Island

31. Dezember 2012

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.

Hier ist ein Auszug:

Etwa 55.000 Touristen besuchen Liechtenstein jedes Jahr. Dieser Blog wurde 2012 470.000 Mal besucht. Wäre es Liechtenstein, würde es 9 Jahre dauern, bis so viele Menschen es gesehen haben. Dein Blog hatte mehr Besucher als ein kleines Land in Europa!

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Silvester

31. Dezember 2012

aufstandcoevordern1770Auch an Silvester kann noch manches geschehen. Das war auch vor 242 Jahren so. Am 22. Dezember 1770 begann eine deftige bürgerliche Revolte im benachbarten niederländischen Coevorden (Provinz Drenthe). In die niederländische Geschichte ist sie als „Iizerkoekenoproer“ eingegangen, was man am besten mit Neujahrshörnchen-Revolte übersetzen kann. Denn Ursache für den Aufruhr war dieses krosse Neujahrsgebäck, auf niederländisch Ijzerkoeken oder Kniepertjes, bzw. der Umgang damit. Knieperties sind mit dem Waffeleisen gebackene, süße und krosse Plätzchen oder Hörnchen. Sie werden eben nicht nur bei uns sondern auch in den östlichen niederländischen Provinzen Groningen, Drenthe, Overijssel und Gelderland gemocht und gegessen. Ihre niederländische Bezeichnung stammt vom Wort „knijpen“, das auf niederländisch Quetschen bedeutet; denn der Waffelteig wird zwischen die heißen Waffeleisen „gequetscht“, damit sie auch gelingen.

Seit mindestens 500 Jahren (Gemälde unten: Lubin Baugin, Der Nachttisch, Stilleben Mitte des 17. Jhdts; Quelles) gehören Knieperties (hier bei uns auch Rullerkes, Neeijahrskook oder auch Krüllkoken, Klemmkuchen, Eiserkuchen oder Piepkuchen) traditionell dazu, wenn die Menschen das Neue Jahr in der Region diesseits und jenseits der deutsch-niederländischen Grenze feiern. Im Dezember sind die gebackenen Knieperties bei den niederländischen Nachbarn flach als Symbol für das ablaufende Jahr. Doch zum 1. Januar werden die frisch gebackenen Neujahrshörnchen gerollt und symbolisieren damit das neue Jahr, das noch alle Geheimnis verbirgt und sozusagen noch aufgeknuspert werden muss.

220px-Lubin_Baugin_001Zurück zu 1770 und Coevorden, wo damals der strenge, reformierte Kirchenvorstand die lokale Obrigkeit ersuchte, ein Gesetz eben gegen die Kniepertjes und die Menschen zu machen, die zu Silvester und Neujahr den Armen der Gemeinde diese Neujahrshörnchen schenkten. Das nämlich wurde dabei ausgiebig gefeiert; es wurde viel getrunken und es ging hoch her. Zu hoch meinten die Kirchenmännern.

Der Magistrat diskutierte den Antrag des Kirchenvorstandes auf „afschaffing van dat oudt en slegt gebruik, dat op nieuwjaarsdag lange heeft plaatsgehad, met betrekking tot het uitdelen van zo genoemde nieuwjaars- of Ijzerkoeken aan straatlopers en dergelijke“  (frei übersetzt: Verbot des alten und schlechten Brauchs, der seit langem am Neujahrstag stattfindet, betreffend sogenannte Neujahrs- oder Eiserkuchen an Gesindel und ähnliche Personen auszuteilen) und beschloss das neue lokale Verbotsgesetz bei einer Sitzung am 22. Dezember. Wütende Einheimische protestierten vergeblich vor der örtlichen Kirche, doch die Demonstration wurde verboten und das Gesetz verabschiedet. Das hatte aber ganz und gar nicht die erwünschte Wirkung. Die Einheimischen waren weiter empört und sahen in dem Verbot einen Angriff des Magistrats, um den Armen den einzigen fröhlichen Tag im Jahr zu nehmen. Am Silvestertag 1770 marschierten die Hörnchenbäcker deshalb zum Rathaus (Stich oben lks), wo der Magistrat erneut tagte. Unter den Protestierenden waren sehr viele Frauen aus Coevorden und viele mit ihren Waffeleisen in den Händen. Ihre Forderung war klar: Rücknahme des neuen Gesetzes. Zunächst lehnte das Gremium  ab, bekam es dann aber mit der Angst zu tun, als die Protestierenden gewalttätig wurden und der Magistrat das Rathaus nicht mehr verlassen konnte. Schließlich hob er noch am Silvestertag das Gesetz auf. Doch damit war die empörte Menge nicht mehr zu beruhigen, so dass der Magistrat schließlich eine militärische Eskorte der örtlichen Garnison anfordern musste, damit er das Rathaus verlassen konnte. Als die Mitglieder nach draußen kamen,  schlugen die wütenden Protestierenden mit ihren Waffeleisen auf Mänteln und Jacken der Oberen ein. Dabei wurde aber niemand ernsthaft verletzt

