Abgängig

6. März 2013

Arbeiterhaus

Stadtbaurat L. sagte zu diesem architektonisch überzeugenden Baudenkmal: „Wir können seitens der Stadt nicht die Denkmalerhaltung um jeden Preis fordern, zumal der Eigentümer eine wirtschaftliche Unzumutbarkeit wahrscheinlich geltend machen kann.“ Das niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege habe auch schon signalisiert, das dem Antrag aller Voraussicht nach stattgegeben werde. „Dann haben wir keine Möglichkeit mehr, den Abriss zu verhindern, sondern müssen dem Antrag zustimmen.“

Die Aussage ist -wie viel zu oft bei Herrn L. aus Oldenburg- nicht richtig. Das Arbeiterhaus ist sicherlich nicht denkmalgerecht modernisiert, aber in einem ordentlichen Zustand. Es ist ein einmaliges Beispiel für die „Eisenbahn-Architektur“ des 19. Jahrhunderts in unserer Stadt. Müssen die Lingener dem scheidenden Herrn L. nicht signalisieren, wie falsch er liegt, so ein historisches Bauwerk abzureißen? Oder ist uns Denkmalschutz nichts wert?

OB Krone, was tun Sie?

ArbeiterhausII

(Arbeiterhaus Lingen (Ems), Ecke werkstättenstraße/Kaiserstraße. Foto oben : © milanpaul via flickr; Foto unten: ©dendroaspis2008 via flickr. Mein herzliches DANKE für die Unterstützung an beide Fotografen.)

24 Antworten to “Abgängig”

  1. Job said

    Herr Koop. Wie viel Tausend €uro würde eine Sanierung dem Steuerzahler kosten??

  2. pömpel said

    Denkmäler können auch anders erhalten werden. So wäre eine umfassende professionelle Fotodokumentation meines Erachtens eindrucksvoller, als eine Fassadenansicht – ohne Erläuterung, warum der alte Kasten denn noch nicht abgerissen worden ist. Zudem denke ich, dass die Historie zur Bebauung im Beriech des Ausbesserungswerkes genügend dokumentiert wird. Ich stimme für einen Abriss des Hauses.

    • kib said

      Für mich ist es zu früh mir eine Meinung bilden zu können. Tendenziell denke ich, abreißen kann man nur einmal…. @RK wie sähen konkrete Lösungsvorschläge zu einem Abriss aus ?

    • hans1550 said

      Was für ein Schwachsinn, pömpel. Mit dieser Haltung wären Museen ja auch überflüssig, wenn man die Exponate vor der Vernichtung nur ordentlich fotografiert.

      • Michael Sänger said

        Na ja, wir sollten das mit dem Denkmalschutz nun nicht so übertreiben. Zwischen einem Museum und einem Haus in der Rheiner Straße in Lingen ist nun doch ein kleiner (oder wegen mir auch größerer) Unterschied. Ich bin sehr oft in Süddeutschland in Bamberg. Das ist eine Weltkulturerbe-Stadt und dort wird Denkmalschutz an Gebäuden überhaupt erst erwogen, wenn es wenigstens 200 Jahre alt ist, von gelegentlichen herausragenden Gebäuden (z. Bsp. Jugendstil) abgesehen. Ich bin mal gespannt, wenn man in diesem Blog im Zuge der Marktplatzerneuerung in Lingen auf den Gedanken kommt, das Kreissparkassengebäude unter Denkmalschutz stellen zu wollen, weil es ein “ typisches Baudenkmal der 70er Jahre“ darstellt. Man sollte vielmehr die Bäume auf dem Marktplatz unter Denkmalschutz stellen, damit nicht irgendein „Stadtabholzrat“ auf den Gedanken kommt, sie zugunsten besserer Sicht absägen zu lassen. Dazu passt ganz kurios: In Dalum ist man auf die Idee gekommen, eine evangelische Flüchtlingsnotkirche aus den 50er Jahren als Weltkulturerbe anzumelden. Die Kirche in Dalum in einem Atem mit z. Bsp. Santa Maria del Fiore in Florenz in ihrer künstlerischen Bedeutung zu vergleichen, zeugt für meine Begriffe von absolutem fehlenden Kunstverständnis. Aber Lingen liegt ja nicht weit weg von Dalum, deswegen kann ich schon verstehen, das ein Haus in der Rheiner Straße in Lingen zwar nicht zum Weltkulturerbe beantragt wird, aber wenigstens als denkmalgeschützt betrachtet wird. Ich stimme pömpel zu, dass mit der wirklich gelungenen Renovierung der ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerke dem Denkmalschutz dieser Epoche wirklich sehr gut (und nicht nur ausreichend) Genüge getan wurde.

