, wo der Mann so geschunden und gequält wurde, erinnert nicht viel an Carl von Ossietzky. In Lingen gar nichts. Beschämend.

Das Deutschlandradio Kultur liest man heute  eine Beitrag von Ruth Fühner. Sie gedenkt des  großen Deutschen:

„Militärkritik und Pazifismus waren die Lebensthemen des Publizisten Carl von Ossietzky. Die Nazis verboten ihm, den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen. Schließlich kostete ihn die Gewaltherrschaft sogar das Leben.

Es ist ein Bild, das man nicht vergisst: Carl von Ossietzky 1935 im Konzentrationslager. Klein, fast verloren wirkt er gegen die massig herausfordernde Gestalt seines Bewachers, der ihn vor sich an die Wand gestellt hat. Trotzdem hält das Foto weniger die Macht der Schergen fest als die Würde des Häftlings. Wie die anderen „Moorsoldaten“ wird auch von Ossietzky bei der mörderischen Trockenlegung des emsländischen Hochmoors eingesetzt.

Die Schinderei, die Misshandlungen, die Tuberkulose, die er sich im Lager zuzieht, kosten Carl von Ossietzky am 4. Mai 1938 das Leben. Zugleich steht sein Schicksal für eine der größten symbolischen Schlappen des noch jungen NS-Regimes. 1936, gerade in dem Jahr, als es mit den Olympischen Spielen sein internationales Image aufpolieren will, erhält der ehemalige KZ-Häftling, der nach öffentlichen Protesten schwer krank in ein Krankenhaus unter Gestapo-Bewachung entlassen worden ist, den Friedensnobelpreis zugesprochen. In der Laudatio heißt es:

„Carl von Ossietzky … ist ein Liberaler der alten Schule: mit brennender Liebe zur Freiheit der Gedanken und der Meinungsäußerung, festem Glauben an den Wettbewerb auf allen geistigen Gebieten … Respekt für die Werte anderer Völker – und all dies dominiert vom Thema ‚Friede‘.“

Selbstredend darf von Ossietzky nicht nach Oslo fahren, um…“ [weiter]

(Foto: CC Bundesarchiv)

3 Antworten to “Carl von Ossietzky”

  1. Hannsderkanns said

    Ist das Todestagsdatum kein Grund für die Neue Osnabrücker und ihre Lokalausgaben, an Ossietzky zu erinnern? Oder habe ich das übersehen?

  2. Josef Mudde van Duren said

    Auf Carl von Ossietzkys Todestag, 4. Mai 1938, wurde in der LT am 2. Mai hingewiesen. Ein großes Foto, das Ossietzky mit seiner Häftlingsnummer 562 zeigt, war dort zu sehen. Am 24. April konnte man in der LT auch einen Artikel über Ernst Heilmann lesen. Es ist nicht so, dass diese Menschen vergessen werden. In der letzten Zeit fand ich bemerkenswerte Artikel von Carsten van Bevern.

    In Lingen erinnerte schon einmal jemand in einer Ausstellung im Gedenkort Jüdische Schule an Carl von Ossietzky, darauf möchte ich in aller „Bescheidenheit“ hinweisen. Die Ausstellung „Augenblick mal!“ war dort vom 14. bis 26. Oktober 2009 zu sehen. Es erschien ein Begleitkatalog. In dem Bild „Die Erde bricht auf“ und dem dazugehörigen lyrischen Text wird auch auf Ossietzkys Schicksal hingewiesen. Das Bild holte Herr Kurt Buck nach der Ausstellung in sein DIZ nach Papenburg. Ich gehe davon aus, dass es jetzt in Esterwegen hängt. MvD

  3. Hannsderkanns said

    Online hab ich’s nicht gefunden. Es muss wohl (nur) die Printausgabe gewesen sein, nun gut!

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