schlimm

16. Mai 2012

Sie können es nicht!  Gerade lese ich in der gedruckten Ausgabe der LT (online kommt wohl später), dass entgegen aller (!) Vorankündigungen doch „neue Dachpfannen“ auf die Alte Posthalterei gepackt werden sollen. Die alten seien marode. Abgesehen davon, dass die Renovierung bereits seit gestern fertig sein sollte, wie vor vier Wochen vollmundig versprochen („Wenn nichts dazwischenkommt, sollen die Arbeiten bis Mitte Mai abgeschlossen sein.“):
Auf dieses alte Haus, dieses Baudenkmal gehören keine neue Dachpfannen. Disneyland ist anderswo. In ganz Deutschland geht man mit mehr Sorgfalt und Baugeschichtsbewusstsein an die Renovierung von Baudenkmalen, allemal in Regionen, die Baukultur und Baugeschichte zu schätzen wissen. Dafür gibt es dann, wenn traditionelle Baustoffe fehlen, spezialisierte Betriebe, Börsen und andere Gelegenheiten. Man muss es allerdings wollen und können. Das fehlt aber bei uns: Was für ein Satz, wenn der Rathausverantwortliche laut Tagespost sagt: „Wir haben bereits bei der sogenannten Pfannenbörse eine Anfrage gestellt und leider…“ Er sagt tatsächlich“eine“ Anfrage und  „bereits„! Die Renovierung eines Baudenkmals muss immer besonders sorgfältig geplant werden. Das hat unsere Bauverwaltung versäumt. Zeit genug war da. Es standen Jahre Planungszeit zur Verfügung. Es war seit langem klar, dass das Baudenkmal saniert werden muss.

Die Absolution, die der Oldenburger Denkmalpfleger Hermann Schiefer laut LT erteilt, hilft nicht weiter. Natürlich muss „das Haus denkmalpflegerisch gut in Schuss sein“, wie er sagt. Schließlich ist es Lingens Aushängeschild und gehört der Stadt.

Warum übrigens ist die Pfannenfrage in keinem Ratsgremium mitgeteilt oder besprochen worden?  Noch letzte Woche turnte der Verwaltungsausschuss zwar von oben bis nach unten durch das Uffz-Heim in Reuschberge, erfuhr aber zu den Änderungen am zweitwichtigsten Baudenkmal im Stadtzentrum nichts. Da wäre u.a. gefragt worden, weshalb die Dachpfannen nebenan beim Ratskeller zur Weiterverwendung tauglich waren, hier aber nicht. Beide Häuser wurden vor 85 Jahren zeitgleich neu eingedeckt. Dass die Wiederverwendung bei den Hoffschroer-Brüdern ging, die den Ratskeller sanierten, und zu recht beklatscht wurde, bei der Alten Posthalterei der Stadt aber nicht, finde ich rätselhaft. Wollten die Verantwortlichen vielleicht gar nicht? Ist es zu teuer oder zu viel Arbeit? Und dann, um es ein bisschen zu verschleiern, steigt man auf ein Gerüst, lässt sich nett „für die Zeitung“ ablichten und meint, das wäre es. Bisschen runterschreiben noch, es wären Industriepfannen und die wären marode. Industriepfannen? 1927? Eher doch wohl jetzt und heute!

Dass auf die nun beiläufig mitgeteilte Weise ein Baudenkmal mal eben kurz kaputt modernisiert wird, weil es seine Identität und Ausstrahlung ein großes Stück weit verliert, ist offenbar egal. Schlimm!

(Foto: Alte Posthalterei © dendroaspis2008 flickr)

18 Antworten to “schlimm”

  1. Daniel Benscheidt said

    Ich verstehe die leidige Diskussion um die Dachpfannen nicht!
    Wenn man sich ernsthaft mit dem Thema Denkmalschutz befassen würde, sollte einem ziemlich schnell klar werden, das eine Eindeckung, die 85 Jahre alt ist, nicht unbedingt erhaltenswürdig ist. 
    Unter dem Aspekt des Denkmalschutzes wird bei Betrachtung beider Gebäude sofort klar, dass die Eindeckung unstimmig ist. Sinnvoller währe es gewesen, und wird bei der Posthalterei hoffentlich gemacht, die Pfannen gegen regionaltypische Hohlpfannen zu tauschen. Es gibt genug Werke, die diese noch herstellen und somit einen originalen Gesamteindruck vermitteln. 

