Spitzbunker

28. November 2012

Gut so! Nun hat die CDU Lingen doch tatsächlich ihr schnelles Ja zum Kaufland-Projekt bei BvL aufgegeben  („mehrheitlich“, wie die Lingener Tagespost schreibt) und sie hat sich nach ausgiebiger Diskussion zur Korrektur entschlossen. Ganz im Vertrauen und nur für Sie: Darauf hatten die BürgerNahen (siehe unten) und ich insgeheim gehofft , aber damit nicht wirklich gerechnet. Doch die Ratsmehrheit hat tatsächlich bewiesen, dass sie nicht nur auf der Tribüne sitzen will. Sie will „aufm Platz“, also aktiv gestalten.  Ein Jahr nach den Kommunalwahlen hat sie erkannt, dass das geht – auch in zentralen Punkten.

Gespannt bin ich, wie OB Krone und seine Verwaltungsspitze diesen damit doppelten Richtungswechsel verkraften. Erst mal waren sie gestern -auch vier Tage nach dem CDU-Ja für die Innenstadt- ausgesprochen sprachlos; denn gestern tagte der Verwaltungsausschuss, neben dem Rat das politische Entscheidungsgremium der Stadt. Die 160 Minuten waren außerordentlich diskussionsfreudig und vollgepackt mit wichtigen Themen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass die Kaufland/BvL-Entscheidung der CDU angesprochen würde. Doch es wurde allseits entschlossen – geschwiegen.

In der Sache ist der Stopp richtig. Nicht nur, weil der Spitzbunker jetzt als Mahmmal erhalten bleibt. Die Innenstadt kann sich weiter entwickeln, also davon profitieren und damit „Lingen als Ganzes“, wie LT-Chef Thomas Pertz zutreffend kommentiert. Das Nein ist im positiven Sinne eine nachhaltige Entscheidung für das Zentrum Lingens.

Übrigens: Als ganz stark habe ich es empfunden, dass die komplette CDU-Fraktionsspitze persönlich am Montagabend Bernhard van Lengerich und seinen Söhnen die Entscheidung mitgeteilt und erläutert hat. Verdammt viel Kraft, Stärke und Klarheit braucht das. Eine Presseerklärung lässt sich leichter absetzen. Vor diesem Schritt ziehe ich den Hut! Mit Bernhard van Lengerich müssen jetzt andere sprechen und die Gespräche wieder aufnehmen. Das wird schwierig,  kann aber das Gesellenstück von OB Dieter Krone werden. Oder auch nicht.

Ach so: Hier findet sich die CDU-Erklärung im Wortlaut. Mit mancherlei Wortgeklingel, das in solchen Erklärungen immer sein muss. Aber in der Sache klar.  Und richtig.

22 Antworten to “Spitzbunker”

  1. Hans-Jürgen said

    Es ist sehr gut und richtig das sich der Einzelhandel in der Innenstadt ansiedelt. Dann sollte man aber auch dafür sorgen das für kurze Einkäufe eine kostenlose Haltemöglichkeit geschaffen wird und nicht wie es mir letzte Woche passiert ist das während ich ein Brot aus dem Bioladen in der Schlachterstr. (kein 5 min.)holte mit ein Knöllchen von 10€ verpasst wurde. Das war ein teures Brot.

    • Klaus R. said

      Biobrot und Auto

      10€ sind eigendlich zu wenig.

        • Hans-Jürgen said

          Ich wusste nicht das man den Bioladen nur mit Ökofahrzeugen oder zu Fuss besuchen sollte.

          • Job said

            Mal eine andere Frage:
            Ich habe gehört, dass der Praktiker-Laden ab Februar 2013 von der Baumarktkette Max Bahr übernommen werden soll??

          • küster said

            Praktiker und Max Bahr gehören ohnehin zusammen. Beide sind Bestandteil der Metro-Gruppe. Praktiker soll in ca. 100 Filialen um geflaggt werden, weil Praktiker praktisch Pleite ist. Das Preis-Höher-Segment Bahr soll, einen neuen Weg weisen. Vorangetrieben hat das eine Investmentgesellschaft aus Österreich, deren Namen ich zur Zeit nicht parat habe. Allerdings ist es eine Bank, die maßgeblich Einfluß im Aufsichtsrat der Metro hat. Empfehlung: Suchmaschine SZ

            Gruß Jörg Küster

  2. küster said

    Eigentlich keine Überraschung

    OB Krone und der 1. Stadtrat Büring mussten vollziehen was aus der Hinterlassenschaft von Heiner Pott und Gefolgschaft nachzubearbeiten war. Das die CDU-Mehrheitsfraktion dieses jetzt im Sinne der Innenstadt abgeschmettert hat ist nicht die Folge politischer Einsicht für die Belange des Zentrums dieser Stadt, sondern ein Wahlgeschenk an die Einzelhändler in der Innenstadt und den Mietern im Lookentor. Gleichwohl ist diese Entscheidung richtig, die so aber außerhalb von Wahlkampfzeiten nichts getroffen worden wäre. Eine erneute Diskussion über die Entwicklung der Burgstraße usw. ist im Wahlkampf ungeeignet. Insofern hat es hier weniger mit einer Laienschar aus der CDU (Zitat: BvL), sondern vielmehr mit einer glasklaren Entscheidung zu Gunsten des Wahlergebnisses im Januar und zu Lasten der unternehmerischen Entscheidung der Familie van Lengerich zu tun. Dummerweise zu Recht!

