Zurückbauen

8. März 2013

Bildschirmfoto 2013-03-07 um 22.47.43Wollen sie wirklich wieder sägen? Der Oldenburger, der noch Stadtbaurat ist, verkündet einen Marktplatz-Vorschlag der Rathausspitze, der noch nicht in den kommunalen Gremien diskutiert oder beschlossen worden ist: Der Marktplatz soll danach für knapp 1,2 Mio Euro total umgestaltet werden. Und die Terrasse vor der Sparkasse und hinter dem Fabeltierbrunnen soll weg. Was der Stadtbaurat nur verschwrubelt ankündigt: Auch alle Platanen dort (Foto) werden dann abgesägt. Er sagt das in diesem unverständlich-unehrlichen Verwaltungssprech, „die Terrasse an der Sparkasse mit den darauf stehenden Bäumen zurückzubauen, um hier auf das normale Straßenniveau zu kommen.“  Und:

 „Die Terrasse über der Tiefgarage ist damals nur gebaut worden, damit hier, in ein Erdkissen gebettet, überhaupt Bäume stehen können – sonst wäre das nicht möglich gewesen.“

Ach so! Bäume zurückbauen. Es soll alles weg, die Bäume, die Terrasse, vielleicht auch der Fabeltierbrunnen? Wer weiß. Am 11.08.2010 sollte die Reparatur der Pflasterschäden am Marktplatz 34.000 Euro kosten.  Der Antrag von Hajo Wiedorn (SPD), darüber hinaus einen Marktplatz-Maßnahmekatalog zu erstellen, überschlägig die  Kosten zu ermitteln sowie  eine Prioritätenliste mit Zeitplan zu erstellen wurde bei 3 Ja-Stimmen, 2 Enthaltungen und 5 Nein-Stimmen der CDU abgelehnt. Heute sind wir, wenn es nach dem Oldenburger geht,  wieder beim Totalumbau mit Platanensägen. Dies  kostet dann 35mal so viel.

Wer will das? Ex-OB Heiner Pott hatte schon zum geordneten Rückzug geblasen, als ihm nach der Abholzungsaktion in der Burgstraße die Empörung der Lingener um die Ohren flog. Daraufhin wurden alle Marktplatz-Platanen beschnitten. Nur die Heilemann-Terrasse sollte an der Nordostseite eingekürzt werden, weil dort der Zugang zum Markt von der Burgstraße/Clubstraße nun wirklich nicht so dolle ist. Doch alle  Marktplatz-Platanen sollten bleiben. Jetzt sollen fünf oder vier von ihnen also an der Südwestseite fallen. Und es sollen 14 Monate Bauzeit folgen.

Noch einmal, wer will das? In der Lingen-diskutiert-Gruppe bei facebook.com offenbar niemand. Nur Michael Ratza weist (zu recht) auf die Schäden am Pflaster hin und nicht wenige sind (zu recht) für den geplanten Fahrstuhl in die Marktplatz-Tiefgarage, den eigentlich wohl die Wirtschaftsbetriebe der Stadt bezahlen müssten, die die Tiefgarage betreiben. Der Oldenburger sieht ihn in einem angrenzenden Gebäude. Eigentlich keine schlechte Idee, bloß müsste man dazu die Betonwanne der Tiefgarage öffnen; das Risiko wird teuer und dauerhaft nass wohl auch.

OB Dieter Krone gilt als Verfechter des Totalumbaus, obwohl es im Verwaltungsvorstand auch kritische Stimmen gab. Denn tatsächlich könnten wir mit den 1 Mio Euro städtischer Gelder Sinnvolleres tun, als Bockhorner Klinker durch Bockhorner Klinker zu ersetzen. Zum Beispiel Schulden abbauen oder die Schäden am Marktplatzpflaster beheben nebst Aufzug durch die Wirtschaftsbetriebe oder das Kulturquartier um den Universitätsplatz nach dem Abriss des Hauses Oevermann wieder komplettieren.

Sicherlich fällt Ihnen auch noch etwas Besseres ein – oder?

