Freitagsfragen

15. März 2013

LinusLingenAktuell darf man sich die Frage stellen, ob die Übernahme einer städtischen Bürgschaft für einen zu 100% städtischen Betrieb in nicht-öffentlicher Sitzung des Lingener Rates erfolgen darf. Und die Frage, in welchem Ratsgremium eigentlich in öffentlicher Sitzung darüber diskutiert und entschieden wurde,  stolze 7,4 Mio Euro (allein) in den Saunabereich und die Gastronomie des LINUS-Bades zu investieren. So viel hat dieser Teil der Gesamtrenovierung nämlich gekostet. Insgesamt verbrauchte die „Modernisierung“ des LINUS-Bades sogar 13 Mio Euro. Das ist in etwa so viel, wie 1995/96 der LINUS-Neubau gekostet hat. Zum Vergleich: Für so viel Geld bekommt man mehr als eine halbe Emslandarena, sofern die Zahlen noch aktuell sind, die für den „EL21“-Leuchtturm  den Lingener Ratsgremien vorgelegt worden sind.

Dass der umgebaute LINUS-Saunabereich jetzt „gut angenommen“ wird, wie ich hören durfte, beantwortet nicht die drängenden Fragen; denn es wäre doch noch schöner, wenn so viele Millionen ausgegeben würde, ohne dass die Investition auch genutzt würde.

„Meine“ BN-Fraktion hat sich bei dem Ratsbeschluss über die Bürgschaft enthalten. Wir sehen nämlich erheblichen Aufklärungsbedarf. Die Fraktion „Die BürgerNahen“ hat außerdem gefordert, dass über die jetzt im Rat erstmals mitgeteilten 7,4 Mio Euro umfassend im zuständigen Ausschuss des Rates berichtet wird – einschließlich eines detaillierten Berichts des Rechnungsprüfungsamtes. Immerhin erinnere ich mich, dass sich die „Inbetriebnahme“ der „Saunalandschaft“ im LINUS monatelang verzögerte. Bevor die Renovierung startete, sollten die Kosten im Vorfeld auf 4 Mio Euro begrenzt werden; sie wurden dann öffentlich bei der Auftragsvergabe mit 5 Mio Euro angegeben, obwohl in Verwaltungsvorlagen bereits von 6,05 Mio Euro gesprochen wurde, vor allem wegen der Stahlpreiserhöhung, was wohl bei Auftragserteilung 2010 gerade nicht zutraf, da der Stahlpreisindex damals längst wieder gesunken war (guckst Du hier). Bei der Eröffnung im Juli 2011 berichtete die Lingener Tagespost  von einer 6 Mio-Investition für diese Attraktion.  Nun erfährt der neue Rat eher beiläufig, dass die Renovierung 7,4 Mio Euro gekostet hat. Ich finde, dass man darüber nicht das nassgeschwitzte Saunatuch breiten darf (welch‘ eine Metapher!)!

Und was ist mit der privaten Sauna-Konkurrenz, der aus Steuermitteln mächtige Konkurrenz erwachsen ist?

Kostensteigerungen und Einnahmeverluste hat es wohl auch gegeben, weil die Arbeiten von Mai 2010 bis November 2010 dauern sollten,  die Saunalandschaft aber erst im Juli 2011 eröffnet wurde – also nach 14 statt nach 7 Monaten. Daher müssen sich die städtischen Gremien der Aufklärung des organisatorischen und finanziellen Desasters widmen. Die Gremien der verantwortlichen „Wirtschaftsbetriebe GmbH Lingen“ haben dies bisher offenbar nicht geleistet – etwa weil sich die Fragen vor der Kommunalwahl 2011 besser oder geräuschlos hinter verschlossenen Türen regeln ließen? Damals gab es noch keine Fraktion der BürgerNahen im Stadtrat. Deshalb kann sie erst jetzt nachfragen. Auf die Antworten darf man gespannt sein.

(Foto: Linus Lingen © milanpaul via flickr)