Einer der Aufrührer des Aufstandes war Harmen Slingenberg. Er wurde vor dem Gerichtshof  Drenthe angeklagt, doch über den Ausgang des Prozesses ist nichts bekannt.  Sein Sohn Berend Slingenberg war später der erste Bürgermeister Coevordens im 19. Jahrhundert.

Bis heute ist das Ereignis in den Niederlanden als “Ijzerkoekenoproer” bekannt und bis jetzt hat es nie wieder jemand gewagt, das Kniepertiesfest zu Silvester in Coevordern oder anerswo in Frage zu stellen.

Das Rezept für 50 bis 60 Knieperties á la Coevordens Iizerkoekenoproer

Neujahrshoernchen500 gr gewöhnliches Mehl
275 gr Zucker
225 gr Butter
3 Eier
10 gr Zimt

Zubereitung:
1. Die Butter schmelzen, ohne sie heiß werden zu lassen oder gar zu kochen.
2. Den Zucker zur geschmolzenen Butter hinzugeben.
3. Die Eier nacheinander vorsichtig hineinrühren
4. Das Mehl dazugeben und so lange miteinander verrühren bis ein Teig entstanden ist, den man zu Kugeln formen kann.
5. Stell‘ aus dem Teig 50 bis 60 Kugeln her und lasse sie über Nacht im Kühlschrank ruhen
6. Bestreiche das Waffeleisen mit Fett und lege eine kleine Teigkugel mittendrauf. Drücke das Waffeleisen zusammen, bis die Waffel fertig ist. Sie soll hellbraun und sehr dünn sein und ca. 13 cm Durchmesser haben..

Auch ohne Waffeleisen kann man Neujahrshörnchen herstellen. Dazu muss eine Teigkugel zu einem dünnen, runden Teigplätzchen von ca 13 cm Durchmesser ausgerollt werden. Wer will, kann mit einem Schälmesser Muster hineinritzen. You can make a pattern with a skimmer if you like. Etwas Butter in die Pfanne und wenn die heiß ist, kann man die Hörnchen backen, bis sie auf beiden Seiten hellbraun geworden sind.

7. Die Waffeln abkühlen lassen; erst dann werden sie schön knusprig.
8. Gerollte Hörnchen bekommt man, indem man sie um das Ende eines Löffels wickelt, solange sie noch warm und biegsam ist. Anschließend abkühlen lassen.
9. Früchte, Eiscreme oder Sahne runden den Genuss ab.

Guten Appetit!

Demokratie-Abgabe

30. Dezember 2012

Der „Mediendienst“ Kress berichtet heute über das, was WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn auf intern.ARD.de den modischen Aufgeregtheiten entgegensetzt, die gerade wegen der neuen GEZ-Regeln für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch die Rpepublik toben. Kress fasst Schönenborns Beitrag so zusammen:

