Bäumchen

30. November 2012

Grundsätzlich halte ich eher nicht viel davon, politische Fragen vor Gericht auszutragen. Obwohl mich niemand festnageln soll, wenn ich es dann irgendwann doch einmal mache. Gestern nun durfte sich aber entgegen aller grundsätzlicher Skepsis die BI „pro Altenlingenerforst“ riesig freuen und das haben die Protagonisten gestern Abend auch ausgiebig im Bürgerhaus Heukampstannen getan. Denn das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen in Lüneburg hat den heiß umkämpften Lingener Bebauungsplan („B-Plan“) Nr. 20 kassiert. Unwirksam ist er, hat das Gericht festgestellt. B-Plan 20 hatte zum Ziel, 34 Hektar Altenlingener Forst für ein Gewerbegebiet abzuholzen. Knapp 7 Hektar sind inzwischen gefällt und gerodet und einige Meter sinnfreie Kanalisation sind verlegt. Alles reichlich früh, vor allem viel zu früh.

Dasselbe hätte es womöglich auch für den B-Plan 19 gegeben, der die ominöse „Entlastungsstraße“ für die BP-Raffinerie durch den Altenlingener Forst planungsrechtlich schlägt, die BP angeblich bezahlen wollte, aber jetzt irgendwie nicht mehr. Aber der Kläger gegen diesen B-Plan sei von der Straße nicht betroffen. Er wohnt 750m entfernt am Pölkerskamp in Altenlingen. Das war zu weit entfernt und deshalb prüften die Lüneburger Richter den B-Plan nicht in der Sache. Hätten sie es getan, wäre von ihnen festgestellt worden, dass „die wegen des planbedingten Eingriffs in die Natur erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen nicht hinreichend lang gesichert“ sind. Wie bei B-Plan 20.

Und jetzt? Die Abholzungsaktion vor vier Jahren geschah nicht nur völlig übereilt, wie mittlerweile alle wissen, sie erfolgte auch auf der Grundlage eines handwerklich schlecht gemachten, nun höchstrichterlich aus formellen und sachlichen Gründen für unwirksam erklärten Bebauungsplan. Ein Fiasko für die, die das zu verantworten haben. Aber leider auch für die geschundene Natur.

Stadtbaurat L. ruderte gestern in der Ratssitzung herum. OB Dieter Krone hatte ihn als in der Verwaltung Verantwortlichen auserkoren, um den versammelten Rat über die eigene Stadtbaurat-Niederlage aufzuklären. Krone saß drei Sitze und schweigend daneben. Erster Stadtrat Ralf Büring lächelte gequält, als Herr L. auf meine Frage betonte, die Abholzung und Rodung sei „nicht zu früh“ sondern rechtlich völlig korrekt gewesen. Ein besonderer „Ich-hab-immer-noch-recht“-Standpunkt, den ich als exotisch bezeichne(t habe). Stadtrat Büring lächelte weiter gequält und antwortete nicht, als ich ihn fragte, ob er die Meinung des Stadtbaurats teile. Auch ’ne Antwort, wie BN-Kollege Marc Riße neben mir meinte.

Was jetzt? Wenn das Gebiet doch noch Gewerbegebiet werden soll, muss ein völlig neues Aufstellungsverfahren her. Denn das Oberverwaltungsgericht hat die Reset-Taste gedrückt: Alles auf Null. Doch wer will ein solches Verfahren? Will die CDU tatsächlich noch einmal von vorne anfangen und damit als unbelehrbar in die Lokalgeschichte eingehen? Wenn sie darauf verzichtet, haben wir in Altenlingen unbeplante Fläche, also rechtlich auf 7 Hektar und tatsächlich auf weiteren 27 Hektar Wald. Das find ich gut!

