zu keinem Zeitpunkt Gefahr

6. Juli 2012

Zum Hagedorn-Störfall vom Mittwoch diese -natürlich nicht unfehlbare- Übersicht – als Grundlage für eine notwendige Diskussiont:

20.35 Uhr
Durch eine defekte Pumpe in der Nitrozellulose-Produktion entweichen 5 Kubikmeter Säure. Aus der Säure bildet sich Nitrose-Gas, die Anwohner hören einen Knall. (Quelle)

20.54 Uhr
Anwohner informiert die Rettungsleitstelle Emsland über Schefelgeruch (Quelle NOZ Printausgabe 6.7.)

21.22 Uhr
Polizei fordert über die Leitstelle die Feuerwehr an (Quelle NOZ Printausgabe 6.7.)

21.24 Uhr
Alarmierung der Feuerwehr Lingen  (Quelle NOZ Printausgabe 6.7.)

21:39 Uhr
Erster Tweet von @marc2704 bei @waslosinlingen „Facebook sagt Hagedorn brennt.“

21.40 Uhr
Türen Fenster schließen (Posting von Matthias Gessner in der Facebook-Gruppe Du weißt, Du kommst aus Lingen/Ems, wenn…)

21.41 Uhr
Nachfragen und neues Posting: UNBEDINGT FENSTER TÜREN SCHLIESSEN…KEIN WITZ (Matthias Gessner, FB)

21.47 Uhr
GELBE und WEISSE WOLKE, also FENSTER & TÜREN ZU (Quelle Matthias Gessner, FB)

21.49 Uhr
LT mit Kurzmeldung auf der Internetseite. „Kleine Explosion“ bei Hagedorn.

21.50 Uhr
Ems-Vechte-Welle: Bei Hagedorn hat es einen Gefahrgutunfall gegeben. (Quelle)

22.00 Uhr
Bei der Beseitigung der Gefahrenstoffe verletzt sich ein Feuerwehrmann , als er in ausgetretene Säure stürzt und wird mit Verätzungen ins Krankenhaus gebracht.  (Quelle)

22.01 Uhr
ALSO WIEDER KEIN WITZ….ALLES WAS IN SCHEPSDORF LINGEN DRAUSSEN IST, SOLLTE REIN GEHEN. VERSTÄRKUNG UNTERWEGS (Quelle Matthias Gessner, FB)

22.02 Uhr
Knapp eines Stunde nach der Explosion: Eintreffen des ABC-Zuges Bawinkel; die ABC-Kräfte nehmen kurz danach mit Prüfröhrchen Scahdstoffmessungen auf. (ungesichert Quelle Mark Rohwetter, fb,)

22.03 Uhr
LT Chef Thomas Pertz twittert „Kleine Explosion, Nitrogase ausgetreten, Fenster schließen“ (Foto re.)

22.05 Uhr
Verkehrsnachrichten bei Radio FFN: Türen und Fenster geschlossen halten.

22.16 Uhr
Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehr Holthausen-Biene (Quelle Raphael Korte, FB)

23.25 Uhr
Schulklasse muss das Kanu- und Klettercamp verlassen und wird in den Emslandhallen untergebracht. (Quelle), freiwillig, heißt es später (Quelle). Stadt Lingen teilt wiederum später aber  mit,  sie sei evakuiert worden. (Quelle)

23.30 Uhr
Mehr als zwei Stunden nach der Explosion: Erste, kaum lesbare („Unfall bei Hagedorn“) Twittermeldung der Stadt Lingen (Ems) (Foto oben re.).

23.32 Uhr
Stadt Lingen (Ems) informiert erstmals auf ihrer facebook-Seite: „Der ABC-Zug Bawinkel ist unterwegs. Die Anwohnerinnen und Anwohner sind gebeten worden vorsorglich Fenster und Türen geschlossen zu halten.“

o.10 Uhr
OB Dieter Krone teilt mit, dass der Einsatz beendet ist und keine Gefahr mehr für die Bevölkerung besteht. (Quelle)

0.35 Uhr
Stadtbrandmeister Günter Reppien: Die Grenzwerte sind auf dem Gelände überschritten worden. Außerhalb des Zauns hat es aber keine Überschreitungen gegeben.  (Quelle) Später (5.7)  dann, man habe keine die Grenzwerte übersteigende Konzentration feststellen können (Quelle NOZ Printausgabe 6.7.)

