Aktuell

20. Mai 2012

Zusätzliche Abstellgleise für Eisenbahn-Kesselwagen benötigt die BP-Erdölraffinerie in Lingen, „um das Rohöl besser verarbeiten zu können“. Das sagte Peter Brömse (BP) im Interview mit der Lingener Tagespost. Auf dem Raffineriegelände, so der Diplom-Ingenieur, gebe es allerdings „keine Möglichkeiten zur Erweiterung der Gleiskapazitäten“. Steht ein neuerlicher Eingriff in den Rand des Altenlingener Forstes bevor?  Entschieden sei noch nichts, sagt Brömse und ergänzt: „Wie die Lösung aussehen wird, kann ich heute noch nicht sagen.“ Die BP sei „aber für alle Lösungen offen“, so Brömse, Vorsitzender der lokalen Geschäftsführung der Raffinerie.

Abstellgleise, um besser verarbeiten zu können? Das bedarf besonderer Erläuterung, finde ich. Nach einer Skizze in der LT (oben) soll die neue Gleisanlage den Forst im Bereich der Bahn in Anspruch nehmen. Ich erfahre, dass zwei Hektar Wald gefällt werden sollen. Das sind rd 300m mal 65m; Kollege Joachim Reul korrigiert gerade:“600 mal 35 Meter!“ was auch stimmt. Die LT-Skizze schönt also, tatsächlich ist der Eingriff merklich größer und berührt richtig schönen Mischwald, nicht etwa nur ein paar altersschwache Kiefern.

Heute veranstaltet beispielsweise die BI pro Altenlingener Forst einen Rundgang durch das bedrohte Waldgelände (Treffpunkt 16 Uhr, Hohenpfortenweg/Waldstraße; festes Schuhwerk!). Denn auch der Kahlschlag im nördlichen Altenlingener Forst  ist wohl weiterhin aktuell:  In Gesprächen erzählt man mir, dass der Wald südlich des Tanklagers zwischen heutiger Raffineriegrenze und geplanter Nordtangente fallen soll. Dorthin wolle die Raffinerie ihre Werkstätten verlegen – „schon bald“ formuliert mein Gesprächspartner.

Bei den BürgerNahen (BN) hat angesichts dessen die Diskussion über den BP-Vorstoß begonnen. Der BN-Blog weiß:

Wenn das Lingener „Ölwerk“ mehr Fläche für Bahnanschlüsse braucht, stehen die BürgerNahen dem grundsätzlich nicht im Wege: „Wir haben uns selber bei einer Betriebsbesichtigung davon überzeugen können, dass diese Raffinerie zu einer der effizientesten Anlagen Europas gehört,“ sagt Marc Riße.

Die BürgerNahen vertraten stets, dass im Altenlingener Forst „kein weiterer Baum mehr fallen darf“. Kompromissvorschläge haben sie bisher konsequent abgelehnt. Jetzt kommt nach Ansicht der Wählervereinigung endlich Bewegung ins Spiel. Riße betont: „Wenn die Gleisanlagen betrieblich nötig sind, tragen wir das gerne mit: Dann müssen die Bebauungspläne 19 und 20 sowieso geändert werden und die Nordtrasse ist damit endlich vom Tisch.“

„Wir brauchen aber exakte Informationen, Material von der BP, nicht von der Verwaltung“, sagt Robert Koop dazu. Er sieht das Vorhaben kritischer als Riße und fragt, weshalb nicht bei der Betriebsbesichtigung des Umweltausschusses kürzlich über diese Planungen gesprochen wurde. „Das schafft kein Vertrauen.“

Joachim Reul, Mitglied der BürgerNahen im Ortsrat Altenlingen (Foto re.), fragt, warum die Gleise nicht weiter nördlich angelegt werden können, dort seien nur Wiesen und Felder. Die ideale Lösung sieht nach Meinung der BürgerNahen so aus, dass die BP die Gleise erhält und die Altenlingener den Wald behalten. „Unterm Strich muss also kein Wald den Weichen weichen,“ meint Riße. „Das nenne ich einen tragfähigen Kompromiss für alle Beteiligten.“

Wie sich die BürgerNahen im Falle einer Abstimmung über das Vorhaben verhalten werden, liegt also ganz an den detaillierten Informationen und den Zugeständnissen der anderen Seiten. Bislang gäbe es nach Meinung der BürgerNahen nur Forderungen.

