Literaturfest

2. Juli 2012

Freiheit ist die Überschrift des „Literaturfest Niedersachsen“ in diesem Jahr. Es ist das 7. Literaturfest und hat hat für sein Thema außergewöhnliche Orte ausfindig macht, die die Routine üblicher Leseveranstaltungen durchbrechen und ihre eigene Geschichte liefern: Im Hubschraubermuseum Bückeburg wird die schwerelose Freiheit über den Wolken vor Augen geführt und im Amtsgericht Bremerhaven werden literarische Fluchtversuche durchgespielt. Auf der Inselfestung Wilhelmstein im Steinhuder Meer kommen berühmte Gefangene der Geschichte zu Wort, und im Celler Schloss gehen Revolutionäre auf die Barrikaden.
Ungebundener, aufregender und freier war die Literatur selten. Vom 6. bis 23. September sind bei 25 Veranstaltungen prominente Autoren und Schauspieler zu Gast, teilte die Niedersächsische VGH-Stiftung als Veranstalterin mit.
Ganz frei sind übrigens unser Landkreis Emsland und unsere Stadt Lingen (Ems), nämlich frei vom Literaturfest. Allein im Nordhorner Kloster Frenswegen findet in der „Region Emsland“ ein Abend der Literatur statt (mehr…).

Als aktuelle Alternative ist übrigens die Veranstaltungsreihe Handverlesen des Kunstverein Lingen in der Kunsthalle geeignet. Am Mittwoch, 4. Juli  19.30 Uhr und an drei weiteren Abenden im Juli lesen bekannte Lingener aus ihren Lieblingsbüchern. Eintritt: 3 Euro (erm. 1,50)

Dornröschen

2. Juli 2012

Gerhard Kromschröder hat im Emsland für manche Debatten gesorgt, seit mehr als 50 Jahren und zuletzt mit dem vor Jahresfrist  erschienenen Bildband „Expeditionen ins Emsland – Ein deutscher Bilderbogen“. Den empfanden die Protagonisten des „Beiunsistallessogroßartig“-Politik um Hermann Bröring und Reinhard Winter als ungebührliche Kritik und Ex-Landrat Hermann Bröring tobte geradezu in der Mitgliederversammlung des Emsland Moormuseum eV, als Museumschef Michael Haverkamp mitteilte, über die Sommermonate eine Ausstellung mit Aufnahmen des Wahlhamburgers Kromschröder zu präsentieren; übrigens verdiente sich der seine ersten journalistischen Sporen in der damals hinten im Hause Bürobedarf Nottbeck residierenden Lingener LT-Redaktion. Anschließend, in den wilden, kritischen 60er Jahren rockte er gemeinsam mit den gleich legendären Hermann Vinke und Bernd Rosema die Papenburger Emszeitung, bevor er über das Frankfurter Satiremagazin Pardon zum STERN ging und heute längst einer der großen deutschen Dokumentarfotografen ist.

Hermann Bröring interessiert das nicht. Etwas geschönt berichtete die Meppener Tagespost anschließend über Brörings Ausbruch in der Vereinsversammlung (mehr Hintergrund…):

„Dass der Journalist Gerhard Kromschröder im Juli und August seine „Expeditionen ins Emsland“ zeigen sollte, hat vor allem den früheren Landrat Hermann Bröring verärgert, der dem Vorstand des Trägervereins für das Moormuseum neben Landrat Reinhard Winter und Geestes Bürgermeister Hans-Josef Leinweber angehört. In der Mitgliederversammlung des Vereins im Februar kritisierte Bröring die „einseitig negative Ausrichtung“ der Bilder Kromschröders, der in den 1960er-Jahren als Zeitungsredakteur in Papenburg gearbeitet hatte.

Streit um Kromschröder

In den vergangenen Jahren hatte er seine alte Wirkungsstätte fotografisch porträtiert (wir berichteten) – Bröring warf Kromschröder mit Blick auf dessen Fotos eine polemische und unfaire Darstellung des Emslandes vor, die er nicht unkommentiert im Museum präsentiert wissen wollte.“

Vor einer Machtdemonstration hatte Bröring aber letztlich wohl doch Angst. Also kann man seit gestern die  Kromschröder-Sonderausstellung mit einer Auswahl seiner Bilder im Moormuseum sehen. Allerdings ist die Präsentation –gegenüber dem Plan– zeitlich um mehr als die Hälfte gekürzt und wird schon ab September durch eine Bröring genehmere des Meppener Fotografen Stefan Schöning („Industriekultur im Emsland“) ersetzt.

