Es war einmal…

24. Juli 2012

… ein junger Recke, der Wolfgang hieß und nach seiner Reifeprüfung dachte, dass man dieselbe doch gar ordentlich feiern solle. Also ersann der Jungmann im 81. Jahr seines Jahrhunderts ein Musikfest, benannte es Abifestival und lud alle ein, in Lünne lauter Musik zu lauschen. Seine reifegeprüften Nachfolger griffen die Wolfgang’sche Eingebung auf und so erwuchs nach und nach eine stolze Reihe von inzwischen 31 Abifestivals und dies alsbald in einer Lünne benachbarten kleinen Stadt an der Ems. Längst eilten alljährlich Zehntausende herbei und feierten umsonst und draußen und miteinander.

Doch dann waren da die, die man in Nottingham die Knappen des Sheriffs nannte, und sie hatten ihr Bauchgrimmen  mit all dem und so drohte ihr Oberster vor dem letzten Fest gar mit dessen Absage,  es sei denn, die jungen Feiernden überwachten statt seiner Mannen auf den Straßen die aufgestellten Sperren.  Denn dazu stehe seinem Gefolge nicht der Sinn. Indes gab es die Mannen des Sheriff aller Sheriffs, die gar mit einem Fluggerät herbeieilten, um das feiernde Geschehen aus großer Höhe in einem Zauberkasten zu speichern und sodann wie dauerhaft überwachen zu können. Für ihr Fluggerät wurde gar ein Sportfeld mit einer andernorts Tankstelle genannten Gerätschaft versehen. Sodann lärmte das Fluggerät stundenlang und arg und  die fliegenden Mannen sahen aus der Höhe herannahende Gäste einer angrenzenden, hölzernen Burg, die in Wahrheit nur ein alter hölzerner Wagen war, wie sie -hingeführt von prollhaften Zetteln- von hinten und quer über einen Eisenbahnweg zu einem zweiten Musikfest direkt neben dem Abifestival zu eilen suchten. Das verstanden die in großer Höhe in ihrem Fluggerät schwebenden Mannen aber nicht und schrieben die verbotenen Wege fortan den Abifeiernden zu, um das gar kostspielige Schweben ihres Fluggeräts zu erklären.

Derweil war da noch ein junges Mägdelein. Das verlor ihr Jäcklein auf dem Musikfest und bekundete später, ein böser Mann habe sie in einem klitzekleinen Zelt festgehalten, in das sie auf wundersam-gezerrte Weise gelangt war. Dort habe er sie entkleidet und mehr als eine Stunde lang unwürdig betatscht. Indes richtig beschreiben vermochte das Mägdelein den Unhold nicht, wohl weil es doch erstarrt die Augen niedergeschlagen und den Bösewicht schamvoll nicht angesehen hatte. Doch dann kamen, wusste sie zu berichten, zwei Prinzen, bekleideten das Mägdelein und erlösten es so  aus ihrem Schicksal, das gar niemand der Umstehenden und Vorbeieilenden bemerkt hatte.

Da aber waren alle sehr erschrocken. Und weil alle Feiernden, so sie auf dem Festgelände zu nächtigen dachten, zuvor eine schriftliche Botschaft dieserhalb an das Komitee der Feiernden hatten vornehmen müssen, frohlockten die der Überwachung der Anreisenden so abholden Mannen des Sheriffs, nunmehr all  jene bei der Suche nach der Wahrheit über die verlorene Jacke überprüfen zu können. Und weil die Mannen des Sheriffs auch noch zeitgemäß waren, schrieben sie ihre drängende Suche noch in ein mediales Zauberbuch* und zwar dasselbe, was sie schon zuvor dem lokalen Herold mitgeteilt hatten: Dass dem Mägdelein nämlich etwas Schreckliches geschehen war – wiewohl sie genau das doch erst noch herausfinden sollten. Und als dann einzelne in dem  Zauberbuch  verwundert  nach der Glaubhaftigkeit  des Mägdeleins und seiner Geschichte fragten und augenblicklich von anderen, so rechtschaffenen, aufrechten Bürgern bepöbelt und beschimpft wurden, verschwand die ganze Nachricht mit vielen Anmerkungen  aus dem Vordergrund. Doch obwohl 2000 Besucher der Zauberseite den Aufruf der Mannen des Sheriffs allüberall weitergaben, ergab sich erst einmal nichts und auch die Jacke wurde nicht gefunden…

Und der kleine Chronist eines kleinen Tagebuchs in dem kleinen Städtchen erfuhr von alledem und dachte bei sich, ob das wohl stimme, was die Mannen des Sheriffs wie das Mägdelein an Seltsamem von dem Musikfest zu berichten wussten. Und wo Fluggerät und wo Zauberkasten wohl sein möchten und vor allem das in ihm  dauerhaft Gespeicherte. Aber die Antwort darauf wird dann ein anderes Märchen…

(Foto: Gebr. Grimm CC; * um „Volkes Stimme“, d.h. alle fb-Kommentare zu ersehen, muss man sich bei Facebook anmelden)

Sie wissen, dass ich bisweilen etwas zynisch sein kann, will, mag. Dieser meiner Eigenschaft widme ich meine neue Reihe „wunderschönes Lingen“ – natürlich verknüpft mit herzlichen Gedanken an die Gedankenlosen in unserem Städtchen. Wenn Sie in Lingen also Wunderschönes finden, schicken Sie mir einfach ein Foto.

Heute beginnen wir die unregelmäßige Reihe mit diesem kleinen unterirdisch-überirdischen Stromkasten. Irgendwann vor -zig Jahren mutig poppig-rot angemalt und dann nie wieder. Muss doch eigentlich so nicht sein – oder?