    BvL mag das Schmerzen bereiten, dennoch sind die Einwende außerordentlich berechtigt und die 100 Arbeitsplätze ein schlichtes Argument in Zeiten der Minijobber im Einzelhandel. Eine weitere Ausweitung des Einzelhandels kann die Stadt eigentlich nicht wollen. Als „Altersresidenzstadt“ sollte die Stadt Nahversorger in der Innenstadt ansiedeln. Nicht in der Peripherie und schon gar nicht sollte die Stadt weitere Bauklötze aneinanderreihen.

    Für Unternehmer in dieser Stadt muss es aber auch weiterhin „Planungssicherheit“ geben. Dann aber bitte auf demokratischen, offiziellen Wegen. Nebenabsprachen an Rat und Ausschüssen vorbei, sind nun einmal keine Grundlage für Planungssicherheit, auch wenn dann mal so nebenbei ohne Sicherheit auf Lärmschutz verzichtet wird. Diese politische Grundlehre gibt es wohl auch in Lingen fast nicht mehr.

    • kib said

      @ Herrn Küster: …hm. Wieso ist es eigentlich in der Politik grundsätzlich verboten eine Entscheidung einfach mal „nur“ positiv zu beurteilen, also so ganz ohne Haar (e) in der Suppe? Ich vermute, die Lingener Bevölkeruing steht hinter dem „Nein“ der CDU.
      Auf mich wirkt es so, dass bei Ihnen & RK selbst Unionsinterne-Mehrheiten als nicht demokratisch gewertet werden.
      Ich bin im Thema nicht so involviert wie Sie oder Herr Koop, aber auffällig ist diese „Richtig-ABER-Attidüde“ (klingrt tlw. gönnerhaft) bei beiden: Gab`s da mal eine gemeinsam verbindende „Sozi-Konditionierung“? Ist das Alt 68ger-Stil….?

      • küster said

        Kib, ich bin ja nun erst 1964 geboren, also nicht nur aus Altersgründen trennen sich die Welten. Auch wenn Robert K. hübscher ist als ich.

        Zur Sache: Eigentlich suche ich kein Haar in der Suppe! Im Gegenteil, ich finde die Entscheidung der Mehrheitsfraktion doch richtig. Aber wenn wir nicht aufhören, Fragen zu denken, warum diese oder jene Entscheidung gefallen ist, dann hören wir auf, uns selber zu hinterfragen. Das ist Demokratie!

      • Robert Koop said

        „Richtig-Aber-Attitüde“? Sehe ich so in meiner Stellungnahme nicht. Ich finde die CDU-Entscheidung uneingeschränkt gut und hab das auch so geschrieben.

        • kib said

          Robert, ggf. handelt es sich um Dein persönlichres Maximum an Lob in Richtung der Union (oder Kritikern im Allgemeinen?) .
          Sätze wie „In der Sache (Deiner? Also dem Bunker?) ist der Stopp richtig. Nicht nur, weil der Spitzbunker jetzt als Mahnmal erhalten bleibt..“
          suggerieren mir eher: „Oh, da hat ein blindes Huhn (die CDU) versehentlich auch mal einen Korn gepickt. Bunker war vermutlich weniger Thema- um`s Städtle ging`s schlechterdings.
          Gönnerhaft auch Deine Feststellung, dass die (vermeintlich träge) Ratsmehrheit sich von der Tribune erhoben hat, um mit Dir (Euch?) zu bolzen…..
          Nobel, dass Du Ihnen mittlerweile „Platzreife“ erteilt hast.
          Herr Hilling hat dazu treffend in der NOZ erwähnt, dass die Klausurtagung am Wochenende zeitlich für ehrenamtliche Lokalpolitiker immens war. Ich gebe zu: Herr BvL mag hierzu eine andere Meinung haben. Aber, ich frage einfach mal, wie lange hat die BN über dieses Thema debattiert? Berücksichtigte hierbei i.e.L. die Anzahl der Debattierenden; denn , mit mir persönlich einige ich mich grundsätzlich sehr viel schneller, als mit anderen  )

          Um Deinen Fussi-belasteten Sprachgebrauch zu würdigen (mir gefällt er, Platzreife kommt übrigens von den fiesen Golfern): Ich möchte nicht nachtreten, bleib aber dabei: Dein Beitrag – sogar das ausdrückliche Lob- hat etwas sehr Gönnerhaftes.

