Hühnerhochburg

2. August 2012


Die Hühnerhochburg
Ein Kommentar von Katja Hübner (NABU)
 
In den Tageszeitungen aus dem Medienhaus Neue OZ erschienen vorgestern, am 31. Juli 2012, großformatige Artikel zum Themenkomplex „Intensivtierhaltung“. Dafür, dass dieses Thema einmal so intensiv in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt wurde, und für die umfangreiche Recherche zu den Tierhaltungszahlen ist dem Autoren Dirk Fisser herzlich zu danken.
Doch obwohl der Artikel „Die Hühnerhochburg“ seitenfüllend ist, fallen manche Formulierungen so knapp aus, dass sie nach meinem Empfinden übermäßig polarisierend wirken. Besonders schmerzlich trifft mich die Textpassage zum Genehmigungsverfahren der Hähnchenmastanlage in Wippingen „Der große Umweltumweltverband hat den kleinen Landwirt zum Gegner auserkoren. Rein zufällig,…“. Wie ich auch im Gespräch mit Herrn Fisser sagte, engagieren wir uns in diesem Verfahren deshalb so stark, weil es das erste Verfahren ist, in dem Brand- und Keimschutzgutachten vorgelegt wurden und es deshalb für uns Pilotcharakter für alle weiteren Genehmigungsverfahren mit Brand- und Keimschutzgutachten besitzt. Und nicht etwa deshalb, weil es sich um einen „kleinen“ Landwirt handelt und wir uns deshalb größere Chancen ausrechnen, den Stall zu verhindern. Darüber hinaus wollen wir mit unseren Einwendungen vor allem auf die Genehmigungspraxis des Landkreises Einfluss nehmen, weil dieser unserer Ansicht nach seine Kontrollfunktionen nur unzureichend wahrnimmt. Es geht uns nicht darum, Landwirten „Knüppel zwischen die Beine zu werfen“, um ihnen die Arbeit zu erschweren. „Rein zufällig“ war allerdings, dass dieser Landwirt der erste Antragsteller mit den neuen Gutachten war. Und ja, der NABU ist der größte Umweltverband Deutschlands. Darauf sind wir auch stolz. Übrigens konnten wir im Emsland in den letzten Monaten noch einmal zahlreiche neue Mitglieder begrüßen.
Gewundert habe ich mich auch über den Satz „Der NABU mobilisiert die Massen bei diesem Thema“. Schön, wenn dies so ist. In meiner persönlichen Wahrnehmung ist es anders. Ich habe eher das Gefühl, dass wir immer wieder durch die Anrufe der Massen in unserem Regionalbüro mobilisiert werden, die die gesundheitlichen und ökologischen Probleme sehen und sich keinen Rat mehr wissen. Die Intensivtierhaltung ist eben eines der drängendsten Umweltprobleme in dieser Region. Und der NABU hat sich dieses undankbaren Themas angenommen, weil es so nicht weitergehen kann und versucht zusammen mit anderen Vereinen und Organisationen im Rahmen des Aktionsbündnisses zur Verbesserung der aktuellen Situation beizutragen.

Im Kommentar „Zeit für mehr Ehrlichkeit“ wird uns vorgeworfen „Es ist unredlich, dass Umwelt- und Naturschutzverbände Ängste vor der ausufernden Fleischproduktion schüren“. Diesbezüglich möchte ich richtigstellen, dass von Seiten des NABU keine Angst gegenüber der steigenden Fleischproduktion besteht, sondern vor den damit verbundenen ökologischen, gesundheitlichen und sozialen Folgen. In diesem Zusammenhang ist besonders auch auf die Folgen hinzuweisen, die aus dem zunehmenden Export von Hähnchenfleisch resultieren, weil der hiesige Bedarf bereits gedeckt ist: Probleme mit der Gülleentsorgung und steigende Stickstoffbelastung der Böden und Gewässer bei uns und Zerstörung der lokalen Arbeitsplätze mit den daraus resultierenden sozialen Folgen in den Ländern Afrikas. Dass die Errichtung von Hähnchenmastställen – vielleicht gerade für die Erzeugung von Fleisch für den Export – unter bestimmten Voraussetzungen für hiesige Landwirte noch wirtschaftlich sinnvoll sein kann, ist von meiner Seite unbestritten.

Ach, und falls tatsächlich irgendeinen meine Essgewohnheiten interessieren: Ich esse tatsächlich sehr gerne Hähnchen – aber aus extensiver bzw. biologischer Haltung, natürlich nicht jeden Tag und am liebsten im Ganzen mit einer Paprika-Kräuter-Marinade im Ofen gebacken.“

(Foto (c) http://wendland-net.de/)

Zeitläufe

2. August 2012

Im letzten Spätsommer galt es eigentlich als ausgemacht, dass Holger Laschet, der jahrelang Hutmachers Deele kultiviert bekochte, in die Alte Posthalterei (Foto re., 1950 Jahre) wechseln wolle. Das scheiterte dann wohl u.a. an der Renovierung der in die Jahre gekommenen Küche der städtischen Lokalität mit undichten Leitungen, Abflüssen und ähnlichem Renovierungsstau, die -wen wundert’s!- Laschet partout nicht selbst zahlen wollte. Hauptpächter Getränke Essmann hatte für diesen Fall aber keinen „Plan B“,  stand nach Laschets Absage ohne Betreiber des Hauses da und die Stadt leistete sich seither die Peinlichkeit ihrer geschlossenen Lokalität am Markt. Dazu diese Entwicklung:

4. Januar 2012 Alte Posthalterei in Lingen ist geschlossen – Neuer Pächter vielleicht schon Anfang Februar

Seitens der Stadt habe man im vergangenen Jahr oben und unten neue Fenster eingebaut und damit, so weit es die historische Gebäudesubstanz zulasse, Maßnahmen zur Dämmung abgearbeitet. …

16. April 2012 Seit dem 1. Januar 2012 steht das denkmalgeschützte Haus aus dem Jahre 1653 in Lingens guter Stube leer und soll nun, den Leerstand nutzend, weiter saniert werden. Kommt nichts dazwischen, wird die Gaststätte am 23. April eingehaust. Eine Woche später, am 30. April, soll mit der Dachsanierung begonnen werden.

26. Juli 2012 „Alte Posthalterei“ in Lingen will Mitte August eröffnen
„Daher wurde vorzeitig mit den Sanierungsmaßnahmen begonnen, die eigentlich für die zweite Jahreshälfte geplant waren. In Vorjahren hatte die Stadt im Erd- und Obergeschoss bereits neue Fenster einbauen lassen.“

Bis Montag war ich skeptisch, ob es denn endlich klappt. Zwar hat die Renovierung aus Steuermitteln 50% mehr gekostet als veranschlagt -in Zahlen: 210.000 € statt 140.000 €- (aber dafür bleibt die Miete wenigstens stabil 😉  ).

Und dann sah ich auf dieser (zuverlässigen) lokalen Webseite den Hinweis auf das 19. Altstadtwirtefest – pardon: das 19. Musikfest der Altstadtwirte am Samstag, 11. August 2012 mit 12 x Musik in 11 Kneipen rund um den Markt. Und da ist die „Alte Posthalterei“ dabei. Angekündigt ist die Gruppe „Spielsucht“ (kenn‘ ich noch nicht) — in der neuen Alten Posthalterei! Nach viel Getöse und sieben Monaten geschieht doch noch etwas.  So sind sie, die Lingener Zeitläufe.

Nachtrag:
Doch nicht. Es geschieht doch nicht. Angeblich ein Wasserschaden