        • Bamberg ist mit Lingen nicht vergleichbar. Bamberg hat 1200 Baudenkmale und ist seit 20 Jahren „Weltkulturerbe“ der Unesco. Bamberg hat auch -entgegen Deiner Darstellung – viele Baudenkmale aus dem 20. und 19. Jahrhundert, zum Beispiel in der Gartenstadt: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Bamberg/Gärtnerstadt
          Das Entscheidende aber: Die Bamberger wissen, was sie an ihren Baudenkmalen haben. Sie begreifen ihre Stadtkultur.

          Lingen hat ungleich weniger Baudenkmale, viele davon Kirchen und die Meinung in den tatsächlichen und den virtuellen Diskussionen in unserer Stadt lautet nicht selten, dass der Erhalt eines Baudenkmals im Zweifel dem Eigentümer nicht zuzumuten sei. Andernorts ist man da offenbar weiter.

      • pömpel said

        In eben solchen Museen werden auch Dokumentationen über Kulturdenkmäler ausgestellt und für die Nachwelt und Interessierte erhalten. Ich darf in diesem Zusammenhang an das Kopieren alter Meister erinnern, die so eben nicht nur an einem Ort zugänglich sind, sondern auch in anderen Museen ausgestellt werden.

        Hans1550 wird aber wohl Museen wünschen und kennen, in denen ganze Straßenzüge im Original zu besichtigen sind. Denkmäler sind aber nicht zu besichtigen – außer von außen. Fotos könnten auch von innen Eindrücke bringen.

        Mich überzeugt der „Angriff“ daher nicht. Das Haus kann weg.

        • hans1550 said

          Diese „Museen“, die du hier ansprichst, lieber pömpel, nennen sich idR „Altstadt“. Aber das ist sicher wieder was ganz anderes. Hat sicher wieder nichts miteinander zu tun.

          Baudenkmäler sind, Gebäude, die die Geschichte und die Identität einer Stadt in ihrer Einzigartigkeit darstellen. Es sind Gebäude und Fassaden, die dem Betrachter und Besucher erahnen lassen, was früher in Lingen passierte.

          Das Gebäude aus dem Beitrag ist eines, dass zeigt, wie „früher“ in Lingen gelebt und gebaut wurde. Es ist genauso zu erhalten, wie die Hallen des Eisenbahnausbesserungswerkes. Nur zusammen können sie in gänze ein großes, zusammenhängendes Bild ergeben.
          Ich bin immer noch fassungslos, wenn ich daran denke, dass die weiteren Gebäude des EAW einfach abgerissen wurden, nur um Platz für einen Fahrradweg und jetzt Parkplätze zu schaffen!
          Schon alleine, weil diese Sünde begangen wurde, muss das Gebäude erhalten bleiben. Es geht hier auch darum, Identität des Stadtteils zu wahren.

          Es ist unsäglich, unter dem Deckmantel der Wirtschaftlichkeit, ständig Häuser abzureißen, für deren Erhalt der Besitzer selbst jahrelang nichts getan hat, obwohl das niedersächsische Denkmalschutzgesetz ihn sogar dazu verpflichtet! Später wird dann öffentlichkeitswirksam behauptet, dass ein Gebäude nicht mehr erhalten werden kann. So geht Denkmalschutz aber nicht. So geht lediglich kasse-machen auf dem Rücken des Denkmalschutzes. Nichts anderes.

  3. Michael Sänger said

    Ja, ja, das weiß ich auch, dass Lingen nicht mit Bamberg zu vergleichen ist, das ich aus eigener Anschauung über Jahre hinweg kenne und nicht nur aus wikipedia! Aber weil Lingen eben nur wenige historische Baudenkmäler besitzt, ist es doch nicht nötig, krampfhaft jedes über 90 Jahre altes und marodes Gebäude zum Kunstdenkmal empor zu stilisieren. Im übrigen ist es durchaus nicht so, dass die Bamberger wissen, was sie an ihrer Stadt haben. Jahrzehnte lang durfte sich der Durchgangsverkehr durch die historische Sandstraße unterhalb des Domberges hindurchwälzen. Durch die Abgase sind viele barocke Fassaden zerstört worden und das hat in der Politik niemanden gestört. Man fürchtete den Kaufkraftverlust in der historischen Altstadt. Dann fragt man sich, warum der wunderschöne Maxplatz mit einer unförmigen riesengroßen Betongarageneinfahrt verunziert wurde? Da hat kein Denkmalpfleger eingegriffen. Das ist mit der Garageneinfahrt unter den Marktplatz in Lingen sogar besser gelungen!