Weiter geht’s mit dem Thema bei der BN morgen Abend um 20 Uhr im Bürgerhaus Heukampstannen.

(Fotos: © Luftaufnahme © Lingener Tagespost; Portrait: © BN Lingen)

5 Antworten to “Aktuell”

  1. BMG said

    Die Aussagen von Herrn Brömse in der LT waren durchzogen von Allgemeinplätzen und absolut nichtssagend. Seltsam auch das Vorpreschen in der Presse, bevor der Stadtrat informiert wird.
    Aber in der Tat: Hier bieten sich auch Chancen.
    Der B.-Plan 19 muss in diesem Zusammenhang einkassiert werden oder aber die Trassenführung ist direkt an die Tanklager zu verschieben, so dass eine Trassenführung mitten durch den Forst vermieden wird. Ist ja auch kein Problem, wenn die Verwaltungsgebäude auf den abgeholzten Flächen entstehen sollen.
    Nicht nachvollziehbar ist für mich die bisherige Kungelei. War immer davon ausgegangen, dass die Flächen für die Trasse der Stadt gehören, dem ist wohl nicht so.

  2. BN Joachim Reul said

    Warum muss in Lingen eigentlich immer als Erstes Wald zur Disposition stehen, wenn irgendwer Industrie- bzw. Gewerbeflächen benötigt? Weil das für die Verwaltung so schön einfach ist? Immerhin hat die Stadt ja den Altenlingener Forst offenbar von Anfang an mit dem Hintergedanken gekauft, dort großzügig abzuholzen und Industrie anzusiedeln.

    Immer gab es angeblich handfeste Gründe für das frevlerische Handeln. So wurde im Altenlingener Forst gerodet mit der anfänglichen Begründung, es müsse dringend Erweiterungsfläche für das Logistikzentrum geschaffen werden. Da war es noch Gewerbegebiet. Und still ruhte die Brache. Was die Verwaltung den Bürgern als Begründung lieferte, entsprach nicht so ganz der Wahrheit, aber der Wald war platt.

    Und dann kam die Kommunalwahl. Die Verwaltung nebst Mehrheitsfraktion kam in Erklärungsnot. Die gerodeten Flächen waren immer noch unverkäuflich. Da kam dann plötzlich ein angeblich schon lange geplantes und auch dringend benötigtes Güterverkehrszentrum als Begründung für die Rodung von der Verwaltung und natürlich auch wieder gleichlautend von der Mehrheitsfraktion im Rat. Und schon war es plötzlich Industriegebiet. Inzwischen ist schon wieder sehr viel Wasser die Ems runtergeflossen und immer noch will zum Glück niemand im Altenlingener Forst bauen, obwohl die Stadt die Flächen wie Sauerbier anbietet. Und auch dieses Mal entsprach die behauptete Notwendigkeit eines GVZ nicht der Wahrheit.

    Jetzt will die Raffinerie ein oder mehrere Gleise bauen, auf denen sie Vollzüge zusammenstellen kann. Und schon ist ohne jedes Zögern klar, dass die Stadt hierfür wieder einen Teil des wenigen Waldes, den Lingen überhaupt noch hat, zum Kahlschlag freigibt.
    Zur Erinnerung: Laut gültigem Bebauungsplan 20 ist der gesamte Wald bis zur Straße Im Brooke bereits zur Rodung freigegeben. Formal also kein Problem, für die Gleise weiteren Wald zu roden.

    Warum aber kann die Raffinerie ihre langen Gleise nicht Richtung Norden verlegen? Gut, dafür müsste die Bahnunterführung unter der B70 verbreitert werden und es müssten von den Eigentümern die an die Bahn angrenzenden Wiesen und Felder/ Grundstücke gekauft werden.

    Das Ganze wird so für die Raffinerie sicherlich teurer, da die Bauern ihre Wiesen bestimmt nicht so verschleudern werden, wie die Stadt Lingen ihre Waldflächen. Ja, und eine teure Unterquerung der B70 käme noch dazu.

    Doch warum soll die Stadt Lingen mit dem Verkauf von Waldflächen zu Niedrigstpreisen ausgerechnet ein Unternehmen BP subventionieren, das im vergangenen Jahr 25 Milliarden Dollar verdient hat, aber dafür sorgt, dass ihre Raffinerien in Deutschland keine Gewinne abwerfen, da man lieber anderswo seine Steuern zahlt?

