Hometeam

12. Mai 2012

Der TuS Lingen 1910 eV -nach dem MTV Lingen der zweitälteste Sportverein unserer  Stadt- ist nur zwei Jahre nach seinem Hundertjährigen in einer wirklich ernsten Krise angekommen, trotz des engagierten Vorstandes um den Vorsitzenden Klaus Salomon und trotz Heinrich Essmann, der im Hintergrund längst wieder dabei ist. Denn gestern ist die zweite Mannschaft des TuS Lingen in der Rückrunde der 2. Kreisklasse nicht angetreten. Und das gibt Anlass zu mehr als Spekulationen:

Die Bezirksliga-Konkurrenz vom SC Spelle-Venhaus hoffte auf einen Aufstieg am grünen Tisch, lese ich: Denn bereits einmal war die TuS Reserve  in der „2. Kreisklasse Süd“ nicht angetreten. Am 15. April fuhr die Elf, die arg dezimiert längst keine Elf mehr ist und absteigen wird, dann auch nicht zum BV  Clusorth/Bramhar und nun trat sie gestern auch bei Fortuna Beesten nicht an. Dreimal nicht angetreten – eigentlich bedeutet dies das Aus für eine Mannschaft; üblicherweise wird ein solches Team aus dem Punkterennen der jeweiligen Klasse genommen. Die entsprechende Kann-Regel will der verantwortliche Staffelleiter Jürgen Siegert aber hier nicht anwenden. Womöglich wegen der Folgen:

Denn dann nämlich wäre der ersten Mannschaft des TuS Lingen, aktuell auf Platz zwei in der Fußball-Bezirksliga 3 Südwest, der Aufstieg in die Landesliga verwehrt. Die Aufstiegsregeln sind klar. Sie lauten:

„Vereine, die eine Herrenmannschaft zur Teilnahme am Pflichtspielbetrieb der Oberliga, Niedersachsen oder Landesliga melden, werden für diese Spielklassen nur zugelassen, wenn sie mit mindestens einer weiteren Herrenmannschaft in einer unteren Leistungsklasse und einer Juniorenmannschaft in einer der Altersklassen von den A- bis C-Junioren (11er-Mannschaft) im gesamten abgelaufenen und neuen Spieljahr am Pflichtspielbetrieb teilgenommen haben und teilnehmen werden. An die Stelle einer weiteren Herrenmannschaft kann eine weitere Juniorenmannschaft (11er-Mannschaft) in den genannten Altersklassen treten.“

Der TuS Lingen erfüllt diese Voraussetzungen nicht mehr, wenn seine zweite Herrenmannschaft aus dem Kreisklassen-Wettbewerb gestrichen wird. Eine weitere als die Herrenmannschaft in der Bezirksliga gäbe es dann nicht mehr. Auch sonst sieht es nicht gut aus: Die A-Jugend belegt in der Landesliga mit nur sieben Punkten den letzten Platz; seine B-Jugend hatte der Verein bereits vor dem Saisonstart zurückgezogen. Ein C-Junioren-Team hat der TuS Lingen nicht. Die aktiven D, E und F-Mannschaften  reichen nicht.

Die Folge: Der SC Spelle/Venhaus wäre schon vor seinem anstehenden Spiel bei Concordia Emsbüren Bezirksligameister. Er hat ohnehin sieben Punkte Vorsprung vor dem TuS und will die Meisterschaft jetzt morgen in Emsbüren sichern, während der TuS Lingen morgen  Borussia Neuenhaus erwartet.

Doch Staffelleiter Jürgen Siegert (Foto re.) will nicht und der Mann aus Varenrode sagt über seine Entscheidung: „Das ist eine Kann-Bestimmung. Das werden wir nicht machen“. Die Spiele laufen also wie angesetzt weiter, selbst  wenn der TuS Lingen II keine Mannschaft mehr stellen kann.

