Besuch

1. März 2013

unionlohneDie LT berichtet gestern:

„Jetzt hat auch der Fußball-Landesligist SV Union Lohne Besuch von den Zollbeamten bekommen. Am Montagabend klingelten die Beamten des Zollamtes Nordhorn bei acht Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstandes des Grafschafter Vereins und nahmen einige Aktenordner mit Unterlagen und Laptops mit. Auch die Geschäftsstelle wurde durchsucht. Bei Union reagierte man allerdings recht gelassen auf die Aktion.

„Wir machen uns da keine Sorgen. Ich sehe das als eine routinemäßige Untersuchung“, erklärte Lohnes Fußball-Obmann Klemens Menger, für den die Untersuchung nicht überraschend kam, „wir sind neben Eintracht Nordhorn der ranghöchste Verein in unserem Fußballkreis. Beim TuS Lingen waren sie schon und beim SV Holthausen/Biene auch. Wir wussten schon, dass wir irgendwann dran sind.“ [weiter hier]

Erstaunt hat mich die Einschätzung des Lohner Fußball-Obmanns. Sie klingt, als sei so eine Durchsuchung irgendwie …tja…sagen wir: Routine wie ne Schluckimpfung. Und unsere Zeitung qualifiziert diesen massiven staatlichen Eingriff als „Besuch“, bei dem „einige Aktenordner mitgenommen wurden“.

Nun, vor einer Durchsuchung muss es den Verdacht einer Straftet geben. Sonst genehmigen selbst die unterschriftsfreudigen Osnabrücker Ermittlungsrichter keinen Durchsuchungsbeschluss.  In dieser Woche waren mein Kollege und ich bei zwei Hausdurchsuchungen tätig, bei denen das Unterste nach oben gedreht. Einschließlich Rauschgiftspürhund in der Wurst im Kühlschrank. Besuch verhält sich anders.

In der Debatte über Bürgerrechte sind längst auch die Hausdurchsuchungen Diskussionsgegenstand. Bei wikipedia kann man lesen: „Bundesverfassungsrichter Rudolf Mellinghoff kritisierte in einem Zeitungsinterview, dass viele Durchsuchungen rechtswidrig seien und ohne ausreichenden Tatverdacht, oft sogar zu Zwecken der Einschüchterung und Disziplinierung erfolgen. Um das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung stehe es „leider nicht so gut“, was auch der hohe Anteil illegaler Hausdurchsuchungen an erfolgreichen Verfassungsbeschwerden zeige. Im Zentrum steht dabei meistens der Rechtsgrundsatz der Verhältnismäßigkeit. … Auch von justizkritischen Strafverteidigern wie Udo Vetter wird regelmäßig Kritik an Wohnungsdurchsuchungen geäußert und gefordert, dass ein automatisches Beweisverwertungsverbot für bei rechtswidrigen Durchsuchungen gefundene Beweismittel eingeführt werden müsse. Ansonsten bestehe kein Anreiz für die verantwortlichen Beamten, die Grundrechte der Beschuldigten zu beachten, da rechtswidrige Handlungen regelmäßig keine dienstrechtlichen oder anderen persönlichen Konsequenzen hätten und Gerichte fast nie Beweisverwertungsverbote verhängen. 

Also, Freunde in Lohne. Das ist ernst und ein Besuch war das nicht, als zeitgleich Dutzende Fahndungsbeamte acht  Häuser und die Geschäftsstelle filzten. Ich prophezeie mal: Das Strafverfahren wird gegen satte Nachzahlungen eingestellt. Also wird es teuer. Und das wirft neben dem Rechtsgrundsatz der Verhältnismäßigkeit  einmal mehr die Frage auf, wer künftig überhaupt noch Lust auf’s sportliche Ehrenamt hat, wenn er „irgendwann dran“ ist und es bei ihm „am Montagabend klingelt“.