Gestern also wurde vor knapp 100 Gästen im Moormuseum Groß Hesepe die Kromschröder-Ausstellung eröffnet. Natürlich ohne Hermann Bröring und Reinhard Winter und ohne die Granden der politischen und gesellschaftlichen Regionalliga. Begrüßen durfte der Geester Bürgermeister Hans-Josef Leinweber als  stellv. Vorsitzender des Trägervereins, der Verfasser des Vorworts in Kromschröders Emsland-Bildband Gerhard Henschel, in Meppen aufgewachsen, las Spöttisches aus seiner Emsland-Biografie „Jugendroman“ und dann sprach Theo Mönch-Tegeder, „der Verlagsleiter des Osnabrücker Kirchenboten“ (Zitat Leinweber) und auch mal bei der Emszeitung, wie er verriet. Erst hielt Mönch-Tegeder eine Eloge über die fotografische „Liebeserklärung“ Kromschröders an das Emsland, wurde dann zunehmend kritischer und sprach schließlich den Satz, wonach das Emsland vor 60 Jahren aus einem seit Jahrhunderten währenden Dornröschenschlaf erwacht sei. Und genau diese Aussage beschäftigt mich seither mehr als der Rest der zweigespaltenen Rede. Das Dornröschen-Zitat ist nämlich bestens bekannt. Der Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning soll es 1936 anlässlich eines Besuchs der NS-Emslandlager gesprochen haben. Es sei ihm, sagt die offizielle Geschichtsschreibung, „in den Mund gelegt“ worden:

„Lange lag das Emsland im Dornröschenschlaf, bis der Prinz kam und es weckte; dieser Prinz ist unser Führer Adolf Hitler.“ 

Mönch-Tegeder lege ich nichts in den Mund, weil er vom Dornröschen ja gesprochen hat und Berning-Kenner ist, also genau weiß, wie die emsländische Dornröschen-Metapher einzuordnen ist. Eigentlich bleibt ihm nur, dass er das Dornröschen-Zitat genauso ironisch gemeint hat wie seine -sorry:- geradezu geile These, dass Schützenvereine im Emsland in Wahrheit eine Art regionale „Make love not war“-Hippiebewegung seien, schließlich seien Blumen in den Läufen getragener Holzgewehre, was man auf den Kromschröderschen Aufnahmen auch erkennen könne. Mit Dornröschen und den Schützenhippievereinen hätte Mönch-Tegeder das fotografische Augenzwinkern Kromschröders getoppt! Oder?

Tja, ich weiß nicht, ob ich richtig liege, aber meine Leserschar sollte sich allemal die feine Sonderausstellung im Emsland Moormuseum ansehen. Kromschröder lohnt und das Moormuseum selbst  sowieso (Öffnungszeiten Moormuseum täglich außer Mo von 10 – 18 Uhr bis 31.10., Sonderausstellung Gerhard Kromschröder leider nur bis 19. August).

SchülerBaföG

2. Juli 2012

Das 1971 zunächst nur für Studenten entwickelte Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) unterstützt längst auch junge Schüler,um  unabhängig von sozialen und wirtschaftlichen Hintergründen ihren Bildungsweg zu finanziere. Diese Förderung der Chancengleichheit  ist eine bewährte staatliche Sozialleistung.

Schüler sind aber auch in den Sommerferien auf Geld zum Leben und damit ihr BAföG angewiesen. Oftmals stellt aber die BaföG-Behörde die Zahlungen in den Ferien ein, weil bspw. zum Ende des Schuljahres keine Schulbescheinigung vorgelegt wurde. Das ist ein Problem für viele Schüler, weil in den Ferien die Schulen nicht besetzt sind und daher keine Bescheinigungen ausgestellt werden können.

Deshalb sind in der Vergangenheit viele Schüler in finanzielle Notlagen geraten. Beziehen nämlich auch die Eltern Sozialleistungen oder befinden sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen, können sie nicht auf die Hilfe ihrer Eltern zurückgreifen.

Der Verein Soziales Bündnis Jüchen (NRW) hat daher unlängst eine Eingabe an den Petitionsausschuss des Nordrhein-Westfälischen Landtages gerichtet und konnte damit ein positives Ergebnis erreichen, zumindest in Nordrhein-Westfalen. Wie es in Niedersachsen ist, weiß ich nicht.

Auch wenn keine Schulbescheinigung vorliegt, aber versichert wird, dass die Ausbildung auch nach den Ferien fortgesetzt wird, werden die BaföG-Leistungen unter Vorbehalt weiter gezahlt. Wird aber die schulische Berufsausbildung nach den Sommerferien nicht fortgesetzt, müssen die Leistungen an die Behörde zurückgezahlt werden.

Wichtig: Ein Antrag auf Weiterbewilligung der BaföG-Leistungen muss zwei Kalendermonate vor Ablauf des Bewilligungszeitraums gestellt werden. Auch die erforderlichen Nachweise müssen dem Antrag beigefügt sein. Mein Tipp: Auch wenn die Zeiten nicht (mehr) eingehalten werden, trotzdem einen Antrag stellen. Oder Leistungen nach dem  SGB II beantragen.

Und auf keinen Fall vom Sachbearbeiter einfach so wieder wegschicken lassen. Statt dessen Antrag stellen! Auch wenn es heißt, das habe man noch nie so gemacht, da könne jede/r kommen und wo man denn da hinkomme. Es reicht ein Blatt Papier und der unterschriebene Satz: „Ich beantrage, mir BAföG für die Sommerferien zu zahlen, weil ich meine Schulausbildung nach den Ferien fortsetze.“ Den gibt man dann höflich ab, wenn der Sachbearbeiter sich nicht kooperativ zeigt. Allerdings kann es dauern, bis man seinen Anspruch durchsetzt.