„Wenn man derzeit Medienseiten deutscher Zeitungen liest, möchte man als ARD-Mitarbeiter beinahe zu Anti-Depressiva greifen.“ Jörg Schönenborn, WDR-Chefredakteur Fernsehen, hat auf „intern.ARD.de“  zur Kritik am neuen Rundfunkbeitrag Stellung bezogen. Er schreibt von „Menschen, die Wut haben wie einst bei Sarrazin oder in Stuttgart“, die ARD und ZDF „am Bildschirmfoto 2012-12-30 um 17.35.15liebsten abschaffen möchten“. Viele Artikel funktionierten nach dem Motto: „Ich nehme mir meine These und mache die Welt einfach passend.“ In dieser Welt begehre ein Land auf gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und wenn man es mit der Wirklichkeit ohnehin nicht so genau nehme, würden auch Geschmacksgrenzen keine Rolle mehr spielen, so Schönenborn. Eine Schlagzeile habe letzte Woche allen Ernstes vom „UnGEZiefer“ gesprochen – das wecke in ihm keine guten Erinnerungen.

Schönenborn weiter: Wer argumentiere, dass man aus der Kirche austreten können, dass man eine Wohnung kündigen können, nur eben nicht den Rundfunkbeitrag, kündige jede Form von gesellschaftlicher Solidarität auf. „Eigentlich ist es bei uns nämlich gesellschaftlicher Konsens, dass wichtige Strukturen für das Zusammenleben gemeinschaftlich finanziert werden, und zwar egal, ob sie jeder persönlich nutzt oder nicht. Das beginnt beim Wasseranschluss, für den jeder, der irgendwo „wohnt“, eine ‚Zählergebühr‘ bezahlt, ohne auch nur einen Liter verbraucht zu haben. Das gilt für Straßen, deren Bau und Pflege über die Steuern jeder mitbezahlt, der kein Auto hat. Und es hört mit dem Sessel im Konzertsaal noch lange nicht auf, der jeden Abend solidarisch bezuschusst wird, selbst wenn das Konzert ausverkauft ist“, zählt der ARD-Verantwortliche auf.

Der Rundfunkbeitrag passe gut in dieses Land. Er sei genau genommen eine „Demokratie-Abgabe“. Ein Beitrag für die Funktionsfähigkeit unseres Staatswesens und unserer Gesellschaft.  Und „weil man schwerlich ein kommerzielles Vollprogramm findet, das auch nur eine halbe Stunde pro Tag über Politik berichtet“, behauptet Schönenborn: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sichert das Funktionieren unserer Demokratie.“ (mehr bei Kress)

Wissen Sie was? Recht hat er, der Schönenborn. Mit jedem Wort.

Fein

30. Dezember 2012

EmslandmuseumWas gibt’s morgen am letzten und 366. Tag dieses Jahres?

Nun, noch einige Stunden Arbeit und Besprechungen, dabei ein paar zuckrig-krümelnde Berliner essen und so den Magen traktieren, dann ein Glas Sekt zum Jahresabschluss mit den Mitarbeitern. Danach könnte man um halb zwei zum traditionellen Jahresausklang ins Lingener Emslandmuseum (Foto lks © dendrpoaspis2008) gehen und die best-off der Fotosammlung von Ex-Nachbarin Michaela Galle genießen (Eintritt frei, Spende erbeten) oder sich ein Stück der 24-h-Stunden-Pop-around-the-clock-Livekonzerte auf 3Sat ansehen (mal wieder einzigartig). Vielleicht auch beides nacheinander.

Anschließend so ab 18 Uhr ein paar ruhige Stunden gaaaanz lecker essen gehen und danach mit Freuden und Freunden quatschen, trinken (und mit 3Sat oder WDR?) ins neue Jahr trödeln. Sekt. Knallern. Dann ab in’s Koschinski und sich um 3 Uhr wundern, dass es schon so früh ist. Der Letzte macht das Licht aus.

