Gustl

1. Dezember 2012

Etwas Längeres für dieses Wochenende:

Einleitend dies: Gabriele Wolff schreibt Romane. Krimis vorzugsweise. Aber sie weiß dabei, wovon sie erzählt. Denn sie hat jahrelang als Staatsanwältin gearbeitet und ist vor drei Jahren als Oberstaatsanwältin aus dem Dienst geschieden. Dies schult den Blick: Schon im „Fall Kachelmann“ hat sie die Falschbeschuldigungen der Anzeigeerstatterin Claudia Dinkel als ebensolche entlarvt. Jetzt greift sie in ihrem Blog mit sezierend-präziser Genauigkeit den „Fall Gustl Mollath“ auf.

Liest man die erste Folge ihres Berichts, stockt der Atem. Man ahnt, was kommt. Und es kommt. Und man fühlt sich auch als Landadvokat wie ich in seinen durchaus schon zahlreich zu nennenden Eindrücken bestätigt, wenn Namen wie der des fränkischen Landrichters Otto Brixner und des Bundesrichters Armin Nack nicht nur (dankenswerterweise) genannt sondern auch in ihrem weithin unbekannten juristischen Wirken eingeordnet werden. Ich korrigiere: Zutreffend eingeordnet werden.

Also lehnen Sie sich bitte zurück und lesen:

„Der Fall Gustl Mollath: Rosenkrieg und Versagen von Justiz & Psychiatrie

Der Fall Gustl Mollath wird, seitdem er nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch den Politikbetrieb erreicht hat, vorwiegend unter dem Gesichtspunkt ›Da wurde jemand mundtot gemacht und in die Psychiatrie abgeschoben, weil er Steuerhinterziehungen aufdecken wollte‹ diskutiert. Es wird über politische Weisungen spekuliert, die die Aufnahme von Ermittlungen gegen Hypovereinsbank-Mitarbeiter und deren Kunden verhinderten. Und wer mag wohl die Kundin, eine laut Sonderrevisionsbericht der Hypovereinsbank vom 17.3.2003 „allgemein bekannte Persönlichkeit“ sein, deren eingestandenes Schwarzgeld in Höhe von 70.000,- Franken in den Jahren 2001 und 2002 zur Umgehung einer Überprüfung nach dem Geldwäschegesetz gestückelt und in DM bzw. Euro umgetauscht wurden, wobei diese Aktivitäten über das Konto des Mitarbeiters D. liefen? Der dann auch noch im eigenen Namen 1000,- DM Scheine jener Persönlichkeit in Euro untauschte?

Zugegeben, das sind alles interessante Aspekte und Spekulationen.

Der Fall ist allerdings mittlerweile so minutiös dokumentiert, daß sich anhand der Realien eine ganz andere Geschichte erzählen läßt. Und die ist noch viel schecklicher – beweist sie doch, wie leicht sich eine entschlossene Rosenkriegerin mithilfe einer gegenüber weiblichen ›Opfern‹ unkritisch agierenden, voreingenommenen Justiz und inkompetenten Gutachtern ihres Ex-Mannes entledigen kann. Gründlich bis zur Existenzvernichtung. Schrecklicher ist diese Geschichte conta wohlfeilen Verschwörungstheorien deshalb, weil sie jedermann treffen kann.

Eine der wesentlichen Quellen für meine Deutung der Tragödie von Gustl Mollath, die sich zur Zeit zu einem Kriminalstück entwickelt, ist diese Dokumentation mit zahlreichen Einzelnachweisen:

http://www.gustl-for-help.de/chronos.html

Eigentlich war es …“

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Rote Schleife

1. Dezember 2012

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Rote Schleife.
1. Dezember.
Weltaidstag

aufgerappelt

1. Dezember 2012

Michael RensingEr ist „hoch gestiegen, tief gefallen“, und hat sich „wieder aufgerappelt“, der aus unserer Stadt stammende Fußballprofi Michael Rensing (Foto lks), bis zur B-Jugend Torwart beim TuS Lingen und dann beim FC Bayern München. Das Nachrichtenmagazin SPEGEL-online berichtet über das Buch „Nachspielzeit“ von Exprofi Timo Heinze und was „Michi“ dazu sagt. Denn der kennt -wie SPIEGEL-online schreibt– das Gefühl genau, wenn alles im Fußball wegbricht. 2008 sollte er beim FC Bayern Nachfolger von Oliver Kahn werden, doch Jörg Butt erhielt den Vorzug. Nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit kam der 1. FC Köln, Rensing wurde Nummer 1, hielt stark, aber nach dem Abstieg gab der Verein ihn an Bayer Leverkusen ab. Rensing blieb nur die Option als Stellvertreter des jungen Stammtorhüters Bernd Leno.


Rensing hat bis heute regelmäßig Kontakt zu Timo Heinze; er weiß selbst, „wie schwer es ist, nach oben zu kommen“. Schnell ist zu erkennen, welche Kraft ihn die letzten Jahre gekostet haben, aber verbittert ist er nicht. Die Stärke von Heinzes Buch sieht Rensing darin, dass es die Aspekte beleuchte, an denen ein aufstrebender Spieler scheitern oder gar zerbrechen könne – schwere Verletzungen, zu hohe Sensibilität, das Nachdenken auch während des Spiels über einzelne Aktionen.

„In meiner Jugendzeit bei Bayern München habe ich Druck eigentlich nie empfunden“, sagt Rensing heute, „erst später änderte sich das“ – bei ihm explosionsartig. Rensing sieht die Trainer als wichtige Basis. „Klar gibt es auch Fälle, wo ein Trainer einen Spieler einfach nicht mag, ihm etwas nicht passt“, so der Torhüter. Ebenso schlimm könne es sein, wenn ein Trainer nicht mit den Spielern rede: „Dann weiß man nur schwer, woran man ist.“

Rensing rät jungen Spielern, „unbedingt auf ein zweites Standbein“ zu achten, sich Alternativen zu überlegen: „Ich hab auch mal dran gedacht, nebenbei zu studieren.“ Inzwischen habe er sich vom Druck befreit und denke „nicht daran, was man von mir erwartet“, sagt Rensing, „heute spiele ich nicht, weil ich muss, sondern weil ich es liebe, weil es meine ganze Leidenschaft ist.“
(Quelle und mehr)