    Auch sollte unter diesem Aspekt bedacht werden, das die „Restaurierung“ des Ratskellers alles andere als gelungen ist. An dem Gebäude wurden alle Punkte, die eine denkmalgerechte Restaurierung hätten bedeuten können, missachtet. Alleine wenn man an die neuen „Klinker“ denkt oder dem Wechsel zwischen Putz und Klinker. Das hat es so damals nie gegeben!

    Wenn schon Denkmalschutz dann auch richtig. Alle in Lingen können froh sein, dass die Landesbehörden nicht zuständig sind im innerstädtischen Bereich sonst wär keine der o.g. Maßnahmen genehmigt worden. Dann hätte es einen Rückbau zum Original gegeben, natürlich mit neuen Hohlpfannen! Denn das sieht nicht nur besser aus als Hohlpfalzziegel, sondern entspricht dem Originalbild eher und würden durch die raue Beschaffenheit schnell vergrünen.

    • Job said

      @ R. Koop
      die Frage wurde schon einmal in diesem Blog gestellt. Herr Koop haben Sie langeweile?

    • ulrike said

      Stimme dem Beitrag von D. Benscheidt voll zu.
      Die klassische Hohlpfanne als regionaltypische , jahrhundertalte und klassische Eindeckung ist ideal.
      Gibt es auch als handabgestrichen zu immerhin erheblichem Stückpreis.Aber das alte Haus wäre das wert.

  2. eine Studierende said

    Ich lese diesen Artikel aus der Ferne und frage mich nun, ob die Lingener Kommunalpolitik nichts besseres zu tun hat als über die Dachpfannen der Posthalterei zu streiten. Gibt es nichts wichtigeres zu tun? Da scheint Lingen ja fast beneidenswert!

    • Bernd Koop said

      Genau, denk‘ doch mal endlich jemand an die Kinder!!1! m(

    • Michael Sänger said

      Verehrte Studierende, Sie stellen die Frage, ob die Lingener Kommunalpolitik nichts Besseres zu tun hat, als über die Dachpfannen der Alten Posthalterei zu streiten. Was ist denn ihrer Meinung nach etwas „Besseres“? Ja, dann beneiden Sie uns doch, das wir uns noch den Luxus leisten, über die richtige Dacheindeckung eines historischen Gebäudes zu streiten. Dass darüber gestritten wird, zeigt doch, dass es noch Menschen gibt, die eine Sache – die Renovierung eines historischen Gebäudes – bis in das Detail hinein ernst nehmen. Ich weiß nicht, was Sie studieren, aber Sie sollten sich mal mit dem Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche beschäftigen, dann wird Ihnen vielleicht klar, das Denkmalschutz und Rekonstruktionen alter oder historischer Gebäude keine „Larifari-Sache“ ist, sondern eine Sache des Respektes vor den Baumeistern früherer Zeit bedeutet! Dass man dann im Falle der Alten Posthalterei unter Umständen zu „unhistorischen“ Lösungen kommt, ist eine andere Sache. Aber dass wir auch so eine Sache ernsthaft zu diskutieren versuchen, sollten wir uns in unserer Demokratie nicht nehmen lassen! Ich freue mich auf ihren konstruktiven Vorschlag, was wir Besseres zu tun hätten!

      • kathi tönns said

        Hallo, die viele Beiträge lassen mich antworten: Ich möchte dazu meine aktuelle Situation kurz erläutern ich studiere Erziehungswissenschaften und sitze gerade in der Bibliothek und schreibe meine Diplomarbeit es geht, soweit ich das schon formulieren kann, um die Existenz bzw. die Aufrechterhaltung eines klassischen sozialethischen Selbstverständnis der Sozialen Arbeit am Beispiel von ProfessorInnen in Deutschland, vielleicht auch eher um die Frage ob Hochschullehrende gegenüber Studierenden ein politisches Mandat haben, folglich lese ich gerade sehr wissenschaftliche Literatur zum Thema Sozialstaat und Sozialpolitik.
        Ja, ich wollte ein bisschen provozieren … und … ja ich bin heute zu der Erkenntnis gekommen, dass ich beim Lesen von Bourdieu, Marx, Heimann,… die Realität nicht aus den Augen verlieren darf! Denn gerade in meinem Beruf ist die Kommunalpolitik eine wichtiger Ansatzpunkt, besonders wenn man den Theorien von Hans Uwe Otto folgt und die Strategien der stellvertretenden Einmischung als bedeutende Methode sozialpädagogischer Einflussnahme außerhalb vom Einzelfall betrachtet.
        Folglich weiß ich natürlich wie mühselig manchmal die Kommunalpolitik sein kann und wie weit sich dann auch poltische Ideale entfernen können.
        Zugegeben bin ich wütend über meine (außer)schulische/politische Sozialisation in Lingen… z.B. eine nicht vorhandene kritische Auseinadersetzung mit dem Thema Atomkraft, aber das wäre auch schon ein bisschen viel verlangt, nicht wahr?! Aber das ist ein anderes Thema oder ein Vorschlag für die nächste Sitzung.
        Ich verfolge diesen Blog nicht aus Desinteresse der Lingener Politik gegenüber, nein er biete mir eine gute Möglichkeit auf dem aktuellen Stand zu bleiben…
        Manchmal wirkt es jedoch so, als wenn Themen zerissen werden.
        Zum Thema Denkmalschutz in Lingen habe ich ehrlich gesagt noch keine richtige Meinung, aber da arbeite ich dran.

