Ansicht

2. Mai 2012

Es ist das große Gemälde eines großen Malers. Die »Ansicht der Burg Bentheim von Nordwesten« von Jacob van Ruisdael. Meyers Konversationslexikon von 1888 beschreibt das Werk des Niederländers, der vollständig Jacob Isaackszoon van Ruisdael hieß, so:

„Ruisdael ist der größte holländische Landschaftsmaler und in Bezug auf Tiefe und Energie der poetischen Stimmung wie auf plastische Kraft der Darstellung einer der größten Landschaftsmaler überhaupt. Er hat die Landschaft zum Spiegel menschlichen Empfindens gemacht und zum ersten Mal die Geheimnisse der Naturseele enthüllt. Ruisdael hat die Motive zu seinen Landschaften zum Teil der Umgebung Haarlems, zum Teil den Holland benachbarten Gegenden Deutschlands wie der Grafschaft Bentheim entlehnt, wo er sich besonders in das Studium der Eichenwälder vertiefte. Unter dem Einfluss seines Freundes Allart van Everdingen hat er auch mit Vorliebe frei erfundene Wasserfälle mit den Eichenwäldern in Verbindung gebracht. Seine Landschaften sind sehr zahlreich (etwa 450). Besonders gut ist er in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister und im Berliner Museum vertreten.“
Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.

Heute vor genau einem Monat ist dieses Gemälde  in Bad Bentheim angekommen und im Beisein von Hausherr Prinz Reinhard zu Bentheim hängte der niederländische raumsichten-Künstler Willem de Rooij gemeinsam mit Restauratorin Ursula Reuther das Werk an seinen neuen Platz: In eine eigens entworfene und konstruierte Glasvitrine im Obergeschoss des renovierten Marstalls der Burg Bentheim.

Das Bild ist im Eigentum der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und wurde bis vor ungefähr einem Jahr im Kloster Frenswegen nahe Nordhorn ausgestellt. Jetzt ist es Teil des Kunstprojekts Raumsichten, das von Nordhorn nach Zwolle über die deutsch-niederländische Grenze reicht und jetzt in Richtung Süden hin zur Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen erweitert wird.

Der Vorschlag Willem de Rooijs, das um 1655 von Jacob van Ruisdaels geschaffene Ölgemälde im Innern der Burg Bentheim zu präsentieren, führte übirgens zu großen Restaurierungsarbeiten im Südflügel der Burg, dem ehemaligen Marstall. Im zweiten Geschoss entstanden dort neue Räume für künftige Ausstellungen und in einem dieser Räume stellt Willem de Rooij, seit einigen Jahren Professor für Freie Bildende Kunst an der Städelschule in Frankfurt/M., das Gemälde Ruisdaels neu zur Ansicht. Eine eigens produzierte Glasvitrine umhüllt das wertvolle Gemälde und gewährleistet ein gleichmäßiges Klima, UV-Schutz und Sicherheit.

Im weiteren Fortgang von de Rooijs mit »Residual« betitelten Beitrag für die grenzüberschreitende Skultpurenaktion raumsichten wird auch über ein Ruisdael-Stipendium nachgedacht. Mit dessen Hilfe könnten junge, internationale Künstler  die Gelegenheit bekommen, neue Arbeiten zu produzieren und sie ebenfalls in der Bentheimer Burg auszustellen.

6 Antworten to “Ansicht”

  1. ulrike said

    D a n k e ! Eine Wohltat für die Augen.

    Was anderes als blaue Plastikschafe.

    • Josef Mudde van Duren said

      Ja, das ist ein schönes Bild, volle kollektiver Sehnsuchtsmythen. Wer möchte nicht in dem kleinen Haus vor der Burg wohnen, im Eichwald Holz für den Ofen sammeln und abends bei Kerzenlicht in der Bibel lesen. Bilder können bezaubern, trösten, heilen, das Elend der Welt wegzaubern.
      Sehend kann man erleben, wie man in eine andere Welt entrückt wird. Und von den blauen Plastikschafen kann man sich so gut erholen.
      Josef Mudde van Duren

      • Tiger, T. said

        … und dann die Piraten wählen. Das is es!

        • ulrike said

          Ach , auch ich habe ja so gar keine Lust, mich von zeitgenössischen “ Künstlern “ mit schnell gepatschten Großformaten veräppeln zu lassen.
          Aber das darf ich nicht schreiben. Zumindest nicht hier. Weil mir ja das Verständnis fehlt.

          Deshalb schließe ich mich mal einfach Ihrer geschätzten Meinung an , ohne mich zu moderner “ Malerei “ zu äußern. Zumindest nicht ausführlich.
          Wie ich durchaus könnte Wenn ich wollte.

  2. Ich finde es blöd, die eine Kunst gegen die andere zu werten. Beides hat seine Daseinsberechtigung. Niemand muß moderne Kunst mögen, darf sie einfach doof finden. Aber traditionelle Kunst wird nicht besser durch den Vergleich mit moderner Kunst. Klassische Kunst hat ihren Wert auch ohne die sofortige Abwertung der „das-kann-doch-jedes-Kind“-Debatten, die häufig zu hören sind, wenn es um moderne Kunst geht.

    Für mich ist es möglich, mich an beidem zu erfreuen. Die ganze zeitgenössische Kunst einfach über einen Kamm als überflüssig zu verabschieden, finde ich ignorant.

    Beispiel Musik: Kann man nicht Beethovens Neunte schätzen und gleichzeitig mal richtig zu „Sheena is a punk rocker“ von den Ramones abrocken, danach „Here comes the sun“ von den Beatles hören und anschließend zu Prodigys „Firestarter“ wieder richtig in Fahrt kommen? Um mich als „wahren Kunstkenner“ zu proklamieren, finde ich es nicht nötig, eine Kunstrichtung gegen eine andere zu stellen.

    Nochmals betont: Wer moderne Kunst nicht mag, kein Thema, aber ich sehe nicht ein, dass bei der Bewunderung von etwas, das Sie mögen, gleichzeitig eine andere Kunst herhalten muß als „das ist was ganz anderes als dieser Kram da“. Dagegen wehre ich mich.

  3. Ich hab’s mir nochmals durchgelesen.
    „Ja, dann bin ich auch einer, ich habe mein Schlafzimmer rot und das Wohnzimmer blau gestrichen.“
    Wer weiß? Bauhaus hatte rot, blau und gelb neben schwarz und weiß als Farben für Möbel, Wände etc. 😉

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