Same procedure as last year also. Fein.

weiterhin

29. Dezember 2012

Noch zum Jahresende eine erfreuliche Nachricht für deutsche Kiffer (und ihre Anwälte) durch taz-Blogger Falk Madeja:

„Ausländer dürfen weiterhin in den Niederlanden kiffen. Diverse Gemeinden können einfach nicht auf die Einnahmen verzichten, so Amsterdam, Rotterdam und Enschede. Es gab den Versuch, Coffeehop-Besucher nur noch lokal mit Hilfe einer Anwesenheitspflicht in der jeweiligen Gemeinden zuzulassen. Gecancelt.
Das Staatsfernsehen NOS befragte 100 Gemeinden mit einem oder mehr Coffeeshops, es reagierten 55. Dvon gaben 26 an, dass Ausländer weiter kiffen dürfen.“

Also werden weiterhin in Coevorden, Emmen, Winschoten, Groningen, Hengelo, Enschede  und anderswo nebenan niederländische Polizeibeamte nahe den einschlägigen Coffeeshops in ihren Autos sitzen und bei ihren deutschen Kollegen anrufen, dass jetzt gleich der und der Coffeeshop-Besucher mit dem und dem NOH-, LER- oder EL-Kennzeichen angerauscht kommt und man ihn doch erwarten möge.

HanfDann sehen die Bundesdeutschen kurz oder weit hinter der Grenze überrascht eine Polizeikelle und hören nach dem Stopp aus polizeilichem Mund die Lüge des Jahres: „Allgemeine Verkehrskontrolle!“, dürfen („wegen des intensiven Marihuanageruchs“) aussteigen, damit sodann bundesdeutsche Ordnungshüter oft nicht vorhandene, aber dann -im Gegensatz zum Kollegentipp aus den Niederlanden- allemal aktenkundig gemachte, gerötete Skleren feststellen; alsdann darf „natürlich freiwillig“ am Straßenrand gepinkelt und die Urinprobe sofort positiv getestet werden; der dann fälligen Blutprobe stimmt der überforderte Kiffer wiederum freiwillig mittels Unterschrift auf Formblatt zu, der längst herbeigerufene Arzt zapft Blut ab. Die roten Skleren sind dann zwar nicht selten weg, wenn der Arzt nachschaut, aber es reicht selbst bei Minigehalt von THC im Blut meistens für eine fette Ordnungswidrigkeit mit mindestens 500 Schleifen,  einem Monat Fahrverbot und vier Punkten. Vor allem ist spätestens nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens auch die Fahrerlaubnis futsch, weil man zwar (grundsätzlich und in Grenzen) unter Alkohol fahren darf, sofern man kein Führerscheinneuling ist, aber nicht einmal minimalst angekifft, wobei unter Umständen sogar Dabeisitzen, also passiver Konsum reicht. Dann ist der Lappen weg; das praktiziert die Straßenverkehrsbehörde. Gnadenlos.

Also Freunde des auf Gottes Erde wachsenden Hanfes (Foto), wenn ihr schon in den Niederlanden kifft, nutzt Bus und Bahn, fahrt frühestens nach Tagen wieder und denkt daran, dass der Erwerb zwar im Nachbarland nicht bestraft wird aber hierzulande auch dann strafbar ist, wenn ihr -sofern Deutsche/r- in Holland die Zubereitungen der indischen Hanfsorte Cannabis sativa kauft und sie dort konsumiert. Dies ergibt sich aus § 7  Abs. 2 StGB und dem Umstand, dass der Kauf von Cannabis auch in den Niederlanden strafbar ist (allerdings dort nicht verfolgt wird). Deshalb sollte man strikt schweigenund nichts sagen, falls man  polizeilich kontrolliert und befragt wird und außerdem überhaupt nichts unterschreiben. Immer!  Und nach dem Verlassen der Polizeiwache einen nicht im Miet- oder Erbrecht sondern in BtM-Sachen erfahrenen Anwalt aufsuchen oder anrufen.

