Nacharbeit

16. Juni 2012

In diesem kleinen Blog habe ich nicht nur einmal darüber geschrieben, dass es in Lingen ein Krematorium (Foto re.) geben muss. Dringend brauchen es die Menschen an Ems und Vechte, die über ihre Verstorbenen trauern und eine würdige Feuerbestattung suchen.

Doch im vergangenen Jahr gab es ein eiliges Zurück in Nordhorn und 2010 in Lingen eine denkwürdige Ortsratssitzung im Stadtteil Darme, bei der der damalige Oberbürgermeister Heiner Pott wohlweislich seinem Vertreter Ralf Büring den Vortritt ließ; der durfte erleben, wie Ortsbürgermeister Werner Hartke darauf verzichtete, dem peinlichen Stammtischgerede einiger Darmer in hoch emotionaler Atmosphäre entgegenzutreten. Es war ein denkwürdiger Abend, von dem mir jemand sagte, er sei „kulturlos gewesen“ und  bei dem der südlich des heutigen Darmer Friedhofs gelegene Standort für ein Krematorium -ich muss wohl sagen-  beerdigt wurde- obwohl er unstrittig am besten geeignet ist.

Dem von der Lingener Stadtverwaltung offenbar favorisierten Ausweg, in einem „Gewerbegebiet“ ein Krematorium errichten zu lassen, hat jetzt das Bundesverwaltungsgericht einen Riegel vorgeschoben. Mit klaren und richtigen Worten. Auf der Internetseite der FSW-Kollegen lese ich dazu:

Krematorium im Gewerbegebiet unzulässig
Ein Nachbar wandte sich mit seiner Klage gegen eine dem beigeladenen Unternehmer erteilte Baugenehmigung zur Errichtung eines Krematoriums mit Abschiedsraum in einem Gewerbegebiet. Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte das Krematorium als eine in einem Gewerbegebiet ausnahmsweise zulässige Anlage für kulturelle Zwecke im Sinne des § 8 Abs. 3 Nr. 2 der Baunutzungsverordnung eingeordnet. Der Umstand, dass ein Krematorium aus Gründen der Pietät in ein kontemplatives Umfeld einzubetten sei, widerspreche nicht der allgemeinen Zweckbestimmung eines Gewerbegebietes.
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Baugenehmigung aufgehoben und zur Begründung ausgeführt, dass – ungeachtet der Immissionsträchtigkeit der Verbrennungsanlagen – ein Krematorium mit Abschiedsraum ähnlich einem Friedhof einen Ort der Ruhe, des Friedens und des Gedenkens an die Verstorbenen darstelle. Eine solche Anlage vertrage sich – entgegen der Auffassung des Oberverwaltungsgerichtes – nicht mit der Zweckbestimmung eines Gewerbegebietes, das von werktätiger Geschäftigkeit geprägt sei, vgl. BVerwG, Urteil vom 02.02.2012 – 4 C 14.10

Es ist -jenseits allen Stammtischgeredes- also sachliche Nacharbeit notwendig. Wann kommt die Verwaltung unserer Stadt mit einem Standortvorschlag? Dann kann die lokale Politik handeln und entscheiden.

(Foto: Krematorium in Bispebjerg, Kopenhagen (DK), Architekten Friis & Moltke;
©  Bispebjerg Krematorium; Københavns Kommune)

2 Antworten zu “Nacharbeit”

  1. Es wäre doch eine dankbare Aufgabe für die BN, das Thema wieder aufzugreifen. Wie wäre es mit einem Krematorium und einem Friedwald auf den abgeholzten Flächen im Altenlingener Forst?

  2. küster said

    Die Idee von Wiedorn ist gar nicht so verkehrt. Aber auch im Nahbereich handelt es sich wieder um ein Gewerbegebiet, das seitens der BP auch noch ausgeweitet werden soll. Ich sehe nicht wie man in diesem Zusammenhang dem Urteil gerecht werden kann.

    Der richtige Weg wäre damals die Ansiedlung in Darme gewesen. Dafür einzutreten war aber auf der öffentlichen Ortsratssitzung im Reinel Hof aber fast lebensbedrohlich. Ging es doch um Tomaten aus dem eigenen Garten, die plötzlich die Umwelt verseuchen. Als ginge es um Staub aus bestimmten Hochöfen.

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieses Schauspiel in Darme war unwürdig und es trägt einen Namen: Werner Hartke! Es war geleitet von Kirchturmdenken und bar jeder wissenschaftlichen Vernunft. Es war unwürdig für die Verstorbenen und das tut mir heute noch weh, dass mir Menschen ein Eigentor vorwarfen, als ich den Standort Darme und die Nähe zum Darmer Friedhof ausdrücklich gewünscht habe. Meinen Vater oder meine Mutter wollte ich jedenfalls menschenwürdig nicht nur eingeäschert -wenn sie es denn wollen- sondern auch menschenwürdig bestattet wissen. Das wäre in Darme möglich gewesen. Aber es waren ja noch die Tomaten!

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