Simone Schnase

3. Mai 2012

Die lange Zeit im Emsland tätige Journalistin Simone Schnase (Foto lks)  fährt nach Nürnberg. Für ihren Artikel „Die Emslandlager und ihre Folgen: Eine  Geschichte von 1933 bis in die Gegenwart“ wird sie dort am Freitag als zweite Preisträgerin mit dem Alternativen Medienpreis in der „Sparte Print“ ausgezeichnet.

In der Laudatio heißt es: „Eines hatte sich die bundesrepublikanische Gesellschaft jahrzehntelang fest vorgenommen: Es durfte nicht über die Verbrechen der Nazi-Zeit gesprochen werden, erst recht nicht über die eigene Beteiligung daran. Hinter diesem harmlosen Begriff, „nicht darüber sprechen“, verbarg sich häufig ein ziemlich rabiater Verdrängungsvorgang. Wehe, wer sich nicht daran hielt und trotzdem den Mund aufmachte!

Diesen Verdrängungsprozess stellt Simone Schnase für den Bereich der Emsland-Lager dar. Erschienen ist der Artikel im lokalen Städte- und Kulturmagazin „Emskopp“. Die Leserin, der Leser erfährt, Redakteure einer lokalen Tageszeitung haben aufgrund ihrer Aufklärungsbemühungen sogar ihren Job verloren. Thematisiert wird auch die Kriminalisierung ehemaliger NS-Häftlinge – in der Nachkriegszeit wohlgemerkt. Noch im Jahr 2004, als eine Hochschulschrift zum Thema präsentiert wurde, gab es feindselige Reaktionen.

Wir freuen uns, dass wir den Artikel „Die Emslandlager und ihre Folgen“ mit dem Alternativen Medienpreis in der Sparte Print auszeichnen dürfen, gibt er doch Einblick in die lokale Ausformung der sogenannten „zweiten Geschichte“ des Nationalsozialismus.“

Glückwunsch an die engagierte Simone Schnase, die  als „sisch“ inzwischen nur noch ab und zu beim Emskopp und arbeitet. Hauptberuflich ist Simone Schnase in der Bremer Redaktion der „Tageszeitung“ (taz) tätig. Daneben arbeitet sie auch für die Lingener Agentur Waehrt.

Der Alternative Medienpreis will Medienprodukte und Medienschaffende abseits des allgegenwärtigen Mainstreams aufspüren und auszeichnen. Der Preis wird jährlich an engagierte und kreative Redakteure und Redakteurinnen, Produzenten und Produzentinnen sowie Autoren und Autorinnen vergeben.  Es werden jeweils zwei Preise in den Sparten Print, Audio, Video und Web vergeben.

(Quelle 1, 2 – Foto: © waehrt.de)

Eine Antwort to “Simone Schnase”

  1. Josef Mudde van Duren said

    Darf ich mich den Glückwünschen an Simone Schnase anschließen?
    Staunend stelle ich fest, wie zahlreich man sich seit der Eröffnung des neuen DIZ nach Esterwegen begibt und alles auf einmal nachholen will, was verdrängt oder vergessen wurde. Der Ort war lange keine Pilgerstätte. Eine kritisch-moralische Auseinandersetzung mit dem Geschehen in den Emslandlagern erfolgte erst sehr spät, alle unbequemen Fragen unterlagen einer weitgehenden Tabuisierung. Lange nach 1945 gab es immer noch gläubige Nazis in einflussreichen Stellen und eine ausgeprägte Verdrängungsunkultur. Das gehört auch zur historischen Wahrheit, auf die Simone Schnase hinweist. Danke!!! Sie hat den „Alternativen Medienpreis“ verdient!
    Im DIZ wird übrigens an einigen Stellen auf die kollektive Verdrängung in Wort und Bild eingegangen. Das ist ehrlich, das tut gut. Esterwegen ist ein heikler, weil historisch kontaminierter Ort, das werden die Besucher erfahren. Hoffentlich bleibt es nicht bei einem Kurzbesuch. Das neue DIZ hat mit moderner Technik ausgerüstete Seminarräume. Es gibt noch viel Verborgenes zu erforschen.
    2010 habe ich mich anlässlich des 75. Todestages von Louis Schild mit seinem Schicksal intensiv beschäftig. Er starb in Esterwegen an den Folgen schwerer Misshandlungen. Da das DIZ damals noch nicht von Papenburg die neuen Räume in Esterwegen umgezogen war, habe ich im Kloster an der Gedenkstätte eine Ausstellung eröffnen können. Das Kloster ist ein Ort zum Innehalten, ein Besinnungsort. Es ist keine Anbetungsstätte nur für Christen. Vier Franziskanerinnen laden alle ein; auch kirchenferne Besucher sind in den öffentlich zugänglichen Räumen willkommen. Wer sich der „Hölle im Moor“ einmal nicht wissenschaftlich nähern möchte, sondern assoziativ und emotional, der kann im Raum der Stille seinen Zugang suchen.
    Josef Mudde van Duren

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