Nie erschienen

12. Mai 2012

Fleurop lässt grüßen! Gerade empöre ich mich über diese peinlich-arroganten Worte der Pressesprecherin des Kreises Emsland Anja Rohde. In diesen Tagen jährt sich bekanntlich zum 67. Mal die Befreiung der Emslandlager; aber  der Landkreis Emsland hat gar nicht so richtig dran gedacht. Denn da sagt die Dame auf Anfrage der Presse tatsächlich:

Wir werden in der alten Rheder Kirche und am Ossietzky-Denkmal in Esterwegen Kränze niederlegen“, sagt Kreissprecherin Anja Rohde auf die Frage, ob es denn von Seiten des Landkreises eine Gedenkveranstaltung gebe. „Allerdings wird dies kein offizieller und auch kein öffentlicher Akt. Die Kränze sollen ein Zeichen für die Besucher sein.

So ist es eben, wenn man lediglich aus parteipolitischen Gründen glaubt, gedenken zu müssen, und man nicht mit dem Herzen dabei ist.

Heute informiert die taz-nord über dies:

„In diesem Jahr könnte die deutsch-niederländische Initiative 8. Mai ihre Gedenkveranstaltung im Emsland zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum ersten Mal auf der Gedenkstätte Esterwegen ausrichten. Die hat Ende Oktober letzten Jahres zur Erinnerung an die Opfer der 15 Konzentrations- und Strafgefangenenlager im Emsland eröffnet.

Die Initiative, zu der auch ehemalige Gefangene gehören, wird sich am heutigen Samstagnachmittag allerdings nicht dort treffen, sondern, wie in jedem Jahr seit 1985, auf dem Lagerfriedhof Bockhorst bei Esterwegen.

Nikolaus Schütte zur Wick, Fraktionsvorsitzender der Grünen im emsländischen Kreistag, ist sich sogar sicher: „Selbst wenn die Initiative beantragt hätte, ihre Veranstaltung an der Gedenkstätte abzuhalten, wäre das bestimmt nicht genehmigt worden.“

Die Veranstaltung der NS-Opfer wird von den Vertretern des Landkreises gemieden. Nie erschienen ist der ehemalige…“

weiter bei der taz

Mehr im taz-Kommentar von Simone Schnase
und über die Ab- und Hintergründe hier 

und online im Emskopp

————-

DIE EMSLANDLAGER

„1933 wurden die Kozentrationslager Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum fertiggestellt, bis 1937 kamen Aschendorfermoor, Brual-Rhede, Walchum und Oberlangen hinzu, ab 1938 Wesuwe, Versen, Fullen, Groß-Hesepe, Dalum, Wietmarschen, Bathorn und Alexisdorf.

In den Emslandlagern wurden insgesamt 70.000 Menschen inhaftiert, darunter politische Gefangene, Homosexuelle, wehrmachtgerichtlich verurteilte Soldaten und sogenannte Nacht-und-Nebel-Gefangene .

1939 übernahm die Wehrmacht drei Lager und nutzte sie als Kriegsgefangenenlager für weit über 100.000 Soldaten aus der Sowjetunion, Frankreich, Belgien, Polen und Italien. 1944/45 dienten die Lager Dalum und Versen der SS kurzzeitig als Außenlager des KZ Neuengamme.

Insgesamt sind in den Emslandlagern rund 30.000 Menschen ums Leben gekommen.“ (Quelle)

7 Antworten to “Nie erschienen”

  1. waltraud schober said

    Lange Zeit wurde die NS-Vergangenheit, die offene Unterstützung des Nazi-Regimes durch Emsländer und die vielen Konzentrations- und Arbeitslager im Emsland (30.000 Tote) geleugnet und tabuisiert.
    Nachdem Ende 2011 für viele Millionen ein großer Gedächtnispark in Esterwegen eingerichtet wurde, hat die regionale Führungsriege doch nun wirklich genug getan – dann kann doch auch ‚endlich mal Schluss‘ sein?!
    Ein ehrliches Gedenken fehlt nach wie vor, ein Gedenken – auch gemeinsam mit den Niederländern, wie das Bundespräsident Gauck vor wenigen Tagen in Breda in eindrucksvoller Weise gezeigt hat – ist vom Landkreis Emsland seit Jahren nicht gewünscht. – Peinlich!
    P. S. Hatte nicht auch der Friedensnobelpreisträger Willy Brand (SPD) schon einmal an einer Veranstaltung der „eindeutig linksgerichteten Veranstaltung“ der Deutsch-Niederländischen Initiative 8. Mai in Esterwegen teilgenommen?