(Foto. Hanf  (C) Bart Pogoda / www.bartpogoda.com)

Statusmeldung

28. Dezember 2012

Bildschirmfoto 2012-12-28 um 00.14.56

ps Zum Recherchefehler die Grafik anklicken.

e-on

28. Dezember 2012

800px-Oskarshamns-kärnkraftverkIn der online-Publikation Klimaretter schreibt Reinhard Wolff (Stockholm) Aufschlussreiches über unser zuverlässiges, mittelständisches Energieunternehmen e-on, das im schwedischen Oskarshamn (Foto re.) drei Atomkraftwerke betreibt:

„Schwedens Atomaufsicht moniert wieder einmal schwerwiegende Mängel am Eon-Atomkraftwerk Oskarshamn und stellt den Reaktor „unter besondere Aufsicht“. Die „Mängel in Führung, Leitung und Eigenkontrolle“ reichen von falsch montierten Ventilen über nicht mehr „aufspürbares“ strahlendes Material bis zu einer Notstromversorgung, die nie betriebsbereit war. Fragt sich nur, warum die Behörde dem Betreiber immer noch vertraut.

Laut Gesetz ist es die letzte Sanktion vor dem Entzug der Betriebserlaubnis. Am gestrigen Donnerstag stellte die schwedische Atomaufsichtsbehörde „Strålsäkerhetsmyndigheten“ (SSM) das an der Ostküste des Landes gelegene AKW Oskarshamn unter „besondere Aufsicht“. Begründung: Dem Betreiber sei es nicht gelungen, die Sicherheitsprobleme in den Griff zu bekommen. Haupteigentümer der Oskarshamnsverkets Kraftgrupp“ (OKG) ist der deutsche Eon-Konzern.

Mit Oskarshamn 1 stehen nun schon sieben von zehn schwedischen Reaktoren unter „besonderer Aufsicht“. Dass die Bildqualität der Aufnahme so flau ist, liegt hoffentlich nicht an dem nicht mehr „aufspürbaren“ strahlenden Material.

Eon muss sich damit zum zweiten Mal binnen zwei Wochen schwere Vorwürfe wegen Sicherheitsverstößen beim AKW-Betrieb gefallen lassen. Am 6. Dezember hatte SSM die sofortige Stilllegung des Reaktors Oskarshamn 2 wegen ungenügender Notstromversorgung angeordnet. Die ist essenziell dafür, dass…

weiter hier

(Quelle: Klimaretter.info; Foto: AKW Oskarskamn, Daniel Kihlgren)

Seite 15

27. Dezember 2012

Bildschirmfoto 2012-12-27 um 00.01.33Am vergangenen Sonntag,  dem Tag vor Heiligabend, schrieb Michael Sänger:

„Da flattert mir heute Morgen der neueste famila-handzettel für Weihnachten und Silvester ins Haus und ich lese auf Seite 15 folgende Werbung:

Kinder-Colt (8 Schuss-Pistole aus Zink und Kunststoff) € 5.99
Kinder-Pistole (8 Schuss-Pistole aus Zink- und Kunststoff) € 5.99
Kinder-Pistole (Magnum-antik aus Zink und Kunststoff) € 10.99
Kinder-Pistole (Interpol-spezial:
12 Schuss Pistole mit Schalldämpfer aus Zink und Kunststoff) € 11.99.

Da hat eben in USA ein jugendlicher Amokläufer 20 Kinder und 7 Erwachsene erschossen und die Verkaufsstrategen von famila bieten einen Tag vor Weihnachten, dem angeblichen FEST DES FRIEDENS Spielzeugpistolen für Kinder an. Was geht in den Köpfen solcher Manager vor? Ich weiß es: Geldverdienen und nochmal Geldverdienen. Dagegen ist nichts zu sagen, aber dazu muss man keine Spielzeugwaffen für Kinder verkaufen! Fördert man damit nicht schon in früher Kinderheit eine spätere Gewaltbereitschaft?

