oder?

6. April 2012

Mein Internetprovider hat mir eine E-Mail geschickt. Darin lese ich, man solle zu Ostern  statt Schokoladenhasen Zucker-Salz-Mischungen oder Schulhefte kaufen:

„Sie fragen sich jetzt bestimmt: Wer braucht zu Ostern Zucker-Salz-Mischung – und sind nicht Osterferien? Die Antwort finden Sie im UNICEF-Spendenshop. Für Kinder in Entwicklungsländern ist Zucker-Salz-Mischung das beste und preiswerteste Mittel gegen lebensbedrohlichen Durchfall.

Und Schulhefte sind für Mädchen und Jungen in vielen Ländern eine Kostbarkeit. Sie stecken zum Beispiel in der „UNICEF-Schule in der Kiste.“ Sie enthält Unterrichtsmaterial für 40 Kinder. So kann auch in Flüchtlingslagern und Notunterkünften mit ganz einfachen Mitteln Unterricht stattfinden. Familie und Freunde freuen sich zu Ostern nicht nur über Schokoladenhasen. Schenken Sie ihnen in diesem Jahr etwas ganz besonderes!

Im Spendenshop können Sie Geschenke für Kinder in Not gezielt aussuchen und den Betrag sicher und bequem online spenden. UNICEF sorgt dafür, dass das gespendete Produkt dort ankommt, wo es dringend benötigt wird. Mit der Online-Urkunde zum Ausdrucken – im Namen Ihrer Lieben – haben Sie schnell ein sinnvolles und außergewöhnliches Geschenk. Es hilft Kindern auch dann noch, wenn die Ostereier schon längst verspeist sind.“

Is‘ doch mal ’ne Idee, oder?

Virtuell

6. April 2012

Das Stadtschreiberamt ist ein lokaler Kulturpreis, der in rund 20 deutschsprachigen Städten vergeben wird. Den ersten bundesdeutschen Stadtschreiber gab es 1974 in Bergen-Enkheim. In Lingen (Ems) bemühte sich die Sozialdemokratin Ruth West jahrzehntelang vergeblich um einen Lingener Stadtschreiber; der Grund für das CDU-Nein dürfte darin gelegen haben, dass ein solcher Kulturschaffender auch Unangenehmes verfassen könnte. Nun, die Auszeichnung zum Stadtschreiber ist in der Regel mit kostenloser Wohnung sowie meist einer zusätzlichen kulturellen Aufgabe verbunden und meist auf ein halbes oder ganzes Jahr befristet.  Eigentlich geht  das Amt eines Stadtschreibers also mit der Pflicht einher, in der auszeichnenden Kommune auch zu wohnen.

Das ist im benachbarten Oldenburg ganz anders. Als einzige Stadt in Deutschland hat Oldenburg nämlich einen virtuellen Stadtschreiber. Der in Berlin lebende Schriftsteller Gregor Sander bloggt von März bis Dezember Literatur im Internet und lässt sich zu seinen Texten durch Informationen, die ihm medial vermittelt werden oder etwas in ihm auslösen. Das Oldenburger Literaturstipendium ist ein Kulturprojekt, das die Verantwortlichen im letzten Jahr mit dem Schriftsteller Tilman Rammstedt durchführten. Seinerzeit konnte eine große Leserschaft erreicht werden, denn das blogbuch-oldenburg wurde von Juli bis Dezember 2011 von 11.000 Besuchern aufgerufen. Mit der Vergabe dieses Literaturstipendiums setzt das Literaturbüro Oldenburg einen neuen Akzent der Schriftstellerförderung im bundesweiten Literaturbetrieb und schafft mit dem “Blogbuch Oldenburg” eine zeitgemäße Bühne. Z

2012 ist Gregor Sander (Foto lks) Stadtschreiber in Oldenburg. Seine literarische Laufbahn begann vor zehn Jahren.  Norddeutschland und insbesondere der Ostseeraum bildeten bislang die Kulisse für seine Erzählungen. Mit der Titelerzählung seines im Frühjahr 2011 erschienenen Erzählbandes Winterfisch reüssierte er 2009 beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und erhielt dort den „3sat-Preis“. Weil Oldenburg nahe der  Nordsee liegt, ist dies  für Gregor Sander Grund genug, sich jetzt mit dem Nordseeraum zu beschäftigen. Torf, Backsteine und Birken als auch die norddeutsche Begrüßung “Moin” hat er bereits in seinen Texten verarbeitet.

(Foto oben: Ruth West – Straßenschild in der Neuen Heimat © privat; Foto unten: Gregor Sander 2009 © Amrei-Marie, wikipedia CC)