Befriedet

29. Oktober 2012

„City-Cop“ Norbert Tenger hat der LT über sein Empfinden berichtet, welche „Brennpunkte“ es in Lingen gebe. Polizeiliche Brennpunkte. Nun, es gibt eigentlich keine, informierte nach dem Gespräch die LT und zitierte den Polizeibeamten so:

„Befriedet“ sei auch der Amtsgerichtspark. Wo früher jeden Tag Drogenkonsumenten  und alkoholkranke Menschen, geraucht, getrunken, oft auch Spaziergänger angepöbelt haben, ist heute Ruhe. „Und das nur, weil es den Kiosk am Krankenhaus und einen früheren Lebensmittelladen an der Burgstraße nicht mehr gibt. Kurz gesagt: Der Bereich wurde trockengelegt, und die Truppe ist abgezogen, weil die Wege, um Nachschub zu holen, zu weit und damit auch zu unbequem wurden.“

Abgesehen davon, dass der letzte Lebensmittelladen in der Burgstraße seit mehr als 20 Jahren geschlossen ist und nicht die (Mit-)Ursache für die Szene im Amtsgerichtspark war, überzeugt mich die These nicht, allein „Nachschub“-Schwierigkeiten hätten zum  „Abzug der Truppe“ geführt. Das hatte andere Gründe, vor allem eine Mischung konsequenten polizeilichen Handelns mit einem engagierten, sozialpädagogischen Antidrogen-Konzept. Auch deshalb führen Repressionsmuster und militärische Formulierungen über Truppe und Abzug, Frieden und Nachschub in die Irre.

Da gibt es längst viel bessere Konzepte. Der frühere SPD-Ratsherr Johannes Rakers beispielsweise hat unlängst eine konsequente Idee beschrieben, wie mit dem Problem „Parkhügel“ umzugehen ist. Auch sein Konzept ist keines von Krieg und Frieden, sondern von Wohnen und Leben in der Stadt. Er hat vorgeschlagen, auf und um den Parkhügel „eine interessante innerstädtische Wohnbebauung“ zu planen. Attraktive Wohnungen in der Innenstadt zu schaffen, war zumindest lange Zeit ein Bestreben aller politischen Parteien im Rat. Der Hinterhofcharakter verschwände „und auch für die umliegenden Obergeschosse der Fußgängerzone würden sich neue Nutzungen oder Modernisierungen ermöglichen. Bekanntlich sind die Büroflächen in den Obergeschossen nur schwer vermietbar. Insoweit könnte eine Aufwertung hier neue attraktive Wohnflächen erschließen. „Für die Eigentümer der Immobilien ergäben sich interessante Möglichkeiten. Die Stadtwerke als Kooperationspartner könnten alternative Energiekonzepte einbringen. “

Keine Frage: Johannes Rakers hat natürlich recht. Er weiß: Allein auf den Zeitgeist von Repression und Polizei zu setzen, löst keine Probleme. Die Antwort ist, dauerhaft Leben und Wohnen in die Stadt zu bringen. Ich bin überzeugt, auch aus polizeilicher Sicht weiß man dies schon lange.

(Foto: Amtsgerichtsumfeld Lingen © milanpaul via flickr)

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