nach hinten?

8. August 2012

13 Jahre lang war Cornelia Baumann „Fachbereichsleiterin Kultur und Schulen“ in unserer Nachbarstadt Nordhorn. Jetzt geht sie zum 1. Dezember nach NRW.   Die  Kunstgeschichtlerin begann  1999 in Nordhorn. Ein Pressesprecher der Stadt Nordhorn sagte zu ihrer Kündigung: „Seit Arbeitsaufnahme in Nordhorn hat Cornelia Baumann maßgeblich die Weiterentwicklung der Kulturszene in der Kreisstadt geprägt.“  Man kann es auch einfacher sagen. In einer Stadt ohne viel Geld, hat sie einen prima Job gemacht. Ob sie jetzt kündigte, als ihr die „verwaltungsinternen Pläne“ (GN) bekannt wurden, ihren Bereich beim Ressort Soziales, Jugend und Sport oder woanders einzusortieren? Ich weiß es nicht.

Jedenfalls diskutiert die Nordhorner Ratspolitik in diesem Sommer, ob die Stelle Kulturfachbereichsleitung überhaupt wieder ausgeschrieben werden soll – oder ob stattdessen die Kultur gestutzt, einem anderen Fachbereich unterstellt wird und künftig mit einem Amtsleiter (m/w)  auskommen kann. Das ist sicherlich mehr als eine organisatorische Geschmacksfrage. Kein Amtsleiter sitzt nämlich im allwöchentlich tagenden Verwaltungsvorstand der Nachbarstadt am Tisch. Die Kultur rückt also nach hinten, sie verliert an Einfluss und damit an Bedeutung. Wer kann so etwas wollen?

Nun, die SPD-Fraktion unterstützt den kulturunfreundlichen Plan ihres mit Minimehrheit gewählten Bürgermeisters Thomas Berling, während es die Kreis-SPD anders sieht und nicht streichen will. Bündnis’90/Die Grünen fürchten, dass mit einem „eingedampften“ Kulturamt künftig die Qualität der städtischen Kultureinrichtungen und der Nordhorner Kulturszene nicht mehr erhalten werden kann. Und die liegt mangels Finanzen sowieso schon weit hinter dem Lingener Angebot zurück.

Die Grünen sind dagegen, bleiben aber unverbindlich-allgemein mit dem Vorwurf, mit dem Sparen „am falschen Ende zu beginnen und negative Signale auszusenden“. Ganz mutig-kulturfern outet sich ein Nordhorner FDP-Ratsherr und sagt, die Stelle sei überflüssig. Mit seiner Erklärung distanziert er sich gleich von seinem Nordhorner FDP-Ortsvorstand und von der CDU-Fraktion, mit der er zusammen im Rat eine sog. Gruppe bildet; denn beide haben die Pläne, die Stelle zu streichen, bereits kritisiert. Krokodilstränen vergießt die CDU aber nicht deswegen sondern wegen des Streits in der SPD. Der „schadet der Sache“ sagt ihr Fraktionsvorsitzender und verschweigt um des erhobenen Zeigefingers willen, warum eine Debatte über eine politische Frage schaden soll.

(Foto: Rathaus Nordhorn; von Heribert Dulling CC)