6 Antworten zu “Besuch”

  1. Dr. Ravic said

    Kann ihnen momentan nicht folgen. Sie fordern also Narrenfreiheit für emsländische Fussball-Vereine? Ihre Kritik an der Verhältnismäßigkeit der Hausdurchsuchungen etc. kann ich noch nachvollziehen und bin da auch ganz bei Ihnen, wenn man das hier so sagen darf 😉 . Ihre Schlussbemerkung geht mir jedoch etwas gegen den Strich. Seid wann ist sportliches Ehrenamt gleichzusetzen mit Steuersünden? Wie wäre es wenn man das Ganze von der anderen Seite berachtet und lokale “Sportgrößen” nicht mehr wie “Superstars” behandelt. Hier kommt der von ihnen bereits erwähne Begriff der Verhältnismäßigkeit ins Spiel, jedoch in anderem Zusammenhang. Zwar ist das Kind in diesem Zusammenhang bereits in den Brunnen gefallen und ein Umdenken in diese Richtugn scheint jedoch nicht in Sicht. Jedoch finde ich diese Herangehensweise ihrerseits in diesem Punkt etwas flach.. Ich bitte den Kommentar von 00:52 durch diesen zu ersetzen. Leider fehlt der „bearbeiten“ Button.

  2. Thomas said

    Wieso verstehen Sie Schlussbemerkung nicht?

    Sie bedeutet: Wer -als Laie- hat noch Lust ein ehrenamtliches Amt in einem Sportverein zu übernehmen, wenn er befürchten muss, dass es ihm an den Kragen geht.

    Die „Verhältnismäßigkeit“ leitet Koop mit dem Zuwort „neben“ ein…

    Völlig klar und verständlich…

    • Jürgen Dietrich said

      Nein ist es nicht. Es sei denn, das Ehrenamt ist tatsächlich eins, also ohne Knete.

    • Dr. Ravic said

      Ich frage sie ohne Provokation, ob sie meinen Text gelesen haben. Meine Frage war: Seit wann ist Ehrenamt mit derartigen Steuervergehen gleichzusetzen? Oder andersrum gefragt. Seit wann muss jeder ehrenamtliche Mitarbeite innerhalb eines Sportvereins einen Spieler spendieren/sponsorn/bezahlen? Ich verstehe die Schlussbemerkung also nicht wörtlich nicht, sondern vielmehr deren Kausalität.

      • Job said

        Ich verstehe das so: Entweder handelt es sich hierbei um die Ehre eines Amtes mit einer, sagen wir mal, mehreren 100€ Vergütung. Oder es handelt sich hier um ein Amt wo es eine Ehre ist ohne Entgelt zu arbeiten.
        Z.B. Jugendarbeit, Ortsrat, Stadtrat, ehrenamtlicher Vorsitzender eines Sportvereins, ehrenamtlicher Helfer beim Roten Kreuz usw.

  3. Reality said

    Das Problem an der Ehrenamtlichkeit ist doch, dass die Ehrenamtlichen oftmals erst sehr spät erfahren, dass Zahlungen getätigt werden. Diese werden von Sponsoren am Verein vorbei geleistet. Die Spieler werden darauf hingewiesen, dass Einnahmen Dritter beim Verein anzugeben sind. Wenn das nicht erfolgt, hängt man drin. Um dieses Problem einzudämmen, sollten Strafen und Sperren vom Fußballverband eingestezt werden. Die Grenze sollte im ganzen Amateurbereich gelten, also bis einschließlich Regionalliga. Man würde dadurch auch die finaziellen Risiken eindämmen und Insolvenzen verhindern. Also Punktabzug von 10 und mehr für den Verein oder Zwangsabstieg. Desweiteren heftige Geldbußen für die „schwarzen“Sponsoren. Dieses Verfahren sollte zur neuen Saison eingeführt werden. Bis dahin stellt man diese Steuerprüfungen ein und gibt den Vereinen die Möglichkeit „sauber“ zu werden. Eine andere Chance für echten Amateurfußball sehe ich nicht.

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