Und wollen wir nicht lieber alle gemeinsam einige Tausend Bäumchen pflanzen, damit jedenfalls unsere Kinder wieder da waldspazieren gehen können, wo heute gerodete Fläche ist? Auch wenn Peter Musekamp im ev1.tv-Gartentalk (hier ab 9’35 Min) entschlossen sagt: „Je weniger man drin rumwurstet, umso besser wird das!“ – ich wär‘ trotzdem beim Bäumchenpflanzen dabei. Sie auch?

28 Antworten to “Bäumchen”

  1. Axel said

    Bin dabei, habe zwei Ahorn und Eichen übrig.

  2. Stw said

    Würde mich ehr Herrn Musekamp anschließen. Die Natur mal machen lassen…der Wald kommt schon. (dauert vielleicht ein bischen länger als anpflanzen, dafür wird’s dann ein natürlicher Wald und nich so ein Baum-an-Baum-in-Reihe Forst)

    • ulrike said

      Leute , beim Überlassen haben dann die schnellwüchsigen Birkensämlinge die Nase vorn.
      Ein schöner Mischwald wäre besser.
      Also Ahorn , Eiche und , wenn es geht , Buchen , nur keine Kiefernwüste mehr.

      • Stw said

        Stimmt erst kommen die Birken und Pappeln, aber die sterben nach ein paar Jahrzehnten und es entsteht ein Wald mit Eichen, Buchen etc. (und das gratis)

  3. Winfrid K. Wolters said

    Herzlichen Dank zunächst an Herrn Schultz, der sich für die BI mit so viel Engagement und eigener Freizeit eingesetzt hat.

    In denkwürdiger Sitzung beschloss der Ortsrat Altenlingen seinerzeit die Zustimmung zu den Planungen zu geben. Als diese Zustimmung beschlossen war, wurde die Ortsratssitzung unterbrochen, damit als einfacher Bürger meine Stimme dazu erheben konnte. Ich schlug vor, die entsprechenden Bäume dann bitte doch erst zu fällen, wenn dort tatsächlich gebaut wird. Der Ortsbürgermeister Pott kommentierte wortwörtlich: „Das ist eine sehr gute Idee. Wir nehmen das in das Protokoll mit auf.“ Anschließend wurde die Ortsratssitzung wieder fortgesetzt. Vielleicht hatte der Ortsbürgermeister zu seiner Bemerkung keinen Beschluss der Mehrheitspartei. Jedenfalls enthält das entsprechende Sitzungsprotokoll diesen Passus bis heute nicht.

  4. Eine entlarvend-schöne kleine Begebenheit. Da hilft es auch nicht, dass es auch diesen Ortsbürgermeister nicht mehr gibt…

    • Der jetzige OB hatte vor der Wahl angekündigt, die Flächen wieder aufzuforsten. Das kann er jetzt realisieren…
      Bin sehr gespannt, was da kommt.

      • kib said

        Halbwegs spannend bleibt das Thema AL-Forst allemal. Aber blinder Aktionismus (der bereits vollzogen wurde) ist nicht zweckdienlich- auch nicht einer Aufforstung betreffend!. Kompromisse sind gar nicht so übel: H. Hilling hat der Verwaltung –vor einigen Monaten- eine diplomatische „Vermarktungsfrist“ eingeräumt. Also, bis dahin bleibt es jedem Spazierhänger überlassen, die ein oder Eichel / Kastanie fallen zu lassen. Das sollte man übrigens grundsätzlich beim Waldspaziergang im EL praktizieren.
        Ich zumindest halte das für sinnvoller als den Prof-Platz zu umhäkeln ….obwohl ich sonst nichts gegen Handarbeiten habe- warum auch? Aber Baumstämme gehören einfach nicht umstrickt.

        • Blinder Aktionismus war das Abholzen vor 4 -vier!- Jahren. Blinder Aktionismus wäre auch, denselben Bebaungsplannoch mal zu beschließen. Aber das ist nur meine, unmaßgebliche Meinung.

