Um Grenzen, Zoll und Schmuggel geht es an diesem Mittwoch, 10. Oktober um 16.00 und um 19.30 Uhr, im Lingener Emslandmuseum. Museumsleiter Dr. Andreas Eyinck präsentiert Spannendes, Tricks und Schliche aus der Welt der heimlichen Grenzgänger von einst. Den Rahmen der Veranstaltung bildet die aktuelle Ausstellung „von Räumen und Grenzen“.

Um 1800 führte die damalige französische Verwaltung im Binnenland das „Douane-System“ ein, mit Zöllen an den Außengrenzen und Freihandel im Binnenland. Leittragende dieser an sich sehr fortschrittlichen Art der Besteuerung waren die Grenzregionen, deren Wirtschaftsradius durch die neuen Zollgrenzen beschnitten wurde.

Die umgehende Reaktion der Grenzbewohner darauf war die heimliche Einfuhr von Waren an den Zollstationen vorbei – der Schmuggel oder Schleichhandel.

Die Schmuggler hatten die bessere Ortskenntnis. Nachts fuhren sie mit Booten über die Ems oder fuhren ihre Frachten durch unbewohntes Gelände fernab der Kontrollstellen. Geöffnete Giebelluken oder weiße Bettlaken zeigten an, wo Gefahr durch die Douanebeamten drohte und wo die Luft rein war. Später verlagerte sich der Schmuggel an die niederländische Grenze, denn neue Zölle und Steuern führten ab 1815 zu einem ganz unterschiedlichen Preisgefüge diesseits und jenseits der Grenze. Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 nahm wegen der hohen Einfuhrzölle der Schmuggel stark zu, und auch die Grenzkontrollen wurden kontinuierlich verstärkt. Zollstreifen entlang der Grenze und im gesamt Zollgrenzbezirk machten den Schmugglern das Leben schwer, aber immer wieder kamen sie auf neue Tricks und fanden neue Schmugglerpfade.

Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde das Schmuggeln entlang der Grenze im Emsland und der Grafschaft Bentheim zur echten Massenbewegung und war für viele Familien die einzige Möglichkeit, in den Genuss von Kaffee, Tabak oder anderen Gütern zu kommen, die in Holland viel preiswerter waren. Doch auch gewerbliche Schmugglerbanden schalteten sich ein und ließen ihre Waren von ortkundigen Trägern im Ameisenverfahren über die Grenze schaffen.

Mit Romantik hatte das ganze wenig zu tun – Schmuggeln erfüllte schließlich zu allen Zeiten den Tatbestand der Steuerhinterziehung. Die Grenzbewohner sahen das zwar anders, aber manche Schmugglertour endete mit tödlichem Ausgang. Und hohe Geld- oder sogar Gefängnisstrafen waren an der Tagesordnung. Auch über diese Schattenseiten des Schmugglerwesens wird bei der Veranstaltung anschaulich berichtet.

Wegen der Umbauarbeiten im Emslandmuseum findet die Veranstaltung in den benachbarten Räumen der früheren Buchhandlung van Acken (Burgstraße 30) statt. Beginn ist um 16.00 Uhr bzw. um 19.30 Uhr.
Eintritt 5 Euro (Mitglieder des Heimatvereins 3 Euro)
(Quelle)

Urwahl

9. Oktober 2012

Morgen bestimmt die regionale CDU in einer Urwahl, wer die Nachfolge des langjährigen Bundestagsabgeordneten Dr. Hermann Kues (Lingen, Foto re) im Wahlkreis 32 (Mittelems) antreten wird. Immer seit  Gründung der Bundesrepublik hat der CDU-Kandidat in unserer Region den Wahlkreis gewonnen. Wer sich also morgen CDU-intern durchsetzt, darf in Berlin schon einmal auf Wohnungssuche gehen.

Im Vorfeld hatten sich die Bewerber Franz-Josef Evers (45, Salzbergen), Georg Hennekes (56, Meppen), Martin Rekers (42, Spelle) und Albert Stegemann (36, Ringe) in drei Veranstaltungen in Meppen, Lingen und am vergangenen Donnerstag in Nordhorn vorgestellt. 160 CDU-Mitglieder lauschten dort den Beiträgen. Der zuvor in Meppen (50 Teilnehmer) nicht einmal anwesende fünfte Bewerber ist der 67jährige Johann H. Grotehölmann (Uelsen) und  soll der Vollständigkeit halber erwähnt werden; er hat aber keine Chancen.

Nach der Lingener Veranstaltung vor immerhin 170 Besucherinnen und Besuchern hatte ein irritierter Carsten von Bevern in der Lokalpresse die Auftritte der Kandidaten kommentiert, ob nicht etwas mehr „Kante zeigen“ angesagt sei. Von Bevern war lange Jahre selbst aktiv in CDU und JU und wenn ein solcher Mann schon „fehlenden Mut“ bei den eigenen Leuten beklagt…

Rund 4300 CDU-Mitglieder aus der Region können also am Mittwochabend in den eigens dafür gebuchten Lingener Emslandhallen ihren Mann für Berlin wählen. Dieses demokratische Verfahren empfinde ich schon als beeindruckend, allemal im Vergleich mit dem, was sonst so bei Kandidatenaufstellungen geschieht  Das Ergebnis der Kür kann niemand vorher sagen.  Mir fällt nur auf: Die Lingener CDU ist weiterhin so schwach, dass  sie keinen Kandidaten und keine Kandidatin für diese wichtige Aufgabe in ihren Reihen findet. Und das CDU-Personal ist weiterhin reine Männersache. Frauen kandidieren nicht bei der CDU-Urwahl an Ems und Vechte.

Ich nehme an, dass Tobias Dankert (@tobilingen) aus den Emslandhallen twittern wird. Auf diesem Weg erfährt, wer will, Verlauf und Ergebnis am schnellsten.