0.50 Uhr
Eine Anwohnerin, die unter Atembeschwerden leidet (später Herzbeschwerden, Quelle), wird ins Krankenhaus gebracht. (Quelle)

früher Donnerstagmorgen:
Sprecher der Polizei Lingen:  Ob Gefahr für die Anwohner bestand, kann der Polizeisprecher nicht sagen. (Quelle)

Später um 7.00 Uhr
Durch die ausgetretenen Gase bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Bevölkerung. (Quelle)

Wer weitere Details kennt, kann sie mir gern emailen; ich trage sie dann -in dieser Farbe gekennzeichnet- nach.

Fazit:
Zunächst einmal mehr furchtlose Lingener Feuerwehrleute, denen für ihren Einsatz zu danken ist.

Dann sofort ins Auge springende, zahlreiche massive Widersprüche und am Ende dieser üblich dumme Satz, dass „zu keinem Zeitpunkt Gefahr…“. Kommunikationsdefizite in großem Ausmaß.

Die „Zu keinem Zeitpunkt Gefahr“-Erklärung ist falsch. Nitrogase oder ausgelaufene Säure, in denen man zu Fall kommt, sind keine Kleinigkeit. Ein Vollalarm für 170 Feuerwehrleute ist keine Kleinigkeit.  Wenn aber jetzt schon so etwas Beschwichtigendes gesagt wird, darf man Zweifel haben, ob wir je erfahren werden, was Mittwochabend im Detail geschehen ist. Oder haben Sie -15 Monate nach dem BP-Desaster- eigentlich schon gehört, was die Ursache für das Tankerinferno im Hafen der BP am 28.03.2011 war? Das nur so und beispielhaft zur Erinnerung.

„Unterdessen hat die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen beim Oberbürgermeister eine öffentliche Sondersitzung des Umweltausschusses des Lingener Rates beantragt. Wie aus dem Schreiben hervorgeht, soll über folgende Punkte beraten werden: Unfallhergang, Informationspolitik der Behörden, Umgang mit solchen Störfällen in der Zukunft und Konsequenzen für den Betrieb Hagedorn.“ (weiß die LT) Das finde ich gut, bin aber skeptisch, dass der Ausschuss korrekt informiert wird. Da muss schon genau nachgefragt werden.

15 Antworten to “zu keinem Zeitpunkt Gefahr”

  1. Wolf said

    Es wird immer alles was die Firma Hagedorn betrifft dermassen hochgespielt das es zu Kot……… ist. Die Infomationen die gegeben wurden sind alle korekt und nichts verheimlicht aber es glaubt niemand. Von den 170 Feuerwehrleuten saßen 150 rum, 20 haben sich richtig eingesetzt.
    Der Unfall des Feuerwehrmannes wäre zu vermeiden gewessen wenn er auf Mitarbeiter gehört hätte die ihm sagten er solle dort nicht rein gehen,die wissen wovon sie reden. Es wurde ignoriet, auch der Hinweiß kein Wasser einzusetzen kam nicht an.
    Schaulustige beschweren sich das die Atemwege gereizt sind, was machen sie den dort am Zaun?? Erst gaffen und dann beschweren, lachhaft.
    Den Mitarbeitern die sich eingesetzt haben das es schnell vorbei ist und die Störung beseitigt ist sollte man danken,
    „““Danke Jungs“““
    H.Wolf

    • Waltraud Schober said

      Schafft die Bevölkerung ab!

      Richtig, Herr Wolf! Was hat die Bevölkerung in Lingen zu suchen? Und was fällt diesen Menschen ein, die Rettungsleitstelle zu benachrichtigen. Diese frechen Menschen sollte man bestrafen. Unschuldig: Die Brandstifter! Lang lebe Hagedorn!