          • kib said

            Ich habe nichts anderes gesagt: Das Abholzen war blinder Aktionismus! Aber das weiß doch nun jeder Wähler seit vier (4) Jahren- jaaah und Du warst wieder der Erste!
            Du hast insoweit Recht, dass sowohl Deine als auch meine Meinung unmaßgeblich sind: Es handelt sich m.E. um eine reinen Verwaltungsakt. Schlechterdings sollte man ein Übel aber nicht durch das nächste korrigieren: Das Fällen hat immerhin eine Kleinigkeit an Steuergeldern gekostet und Aufforsten/Rückbau gibt es auch nicht für lau… allemal., wo die Natur sich (so ganz für umsonst( unpolitisch) alles zurückholt. Geht`s Dir also wirklich um die Natur? Oder hältst Du manchen Bürger für unkritisch/naiv-blöd?
            Ein leidiges Thema, dessen Du Dich entledigen solltest: Allemal deshalb, weil der Erfolg EINZIG der BI AL-Forst geschuldet ist (da hast Du Dich als Schiri unaufgefordert auf den Platz gestellt, gelle?).

          • kib said

            Roooobert- gibt`s politisch maaaal waas
            Neues- altes Drömmelchen…

          • kib said

            Robert, Du weißt, diese Antwort reicht- mal wieder- nicht aus!

  5. @kib
    Ja, es gibt „waas Neues“: Aufforsten! Neuer geht’s nämlich nicht. Allerdings muss man mit langem Atem dicke Bretter bohren, damit nicht der Zahn der Zeit bloß Gras über die Sache wachsen lässt… (beide Metapher sind für @kib persönlich 😉 )

    • kib said

      @Robert: in rd. 10-15 Jahren wachsen dort Kastanien: Daraus werden weder dünne noch dicke Bretter hergestellt! Maximal würde ich Dir (aber nur Dir) erlauben Kib-Herzchen in die Rinde zu schnitzen…Ich versteh den ganzen Geschiss nicht, zumal der gerodete Wald auch einfach so gewachsen ist- nicht mal sonderlich schön, da kaum Laubbäume. Jaaah, die Aktion war seinerzeit unterste Kanone, aber bitte jetzt das Augenmass nicht verlieren (und unnötig Gelder verplästern, die eh nicht da sind). Ich fürchte, hier siehst Du den Wald vor lauter Bäumen nicht – unpassend, ich weiß.Deinen Unmut über die Verwaltung kann ich verstehen, aber wenn Du die Angelegenheit unbedingt zum Politikum machen möchtest, mache es in Hergotts Namen : Dann aber derart, dass Ihr eine Aufforstaktion durch Bürger organisiert, weil, dann habt ihr –frei nach Loriot „was eigenes“. Ich kann meine Ding aber auch allein durchziehen bzw. kann man mir nicht zum Vorwurf machen, dass mir beim Waldspaziergang ca. 150 Kastanien aus der Tasche gefallen sind / weitere werden.
      Lass das jetzt mal mit Deiner Bockigkeit (als frommer Wunsch zum Abschied)!

      • Stw said

        hoffentlich keine Kastanien, die sind nicht heimisch…

        • kib said

          @Stw. Machen Sie sich bitte keine Sorgen: Seit vielen Jahren wachsen an der WiHö „zugezogene“ Kastanien- definitiv auch nicht einheimisch. Vorsorglich bzw. zusätzlich habe ich einen Spaziergang durch den so called Stadtpark gemacht: Da wächst ganz frech sogar u.a. Wallnussbäume und Linde!!!!
          Ich habe mich direkt an geeigneter Stelle (Forstamt- über Bande) informiert: Ernsthafte Integrationsprobleme mit heimischen Birken, Fichen, Brombeersträuchen & viel Unkraut gibt es nicht- Sie Knödel!
          Kastanie ist save- auich in Lingen!