(Foto: Marktplatz Lingen – Südwestseite aus der Vogelperspektive. Eingebaut wird übrigens gerade das Wasserspiel)

5 Antworten to “Zurückbauen”

  1. RAT said

    Da Moß ja immer gefüttert werden will: Was passiert eigentlich grade an der Kokenmühle? Da stehen die Gebäude offenbar leer und es wird kräftig im Gelände gewerkelt. Drohen wieder Abrißfakten? Seit 24.03.12 zu Kokenmühle nix mehr gehört…

    • B. Schulte said

      Ob der Marktplatz für so viel Geld ein neues Gesicht bekommen muss, sei dahingestellt. Aber das Ausgeben von sehr viel Geld für repräsentative Zwecke hat ja in Lingen schon Tradition. (Siehe LWT – Büro im Rathaus)
      Und sicherlich ist es schade und traurig um jeden Baum, der gefällt wird.
      Aber: Die moralische Haue haben diejenigen verdient, die seinerzeit unsinnigerweise ausgerechnet Platanen in den Innenstadtbereich pflanzen ließen. Gerade diese Bäume haben die Eigenschaft, mit zunehmendem Alter immer schöner, aber auch immer imposanter zu werden und gerade dann, wenn Sie nach 30 – 40 Jahren so richtig was hermachen, jeden Rahmen einer Innestadt sprengen. Dann werden zunächst die Kronen gestutzt und verschandelt, um dann doch nach weiteren 10 Jahren gefällt zu werden. Wer jemals im Bad Bentheimer Kurpark oder in einer großzügigen Großstadt – Parkanlage eine „richtige Platane“ bewundert hat, versteht, was ich meine.
      Also: Auf längere Sicht hätten Platanen weder in der Burgstraße noch auf dem Marktplatz oder der Lookenstraße eine Zukunft.
      Im Übrigen ist es ja nicht so, als ob es keine geeigneten, weniger imposanten Bäume gäbe. Man müsste noch nicht einmal Magnolien aus dem Himalaja holen.

      • Ich möchte widersprechen: Platanen sind ausgezeichnete Innenstadtbäume. Voraussetzung ist allerdings, dass man sie kontinuierlich pflegt, also konsequent beschneidet und so „in Form hält“. Wie das geht, kann man in Hunderten Innenstädten nicht nur in Deutschland sehen.

        • B. Schulte said

          Das sind halt die unterschiedlichen Sicht- und Sprechweisen. Was der Stadtbaurat („Der Oldenburger“) als Rückbau bezeichnet, wird von Anderen als Abriss bezeichnet. Die Einen
          sprechen von Schulden, die Anderen von Negativkapital.
          Was Sie als kontinuierliche Baumpflege bezeichnen, sehe ich als Baumverstümmelung. Auf dem o.a. Foto ist zu erkennen, dass die Platanen viel zu nah an den Gebäuden stehen. Man muß also alle Jahre wieder dafür sorgen, dass sich keine starken Äste entwickeln können. Anders als viele andere Großbäume lassen Platanen das zwar ziemlich lange mit sich machen, aber irgendwann sehen sie dann nur noch komisch und unproportioniert aus. Das faszinierende für mich ist an einem natürlich gewachsenen Großbaum die gewaltige, domähnliche Krone und nicht ein dicker Stamm mit unterentwickeltem Wipfel.

  2. Patrick Gärtner said

    @B.Schulte
    Das mag bei Ihnen so sein, aber ich kann mich auch an einem grünen Blätterdach erfreuen. Die Platanen vor dem Sparkassenbau Markt-Süd sind dafür optimal gepflanzt. Doch hätte man sie sicherlich besser pflegen und mehr zurückschneiden müssen. Bei Stadtbäumen ist das sicherlich kein Verstümmeln. Diese Bäume sind robust und ein Zurückschneiden ist auch jetzt noch möglich.

    Bloß absägen kann man sie nur einmal. Stadtbaurat Lisiecki hat sein fehlendes Gespür für gewachsenes Grün doch schon mehrmals innerhalb und außerhalb des Lingener Stadtzentrums demonstriert. Will er diesen Frevel etwa jetzt, wo er endlich geht, noch einmal wiederholen?

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