Schöner Abend

12. Oktober 2012

Schöner Abend, beim deutschen 6:1-Erfolg in Dublin.

 

Mehr als ein Trailer ist noch nicht veröffentlicht. Trotzdem rüstet sich die Öl- und Gaslobby nicht nur in den USA bereits jetzt gegen «Promised Land». Der Spielfilm, in dem Matt Damon die Hauptrolle spielt, behandelt ein für die Energieproduzenten heikles Thema: das sogenannte «hydraulic fracturing» oder kurz Fracking. Bei dieser Gewinnungsmethode werden gigantische Mengen Flüssigkeit in tiefliegende Gesteinsschichten gepresst, um Öl- und Gasvorkommen freizulegen. Unter Umweltgesichtspunkten ist das Verfahren höchst umstritten, Frankreich verbot seine Anwendung etwa letztes Jahr.

Matthew „Matt“ Damon wird als Vertreter einer Gasfirma in eine Kleinstadt geschickt, um den Bewohnern die Nutzungsrechte für ihr Land abzukaufen. Mit Millionenversprechen versuchen Damon und seine von Frances McDormand gespielte Arbeitskollegin, der abgewirtschafteten Stadt das Fracking-Abenteuer schmackhaft zu machen. Alles läuft gut, bis ein Farmer aus einer fremden Stadt auftaucht, der von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Fracking berichtet. Konfrontiert mit toten Kühen und abgestorbenem Land befinden sich die smarten Verkäufer bald im ethischen Clinch mit ihrer Mission.

Pikant aus Sicht der US-Ölindustrie ist, dass auch der Nahe Osten über das Unternehmen Abu Dhabi Media Company an der Finanzierung des Films beteiligt ist. Dass das Emirat als einer der grössten Ölproduzenten ausgerechnet einen kritischen Film zur Fracking-Technologie fördert, kommt nicht gut an. Und hier setzte die Fracking-Lobby an: Fracking wurde in Amerika schon zur nationalen Souveränitätsfrage hochstilisiert. Dank der Erschließung neuer Vorkommen sollen die USA in den kommenden Jahrzehnten massiv weniger Öl und Gas importieren. Im laufenden US-Präsidentschaftswahlkampf setzt sich die  Independent Petroleum Association of America (IPAA) offen für den Republikaner Mitt Romney ein.

(Quelle und ) mehr hier

Übrigens: Ich glaube nicht, dass sich die Fracking-Frage in Niedersachsen schon erledigt hat. Am 20. Januar ist Landtagswahl. Da wird im Vorfeld immer wieder manches versprochen oder suggeriert, was sich hinterher nicht bewahrheitet. Promised Land eben. Oder haben Sie andere Erfahrungen?

5,27

12. Oktober 2012

Jetzt ist die Zahl raus: Von derzeit 3,59 Cent auf 5,27 Cent pro Kilowattstunde steigt die EEG-Umlage, die jeder private Verbraucher für die Förderung von Ökostrom zahlt, im nächsten Jahr. Für einen dreiköpfigen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden erhöhen sich die Stromkosten damit von rund 125 Euro auf 184 Euro – pro Jahr. Bereits seit einigen Monaten wird dies zum Anlass genommen, die Förderung der Erneuerbaren Energien durch das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) grundsätzlich in Frage zu stellen. Der Bundesverband Kleinwindanlagen eV (BVKW) sagt dazu dies:

„Die Angriffe auf das EEG sind unberechtigt. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland hat gerade in jüngster Zeit massiv zu einer Senkung der Strombeschaffungskosten an der Strombörse in Leipzig geführt. Das Problem ist nur, dass die Stromlieferanten diese Senkung nicht an ihre Haushaltskunden weiter geben. Stattdessen halten sie trotz ihrer gesunkenen eigenen Einkaufspreise an ihren hohen Endkundenpreisen fest.
Sie vergrößern so einfach ihre Marge. Würden die Stromlieferanten ihre wegen des Ausbaus der Erneuerbaren Energien gesunkenen Einkaufspreise weiter geben, wäre der Haushaltsstrom heute erheblich günstiger.
Jetzt zu sagen: Die Überförderung von Wind- und Sonnenstrom machen den Strom teuer, ist verlogen und falsch. Richtig wäre es, von den Stromlieferanten mehr Transparenz einzufordern.“

Der BVKW stellt insoweit zur Versachlichung der Debatte wie folgt klar:

  • Die Kosten der Strombeschaffung machen den Großteil des Strompreises aus. Trotz der in den letzten Jahren deutlich gesunkenen Börsenpreise für Strom haben die Stromlieferanten die bei ihren Kunden in Ansatz gebrachten Strombeschaffungskosten nicht gesenkt.
    So setzte sich der Preis für Haushaltsstrom in 2011 im Schnitt wie folgt zusammen:

8,40 Cent/kWh für Strombeschaffung und -vertrieb 
5,80 Cent/kWh für Netzentgelte (d.h. für die Kosten des Stromtransports)
2,05 Cent/kWh für die Stromsteuer
1,79 Cent/kWh für die Konzessionsabgabe
0,03 Cent/kWh für die Umlage nach KWKG
3,53 Cent/kWh für die EEG-Umlage 
4,03 Cent/kWh für die Mehrwertsteuer (19 %)

  • „Die Kostenvorteile der dezentralen Energieerzeugung, etwa durch Kleinwindenergieanlagen (KWEA), beispielsweise durch den Entfall von Netznutzungs- und Umsetzungskosten bei Einspeisung in das Niederspannungsnetz, werden dabei nicht an die Stromkunden weitergegeben“, moniert der erste Vorsitzende des BVKW, Siebo Smit.
  • Auch ein Langfristvergleich zeigt: Der Anstieg des Haushaltsstrompreises lässt sich nicht allein auf die EEG-Umlage zurück führen. Während die EEG-Umlage seit 2000 von 0,2 auf 3,592 Cent/kWh (in 2011) gestiegen ist, sind die übrigen Preisbestandteile von etwa 13,7 Cent/kWh in 2000 auf ca. 22,4 Cent/kWh (in 2011) gestiegen.
  • Hinzu kommt, dass durch die Novelle des EEG immer mehr Industriekunden pauschal von der Zahlung der EEG-Umlage befreit werden. Das erhöht die EEG-Umlage für alle anderen, wie namentlich die Haushaltskunden, die keine Möglichkeit zur Befreiung nach §§ 40 ff. EEG haben. Für diese pauschale Befreiung der Industrie wird das Argument des Erhalts der internationalen Wettbewerbsfähigkeit angeführt, obgleich die „befreiten“ Industriekunden nicht nachweisen müssen, dass sie tatsächlich im internationalen Wettbewerb stehen.
  • Nicht im Strompreis abgebildet sind zudem staatliche Subventionen für bestimmte Stromproduzenten (wie z.B. für die Steinkohle) und die externen Kosten, die die konventionellen Stromerzeugungsarten aufgrund Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschäden erzeugen. Die Diskussion über die EEG-Umlage kann aber nicht ohne den notwendigen Klimaschutz geführt werden. Würden im Stromsektor keine Erneuerbaren Energien mehr eingesetzt, würde das einen schlagartigen Anstieg des Ausstoßes von Treibhausgasen um über 87 Millionen Tonnen bedeuten, denn soviel Treibhausgase wurden in 2011 durch das EEG vermieden.“

(Quelle: PM: BVKW)