        Vielen Dank Herr Koop für den freien Tag, ich habe ihn leider NICHT!

        • Huch, derlei hatte ich schon befürchtet, Kathi. Weil Studierende haben eigentlich nie… schon gar nicht mit Bourdieu, Marx, Heimann. Nun denn, wir trinken nach Diplomarbeitsabschluss einen roten Wein zusammen bei Heidi. OK? Bis dahin, viel Erfolg bei der Diplomarbeit.

          • kathi tönns said

            Danke =) so machen wir es! Dann bin ich gespannt auf die Ausführung der drei Punkte.

  3. Ich streite nicht erst seit heute für konsequenten Denkmalschutz und ich streite -ebenfalls nicht erst seit heute- für ehrliche, richtige, frühe und vollständige Information der Ratsgremien durch die Verwaltung dieser Stadt.

    Ja, heute gibt es in dieser Stadt für mich nichts Wichtigeres als diese beiden Punkte. Das war möglicherweise gestern und wird morgen anders. Mit lächelnder, achselzuckender Gleichgültigkeit über Denkmalschutz und demokratische Offenheit hinweggehen, will ich nicht. Denn die Folgen für die lokale Architekturgeschichte und für die Stadtkultur einerseits und die demokratische Kultur andererseits sind zu schwerwiegend. Darüber Hinweggehen mögen andere , denen weder die Architekturgeschichte noch demokratische Grundsätze wichtig sind.

    Über _beide_ Punkte dürfen Job, Frank O. und „eine Studierende“ deshalb gern noch einmal nachdenken. Dafür gebe ich ihnen morgen frei – ganztags..

    • Frank O. said

      Auch Frank O. hat keinen freien Tag. Er hat bis gerade geschlafen, da er Nachtschicht hatte und zu dieser später auch wieder hin darf.

      Ist Herr Koop denn mal selber aufs Gerüst gestiegen und hat sich die Pfannen angeschaut oder ist es nur wieder einer dieser „Ich geh gerade durch die Stadt, da fällt mir was auf und das erzürnt mich so das ich es ganz schnell in meinen Blog posten muß“ Beiträge?

      Ich wohne in einem Haus aus dem Baujahr 1932 und rundherum steht gerade ein Gerüst, weil wir neue Dachpfannen bekommen haben. Ob die alten Pfannen nun industriell hergestellt wurden oder von Hand gebrannt, kann ich nicht sagen aber es wurde höchste Zeit und sie mussten weg. Keiner konnte ja ahnen das sie in Lingen vielleicht noch gebraucht wrden. Man hat da einfach mal auf die fachlichen Kenntnisse der Handwerker vertraut.

      Sicherlich setzt der liebe Herr Koop sich sehr für den Denkmalschutz ein aber auch er lag einige Male völlig daneben.
      Und solange Frank O. die „NEUEN“ und die „ALTEN“ Pfannen nicht gesehen hat, hat er gar kein Lust zum nachdenken.
      Ich bitte daher um die Zusendung einiger Muster, Adresse ist ihnen bekannt.

      Schönen Feiertag noch.

  4. Brigitte Brüggmann said

    Man kann über Robert Koop ja denken was man will. Eines ist aber klar, er ist derjenige, der sich über Jahrzehnte mit dem Denkmalschutz hier in Lingen befasst hat, siehe Marienstr. mit dem ehemaligen Hotel zur Post und dem angrenzenden Gebäude Nr. 14. Er hat nicht nur kritisiert, er hat auch gute Vorschläge gemacht, die mit dem Denkmalschutz im Einklang waren. Wer hat sich für den Erhalt der ehemaligen jüdischen Schule eingesetzt?