  2. Josche said

    Dem kann ich nur zustimmen. So „kleine“ Vorfälle hat es nach dem Krieg bis in den Siebziger Jahren immer gegeben und das haben die Schepsdorfer immer alleine geregelt, aber da gehörten sie noch nicht zu Lingen.

  3. Tim said

    Macht sich Herr Koop sich hier endgültig lächerlich? Ich finde ja. Herr Koop, berichten Sie doch mal in ihrem Blog von ihren Politischen Erfolgen….

    • hans1550 said

      Interessante „Kritik“ am dienstältesten Stadtratsmitglied. Nur mal so, zu den „Politischen Erfolgen“.

  4. Altodis said

    @Tim: Koop hat sich heute sehr qualifiziert zu Hagedorn geäußert.Sie nicht- aber das wird vielleicht?

    http://ev1.tv/Video/1857622838/?bctid=1723010888001

  5. Tim said

    @Hans. Dienstältestens ist ja gut und schön, aber wo verfolgbare Erfolge?
    Er Kritisiert hier grundsätzlich alles andere, doch seine aussage…naja… Die BN sind keine ernstzunehmende Partei.

    • Maria P. said

      Seltsame Frage – sind wir hier beim Fußball?
      @Tim:
      Wer in einer Demokratie in der Minderheit ist, kann selten wie ein Fußballteam ein 5:0 vorweisen, so dass es auch Leute wie Sie verstehen. Koop war immer in der Minderheit.

      Doch jede Minderheit ist für die Ergebnisse von Politik wichtig, Politik ist auch immer ein Mannschaftsspiel. Nie ist daher nur einer allein der Vater des Erfolgs. Inwieweit die Argumente von Koop und seinen Mitstreitern die Mehrheit beeinflusst haben, wird man nie herausfinden.

      Ein großer Erfolg ist sicherlich dieses Blog als Ausdruck einer besseren demokratische Kultur in unserer Stadt. Wir kennen doch alle die CDU-hörige Lingener Tagespost. Viele, viele Punkte wären ohne Koop gar nicht bekannt. Das hat bestimmt in den Köpfen von uns Lingenern Folgen. Wenn ich es mal zuspitze, gäbe es ohne Koop bei uns einen CDU-OB aus Geeste (und beantworte damit nicht die andere Frage, wie sich tagtäglich der jetzige OB von einem CDU-Mann unterscheidet, wovor Stüting, Koop & Co vor zwei Jahren gewarnt haben, wenn ich mich richtig erinnere).

      Spontan als Erfolge von Koop und seinen SPD-gGenossen fallen mir als Erfolge ein die Gesamtschule, der Abenteuerspielplatz, die Fachhochschule, die Kunsthalle, die Erinnerungskultur an den Holocaust mit dem Gedenkort jüdische Schule und der Umweltschutz in all seinen Facetten. Das sind nur Beispiele. Viele andere haben diese Vorhaben später auch unterstützt. Die Initiativen kamen aber von Koop und der SPD.

      Warum schreib ich das überhaupt? Tim und seinesgleichen werden sowieso alles bestreiten.

      • ulrike said

        Frau Maria P. hat Recht.
        Und ich muß das an dieser Stelle mal los werden:
        Roberts Blog ist eine Bereicherung.
        Für mich jedenfalls.
        Ich werde auf viele Themen, -nicht nur aus der Stadt, – hingewiesen und ich lerne und lerne und lerne.
        So , mehr Lob gibts aber nicht von mir.

        • Job said

          Frei nach dem Motto:
          Wer R.Koop kritisert ist ein böser Mensch. Ist kein Demokrat. Passt nicht in dieser Welt.
          @ Maria P. wo ist die LT CDU-Hörig??^^

          • Manfred said

            Genauso ist es. Panik machen, kritisieren,gegen alles sein, alles besser wissen. wer eine andere Meinung hat wird nieder gemacht.Wenn die Partei nicht so will wie R. Koop wird die Partei gewechselt . Gott sei Dank sorgen die Lingener Wähler bei den Wahlen dafür das R. Koop in der Minderheit bleibt. Vertrauensvolle zusammenarbeit wird mit R. Koop nicht möglich sein. Wohne seit 1970 in Lingen bin Parteilos und fühle mich hier Pudelwohl.