Die Entwicklung beim TuS Lingen ist kein Einzelfall. Darauf weist die Webseite Nordwestsport.com hin, auf der ich meine Informationen gefunden habe. Auch der  TSV Oldenburg in der Bezirksliga Nordost steckt in einer ähnlichen Situation. Der TSV ist Erster, kann aber nicht aufsteigen. Der Verein hat nur eine C-Junioren, aber keine 2. Mannschaft. Damit hat der VfL Brake die besten Aufstiegschancen.  Und daran knüpfen sich dann bei Nordwestsport.com dargestellte weitere Aufstiegsüberlegungen, die aber so kompliziert sind, dass ich sie nicht wiedergeben will. Sie können sie hier nachlesen.

Im kommenden Jahr bilden übrigens der TuS Lingen und der SV Dalum eine A-Jugendspielgemeinschaft; damit hat der TuS wieder ein A-Jugendteam und irgendwie will man auch eine 2. Herrenmannschaft zusammenbringen. Die darf dann in der 3. Kreisklasse antreten. Das ist eine Liga für Hobbykicker mit großer Freude am Fußballsport, doch ohne besonderen Leistungsanspruch. Für ein ambitioniertes erstes Herrenteam ist eine solche Liga schwerlich ausreichend, braucht man die eigene Reserve doch regelmäßig, um beispielsweise verletzt gewesenen Spieler wieder Spielpraxis zu geben.

Aber das Emslandstadion ohne Hometeam ist für mich wirklich schwer vorstellbar und  auch der SV Holthausen-Biene als zurzeit ranghöchster Lingener Fußballverein hat noch keine Lizenz für die kommende Saison. Ob auch dort nicht alles glänzt, was glänzen sollte?  Mein Fazit: Die von der Stadt angestoßenen Gespräche über eine Zusammenarbeit im Fußballleistungssport in Lingen sind wohl wirklich dringlich.

(Quelle: Nordwestsport.com)

6 Antworten to “Hometeam”

  1. Keck, Timo said

    Kann TUS nicht endlich mal abgemeldet werden? Es wäre absolut verdient. Es wird lediglich auf die „Erste“ geschaut, der Rest ist egal. Hätte man vor 5 Jahren nicht vernachlässigt sich auch um die zweiten oder dritten Mannschaften im Jugendbereich zu kümmern, könnte man nun locker eine „Zweite“ stellen. Es ist ein Armutszeignis, wenn in der A-Jugend, Spieler des jüngeren B-Jugend-Jahnrangs spielen müssen.
    Aber die Stadt wird das „Aushängeschild“ von Lingen mit Sicherheit weiterhin unterstützen.

