Schluckauf

5. November 2012

Überraschend wird Stefan Blaschak, seit September 2008 Vorstandsvorsitzender der Berentzen-Gruppe AG, den Vorstand der Aktiengesellschaft verlassen. Beabsichtigt ist ein Wechsel des 43jährigen in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Nachfolger soll ein Molkereimanager werden: Es sei beabsichtigt, dass der frühere Müller-Milch-Manager Frank Schübel, der zum 1. November in den Vorstand berufen wurde, Blaschak nachfolgt. So teilte es das emsländische Unternehmen, das mehrheitlich dem aktuell erfolgreichen Finanzinvestor Aurelius gehört, am Mittwochabend mit. Überstürzt setzt der Schnapsproduzent Berentzen einen Molkereimanager an die Spitze.

Inhalt wie Vagheit der Nachricht haben Branchenkenner überraschz. Bislang wurde Blaschaks auf Auslandsexpansion zielende Strategie stets als Erfolg dargestellt. Dass nun sein Abgang bekannt gegeben wird, ohne dass ein Datum für den Chefwechsel feststeht, zeugt nicht von einem langfristig geplanten Übergang. Über den Wechsel im Aufsichtsrat muss die Hauptversammlung abstimmen; die nächste reguläre Sitzung findet voraussichtlich erst im Mai 2013 statt. Blaschak war im September 2008 an die Spitze der Berentzen-Gruppe berufen worden.

Offenbar um die Bedenken zu zerstreuen, hat der scheidende Vorstandsvorsitzende in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ die Expansionspläne im Ausland unterstrichen.

Auf diese Weise will Berentzen das schwächelnde Geschäft in Deutschland wettmachen. Hierzulande ist nämlich in den letzten 20 Jahren der Schnapskonsum um 2 Liter pro Kopf/Jahr gesunken, auf jetzt noch 5,4 Liter im Jahr.  Im Berentzen-Blick ist also das Ausland, genauer „die USA“, so Stefan Blaschak. „Wir haben zuletzt schon Auslandsgesellschaften in China, Indien und der Türkei gegründet. Im nächsten Schritt gehen wir nun in die USA.“

Berentzen verkauft dem Bericht zufolge derzeit nur knapp 24 Prozent seiner Produkte im Ausland. „Mittelfristig soll der Auslandsanteil auf mindestens 50 Prozent steigen“, sagte Blaschak.  Um den Ausbau des Auslandsgeschäfts voranzutreiben und neue Marken zu entwickeln, hatte Berentzen zuletzt eine Unternehmensanleihe über 50 Mio Euro herausgegeben, die mit 6,5 Prozent verzinst wird.

Für seinen Firmensitz und damit unsere Nachbarstadt Haselünne findet in seinem Interview übrigens Blaschak kein Wort – ähnlich einem Schluckauf, über den man nicht spricht. Nachdem die Kornbrennerei in Haselünne schon bald nach der Übernahme des Unternehmens durch Aurelius und Blaschaks Amtsantritt geschlossen worden war, ist der Bereich zwischen dem Haselünner Marktplatz und dem nur noch tagestouristisch vermarkteten Westerholtschen Burgmannshof ungenutzt. Die zu einem Großteil leer stehenden Gebäude sind damit eine städtebauliche Herausforderung für die Stadt Haselünne – und eine Chance. Ich bin gespannt, ob die Kommune Ideen und Kraft hat, das Vakuum zu füllen. 

(Quellen: WamS, NDR)

 

3 Antworten to “Schluckauf”

  1. Olaf said

    Herr Schübel ist bekennender Antialkoholiker und trinkt keinen Tropfen. Man muss sich fragen wie das auf Dauer gut gehen soll.

    • Bernd Schulte said

      In dem Zusammenhang stelle ich mir so vor, dass der Generaldirektor von Heckler & Koch sich als bekennender Pazifist zu erkennen gäbe.

  2. Meyer said

    http://www.berentzen-gruppe.de/fileadmin/user_dateien/Finanzberichte_Meldungen/HV_2013_Rede_Schuebel.pdf
    Na so was da verspricht ja einer einiges.
    Kennt eigentlich jemand die Vorgeschichte von dem Herrn.

    Bei Müller oder war es bei Weihenstephan hat er nur Chaos hinterlassen.

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