          Also, über Dein Lob- in der CDU-Sache – habe ich mich sehr gefreut.
          Übrigens: Als ganz stark habe ich es empfunden, dass ich das heute sogar in der LT lesen durfte, Danke Robert! Den Tag habe ich im Kalender „orange“ markiert.

  3. Es ist eine kluge Entscheidung der CDU, das Bauvorhaben „Kaufland“ abzulehnen, aus welchen Gründen auch immer. Bemerkenswert dazu, die heutige Schlagzeile der LT „Krone respektiert Entscheidung der CDU“. Ich frage, was hat OB eigentlich zu respektieren? Noch gilt die Zuständigkeit des Rates, und da hat die CDU (noch) die Mehrheit!
    Da Mitglieder anderer Fraktionen die Ansiedlung von Kaufland durchaus positiv beurteilt und Zustimmung signalisiert haben (…am Spitzbunker werden wir das nicht scheitern lassen…) freue ich mich besonders über die Entscheidung der größten Fraktion im Rat.

    • ulrike said

      Leute, die Entscheidung der CDU , die geplante Ansiedlung der Kauflandkette an dieser Stelle zu stoppen , hat nichts mit Wahlgeschenken für Lingener Kaufleute oder “ welchen Gründen auch immer “ tun , sondern in erster Linie damit , daß die Gutachten von Junker und Kruse tatsächlich gelesen, verstanden und verarbeitet wurden. Also nicht eine sogenannte politische Entscheidung , die ein Synonym für fachfremd und kenntnislos, schlicht Quark, geworden ist.
      Nach Lektüre dieser Gutachten hätten sich hier auch so manche Kommentare erübrigt .

      Und noch an Herrn Mudde van Duren : na bitte ! !!

      • küster said

        Ein Gutachten ist immer nur so lange gut, wie es dem Besteller gefällt!

      • Tiger, T. said

        @ Herr Küster:
        Stimme Ihrer Bewertung (auch in der LT) im Kern zu! Der Begriff „Wahlgeschenk“ scheint mir unscharf: Seit ihrer Entscheidung für die von vielen Innenstadt-Geschäftsleuten heftigst bekämpften Shopping-Mall „Lookentor“ standen die christlichen Demokraten unter erheblichem Druck. Ein erneutes Ja zu einer Einzelhandelsplattform außerhalb der City wollte/konnte man den Herren B., H. N. etc. nicht zumuten. Dann lieber einen einzelnen Kaufmann „opfern“, der ohnehin eher nonkonformistisch daherkommt und immer schon „sein Ding“ gemacht hat. Hier liegt der BvL begraben!

        @Frau Ulrike:
        Mit Ihrem netten Kommentar zu Herrn Küster haben Sie sich eindrucksvoll als „Laiendarstellerin“ für das Stück „Mit der CDU retten wir die Innenstadt“ ins Spiel gebracht. Sie befinden sich da in guter Gesellschaft. Denn nicht nur ehrenamtliche CDU-Darsteller befinden sich auf der Besetzungsliste, auch der geschätzte Blog-Betreiber dürfte in dem Rührstück in drei Akten (der dritte ist noch nicht ganz fertig!) eine zentrale Rolle spielen: Er muss in dem Stück ständig die CDU-Fraktionsspitze umarmen und ihr für den heldenhaften Mut danken, in die „Höhle des BvL“öwen“ eingedrungen zu sein.
        OB Krone spielt natürlich bei der Laienspielschar auch mit, aber natürlich nicht in einer Hauptrolle. Er hat nur wenig Text: „Ich will aber Kaufland in Lingen, weil …“ und dann wird ihm immer wieder das Wort abgeschnitten, was aber nicht weiter
        stört.

  4. Josef Mudde van Duren said

    Ja, liebe Ulrike, Sie haben schon früh gesagt, das letzte Wort zum Spitzbunker und Kaufland ist noch nicht gesprochen. Ich bewundere Ihren feinen Spürsinn. Dass mit dieser CDU- Entscheidung offensichtlich nun das Wahrzeichen gegen einen sinnlosen Krieg erhalten bleib, freut mich sehr. Jetzt kann ich wieder besser schlafen. Der Turm ist eingewoben in die Geschichte der Stadt Lingen und wird täglich wahrgenommen, im Gegensatz zum Mahnmal gegen Diktatur, Krieg und Gewalt-herrschaft am Alten Friedhof und den Soldatengräbern auf dem Neuen Friedhof, die kaum jemand besucht. Ich habe den Spitzbunker ja einmal die „Gedächtniskirche der Stadt Lingen“ genannt, und als visueller Typ füge ich heute hinzu: er hat eine ästhetische Form. Vielleicht kann man erreichen, dass er nicht länger als Altpapierlager benutzt wird.
    Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt will alte Bunker für die Nachwelt erhalten und regt an, sie als Zufluchtsort für bedrohte Tiere zu nutzen. Wäre es nicht schön, wenn in unserem Turm Fledermäuse Schutz finden könnten?
    Das wäre doch ein starkes Symbol
    meint
    Josef Mudde van Duren

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