    Nicht nur beim Denkmalschutz auch bei der Stadtplanung hat er viele Fehler vorausgesehen. Wer hat gesagt, die Kreissparkasse gehört nicht auf den Marktplatz, genauso wie die anderen Banken, sondern auf den Marktplatz gehört Gastronomie, damit nicht abends dort tote Hose ist sondern der Marktplatz bevölkert ist. Wer hat gesagt, die Burgstraße darf nicht durch Banken oder Behörden unterbrochen werden. Heute ist genau das eingetroffen, was er gesagt hat: der untere Teil der Burgstr. ist von Kundenverkehr abgeschnitten. Was war mit dem Getreidesilo am Hafen: einfach abgerissen.

    Jetzt gibt es Vorschläge für das dort entstehende neue Wohngebiet, das die Form des Silos wieder auferstehen lassen soll. Ich könnte noch mehr Dinge aufzählen.

    Traurig finde ich es, wenn es junge Leute gibt, die so gleichgültigmit den Baudenkmälern umgehen. Wie lautet doch ein Spruch: Was Du ererbt von Deinen Vätern ……..usw.

  5. Michael Sänger said

    „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen!“ FAUST I

  6. […] meinem Beitrag über das angekündigte Scheitern der Renovierung der Alten Posthalterei am Markt, schrieb gestern “eine Studierende“, ob man in Lingen nichts Besseres zu tun habe, als über historische Dachpfannen zu […]

  7. kib said

    Nee, nee Frank, Nachtschicht hin oder her… Ich glaube mir vorstellen zu können, was Dein mangelndes Interesse hervorruft: Sicherlich haben Dir einige Vergleiche nicht behagt. Zum einen der von M. Sänger mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche und der vom Blogbetreiber (Disneyland) . Erst genannter war/ist ein mE überaus wichtiges historisches Symbol und ist im bestehenden Kontext „zu dicke“ aufgetragen, letztgenannter lässt die Vermutung zu, die Posthalterei in Lingen wird künftig von rosaroten Plastikziegeln bedeckt.
    Aber zum Thema hinkenden Vergleichen muss ich auch anfügen, dass es ggf. interessant wäre, zu wissen, ob Dein Wohnhaus in Osnabück auch DIE eine historische Innenstadt-Achse betrifft.
    Und als Nachtrag: In einem Neubau wohnend habe ich im letzten Jahr ausreichend Austausch mit Handwerkern gehabt („Herr wirf Geduld, am besten sofort“)

    • Frank O. said

      Donnersberg Donnersberg!
      Nein , ich finde nur der ganze Beitrag hier ist mal wieder nur auf Vermutungen und Spekulationen aufgebaut. Wenn du ihn dir noch einmal durchliest wirst du feststellen, das der Beitrag eine Frage nach der anderen in den Raum wirft, es aber keine Fakten und Beweise gibt. Auf sowas springt Frank O. hier nicht mehr an, dazu ist er zu Blog-Müde.
      Wenn ich dann wieder den neuesten Beitrag vom Bahnhof lese, schüttel ich nur den Kopf und raufe mir die Haare.

      „Taxistand in 2 Richtungen^^“ ohje ohje

      Also notorischer Zugfahrer habe ich nun sehr lange überlegt ob ich einen Bahnhof kenne an dem es DAS gibt. Mir fällt einfach keiner ein(auch kein Flughafen) und eigentlich kann ich auch nur drüber lachen. Ich schleppe meinen Koffer also über die Straße, weil ich ja in die andere Richtung muß, und lache den Taxifahrer, der zwar schon eine Stunde länger dort steht als sein Kollege, aus weil er an der falschen Straßenseite steht.
      Warum ist es in Lingen eigentlich nicht möglich mal die Taxifahrer zu fragen was die gerne möchten?
      Warum ist es nicht möglich mal die Bahnreisenden zu fragen wo Kurzzeitparkplätze sinnvoll wären?
      Warum hat man diese beim Umbau des Busbahnhofs nicht berücksichtigt?
      Die Probleme und den Ärger die die Bahnhofsgastätte damit hat sind doch nicht neu. Noch zu Haralds Zeiten (HWF) gabs doch schon ständig Ärger.
      Lingen ist und bleibt eben ein kleines Schilda und dieser Blog manchmal auch.
      Mal abgesehen davon das mir hier, seit einger Zeit, zuviel von anderen Blogs und Seiten kopiert und zitiert wird….
      Ich glaube Frank O. macht mal eine Blog-Pause.

      Adora quod incendisti, incende quod adorasti.

      • Hilde D. said

        Gratias tibi ago. Dubitamus, num hoc verum sit.

        Es wäre eine Freude, falls diese Ankündigung wahr gemacht würde.

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