Anwaltshure

15. Juli 2012

Zum Sonntag diese kleine, typisch deutsche, humoreske Geschichte:

Was macht der Konzern Weltbild, den die Bischöfe aus Keuschheitsgründen verkaufen wollten und dann doch in eine Stiftung einbrachten, mit den leider pornografischen, aber dummerweise sehr erfolgreichen „50 Shades of Grey“, fragt der Internetinformationsdienst Perlentaucher und meint:

„In den verschiedenen parallelen deutschen Debatten rund um Buch, Urheberrecht und Kultur ist im Augenblick alles ziemlich lustig verdreht.

Am schwersten haben es dabei, zugegeben, die deutschen Bischöfe aus Augsburg und Umgebung. Da hatte man vor Weihnachten mächtig auf den Tisch gehauen und beschlossen, die im deutschen Buchhandel wohl erfolgreichste Unternehmung, Weltbild, zu verkaufen – aus moralischen Gründen wohlgemerkt, weil es nicht anging, dass katholische Läden mit Nischentiteln wie „Die Anwaltshure“ aus dem bis dahin ebenfalls nicht sehr bekannten Verlag Blue Panther Books Geschäfte machen. Dann ging es erst einmal ein halbes Jahr hoch her, in einer Gemengelage aus Zoff mit der Belegschaft, unklaren Botschaften an mögliche Käufer, die sich offenbar in diesem Wirbel auch nicht zu Hauf meldeten – was aber angesichts der Marktposition von Weltbild schon eher erstaunte. Von außen betrachtet schien es, als ob der Marktwert des Unternehmens absichtlich nach unten gefahren würde. Und man wagt gar nicht sich auszumalen, was in diesen Monaten in den Köpfen und Herzen der recht ambitionierten Manager bei Weltbild vor sich gegangen sein mag. Es war, als sollte hier, stellvertretend für eine ganze Branche, freches selbstbewusstes Engagement mit Ambitionen exemplarisch abgestraft werden.

Doch dann schlug die Wirklichkeit zurück. Kaum hatten die Eigentümer den Verkauf wieder abgeblasen und die Überführung in eine Stiftung verkündet – nicht zuletzt um so die moralisch hehren Unternehmensziele zu gewährleisten -, nun das Desaster: Rechtzeitig zu Urlaubssaison und Strandleselust erscheinen ein, mit Verlaub, Softpornoroman mit dem Titel „Shades of Grey – Geheimes Verlangen“, plus zwei Folgebände, vorgemerkt für Spätsommer und Herbst, und sehr vieles spricht dafür, dass diese Trilogie die Gesamtbilanz des Buchjahres 2012 ganz nachhaltig prägen wird.

Bloß, was macht Weltbild nun damit?…“ (weiter)