    Warum soll die Raffinerie ganz still und leise durch die Hintertüre immer näher an die Wohnbebauung heranrücken, der Schutzwald Meter für Meter geopfert werden? Warum soll schon wieder ein Stück Wald aufgegeben werden, wenn es doch auch ohne Rodung geht?

    Der lokale Raffineriechef betont zwar, dass seine Raffinerie zwischen Kanal und Bahntrasse eingezwängt liege, doch wie man hört, scheint ihn zumindest der Kanal als Grenze nicht daran zu hindern, jenseits auf Seiten der Meppener Straße systematisch alle Grundstücke aufzukaufen. Wenn der Kanal nicht weiter stört, dürfte wohl eine Bahntrasse ebenfalls nicht stören. Und hinter der Bahn gibt es keinen Wald. Nur Wiesen und Felder.

    Doch wenn man eine willfährige Verwaltung hat, die durch eine ebenso willfährige Mehrheit im Rat gestützt wird, warum sollte man dann als Unternehmenschef nicht den bequemen und billigen Weg gehen, bevor man den mit Sicherheit teureren und mühsameren Weg geht und mit den anliegenden Bauern verhandelt?

    Und wenn man schon mal wieder neue Ideen für die Verwendung des Waldes als Dispositionsflächen hat, dann kann man doch auch gleich Verwaltung, Feuerwehr und Werkstätten auf die bereits gerodeten Flächen setzen. Warum aber nicht dorthin, wo man bereits Grundstücke hat?

    Hier kann und darf es keine Kompromisse geben. Der Wald muss Wald bleiben, was gerodet wurde gehört wieder aufgeforstet. Wenn die Raffinerie Baupläne hegt, so kann sie diese in westlich oder östlich angrenzenden Gebieten umsetzen ohne weiteren Schutzwald zu vernichten.

    Nicht zu vergessen die immer wieder auftauchende Mär vom notwendigen 200-Meter Sicherheitsabstand zwischen Raffinerie und geplanter Nordtangente im Bebauungsplan 19. Hier sollte ja angeblich auch das neue Verwaltungsgebäude entstehen. Ich frage mich langsam, ob außer einigen Leuten in der Verwaltung, die das Gebäude schon in ihren veröffentlichten Plänen eingezeichnet hatten, auch irgendjemand von der Raffinerie von diesen Plänen wusste?

    Auch mit diesem ominösen Bebauungsplan 19 muss endlich aufgeräumt werden. Schon Heiner Pott, immerhin gelernter Jurist, hat zur Begründung der Trassenführung der Nordtangente mitten durch den Forst die Behauptung aufgestellt, es sei eine gesetzliche Notwendigkeit, die Trasse mindestens 200 Meter von dem Tanklager fern zu halten. Ich habe von Anfang an klargestellt, dass es eine derartige Vorschrift nicht gibt. Immerhin taucht diese „Gesetzeslage“ jetzt aktuell wieder in der Berichterstattung der LT auf. (Übrigens hierzu kein Widerspruch seitens der Raffinerieleitung)

    Diese angebliche Vorschrift ist eine der vielen fantasievollen, frei erfundenen Begründungen von Verwaltung für die Notwenigkeit ansonsten nicht vermittelbarer, völlig abstruser Planungen. Ich habe als Ortsrat in Altenlingen die offizielle Anfrage an die Verwaltung gestellt, den Nachweis für diese immer wieder behauptete Gesetzeslage zu führen. Die Verwaltung hat nach “intensiver Prüfung“ anläßlich einer Ortsratssitzung in Altenlingen inzwischen offiziell bestätigt, dass es eine derartige Vorschrift tatsächlich NICHT gibt.

    DEMENTSPRECHEND MUSS DER BEBAUUNGSPLAN NR. 19 UNVERZÜGLICH AUFGEHOBEN WERDEN, DA DIESER DURCH DEN RAT DER STADT LINGEN UNTER DEM EINDRUCK EINER VON DER VERWALTUNG VÖLLIG FALSCH DARGESTELLTEN RECHTSLAGE ZUSTANDE GEKOMMEN IST!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.