  2. Rolf Heinrich said

    Als ich vor mehr als 25 Jahren nach Lingen zog, bin ich zum TuS ins Emslandstadion gegangen: Als fußballbegeisterter Neu-Lingener war das für mich klar: Der TuS war der am höchsten spielende Verein und allein schon der Name ließ mich vermuten, dass er die erste Adresse der Fans der Stadt ist. Allein die stets schwache Zuschauerresonanz und die mäßige Atmosphäre im Emslandstadion, auch bei Erfolgen, und Kommentare Einheimischer, -wir wohnten damals in Darme-, „Wie, Du gehst zum TuS ???“ ließen bei mir Zweifel hinsichtlich meiner Wahl aufkommen.
    Als wir dann nach ein paar Jährchen nach Altenlingen umzogen und unsere drei Jungs nach und nach die ASV Jugendmannschaften durchliefen, klärte sich das Bild allmählich etwas: Der TuS ließ kaum eine Möglichkeit aus, sich bei den Stadtteilclubs und auch bei vielen Vereinen im Umland unbeliebt zu machen. Die arrogante Art, mit der Talente abgeworben wurden, stieß vielen engagierten Trainern in den kleineren Vereinen vor den Kopf, um es möglichst sachlich zu formulieren …
    der Kardinal(keine Anspielung!)fehler war:
    Es gab kein Nehmen und Geben: Die TuS-Verantwortlichen waren zu keiner Kooperation bereit, durch die z. B. ein Jugendspieler, der noch nicht ganz den Sprung in die Bezirksoberliga oder Landesliga geschafft hatte, eventuell für ein Jahr im Bezirksliga-Team, z. B. des ASV, Spielpraxis als Stammspieler hätte sammeln können. Hier fehlte beim TuS die Weitsicht und der Respekt vor der Jugendarbeit der vermeintlich kleineren Vereine der Stadt. Ich konne das nie so richtig verstehen, habe aber in einem privaten Gespräch mit Reinhard Klus, in diversen Funktionen beim TuS, gemerkt, dass wir vollkommen aneinander vorbeiredeten, als ich von Kooperation (s.o.) oder perspektivisch von einer Jugend-Spielgemeinschaft Lingen-Nord anfing.
    Im Jahr 2012 hat sich vieles geändert:
    Der TuS muss mit dem SV Dalum im Jugendbereich kooperieren (Dalum gehört fußballerisch einem an deren Kreis an). Über das Zustandekommen dieser Kooperation kann man nur spekulieren und sie ist in meinen Augen ein totgeborenes Kind, es sei denn sie ist ein Manöver, um die Spielordnung auszutricksen.
    Und die Beziehungen zu den anderen Clubs in Lingen, die dem TuS helfen könnten, sin einfach schlecht: Angesichts der eigenen Erfolge (z. B. SV Holthausen-Biene, ASV Altenlingen, Olympia Laxten) sieht man wahrscheinlich keine Notwendigkeit, dem leidenden TuS zu helfen. So hart es klingt, aber ein Verschwinden des TuS könnten die anderen Fußballvereine der Stadt locker kompensieren. man beachte das Einzugsgebiet des TuS und den Geburtenrückgang. Die Lage ist prkär. Es wäre aber nicht der erste Tradionsverein in Deutschland den dieses Schicksal trifft:

    Denn genauso wenig wie „Geld keine Tore schießt“ (aktuell: RB Leipzig) „schießt auch Tradition allein keine Tore“ !

  3. Buggy said

    Gab es nicht vor wenigen Jahren einen großeren Geldbetrag für die Jugendarbeit des TuS von der Stadt? Was machen die denn da?

    • Percy said

      In Summe 80.000 Euro als städtischer Zuschuss, die in die Jugendarbeit des TUS Lingen gesteckt wurden. Ein Schelm, welcher Böses dabei denkt

  4. Rolf said

    Kaktus!!!

  5. Michael Keck said

    Der Verbleib der zweiten Seniorenmannschaft ist den Verantwortlichen doch egal – es geht denen leider doch nur um den Aufstieg der ersten Seniorenmannschaft.
    Deswegen finde ich es auch unfassbar, dass der TuS Lingen für die Fehler, die in den letzten Jahren gemacht worden sind, (keine Rücksichtnahme auf zweite oder dritte Jugendmannschaften etc.) durch den Verbleib der zweiten Seniorenmannschaft auch noch geschützt wird.
    Hätte man sich nämlich in den letzten Jahren z.B. um mehrere Jugendmannschaften gekümmert, hätte sich die Frage über den Verbleib der zweiten Seniorenmannschaft gar nicht erst gestellt.

    Letztlich ist es aber egal, wie man sich entscheidet bzw. entschieden hätte – denn selbst wenn die Reservemannschaft vom Spielbetrieb ausgeschlossen worden wäre, wäre der Abstiegskampf der 2. Kreisklasse Süd manipuliert worden, was den Verein ebenso unbeliebt gemacht hätte.

    Es ist schließlich kein Zufall, dass man nun mit einem Verein, der noch nicht mal im Bereich Emsland-Süd spielt, kooperieren muss.

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