Behörden

23. Februar 2013

800px-Cäcilienbrücke_OldenburgStaatliche Behörden haben bekanntlich überall die Weisheit mit Löffeln… und recht haben sie sowieso  immer. Über ein neues Beispiel behördlicher Besserwisserei berichtete  in dieser Woche die taz aus Oldenburg:

„Der Stadt Oldenburg droht der Verlust eines weiteren historisch bedeutsamen Gebäudes: Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Bremen bewertet den Zustand der 1927 gebauten Cäcilienbrücke über dem Küstenkanal als derart schlecht, dass es den denkmalgeschützten Klinkerbau abreißen möchte. Das teilte die Behörde als Eigentümer des Bauwerks in dieser Woche mit. Ganz ohne Gegenwehr wollen die Oldenburger das allerdings nicht hinnehmen.

Das Urteil der Gutachter fiel desaströs aus. Untersuchungen hatten ergeben, dass sich die vier Ecktürme der Hubbrücke aufgrund von Schäden in der Gründung einander annähern; außerdem sprengten korrodierende Stahlträger das Mauerwerk und außerdem sei die Technik verschlissen. Eine Sanierung der Brücke, die seinerzeit als die größte ihrer Art in Europa galt, sei „nicht zielführend“, schreiben die Gutachter. Für einen Neubau veranschlagt das WSA knapp 10 Millionen Euro; mit dem Bau könne 2017 begonnen werden.

Dass das Bauwerk unter Denkmalschutz steht, sei kein Hinderungsgrund für den Abriss – hierbei gelte das Wasserstraßengesetz, das als Bundesrecht höher stehe, teilten Vertreter des WSA mit.

Allein: So einfach sei es allerdings auch wieder nicht, lässt das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege verlauten. Viele Aspekte…“

[weiter bei der taz]

(Foto: Vor dem Abriss? Die Cäcilienbrücke Oldenburg; von De-okin CC)

5 Antworten zu “Behörden”

  1. B. Schulte said

    Bei aller Skepsis gegenüber behördlichen Entscheidungen:
    Aber Denkmalschutz um jeden Preis kann es auch nicht sein.
    Alles auf der Welt unterliegt einem stetigen Verfall – besonders die von Menschen geschaffenen Güter.
    Vom Schutz der Kulturgüter betroffen sind von allem Bauwerke aus den vergangenen paar Jahrhunderten. Es ist sicherlich wünschenswert, diese zu pflegen und zu erhalten. Aber irgendwann ist der Verfall dann doch so weit fortgeschritten, dass man über den weiteren Erhalt nachdenken muss.
    Wenn dann sogar für Unsummen durch Krieg oder Naturgewalten völlig zerstörte Bauwerke (wie z.B. in Berlin oder Dresden) unter kulturhistorischen Aspekten neu errichtet werden oder völlig entkernte Industriebauten, nur mit ihrer äußeren Hülle, dann einem anderen Zweck dienen, wage ich Zweifel anzumelden.
    Anscheinend wurden schützenswerte Gebäude nur in den vergangenen paarhundert Jahren errichtet. In der Gegenwart hingegen reichen die Mittel nur aus, um Zweckbauten für die nächsten 50 Jahre (oder weniger) zu errichten. Ich frage mich, welches in der Gegenwart errichtete Gebäude in 200 Jahren noch als schützenswertes Kulturgut und Zeuge der Jetztzeit gelten könnte. Vielleicht sollte man, anstatt „Ruinen“ zu sanieren, etwas mehr in die Gegenwartsarchitektur investieren.

  2. Der Auftakt des Kommentars greift mE daneben: Es geht nicht um „Denkmalschutz um jeden Preis“. Es geht um Denkmalschutz. Der ist kein Luxus sondern er soll Kulturdenkmäler erhalten und ist damit „ein legitimes gesetzgeberisches Anliegen, Denkmalpflege eine Gemeinwohlaufgabe von hohem Rang“ (Bundesverfassungsgericht). Wenn aber -wie in Oldenburg- nicht einmal die öffentliche Hand einzigartige Baudenkmale erhält, obwohl sie reich ist, wer dann?
    Alle weiteren Anmerkungen von @B.Schulte teile ich.

  3. B. Schulte said

    Wodurch wird ein Projekt eigentlich zum Denkmal, welches dann von einer weiteren Behörde – dem Landesamt für Denkmalpflege, verwaltet wird?
    Die Oldenburger Brücke kenne ich nicht aus persönlicher Ansicht. Auf den Bildern wirkt sie allerdings recht klotzig und unelegant. Wer immer die auf eine Denkmalsliste gesetzt hat, wollte wohl den besonderen Zeitgeschmack von 1927 dokumentieren. (Hätte so auch in die Zeit nach 1933 gepasst)
    Wenn die drei unabhängigen Gutachten über den Brückenzustand allerdings stimmen dann könnte es ja sein, dass eine Renovierung der alten Brücke teurer wird als ein Neubau.
    Wenn aber die jetzt zur Verfügung stehende Technik beim Neubau der Brücke evtl. eine elegantere Lösung bieten würde, sähe ich die Renovierung des alten Bauwerks tatsächlich als „Denkmalschutz um jeden Preis.“

  4. Hans Schmidt said

    Wenn Sie das Bauwerk nicht aus persönlicher Ansicht kennen und auch sonst nur Vordergründiges beizutragen haben -wie beispielsweise den peinlichen Anklang an die NS-Zeit („nach 1933“) und deren Ästhetik, sollten Sie einfach mal die Aussage akzeptieren, dass es sich bei der Brücke um ein zeithistorisches architektonisches und technisches Baudenkmal handelt. Mehr hier:
    http://www.alt-oldenburg.de/verkehr/caecilienbruecke/index.html
    und
    http://www.nwzonline.de/oldenburg/wirtschaft/neue-caecilienbruecke-im-alten-stil_a_2,0,1839286462.html

  5. Dr. Tim Möhlenbrock said

    Die „Übermorgenstadt“ Oldenburg war ja schon in der Vergangenheit bekannt für ihren wenig rücksichtsvollen Umgang mit alter Bausubstanz (merke: in Oldenburg richtet ein Stadtbaurat mehr Schäden an als zwei Weltkriege), und jetzt kommt auch noch das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Bremen und „hilft“ dabei. Meines Erachtens geht es hier allerdings weniger um den Ersatz einer möglicherweise schadhaften Brücke durch einen Neubau, mir drängt sich eher der Verdacht auf, das WSA Bremen wolle sich für die nächsten Jahre ein Großrpojekt sichern, um den eigenen Bestand gegen den heftig verwaltungsreformenden Herrn Ramsauer besser verteidigen zu können.

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