  6. Norbert Knape said

    Möglichweise beruht die Kritik an diesem Blog ja darauf, dass die Fakten verdreht werden. Ich werd da mal nachlesen.
    Falls jedoch – und um ganz ehrlich zu sein, das vermute ich ein klein bischen – dahinter die übliche Masche steht, den Boten zu beschimpfen, der schlechte Nachricht bringt, so denke ich, dass dies die ’normale‘ Reaktion des konservativen Teils des Emslands ist.
    Immerhin: man schreibt jetzt bloß Texte gegen die Netzbeschmutzer – das ist eindeutig ein Fortschritt

    • ulrike said

      Genau.
      Dabei gibt es lecker Fisch mit und ohne Kopf auf dem Wochenmarkt. Auch geräuchert.
      Die Versuchung müsste groß sein.

  7. ich habe vieles von Herrn Koop verfolgt. Und muss ehrlich sagen, oftmals sind die Diskussionen verbunden mit den gefühlten Sticheleien oft aus dem Ruder geraten. (wir erinnern uns an den Baumbestand in der Burgstrasse, die sie verglichen hatten mit Plastikpalmen vor „einer“ Gaststätte in der Lingener Innenstadt) Also um es auf den Punkt zu bringen, vergleichen sie oft Birnen mit Äpfel, wohlwissend aber wo die „Schärfe“ hin geht. Trotzdem finde ich ihre Kommentare interessant und auch wichtig für die Lingener. Jemand der sich auf einem Podium stellt und ruft „Ey ihr A…… , da vorne braucht jemand Hilfe“ ist in meinen Augen ein richtiger Weg. Zumindest „richtiger“ als scheinheilig die Hände in die Hosentaschen zu stecken und nichts zu unternehmen, auch dann wenn sich nachher herausstellt „es war nur eine kleine Platzwunde.

  8. kib said

    Ich bin verblüfft: 14 (nun 15) Kommentare zu einer von Robert Koop zusammengefassten Chronologie eines (erneuten ) Unfalls in Lingen, bei dem schlimmeres hätte geschehen können: Freuen wir uns darüber, dass wir –mal wieder „Schwein hatten“, auch Dank des Einsatzes der Freiwilligen (!) Feuerwehren und der von BP!
    Aber zurück zum –eigentlichen- Thema dieses Beitrags: Nach meinem Verständnis ging es RK u.a. auch darum das „Krisen- und Ereignismanagement“ der Verwaltung zu hinterfragen.
    Wie ich finde zurecht aber auch mit Einschränkungen: Es kann doch nicht sein, dass Lingener Bürger (den demografischen Wandel bitte berücksichtigen) als einzige Lehre aus diesem Vorfällchen lernen: „Ooooh, da melde ich mich besser bei Facebook oder Twitter an…“.

    Zur „abdriftenden“ Diskussion:
    1) Maria P. hat das –für einige vielleicht rätselhafte- „Phänomen der Demokratie“ toll beschrieben: Ich würde gern mehr von ihr lesen.
    2) Nach mehr als dreißig Jahren dauerhafter Zugehörigkeit im Stadtrat ist der kommunalpolitische Erfolg von RK schlichtweg nicht zu leugnen,

    Fazit: Wäre er ein eitler (er) Wicht (ok, uneitel ist er nicht), vor allem aber gemäßigter / diplomatischer aber i.e.L. auf „Prestige“ aus: Jede Partei (!) würde ihn mit Handkuss nehmen.
    Nee, so einfach macht der Koop es uns ja nun auch nicht (ich schätze „Berufskrankheit: Juristen sind eh arg verwand mit „Hüttchenspieler“)

    Bedenkt (Bedankt- wer will) was er an politischer / beruflicher Erfahrung, Interesse, Engagement, Lokalpatriotismus, sozialer Kompetenz usw. mitbringt?

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