urschriftlich

25. Januar 2013

Eher selten präsentiere ich in diesem kleinen Blog Neuigkeiten aus meinem Berufsleben. Heute aber gibt es zum Wochenende im öffentlichen Dienst eine Ausnahme:

Da vertrete ich einen straffällig gewordenen jungen Mann, der weder lesen noch schreiben kann. Die Idee war, deshalb die Zeit im Strafvollzug zu nutzen, um das Handicap zu beheben [Sie wissen schon, Resozialisierung und so…]. Deshalb schrieb ich der zuständigen Justizvollzugsanstalt in einem südlich gelegenen, benachbarten Bundesland. Mein Brief kam nach wenigen Tagen urschriftlich wieder zurück [dann merkt auch keiner, dass eine Idee zum Vollzugsplan übersandt wurde]. Aber ich wurde, stellvertretend für den Betroffenen, auf diese Weise überzeugend in die vollzuglichen Grundlagen der deutschen Grammatik getaucht und verstand sogleich, warum das mit dem Lesen und Schreiben in jener JVA nicht geht.

Urschriftliche Freunde in NRW: Bitte grüßt mir dem erlernten Dativ!

Bildschirmfoto 2013-01-24 um 21.53.17

25 Antworten zu “urschriftlich”

  1. Job said

    Herr Koop, was kritisieren Sie jetzt?
    Den Rechtschreibfehler (kann ja mal passieren) oder den Tatbestand, dass in der JVA keine Weiterbildungsmaßnahmen zum Thema Lesen und Schreiben angeboten werden.

    • ulrike said

      Der Rechtschreibfehler ist leider ein Grammatikfehler.
      Auch das Schriftbild ist recht ungelenk.
      Daraus ist zu folgern :
      Bildung für alle als Menschenrecht.
      Für Insassen U N D Bedienstete .
      So einfach ist das.

    • Hans Schmidt said

      Herr Job, was fragen Sie da? Das ist doch peinlich ohne Ende und darf nicht passieren. Sowohl das Eine wie das Andere.

      • Job said

        @Hans Schmidt
        Ihr Kommentar ist sowas von peinlich.
        Natürlich bin ich für eine Weiterbildung im Knast.
        Natürlich sollte man als Kommentator möglichst Rechtschreib- Grammatikfehler vermeiden. Machen Sie sich doch einmal die Mühe und zählen Sie einmal die Fehler der Threads zu diesem Thema.

  2. Emsland said

    Jetzt wird es aber langsam peinlich:
    Der erste Grammatikfehler befindet sich bereits im Ausgangschreiben, da Grußformeln im ganzen Satz auch die Satzzeichen erforderlich machen. Es fehlt also ein Punkt.
    Herr Korinth aus Kac…

  3. momo said

    ..haben sich da lauter Lehrer gemeldet?..:-)

  4. Peter G. said

    Oh wie ist das schön, diese Kommentare.

  5. Statistiker said

    Weder Ulrike noch Hans Scgmidt merken etwas, auch Emsland reiht sich ein bei den Dummen….
    Naja, Deutschland muss muss dumm sein, anders kann man ja keine Büürger andere Nationalität für dumm erklären, was ja im Sinne dieser Dummen ist……

  6. marcus05 said

    Das ist fein, da wird vom Staat auf einen Sozialisierungswilligen geschissen, weil man das nötige Programm nicht anbieten will und das Schreiben wird nicht mal in die Unterlagen eingefügt damit die Bereitschaft der Sozialisierung ja nicht dokumentiert ist.

    ich schreibe mit voller Absicht übrigens nicht Resozialisierung, weil ein Analphabet ist zu keinem Zeitpunkt Teil unserer Gesellschaft gewesen. Wenn er jetzt wieder als Analphabet aus der Haft kommt wird er weiterhin auf Kriminalität angewiesen sein um zu überleben, denn einen Hartz IV Antrag bekommt er ohne Lesen und Schreiben zu können niemals durch.

    und ihr regt euch über einen Deutschfehler im Anschreiben auf

  7. Johannes said

    @Markus: Ich habe mich immer über die falsche Umstellung nach „weil“ aufgeregt. Inzwischen habe ich mich damit abgefunden, dass ca. 50% der Deutschen nicht fähig oder willens sind, ihre Spraqche ordentlich zu benutzen. Dazu gehören unser Wachtmeister und viele andere auch.