    • gerhard said

      In diesem Zusammenhang mischt die hiesige Ortszeitung auch ganz kräftig mit. Der Redakteur Müller stellt im Bericht vom 3. März wirklich ein „abgängiges“ Haus im Bild dar. Hier wird ganz klar im Sinne der Stadtverwaltung manipuliert. Die Rückseite des Hauses wird als Symbol gegen den Schutz benutzt. Man sehe sich mal die in diesem Beitrag gezeigte Front an!
      So geht Zeitung gar nicht.

  4. küster said

    Natürlich müssen wir Baudenkmäler erhalten! Aber müssen wir auch Denkmäler erhalten, die heute niemand realistisch zuordnen kann. Der Zuckerhut, den kann ich einordnen. Der hat etwas mit unserer Kriegsgeschichte zu tun. Die Eisenbahnerbhäuschen, die Strukturen, die Bauart, natürlich sind diese alle erhaltenswert und gehören auch in die Geschichtsbücher für Architekturstudenten (da gehören Sie hin). Sind diese Gebäude aber in unserer Neuzeit alle erhaltenswert? Dann müsste man fast das ganze Stadtgebiete in Lingen unter Denkmalschutz stellen. Denn am Ende ist jedes Gebäude, das einmal unter Mühen errichtet wurde, ein Denkmal des Bauherren. Am Ende ist doch jedes Gebäude seine eigene Geschichte! In Lingen ist der Geschichte mit der Hochschule in den Eisenbahnmausbesserungswerken doch so viel an Erinnerung vollbracht worden, dass es eines weiteren Denkmals nicht wirklich Bedarf hat.

    • Michael Sänger said

      Ja, das ist für mich der Kommentar des Tages! Genauso ist es. Wenn man der „koopschen Logik“ folgt, dann müssen wir sogar das Kreissparkassengebäude am Markt unter Denkmalschutz stellen als Beispiel für die funktional-sachliche-scheußliche Architektur der 70er Jahre. Und in zehn Jahren stellen wir die Lookenpassage unter Denkmalschutz als Beispiel für………, und dann noch das KKW als Beispiel für….. , soll ich noch weiter schreiben, damit die Unsinnigkeit dieser Logik deutlich wird? Wenn ich die alten Lingener Stadtansichten von Leisner sehe, dann denke ich manchmal, Lingen war in früheren Zeiten doch viel schöner. Vielleicht sollten wir alles abreißen, was nach 1950 gebaut wurde und es nach dem Vorbild der Leisnerschen Stadtansichten neu restaurieren? Mir fällt hier nur der alte biblische Satz ein: „Alles hat seine Zeit“ – so eben auch Gebäude. Nochmal: Ich bin sehr für die Erhaltung von Historischem – aber das Erhaltenswerte muss auch eine Qualität aufweisen. Das Gelände um das ehemalige Eisenbahnausbesserungswerk wurde vorbildlich restauriert und nicht nur als Museum, sondern als lebendiger Begegnungsort. In Lingen wurde beispielhaft ein Industriedenkmal erhalten und einer Gegenwartsnutzung zugeführt. Über diese Leistung findet man in diesem Blog selten ein lobendes Wort, stattdessen wird sich über ein marodes Gebäude erregt, dessen Erhaltung nach meiner Überzeugung den Wert des gesamten Arreals nicht steigert.

      • „Wenn man der “koopschen Logik” folgt, dann müssen wir sogar das Kreissparkassengebäude am Markt unter Denkmalschutz stellen…“
        Sorry, Michael, Du weißt, dass das Quatsch ist. Ich möchte ein Arbeiterwohnhaus in der Kaierstraße/Werkstättenstraße erhalten wissen, das -aus gutem Grund- unter Denkmalschutz steht. Mehr nicht. Das AKW darf abgerissen werden.

  5. Josef Mudde van Duren said

    Ich stimme „hans1550“ und „gerhard“ zu. Das Haus muss im Zusammenhang mit den Halle gegenüber gesehen werden und sollte auf keinen Fall abgetragen werden.
    Josef Mudde van Duren

    • pömpel said

      Dem zweiten Absatz des Kommentars des Monats stimme ich zu – daher kann das Haus weg.

      Der Rest ist Stimmungsmache und kann aus der Feder einer Person sein, die mit eben jenen Festsetzungen des Denkmalschutzgesetzes nichts zu tun hat.

      • B. Schulte said

        Ich weiß es wirklich nicht und will auch keinen Kommentar abgeben. Aber wer kann mir sagen, wie ein Objekt zum schützenswerten Denkmal erhoben wird? Die Denkmal – Schutzbehörden kennen oftmals doch das Objekt garnicht.
        Geschieht das z.B. per kommunalem Ratsbeschluss?

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