Gebrüder-Grimm-Schule

16. Dezember 2012

Unnötigerweise hat die CDU-Mehrheit in Lingen (Ems) gerade beschlossen, die Gebrüder-Grimm-Schule (GGS) zu schließen, pardon „auslaufen zu lassen“; der Schulstandort wird dicht gemacht. Dabei ist die Zweizügigkeit der GGS dauerhaft gesichert und das Schulgesetz des Landes Niedersachsen sieht für die „Oberschule“ genannte Verbindung von Haupt- und Realschule -also das Schulmodell der CDU- keine höheren Anforderungen vor. Tatsächlich will die Verwaltung auch vor allem die Pestalozzischule in die GGS umsiedeln, was aber noch nicht verraten wird. Es gibt zwar die Inklusionsvorgabe, doch daneben auch den 1,5 Mio-Euro-Bedarf, um die nur 400m entfernt liegenden Förderschule zu modernisieren. Diese Summe will man einsparen. Und die Marienschule schont man. Diese Privatschule des Bistums Osnabrück hat offenbar eine unbegrenzte Bestandsgarantie von der CDU erhalten. Deshalb dürfen dann die künftigen GGS-Kinder, die nicht auf eine katholische Privatschule wollen oder sollen, quer durch die Stadt gehen oder fahren (oder gefahren werden), um zur Friedensschule in Darme zu gelangen: 40 Minuten zu Fuß, 20 Minuten mit dem Rat oder 9 Minuten mit dem Wagen. Eine Strecke.

Ebenso nachdrücklich wie vergeblich hatten die BürgerNahen und die SPD an die CDU-Ratsmitglieder appelliert, mit der GGS-Schließung nicht ohne Not „den Schulfrieden“ in Lingen aufzukündigen. Die SPD hatte deshalb sogar einen GGS-Antrag für den Stadtrat zurückgezogen. Die CDU stimmte nur vordergründig zu; denn am Mittwoch der letzten Woche fand zwar ein Gespräch miteinander statt. Das aber verlief absolut enttäuschend, wie mir mein Fraktionskollege Volker Becker berichtete; denn gleich zu Beginn habe der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Hilling erklärt, dass die GGS geschlossen wird und die CDU darüber nicht mit sich reden lassen. Punktum. Ich frage mich, was ein solches Gespräch dann sollte.

Die GGS-Eltern und die Schulleitung der GGS haben offenbar resigniert. Der Schulleiter nicht ganz freiwillig, wie ich hörte. Die staatliche Schulbehörde in Meppen soll ihm schon vor einigen Wochen eine Informationsveranstaltung untersagt haben.

Was lernen wir? Wir haben Wahlkampf und man darf nicht alles glauben, was die CDU da so erklärt, sondern das, was  sie beschließt. Guckst Du hier:

Bildschirmfoto 2012-12-16 um 10.07.35

[Oh, das ist ja nicht nur schwer zu verstehen sondern noch ein bisschen schwerer zu lesen.

Deshalb die politische Unwahrhaftigkeit, die es als CDU-Werbeanzeige am letzten Donnerstag bei Facebook gratis gab, noch einmal vergrößert hier:]

dmaccb

4 Antworten to “Gebrüder-Grimm-Schule”

  1. Brigitte Brüggmann said

    Wie lange dauert es denn ohne Rat, ?

    • ulrike said

      Leute , es geht hier um weiterführende Schulen .
      Da kann es passieren , daß die nicht vor der Haustüre liegen .Es wäre doch egal , ob Schüler von Ost nach West oder umgekehrt fahren müssen.
      Denkt mal an die bedauernswerten Schüler aus Baccum, die Wert auf die Marienschule legen !
      Das Problem mit den Schülerzahlen der Marienschule beschäftigte schon vor zwanzig-fünfundzwanzig jahren ausgiebig den Schulausschuß und es war mühsam, die städtischen Schulen zu unterstützen.
      Vermutlich wissen viele Leser nicht, daß eine sog. Konkordatsschule nur zu einem geringen Prozentsatz von der kath. Kirche bezahlt wird.
      Die PERSONALKOSTEN bezahlen wir alle als Steuerzahler zu 100 Prozent.
      Die Sachkosten werden auch vom Staat bezuschusst und sind im letzten Jahr um erwa 20 Prozent erhöht worden, das richtet sich nach der Anzahl der Schüler.
      Ein volles Ausschöpfen der Schüleranzahl pro KLASSE ist dann von Vorteil .

      Das wirkliche Problem gibt es jetzt zunehmend bei den Grundschulen .“Kurze Wege für kurze Beine “ wird vielleicht bald nur noch ein Traum sein.

  2. lingentheo said

    ECHT TOLL!

    Fakt ist , dass die zum 01.08.1993 durch Satzung festgelegten Schulbezirke nie eingehalten worden sind. Wer nicht zur HS/RS Heukamps Tannen wollte, erhielt kurzerhand eine Ausnahmegenehmigung des seinerzeit noch zuständigen Schulaufsichtsamtes. So wurden Ausnahmen immer mehr zur Regel, und der Schulträger schaut jahrelang tatenlos zu, um dann mit einem Federstreich das Ende der Haupt- und Realschule Heukamps Tannen zu verkünden, und dies ohne vorherige, offene Diskussion und politische Debatte.

    Ist das der neue Weg der so oft proklamierten Mitnahme des Bürgers? Die Festlegung der Schulbezirke war neben dem Grundsatz der Wohnungsnähe auch eine Lenkung der Schülerströme, um in etwa eine Planungsgröße für die anstehenden Baumaßmahmen an den jeweiligen Standorten sowie für die Organisation der Schülerbeförderung zu erhalten.