  8. ThorstenV said

    So Daniel. Jetzt müssen wir dem Herrn Rechtsanwalt noch schreiben, dass das so nicht geht. Zum Abschlus deines „Wir besuchen Papa bei der Arbeit“-Tags darfst Du das machen und ich unterschreib das dann.

  9. Jeeves said

    Der handschriftliche „Kommentar“ (immerhin von einem Justizvollzugsbeamten) ist sowas von sechsjähring & falsch und einige der Kommentatoren bemerken das offenbar gar nicht?

  10. Krümelmonster said

    sieht schon irgendwie aus wie von einem Grundschüler geschrieben…

    Ansonsten etwas erbärmlich, dass man nicht wenigstens mal eine simple Deutsch-Nachhilfe organisieren kann, wenn die Mittel für einen richtigen Sprachlehrer schon zu knapp sind. Jeder Student macht sowas für 7-10 Taler pro Stunde und bei so einer Aufgabe würden sich wohl auch wirklich nur Ehrgeizige melden („Nachhilfe für Alphabetisierung eines Gefängnisinsassen (in Untersuchungshaft?) gesucht“)

    Irgendwie beschämend…*gronch gronch*

    PS: darf man urschriftliche Dokumente beschriften? Ich hätte gedacht, die Notiz müsse extra verfertigt werden, auf beiligendem Schriftstück. *knusper*

  11. Adrian said

    Das Erschreckende ist doch nicht ob es einzelne Justizbeamte mit mangelnden Deutschkenntnissen gibt. Das Erschreckende ist welchen Menschen in diesem Land Gefangene anvertraut werden. Mit welcher Gedankenlosigkeit hier das Schicksal von Gefangenen behandelt wird.
    Eine Justizvollzugsanstalt hat auch stets eine Fürsorgepflicht für die Insassen. Es geht nicht um bloße Menschenaufbewahrung. Dazu gehört auch der Resozialisierungsgedanke, die Überlegung wie man einem Straftäter helfen kann nach der Haft wieder in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Die vorliegende Arbeitsprobe der Justizanstalt zeigt, dass es dort bereits auf Seite der Beamten erhebliche Mängel im Beherrschen sozialer Standards (Sprache) und gesellschaftlicher Abläufe (Urschrift + mangelnde Fortbildungsmöglichkeit) gibt. Wie sie bei solch eklatanten eigenen Mängeln Insassen gesellschaftliche Regeln vermitteln will, ist unklar. Das ist für mich das Erschreckende.

    • Durchblick said

      Das Erschreckende ist die Verallgemeinerung in ihrem Kommentar, Herr Adrian.
      1. Hier handelt es sich um einen Verwaltungsbeschäftigten der JVA und nicht um einen „Aufseher“.
      2. Wird nicht erwähnt welche Straftat begangen wurde, die länge der Haftstrafe und die Haftform (im offenen Vollzug ist es durchaus möglich eine Volkshochschule zu besuchen).
      3.Werden keine Gründe genannt warum dieser junge Straftäter es bislang versäumt hat das Lesen und Schreiben zu erlernen.
      4. Gibt es reichlich JVA´s die solche „Deutschkurse“ (besonders für Häftlinge anderer Nationalitäten) unterstützen und anbieten. Dazu muß man seinen Urlaub dann eventuell mal umbuchen und ein anderes Hotel wählen und sich entscheiden ob einem die Heimatnähe oder die Fortbildung wichtiger ist.

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