Ich finde diese Werbung empörend und werde diesen Laden nicht mehr betreten!“

Michael Sänger schrieb seinen Beitrag in der „Facebookgruppe“ Du weißt du kommst aus LINGEN/EMS wenn, –bekanntlich mit fünf Deutschfehlern in sieben Wörtern und abgekürzt DwdkaLw. Sie zeichnet sich nicht selten durch eine beglückende Oberflächlichkeit aus. [update 27.12.23.00 Uhr: Da hat mir meine nächtliche Recherche einen Streich gespielt. MS schrieb wohl nur auf seiner fb-Seite, nicht in dieser DwdkaLw-Gruppe, die mich aber prompt wegen der vorstehenden Zeilen wohl rausgeworfen hat. Eine Info darüber hab ich nicht bekommen, kann allerdings die fb-Gruppenseite nicht mehr aufrufen. So bestätigen selbstherrliche DwdkaLw-Admis meine Einschätzung, oder? ]

Folgerichtig erklärt der aufgeweckte Julian Witschen dem kritischen Michael Sänger und gleichermaßen uns allen die Gründe, weshalb die famila-Werbung irgendwie doch ganz ok oder zumindest nicht zu kritisieren sei, so:

„Es gibt keine Welt ohne Waffen. Es gab nie eine und wird auch nie eine geben. Warum soll man Kindern diese Illusion vorleben? Das halte ich für falsch, weil ich nicht derjenige sein möchte, der den Kindern dann erklären muss, wieso es soviel Böses auf der Welt gibt.
Besser ist doch, dass Kinder schon spielerisch über Räuber und Gendarm lernen können, was gut und was falsch, wer gut oder wer böse ist. Das richtige Beiwerk in Sachen Moral und Ethik muss von den Eltern und der Gesellschaft kommen – dann werden Waffen auch nicht für scheußliche Taten missbraucht.
Ich bin nicht der einzige, der als Kind mit Spielzeugwaffen gespielt hat und ich bezweifel stark, dass ich dadurch gewaltbereiter bin als irgendwer sonst.“

Wow! Die weihnachtliche Werbung für Spielzeugwaffen als Erklärung für Kinder, wer gut und wer böse ist. Als besonderer, kindgerechter Beitrag zum Frieden gar? Da halte ich es allerdings doch lieber mit der Empörung des Michael Sänger und seinem Satz, das Geschäft nicht mehr zu betreten.

Außerdem denke ich daran, dass wir vor 30 Jahren schon einmal deutlich weiter waren, als in den Lingener Ratsgremien darüber diskutiert wurde, den Verkauf von Kriegsspielzeug auf den Märkten und Plätzen der Stadt zu verbieten. Es scheiterte, wenn ich mich recht erinnere, am Veto der CDU-Mehrheit; allerdings hat damals nicht einmal die die Auffassung geplappert, mit dem Kauf derartigen Spielzeugs  könne man Gut und Böse „spielerisch“ lernen – beispielsweise mit Interpol-Spezialpistole mit 12 Schuss, Schalldämpfer aus Zink und Kunststoff.

Nähern wir uns also wieder 1835, als Hoffmann von Fallersleben den Text dieses Weihnachtsliedes schrieb?

Morgen kommt der Weihnachtsmann,
kommt mit seinen Gaben.
Trommel, Pfeifen und Gewehr,
Fahn’ und Säbel und noch mehr,
ja ein ganzes Kriegesheer
möchte’ ich gerne haben….“

Verantwortlich für die DwdkaLwFb-Diskussion sind die von mir erwähnten Protagonisten. Persönlich verantwortlich für die Spielzeugwaffen im famila-Prospekt ist der Geschäftsführer von famila-Nordwest Pasquale Rizzo. Der rückt jetzt am 1. Januar im Bünting-Konzern vom Chef der famila-Läden um zum Chef von Nord-West-Dienstleistung GmbH. Die „sorgt seit mehr als 5 Jahren für ein einheitliches und sauberes Erscheinungsbild im Lebensmittelmarkt.“  „Sauberes Erscheinungsbild“ – das ist doch mindestens genauso wichtig wie Gut und Böse.

Kandidat

26. Dezember 2012

GroßmannPiraten

Starkes Wahlkampffoto des Kandidaten der Piratenpartei im Wahlkreis Lingen: Jörg Großmann. Wie analysierte ein Fotoexperte: „Gelungenes Spiel mit Rechtecken, Licht und Lächeln! Da schwankt der Horizont.“

( © 8.zebra)

Lingenfoto5

26. Dezember 2012

MSWissenschaft
Lingen (Ems), MS Wissenschaft
(c) milanpaul via flickr