    Dabei sollten doch incl. Marienschule und Friedensschule alle 3 Standorte in etwa gleich groß sein. Je Standort wurden Raumkapazitäten für jeweils eine 6-zügige OS und 5-zügige HS/RS durch erhebliche Bauerweiterungsmaßnahmen geschaffen. Also für 32 Klassenverbände = 32 Allgemeine Unterrichtsräume und ca. 16 Fachunterrichtsräume zuzüglich Lehrmittel- und Arbeitsräume, Verwaltung plus Ganztagsbereich etc.. Gesamte Investitionskosten seinerzeit gerundete 20 Mio. Euro.

    Statt auf Bildung setzen die CDU-Stadtväter lieber auf Arena mit Millionen Euro Zuschussbedarf per anno. Da bleibt kein Geld mehr für Sach- und Unterhaltungskosten der GGS.

    Schulpflichtige Kinder aus halb Lingen sollen keine öffentliche Haupt- und Realschule mehr in gewohnter Umgebung besuchen, sie und müssen künftig quer durch die Stadt kutschiert werden. Familienausflug von Clusorth-Bramhar nach Lingen-Darme.

    ECHT TOLL – traurig aber wohl wahr!

    Möchte zu gern wissen, auf welchem Mist dieser Unsinn gewachsen ist und wer als erster diese Blitz(wahn)idee hatte!? War es gar der Hein(z)i selber? Fragen über Fragen?

    Eigentlich hat der Schulträger bei seinen schulorganisatorischen Entscheidungen nach § 106 Abs.1 bis 3 NSchG eine Prognose der Schülerzahlen für mindestens zehn Jahre zugrunde zu legen, siehe Verordnung zur Schulorganisation von 2011. Die Kinder der in zehn Jahren an der Haupt- und Realschule GGB zu erwartenden Schüler sind bereits geboren und unter Beibehaltung der seinerzeit festgelegten Schulbezirke: Grundschulen Altenlingen, Baccum, Brögbern, Castellschule, Clusorth-Bramhar, Damaschke, Holthausen, Marienschule,Matthias-Claudiusschule, Overbergschule, Paul-Gerhardt-Schule, Wilhelm-Berning-Schule, Bereich nördlicher der Georgstraße bis Wulwer Esch und des Brockhauser Weges und nach aktuellen Übergangsquoten relativ sicher prognostizierbar. Nur die Mühe macht sich wohl niemand, die statistischen Einwohnermeldezahlen der Geburtsjahrgänge Schuljahr bezogen von 01.07.2009 – 30.06.2012 exakt zusammen zu rechnen. Interessant wäre es, in dem Zusammenhang zu erfahren, wie viele Haupt- und Realschüler aus dem Einzugsbereich der GGS mit Ausnahmegenehmigung zur Friedensschule abgewandert sind, dort aber gar nicht hingehören. Warum nur will man eine 2-zügig zu erwartende Haupt- und Realschule der GGS auf Dauer kaputt machen. Und warum diktiert in Lingen immer die Schulbehörde mit? Das ist andernorts ganz anders!

    Allein die Stadt Lingen (und kein Bischof und keine Schulaufsicht) hat als Schulträger die notwendigen Schulangebote und Schulgebäude vorzuhalten und setzt sich allenfalls ins Benehmen mit der Schulaufsicht, die nach Auflösung der Bezirksregierung eigentlich vollkommen überflüssig ist, nimmt man diese Dezernenten/Direktoren sowieso nur wahr bei Jubiläen, ehrenvollen Neueinführungen und Verabschiedungen in den (wohl?)verdienten Ruhestand. Das könnte doch wohl auch zentral von Hannover aus gemacht werden. Aber nein, sie fühlen sich ja sooo wichtig halten sich für unentbehrlich.

    Es ist ja wohl das Allerletzte, wenn dazu noch der Schulleiter der GGS von der Schulaufsicht unter Druck gesetzt wird. Ich würde auf die Barrikaden gehen. Wo bleibt ihr denn protestmäßig, Ihr Elternschaft, Schulkinder und Kollegium ???

    Übrigens hat Lingen im gesamten Emsland das Alleinstellungsmerkmal, dass es emslandweit der einzige kommunale Schulträger ist, der keine seiner Haupt- und Realschulen als Oberschule anbietet. So gesehen gibt es überhaupt keine Alternative und Konkurrenzsituation für die Marienschule. Dies wurde in Meppen und Papenburg ganz anders gehandhabt. Dort sind neben den katholischen auch die städtischen Hauptschulen in Oberschulen umgewandelt worden, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.

    Da bietet sich für Lingen förmlich die Umwandlung der GGS in eine Oberschule an, die z.B. in besondere Weise und schwerpunktmäßig in kleineren Arbeitsgemeinschaften individuell auf den Wechsel in das Berufsleben für die unterschiedlichsten Handwerksberufe vorbereiten könnte. Damit würde der Standort GGS attraktiver und ganz sicher auch gestärkt werden.

    Schulschließung ist immer der letzte Schritt, vielleicht aber auch der bequemste. Nicht ohne Grund ist in der Verordnung zur Schulorganisation und der schulpolitischen Diskussion gesagt worden, dass angesichts sinkender Schülerzahlen zunächst die Entwicklung bis 2015 abgewartet werden soll. Ein neuer Weg für die Zusammenarbeit der drei Schulen könnte auch unter Beibehalt der jeweiligen Eigenständigkeit gegangen werden.

    Allein es fehlt am guten Willen der CDU-Ratsherren…

Schreibe eine Antwort zu lingentheo Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.