    • Willy Brandt? Ja, es war wohl 1988 und er hielt in Esterwegen sogar eine Rede, über die ich aber im Internet nichts finden konnte; überhaupt wirkt die öffentliche Darstellung der Gedenkarbeit im Netz inzwischen seltsam geglättet; alles fehlt, was die Emsländer und ihre Auseinandersetzung mit Esterwegen und den Emslandlagern in ein kritisches Licht rücken könnte (guckst Du bspw hier).
      Nach Willy Brandts Teilnahme jedenfalls durften auch Sozialdemokraten an den jährlichen Veranstaltungen der „linken“ deutsch-niederländischen Initiative 8. Mai teilnehmen. Jetzt wird es Zeit, dass Hans-Joachim Gauck kommt..

      • Frank O. said

        Willy Brandt´s Besuch hatte andere Hintergründe. Sein väterlicher Freund Julius Leber (sollte bekannt sein) war eine zeitlang in Esterwegen inhaftiert.

  2. Josef Mudde van Duren said

    Hans-Jochim Gauck war schon einmal im DIZ!!! Er kommt sicherlich gerne auch in die neue Gedenkstätte Esterwegen, da bin ich mir sicher. Die Initiative 8. Mai will übrigens gar nicht in den „Gedächtnispark“ und auch nicht in der Rheder Kirche versegnet werden. Die Leute wollten, ihrer Tradition seit 27 Jahren entsprechend, auf den Lagerfriedhof Bockhorst ihre Gedenkveranstaltung ausrichten. Was erregt eigentlich unsere Aufmerksamkeit? Das Gedenken verblasst dadurch ja nicht. Gedenkstättengelände, Kloster an der Gedenkstätte, Lagerfriedhof, Rheder Kirche, Ossietzky-Denkmal, mit all dem sollten wir lernen, tolerant zu leben. Wir können doch frei entscheiden, wohin wir gehen.
    Josef Mudde van Duren

  3. kib said

    „Die Kränze sollen ein Zeichen für die Besucher sein.“

    Sollten diese tatsächlich abschließende Worte der LK-Sprecherin sein, dann empfinde ich tiefsten Scharm! Ich kann & will das allerdings nicht glauben…

  4. Josef Mudde van Duren said

    Die Versprecherin des Emslandes hat die Bedeutung des Themas offensichtlich nicht im vollen Umfang getroffen. So eine Aussage trifft natürlich auf gnadenlos hellhörige Ohren. Dafür kann sie keinen Beifall erwarten – aber vielleicht Nachsicht. Denn, seien wir ehrlich, an so einem Tag bekommen wir immer wieder eine Medizin verabreicht, die wir gar nicht mögen. Da kann man sich schon mal schnell verschlucken.
    UND: Wer schreibt in diesen Blog: „Ich war bei der Initiative der Ehemaligen einmal dabei?“ Die Liste der „Nie-Erschienen“ ist unendlich lang.
    Noch was: Zum 75. Todestag von Louis Schild hatte ich 2010 im Kloster Esterwegen –die neuen Räume der Gedenkstätte waren ja noch nicht eröffnet- eine Ausstellung. Louis Schild verstarb am 18. November 1935 in Esterwegen nach schweren Misshandlungen und wurde auf dem Lagerfriedhof Bockhorst beerdigt, da, wo sich die Initiative trifft. Die Liste der „Nicht-Erschienen“ ist ellenlang, die, die sich für die Ausstellung und damit für das Schicksal von Louis Schild interessierten, denkbar kurz. So ist das halt. Wer will schon bittere Medizin schlucken. Zu meiner Ausstellung gab es auch einen Katalog, so was wie ein „Beipackzettel“ mit Hinweisen auf Risiken und Nebenwirkungen. Davon habe ich noch einige Exemplare, die jetzt bei mir im Regal verstauben.
    Josef Mudde van Duren

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