          • Stw said

            Ich will nur sagen, dass Kastanien in Norddeutschland kaum ökologischen Sinn haben. Man sollte (wenn man schon Aufforstet) heimische Bäume pflanzen. Man sollte die heimische Flora und Fauna nicht unnötig verfälschen (hier gehts schließlich um einen Wald und keinen Stadtpark). Lasst die Fläche wie sie ist. Das ist ökologisch und kostet nicht viel (vielleicht mal ein bischen entkusseln (Kastanien zum Beispiel)). Alles andere halte ich für Aktionismus. (Den Knödel habe ich einfach mal überlesen)

  6. kib said

    Allerdings ist gleich zusetzen wie „Jedenfalls“.
    Dazu fällt mir ein (als Dank an Deine wertvollen Metaphern):
    „Jedenfalls, ist ein Arm kein Gänsehals,,,,“
    Milch&Zucker hast Du selber, Robert, was macht Dein Rätsel…?

    • kib said

      @Stw. „Knödel“ war nicht böse gemeint! Aber, was macht denn nun ökologischen Sinn bzw. verfälscht unsere Norddeutsche Heimat weniger? Ich gebe zu, nicht Fan von Birken und Kiefern zu sein. Ihre Meinung „Lasst die Fläche wie sie ist …“ teile ich uneingeschränkt- gestehe allerdings bereits die ein oder andere Kastanie gestreut zu haben… nehmen Sie es mir nicht übel (die tun nichts).

      Ihnen einen schönen zweiten Advent!

      • kib said

        wie wird ein Wald z.B. von Kastanien „entkusselt“? Ich kenn das nicht…. 😦

        • Henk Muhammad Wilders said

          TNT

          • Stw said

            @kib das bedeutet das junge kastanien (oder was sonst nich heimisch ist) von hand ausgerissen wird
            meiner Meinung nach ist alles ökologisch was nicht vom Menschen eingeschleppt wurde
            tut mir leid das ich beim „knödel“ vielleicht etwas überreagiert hab (man merkt in geschriebener Form nicht wie es gemeint ist)
            ich wünsche ihnen auch einen schönen (Rest-) 2. Advent

          • kib said

            @ Stw. Da bin ich froh, dass die Kuh vom Eis ist. Meine Meinung zum Forst ist sogar unwesentlicher als die des Blog-Betreibers; Allemal , weil ich sie nicht zum Politikum machen muss und mir den Luxus erlaube* zwar gegen die Emslandhallen gewesen zu sein, aber nicht jeden Øre im Bau hierzu drei Mal kritisch zu hinterfragen: Also, Robert- hier alles im finanziellen Rahmen, oder?
            Es mag verstehen, wer will! Aber ein heftiger Kritiker der Hallen und in diesem Kontext gleichzeitiger Mahner gegen Verschwendung von Steuermitteln sollte sich strikt hüten, öffentliche Gelder für eine sinnfreie Aufforstung auszugeben! Ausschließlich, um zu suggerieren: Seit erstaunt und huldigt mich, denn ich bin der Stein der Weisen …..bzw. hatte (mal wieder und per se als erster) Recht.
            Abschließend zu diesem dusseligen Thema, bitte nur ein (!) vernünftiges Argument für die Aufforstung. Es reicht argumentativ nicht, dass das ursprüngliche Fällen ein Fehler war… und um subtropischen Regenwald handelt es sich nun mal auch nicht.

            * den erlaube ich mir hinsichtlich seiner unsäglichen dreifach Moral intensiv.

          • „sinnfreie Aufforstung“ …. ah ja!

  7. […] (bitte anklicken). Interessanter ist da schon der Artikel mit seinen Kommentaren in Roberts Blog: “Bäumchen” (bitte anklicken). Einen Tag später zeigt Thomas Pertz in der LT unter der Überschrift […]

  8. […] Stadt mit OB Dieter Krone an der Spitze will den vom höchsten niedersächsischen Verwaltungsgericht im November 2012 gekippten Bebauungsplan 20 (“B-Plan 20”) rückwirkend wieder beleben, um den Altenlingener Forst gewerblich und […]

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